“The Stone Farm”, ungewöhnliches Flair in Stadskanaal

Wurzerl fotografiert in 'The Stone Farm', NL

Ankommen in “The Stone Farm”, Stadskanaal in Groningen

Ende April 2025 kutschiert mich Erna de Wolff aus Moormerland nach Groningen zur Stone Farm. Der Garten steht aus 2 Gründen ganz oben auf meiner Wunschliste. “The Stone Farm” ist einer der vier Gärten, die seit einigen Jahren die Protagonisten der Groninger Blumenzwiebelroute sind und diesen habe ich noch nicht kennengelernt und vorgestellt. Ich schreibe am Ende dieses Gartenporträts die Links zu den drei anderen Gärten, damit Ihr die “Groninger Bloembollen Route 2026” komplett habt.

Der zweite Grund ist meine Neugier auf den Garten, der am 1. Januar 2025 von der “Nederlandse Tuinenstichting (NTs)”, einer unabhängigen Organisation, die sich für den Schutz, Erhalt und die Förderung von grünem Kulturerbe in den Niederlanden einsetzt, zum “Garten des Monats” ernannt wurde.

Spaziergang durch den vorderen Landschaftspark “The Stone Farm”

Erna de Wolff und ich erreichen “The Stonefarm” in Stadskanaal, südöstlich der Stadt Groningen am späten Vormittag. Ein “steinreicher” im Englischen Landschaftsstil angelegter Park erwartet uns.

Der Schnee, der den Garten mit seinem bemerkenswerten Baumbestand und seine großen prähistorischen Felsen in weiße Watte eingehüllt und so wunderschön weichgezeichnet hat, ist längst geschmolzen. Die frühen Geophyten, die den Garten vom Spätwinter bis in den Vorfrühling hinein bevölkern, sind inzwischen verblüht. Aber das verräterische Laub der Schneeglöckchenhorste und die Teppiche hübsch panaschierter Cyclamen-Blätter sprechen eine deutliche Sprache. Ach, wie gerne wäre ich gerade jetzt, Anfang Februar bei der Schneeglöckchenblüte dabei.

Anna und Tinus Scheltens begrüßen Erna und mich und bis ich mich versehe, sind die Drei auf Niederländisch fachsimpelnd mit den beiden Hunden in den 20.000 Quadratmetern des weitläufigen Parks unterwegs. Ich laufe noch einmal zum Eingangsbereich zurück, um dort einige Fotos zu machen. Denn auch der Straßenrand ist zwischen Steinformationen üppig bepflanzt. Dann laufe ich zum bewaldeten Wall und gehe den Panoramapfad hinauf und entlang, der mir einen wunderbaren Blick über das Wasser in die verschiedenen Sichtachsen des Parks eröffnet.

Breite Rasenwege mäandern, akkurat gemäht, durch den Park. Noch ungemäht sind einige große Inseln, die mir anhand der Blätter verraten, was da in Unmengen noch vor ein bis zwei Monaten geblüht hat. Ich liebe die Zeit, in der noch die letzten Frühlingszwiebeln wie Hyacinthoides hispanica, das Spanische Hasenglöckchen, und Camassia leichtlinii ‘Caerulea’, die Prärielilie, zusammen mit weiteren Stinzenpflanzen den bunt blühenden Unterbewuchs der Gehölze bilden, die sich gerade mit maiengrünem neuen Laubkleid geschmückt haben.

Rhododendren, Cercis, Viburnum, Cornus, Obst- und andere Bäume bringen jetzt den Landschaftspark zum Strahlen. So wird den teilweise großen Findlingen, der Größte wiegt ca. 15 Tonnen, ein zartes Blütenmeer entgegengesetzt. Dieser starke Kontrast ist vielleicht nicht jedermanns Geschmack. Steinfreunde, wie ich es bin, sind jedoch fasziniert von der individuellen, besonderen Ausstrahlung des Parks.

Genial finde ich die Idee, den Findlingen mancherorts eine Steinskulptur hinzuzufügen. Es sind Exponate wie Götter, Torsos oder Jungfrauen, die an klassische Gärten erinnern.

Ich befinde mich gerade im nördlichen Pendant zu meinem eigenen Garten. Ich wohne auf der letzten Endmoräne Oberbayerns. “The Stone Farm” liegt dagegen im Endmoränengebiet Groningens. Die Bauern der Umgebung wissen genau, wen sie verständigen, wenn sich auf ihrem Acker wieder einmal ein großer Stein nach oben gearbeitet hat. Das passiert genauso, wie sich Steine auch wieder verabschieden und ins Erdreich hinein abtauchen. Das erleben die weiß strahlenden Kaffeekannen und Tassen sicher nicht. Warum bin ich wohl gar nicht irritiert, hier diese stattliche Sammlung vorzufinden?

Es dauert eine Weile, bis ich mich neben den Stauden, Steinen, Kaffeekannen-Dekorationen und den Skulpturen, wieder auf die interessanten Bäume konzentrieren kann. Die Araukarie, die unmittelbar hinter einem blühenden Blumenhartriegel steht, weckt mich elektrisierend auf. Gerade unter den Nadelbäumen entdecke ich viele seltene Kostbarkeiten. Und dann stehe ich plötzlich vor Anna und Tinus Scheltens, die immer noch mit Erna ins Gespräch vertieft sind. Ich nutze die Begegnung, um die Drei im Foto festzuhalten. Die beiden kleinen Parkwächter interessieren sich leider nicht für mein Mini-Shooting.

Der Schattengarten mit dem Cyclamenpfad und der Apfelgarten

Ich habe den Landschaftspark fertig durchquert und stehe unmittelbar vor dem Grundstücksende. Jetzt gilt es, sich zu entscheiden. Laufe ich weiter den breiten Rasenweg, diesmal am Grundstücksende entlang, oder wende ich mich erst nach rechts, um in den schmalen Waldweg hineinzugehen? Eigentlich müsste ich auf den Abstecher in das Wäldchen verzichten, ich habe nur noch 25 Minuten Zeit bis zur Abfahrt!

Gerade noch rechtzeitig entdecke ich das Holzschild “Cyclamenpad”. Da muss ich hin, auch wenn ich weiß, dass die Blühzeit der kleinen Alpenveilchen bereits vorüber ist. Ich bin mir jedoch sicher, dass ich anhand der Blätter eine Vorstellung davon bekommen werde, wie es zur Vorfrühlings- oder Herbstblüte hier aussieht.

Ich werde nicht enttäuscht, große Teppiche mit unterschiedlich panaschierten Cyclamenblättern erinnern an das beeindruckende Alpenveilchen-Fest, das natürlich zum Programm der Groninger Blumenzwiebelrundreise gehört.

Jetzt muss ich mich aber wirklich sputen. Der Grasweg führt jetzt tatsächlich durch einen reinen Halbschattenbereich. Das heißt, ich laufe vorbei an einem Meer von bimmelnden Hasenglöckchen, garniert mit Rhododendronblüten, einigen späten Schneeglöckchen, frühen Bergenien und immer wieder Inseln oder Beet-Abgrenzungen mit Narzissen-Gruppen. Zwischen den Geophyten spitzen im wahrsten Sinne des Wortes schon die ersten Blätter der Hostasammlung heraus.

Dann öffnet sich der Park wieder zum sonnendurchfluteten Garten und zeigt, was er alles kann. Die schmückenden Zutaten, wie ein kleiner Teich oder eine freundliche, hellvanillegelbe Ruine, bereichern den Park. Sie tun das aber mit der gebotenen Zurückhaltung und stehlen den vielen verschiedenen Pflanzen im Park niemals die Schau. Eine Ruine ist in einem historisch nachempfundenen Englischen Landschaftspark keine Seltenheit. Die pittoresken Zutaten, in Großbritannien nennt man sie “Follies”, sind hier sparsam und die Szenerie belebend, eingesetzt. Obwohl ich in einem englisch inspirierten Garten unterwegs bin, irritiert mich der englische Parkname “The Stone Farm” mehrmals. Erst als ich erfahre, dass die “steinreiche” Familie früher englische Schafrassen züchtete, wird der Name für mich stimmig.

Ein neues Garten-Element erreiche ich auf dem Rückweg zum Haus und damit auch zum Ausgang. Es ist ein großer Apfelgarten, der allein 1400 qm groß ist. Er ist als überdimensionale Streuobstwiese angelegt, der im Vorfrühling mit einem Riesenteppich aus Schneeglöckchen und Krokussen aufwartet. Ob ich es jemals schaffe, während dieser Zeit die Groninger Blumenzwiebelroute zu bereisen, Lust dazu hätte ich allemal.

Für die Gewächshäuser, die Hausterrasse und den Nutzgarten habe ich leider keine Zeit mehr. Aber Erna de Wolff hat daran gedacht, mit dem Ehepaar Scheltens das kleine Garteninterview zu machen. Auch wenn die Unterhaltung in Niederländisch geführt wird, so lohnt es sich doch, mit einem kleinen Klick auf das Video, die beiden Pflanzen- und Steine-Sammler kennenzulernen.

Liebe Anna und Tinus, ich möchte Euch ganz herzlich für Eure Gastfreundschaft danken und für die Erlaubnis, dass ich Euren wunderbaren Park in Wurzerlsgarten vorstellen darf.

Es ist Zeit Abschied zu nehmen. Das letzte Wort soll aber Anna und Tinus gehören. Unter dem Fenster des Schuppens steht folgendes zu lesen:

“In dieser verrückten Welt ist dies der Mittelpunkt!”

“In deze gekke wereld, is hier het middelpunkt!”

“The Stonefarm”, Anna und Tinus Scheltens

Adresse: Zijdstukkerweg 7, NL 9501 LB Stadskanaal, Groningen, Niederlande

Kontakt: Tel. 0034 599 612203, E-Mail: tinus.anna@stonefarm.nl

Info: www.stonefarm.nl

Der Beginn der Groninger Blumenzwiebelroute 2026 – die Schneeglöckchentage – die späteren Öffnungen siehe: https://www.hettuinpadop.nl/ unter Gartentermine.

Vier begeisterte Garteninhaber in Groningen öffnen in einem gemeinsamen Projekt ihre Gartentore in der Vorfrühlingszeit 2026.

Am letzten Sonntag, 22.02.2026, im Februar, am ersten Sonntag, 01.03.2026, im März, sowie am zweiten Sonntag, 08.03.2026, im März, ist von 11 – 17 Uhr der Schneeglöckchensonntag. Galanthus-Interessenten können die blühende Pracht der Blumenzwiebeln in den für Besucher geöffneten Gärten genießen und bewundern. Die vier Gärten sind sehr unterschiedlich in Design und Atmosphäre. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. An anderen Tagen sind die Gärten nach Vereinbarung zu besuchen, bitte dann dringend Kontakt aufnehmen. Die teilnehmenden Gärten sind:

Erstens: ‘The Stonefarm’, Anna en Tinus Scheltens, Zijdstukkerweg 7, 9501 LB Stadskanaal, Tel. +31(0)599-612203, E-mail: tinus.anna@stonefarm.nl, www.stonefarm.nl. Auf 20000 qm wird die Schneeglöckchensammlung präsentiert.

Zweitens: ‘Jan Wilde een Tuin’, Jan Willem Steenweg, Ontsluitingsweg 7, 9678 TE Westerlee, Tel. +31(0)597-414462, E-Mail: janwildeeentuin@yahoo.nl Dieser abwechslungsreiche, farbenfrohe Garten bietet auf seinen 8000 qm auch viel Platz für den Waldgarten mit Schneeglöckchen und Schattenpflanzen. Link zur Gartenvorstellung: https://www.wurzerlsgarten.de/internationale-gaerten/elfen-benjeshecken-und-kunst-jan-wilde-een-tuin/

Drittens: ‘Tuinfleur’, Rika en Pieter van Delden, Nieuweweg 34, 9682 RM Oostwold, Tel. +31(0)597-551383, E-mail: tuinfleur@planet.nl. www.tuinfleur.nl. 150 verschiedene Schneeglöckchen erwarten den Besucher bei Rika auf 6000 qm Garten. Link zur Gartenvorstellung:
https://www.wurzerlsgarten.de/internationale-gaerten/tuinfleur-rika-van-delden-oostwold-fruehling-2024/

Viertens: ‘WubsBos’, Jannie Bos, St. Vitusholt 86, 9673 AK Winschoten, Tel. + 31(0)597-420896, E-mail: info@wubsbos.nl. www.wubsbos.nl. Auf 1700 qm sind die Schneeglöckchen in der Waldschlucht des Gartens zu finden. Link zur Gartenvorstellung:
https://www.wurzerlsgarten.de/internationale-gaerten/wubsbos-die-waldschlucht-von-jannie-bos-winschoten/

Zusätzliches Schneeglöckchenarrangement 2026

Für echte Galanthus-Freaks, die eine weitere Anreise mit Übernachtung in Groningen planen und nicht besonders ortskundig sind, haben sich die vier Gärten etwas Besonderes einfallen lassen:

Am 24.2.26 (Dienstag) und 25.2.26 (Mittwoch) bieten die Gartenbesitzer echten Schneeglöckchenliebhabern einen Besuch in allen 4 Gärten an. Die Reise von Garten zu Garten erfolgt in Begleitung eines Gartenbesitzers. Es gibt in den Gärten Kaffee, Schneeglöckchengebäck, Lunch und mehr. Dieses einmalige Arrangement kann ausschließlich nach Anmeldung erfolgen.

Weitere Informationen geben Rika und Pieter van Delden auf Ihrer Website zum Stichwort “Schneeglöckchenarrangement”.
https://www.tuinfleur.nl/schneeglockchenarrangement%202026.html

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