30 Jahre SARASTRO Stauden und neue Betriebsleitung in Ort/Innkreis

Ornithogalum ponticum sochi und Nepeta grandiflora x racemosa 'Blue Danube' in der Gärtnerei SARASTRO-Stauden in Ort/Innkreis

Ornithogalum ponticum sochiNepeta grandiflora x racemosa ‘Blue Danube’ (Blaue Donau) die Nepeta ist eine eigene Züchtung von Christian Kreß

Ankommen in der Staudengärtnerei SARASTRO bei Christian Kreß und Katharina (Kata) Wallace

Ulrike Aljets und ich sind urlaubsreif! Nach unserer ausgiebigen Österreich-Tour, mit Abstecher nach Ungarn, in der wir täglich zwei bis vier Gärten und Gärtnereien besucht haben, erreichen wir unser endgültig letztes Ziel der Reise, die Staudengärtnerei SARASTRO in Ort/Innkreis. Wir sind im Innviertel, Oberösterreich, unweit der deutschen Grenze, angekommen.

Der Eingangsbereich ist die individuelle “Visitenkarte” des Staudengärtners Christian Kreß.

Im Januar 2021 war “SARASTRO Stauden” tatsächlich die allererste Gärtnerei, die ich in Wurzerlsgarten vorgestellt habe. Das Vorhandensein des Schaugartens, der sich an manchen Stellen übergangslos in die Verkaufsflächen schmuggelt, hat für mich damals die Qualitäts-Latte für zukünftige Gärtnerei-Besuche sehr hoch gelegt. Denn ein Schaugarten vervielfacht das Einkaufserlebnis in einer Gärtnerei.

Bevor ich mich mit diesem Beitrag befasse, schaue ich mir noch einmal meine erste Vorstellung der Staudengärtnerei SARASTRO an. Es gibt so viel Neues zu berichten und ich möchte mich in Bezug auf Christian Kreß und den Schaugarten auf völlig neue Aspekte konzentrieren, so dass ich Euch bitte, diesen Beitrag anzuschauen, wenn Ihr ihn noch nicht kennt, damit ich mich nicht mit bekannten Fakten wiederholen muss. Es wird – ACHTUNG – sowieso viel zu viel Text mit neuen Informationen!

https://www.wurzerlsgarten.de/internationale-gaerten/staudengaertnerei-sarastro/

Bei zwischenzeitlichen Besuchen bemerkte ich, dass der Schaugarten immer größere Ausmaße annimmt. Schließlich begann Christian mit einem Sandbeet zu experimentieren. Als er mir erzählt, dass im September 26 das 30-jährige Bestehen der Staudengärtnerei und die Übergabe der Betriebsleitung an seine Tochter Kata Wallace gefeiert wird, füge ich SARASTRO Stauden auf meiner geplanten Juni-Reise nach Österreich noch als letztes Ziel hinzu.

Ein Teil des eigenwilligen SARASTRO Schaugartens befindet sich gleich rechts vom Eingangsbereich.

30 Jahre SARASTRO Stauden und die Betriebsübergabe an Christians Tochter Kata

Christian Kreß und seine Tochter Katharina (Kata) Wallace, die später noch einen Termin hat, gehen mit uns nach einer kurzen, herzlichen Begrüßung zu einem Sitzplatz mitten in der Gärtnerei, um mit Ulrike Aljets das Video zu machen, das ich Euch gleich zeigen möchte. Macht den Ton bitte laut und klickt einfach auf das Bild:

Man merkt im Video, da sind zwei Staudengärtner, zwei Generationen – Vater und Tochter – die harmonisch an einem Strang ziehen. Mit großem, gegenseitigem Respekt gehen sie achtsam, auf Augenhöhe, miteinander um. Kata erzählt im Video kurz über ihre berufliche Vita und kann wirklich stolz auf ihren Werdegang sein.

Gestern bekam ich das September-Heft von “Mein Schöner Garten” in die Hand. Die Redakteurin Silke Eberhard verfasste, passend zu den wunderbaren Fotos von Marion Nickig, eine kleine Laudatio zu “30 Jahre Leidenschaft für Stauden”. Ich möchte sie gern zitieren:

“Gäbe es so etwas wie einen Oscar für Gärtner und Gärtnereien, würde Christian Kreß dieses Jahr einen erhalten – und zwar den für sein Lebenswerk. Schließlich widmet er sich seit 30 Jahren der Vermehrung, Züchtung und Verbreitung von wunderschönen Stauden.”

Ich persönlich glaube, dass Christian sein Lebenswerk noch lange nicht als beendet ansieht. Aber nach dreißig Jahren eine florierende Staudengärtnerei in jüngere Hände legen zu können und zu wissen, dass es die eigene Tochter ist, die das Werk ihres Vaters schätzt und bejahend in seine Fußstapfen tritt, das ist in der heutigen Zeit ein Geschenk, ja schon fast ein kleines Wunder. Gedanken haben sich die Beiden sicher mehr als genug gemacht und als ich diese drei Bilder im Foto-Archiv betrachte, ist mir klar, die müssen jetzt genau hierher.

Ich wünsche auf jeden Fall Vater und Tochter ein gutes, künftiges Zusammenwirken. Vielleicht wird sich Christian wieder öfter auf Reisen begeben, ist doch die Gärtnerei bei Kata in den besten Händen. Aber ich habe den leisen Verdacht, dass es zwei Punkte gibt, für die sich der Seniorchef künftig in der Staudengärtnerei mehr Zeit als bisher nehmen wird. Das ist das Experimentieren mit neuen Pflanzen im neuen Schaugarten und vielleicht wird auch die Liste eigener Auslesen und Züchtungen bald zunehmen.

Vielleicht gibt es irgendwann auch wieder Neues aus dem Bereich: “Botanisches Fachbuch” zu lesen? Ich würde zu gerne irgendwann einen opulenten Bildband in der Hand halten, mit spannenden, unterhaltsamen und gleichzeitig lehrreichen Beiträgen von Christians ausgedehnten Reisen und Expeditionen rund um die Welt.

Die 2. aktualisierte Ausgabe des Buches: “Meine Welt der Stauden” – Eine Liebeserklärung an blühende Beete und ans Gärtnern – finde ich nach wie vor aktuell und lesenswert. Ihr kennt das Buch noch nicht? Dann schaut Euch gerne die Buchrezension dazu an.

https://www.wurzerlsgarten.de/buecher-schatzkiste/meine-welt-der-stauden/

Sehr persönlich und liebenswert finde ich das Buch: “Liebe Pamina, hallo Papageno!” Briefe eines Staudengärtners, in dem man immer wieder nachlesen und schmunzeln kann. Darum habe ich mich auch riesig gefreut, als mir Christian Kreß 1 Exemplar dieses Buches, für mein eigenes Website-Jubiläum gespendet hat. Genau in einer Woche feiere ich 6 Jahre Wurzerlsgarten und dort lest Ihr dann auch, wie Ihr dieses Buch von Christian gewinnen könnt. Vorab habe ich auch hier den Link zur Buchrezension:

https://www.wurzerlsgarten.de/buecher-schatzkiste/liebe-pamina-hallo-papageno/

Der neue Teil des Schaugartens von SARASTRO Stauden

Bevor ich in den neuen Bereich des Schaugartens gehe, suche ich nach Christian, um mich mit ihm kurz auszutauschen. Ich finde ihn, wie meist, direkt bei der Arbeit. Er bestätigt mir, dass alles, was er im Vorfeld zu meinem ersten Beitrag über SARASTRO Stauden gesagt hat, nach wie vor Gültigkeit hat.

Dann schlendere ich langsam durch den Verkaufsbereich nach hinten. Nur wenige Gehölze befinden sich auf dem Verkaufsgelände. Vor dem Schaugarten und innerhalb desselben gibt es einige Baum- und Strauch-Gruppen, in der Peripherie schützt ein lockerer Gehölzgürtel das Areal. Ich laufe direkt auf den auffallenden Acer platanoides ‘Drummondii’ zu, einen panaschierten Ahorn, der unmittelbar am Weg wächst. Seine untersten Äste auf der rechten Seite winken mich weiter, bis zum gemauerten Eingang des alten Schaugartens.

Ich bat Euch schon anfangs, Euch den ersten Beitrag, in dem ich den alten Schaugartenteil zeigte und beschrieb, zu Gemüte zu führen, denn heute biege ich sofort nach rechts ab und beschäftige mich ausschließlich mit dem neuen Schaugarten. Während Christian im alten Teil seinen Kunden schöne Stauden im richtigen Habitat zeigen wollte und großen Wert darauf gelegt hat, dass es immer wieder Ruheplätze und Sitzmöglichkeiten zum Relaxen gibt, ist der neue Garten zwar auch dazu da, der Kundschaft möglichst viele Stauden im adulten Zustand und in mehreren möglichen Kombinationen zu zeigen, aber, Christian braucht jetzt auch eine “Spielwiese”, pardon, ein “Experimentierfeld”. Genau das hat er mit seinem großen Sandbeet gefunden.

Großzügig bemessene Rasenflächen mäandern durch den neuen Gartenteil. Es gibt keinen verdichteten Boden, keine Wege oder Terrassenpflaster. Der Rasen hat eine Multifunktion als Spazier- oder Arbeitsweg, für mobile Sitzmöglichkeiten, aber, er bringt auch die nötige Ruhe in dieses Experimentierfeld und lässt die Beet-Inseln plastisch hervortreten und dadurch stärker wirken. Der Naturschutz findet hier sichtbar für Jeden im Übergangsbereich des alten und neuen Schaugartens statt. Mir gefallen die Benjeshecke und die Brennnesselkolonie dahinter, (in Naturzertifizierungsbögen als “Wilde Ecken” ausgewiesen), sehr gut, deuten sie doch darauf hin, dass es hier auch in Zukunft viele Schmetterlinge und andere Insekten geben wird. Im Schaugarten wird auch nicht gegossen, das Ökosystem in der Gärtnerei funktioniert offensichtlich gut.

Angelica archangelica, Arznei-Engelwurz – Aegopodium podagraria ‘Gold Marbled’, panaschierter Giersch – Nepeta kubanica, Katzenminze

Ziemlich am Grundstücksende des neuen Schaugarten-Teils entdecke ich eine überdimensionale, schwarze Uhrscheibe. In den Augen von Christian Kreß symbolisiert das Ziffernblatt ohne Zeiger sein Bestreben, eine zeitlose, ungezwungene und trendlose Pflanzenverwendung an diesem Ort zu demonstrieren. Es reizt ihn Konventionelles und Alltägliches miteinander zu verknüpfen. Gräser sind eine wichtige, verbindende Zutat und werden großzügig verwendet. Der Staudengärtner möchte nicht kopieren, sondern ist immer auf der Suche nach neuen, zeitgemäßen Kompositionen, die nicht nur optisch ansprechend sind, sondern sich auch bei den unterschiedlichen Wetterkapriolen zu Zeiten des Klimawandels bewähren. Auf diese neuen Herausforderungen hin, beobachtet Christian seine neuen Sorten so lange, bis er sie für besser hält als eine eingeführte ähnliche Staude. Erfüllt seine Selektion diesen Anspruch nicht, kommt sie nicht in die Vermehrung. Umgekehrt achtet er bewährte, alte Staudenschätze und versucht, wichtige Sorten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Für die Gartenkultur und Biodiversität ist das auf jeden Fall ein Gewinn.

Knautia macedonica, Knautia arvensis und Galega x hartlandiiCicerbita grandiflora, seltene Lattichart – Salvia nemorosa ‘Caradonna’ und Orlaya grandiflora

Nun stehe ich vor dem Sandbeet. Von der Zeit her könnte es doch schon mehr zusammengewachsen sein? Mein Giersch- und Windenproblem habe ich nur eindämmen können, indem ich wirklich dicht auf dicht pflanzte. Ich weiß nicht so recht, gefällt mir das jetzt, oder nicht? Als ich Christian im Messenger anschreibe und nach der Sandbeet-Gestaltung frage, habe ich das Glück, dass bei SARASTRO Stauden Betriebsurlaub ist. Prompt klingelt das Telefon. Christian lacht und versichert mir, dass seine “normalen” Beete auch weiterhin konservativ dicht an dicht bepflanzt werden. Das Sandsteppenbeet ist für ihn aber das Experimentierfeld schlechthin. Ich werde nachdenklich als Christian sagt: “Ich habe im Sandbeet lockerer gepflanzt, damit der Sand besser zur Geltung kommt”. Pah, da hätte ich aber selbst daraufkommen können. Christian, ein großer Freund von Stein- Alpin- und Spaltengärten, der von so manchem Stück Fels genauso schwärmen kann, wie von einer alpinen Staude, er weiß, was zu einem authentischen, ästhetischen Habitat dazugehört und wie man das naturnah in Szene setzt.

Das Sandbeet im Schaugarten von SARASTRO STAUDEN

Beschämt hole ich das Bild mit viel Sand im Vordergrund aus dem Foto-Archiv und stelle es in meinen großen Bildschirm ein. Ich schaue mir das Foto an. Nach ein bis zwei Minuten beginnt es zu “leben” und scheint sich zu “bewegen”. Das wäre nicht denkbar, wenn die Stauden nicht diese “optische Luft” und die Sandflächen in ihren Zwischenräumen hätten. Im modellierten Sand entdecke ich bei längerer Betrachtung eine zunehmende Dynamik. Gräser, Artemisia, Gaura, Salbei und andere grazile, mittelhohe Stauden schmiegen sich in die kaum wahrnehmbaren Kuhlen des Sandes, um sich an höheren Stellen wellenartig durch das Beet zu lavieren. Dieses Areal besitzt eine anmutige Natürlichkeit, ja, tatsächlich eine “Landschaftsästhetik”, die Christian wohl auf seinen zahlreichen, weltweiten Exkursionen mehrfach gesehen, im Gedächtnis abgespeichert und mitgebracht hat.

Wir telefonieren erneut. Ich habe viele Fragen. “Orientierst Du Dich bei der Gestaltung dieses Sandbeetes völlig auf die Natur? Ich stelle es mir fantastisch vor, wenn Du besondere Pflanzen in einer Halbwüste oder im Gebirge entdeckst, da gibt es ja auch keine geschlossenen Pflanzungen.” Christians lapidare Antwort: “Stimmt voll!”. Ein Beet, das nicht dicht zugepflanzt ist, bedeutet mehr Arbeit, denn es gibt immer Beikraut, das die offenen Sandflächen okkupieren möchte, aber genau das würde die Dynamik und Ästhetik im Beet eindämmen. Die offenen Sandflächen sind inzwischen auch von Insekten als Niststellen angenommen worden. Immerhin sind 75 % der Wildbienen auf offene Bodenflächen, eben hauptsächlich Sand, angewiesen. Interessant ist Christians Äußerung, dass er im Sandbeet inzwischen “Blackbox Gardening” betreibt, Hauptsache das Zusammenspiel der Pflanzen mit der modellierten Sandfläche funktioniert weiter so großartig wie jetzt.

Der Staudengärtner Christian Kreß auf Reisen

Hätte Christian zu Zeiten von John Tradescant dem Älteren (1577–1638) oder Jüngeren (1608–1662), von Sir Joseph Banks (1743–1820), oder Alexander von Humboldt (1769–1859) & Aimé Bonpland (1773–1858) gelebt, stünde er heute wohl als erfolgreicher, historischer Pflanzensammler und Entdecker in den Botanik-Annalen verzeichnet.

Schon während seiner Lehrjahre reiste Christian und entwickelte dabei ein erstes Gespür für ein Konzept von “Gärtnereien als Wohlfühloasen”. Dabei wollte er eigentlich Orchideengärtner werden und hauptsächlich ihretwegen in die exotischen Ecken unserer Welt reisen. Was kam dazwischen?

In eigenen biografischen Rückblicken und seinem preisgekrönten Werk “Meine Welt der Stauden”, aber auch in der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin findet sich in der Anekdote: “Der Mofa-Zufall und die Initialzündung” der Schlüssel für Christians gärtnerischen Werdegang und seine Leidenschaft zu Stauden:

Während seiner Gärtnerlehre unternahm er einen Ausflug mit seinem Mofa durch das Markgräflerland südlich von Freiburg. Rein zufällig geriet er dabei auf das Gelände der Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin in Sulzburg-Laufen. Schon damals war die Gärtnerei weltberühmt für ihre enormen Iris- und Staudenfelder, die von der Gründerin Helen von Stein-Zeppelin aufgebaut worden waren. Der Anblick der schier endlosen, bunt blühenden Mutterpflanzenquartiere und die ungeheure Vielfalt derselben, bedeutete für ihn ein Erlebnis, dass ihm sprichwörtlich die Augen ausfielen. Dieser unerwartete Besuch wirkte auf den jungen Lehrling wie eine Initialzündung. Bis zu diesem Tag hatte er die Staudenwelt in ihrer vollen Breite noch gar nicht erfasst. Die überwältigende Pracht bei Zeppelin prägte seinen gesamten weiteren Lebensweg und entfachte die tiefe Liebe zu den Winterharten, die ihn später selbst zu einem der renommiertesten Staudenzüchter Europas machen sollten.

Früh zog es also Christian in die Ferne, um Menschen, ihre Kulturen und die Natur in ihren unterschiedlichen Lebensräumen kennenzulernen. Das Botanisieren in der freien Wildbahn lehrte ihn, wie Pflanzen ohne menschliches Zutun in perfekter Ästhetik zusammenleben. Genauso wichtig war für ihn das Studium Botanischer Gärten, Parks und privater Gärten und die Möglichkeit dabei neue Kontakte zu Staudengärtnern zu knüpfen. Darum reiste er ab den 1980er Jahren regelmäßig nach Großbritannien. Es folgten Reisen zu Naturstandorten auf der ganzen Welt.

Beyşehir Gölü, größter Süßwassersee der Türkei in Zentralanatolien.

Beyşehir Gölü, größter Süßwassersee der Türkei in Zentralanatolien. (dieses Beispielfoto ist von mir und stammt nicht von Christians Expeditionen)

Dank der ausgeprägten Reiselust und Entdeckerfreude gelang es ihm, weltweit in zahlreichen Ländern und Regionen, Stauden an ihren Naturstandorten zu studieren und neue Pflanzen für die Gartenkultur zu entdecken. Die botanischen Expeditionen führten den umtriebigen Staudengärtner unter anderem in die Mongolei, Kirgisistan, Türkei, Iran, Indien, Nepal, Syrien und Sri Lanka in Asien. In Afrika botanisierte er in Ägypten und Südafrika. Die USA, Mexiko und Ecuador waren seine Ziele in Amerika. Sogar nach Neuseeland führte ihn seine Entdeckerlust. Auf vielen Reisen innerhalb Europas kam zur Lust des Botanisierens auch die Möglichkeit dazu, sich intensiv mit den Gärtnern vor Ort auszutauschen.

Eigene Staudenzüchtungen und -selektionen von Christian Kreß

Parallel zu seiner ausgeprägten Reisetätigkeit baute er seine eigene Staudengärtnerei SARASTRO Stauden auf. Die Gärtnerei verdankt ihren Namen der vielleicht bis heute wichtigsten Züchtung von Christian Kreß, der Campanula ‘Sarastro’. Interessant finde ich die Interpretation Christians zu “seiner” Glockenblume:

“Ich benannte sie in Anlehnung an den Hohepriester Sarastro aus Mozarts Zauberflöte, der weltberühmten Oper und Singspiel, welcher sich anfänglich als böser, unnachgiebiger Herrscher (Nesselblättrige Glockenblume sät sich wie wild aus, die Punktierte Glockenblume wuchert ungemein, beides ungezähmte Wildarten, wenig gartenwürdig!), danach aber als guter Geist verwandelte (Glockenblumenhybride aus beiden entstand ‚Sarastro‘, sehr gartenwürdig)! Die Blüten sind im Gegensatz zu ihren Kreuzungspartnern steril und sie wächst horstig. Wir fanden diese Sorte vor allem in ihrem Aussehen so markant und ausdrucksstark, dass wir sogar unserer Staudengärtnerei ihren Sortennamen gaben und in weiterer Folge das Firmenlogo mit dem Namen registrieren ließen.”

Campanula 'Sarastro' im Topfgarten neben dem Gewächshaus von Sarastro Stauden

Campanula punctata var. hondoensis x trachelium ‘Sarastro’

Nachdem ich die lange Liste der Pflanzen, auf der Website von “Sarastro-Stauden”, die von Christian Kreß gezüchtet, selektiert, ausgelesen, oder eingeführt worden sind, durchgesehen habe, reizte es mich, eine kleine Aufstellung zu machen, mit den Stauden, die ich für besonders interessant erachte:

Unangefochten auf Platz 1 ist selbstverständlich die Züchtung Campanula punctata var. hondoensis x trachelium ‘Sarastro’ die auch international hoch bewertete Namensgeberin der Gärtnerei. Diese charakterstarke, imposante Beetstaude bekam bei den Gartentagen 1997 in Bingerden/NL den Preis “Außergewöhnlichste Staude”. 2009 wurde sie in Chicago zur besten Glockenblume für Beete weltweit gekürt.

Ornithogalum ponticum sochi und Nepeta grandiflora x racemosa 'Blue Danube' in der Gärtnerei SARASTRO-Stauden in Ort/Innkreis

Nepeta grandiflora x racemosa ‘Blue Danube’, Eigenzüchtung von Christian Kreß, hinter Ornithogalum ponticum sochi

2. Nepeta grandiflora x racemosa ‘Blue Danube’, diese kompakte Katzenminze mit reicher Blüte ist eine Eigenzüchtung. Ich war sehr beeindruckt, als ich sie im Schaugarten von Sarastro-Stauden fotografierte. In der internationalen Staudensichtung wurde sie mit drei Sternen als vorzügliche Sorte eingestuft. Kein Wunder, dass auch sie inzwischen in vielen Ländern verbreitet ist.

3. Zwei Monarden, Monarda ‘Tante Polly’ und ‘Rebecca’ möchte ich nennen, da Kreß hier den Schwerpunkt verfolgt, Monarden mit Mehltau-Armut zu züchten.

4. Lythrum salicaria ‘Silberreiher’ ist eine reinweiße Auslese des heimischen Blutweiderichs, die mir persönlich sehr gut gefällt. Die Samen fallen allerdings wieder in die Farbe der Wildart zurück.

5. Bei Geranium maculatum ‘Schokoprinz’ zeigt sich das ästhetische Gespür von Christian in Bezug auf ungewöhnliche Blattwirkungen sehr deutlich.

6. Amsonia ‘Eleanor’ ist eine interessante Kreuzung aus A. illustris und A. hubrichtii und für mich zukunftsweisend. Die ausgesprochen schöne Staude blüht relativ spät und verbindet die enorme Trockenheitsresistenz und feine Beblätterung von A. hubrichtii mit dem strafferen, etwas höheren Wuchs von A. illustris. Auch für Christian ist diese Amsonia bestimmt wichtig, hat er sie doch nach seinem Enkelkind, Katas Tochter Eleanor Ruth, benannt.

7. Sedum rupestre ‘Angelina’ ist international verbreitet und sicher eine der auffälligsten Sedum-Sorten überhaupt. Diese Auslese stammt aus dem Garten von Angelina Petrisevac in Kroatien und wurde von Christian nach dem Vornamen der Gartenbesitzerin benannt.

8. Phlox paniculata ‘König Drosselbart’ ist in seiner Farbkonstellation einzigartig, dazu kleinblumig und gesund.

9. Sanguisorba ‘Scapino’ gehört zu den Auslesen, die in der Staudensichtung mit “sehr gut” bewertet wurden.

10. Sempervivum ‘Ankogel’, dieses “Wurzerl” darf in meiner Aufzählung natürlich nicht fehlen. Dunkelrote, behaarte Rosetten, machen diese Hauswurz, die in einem Garten in Mallnitz/Oberkärnten gefunden wurde, so besonders.

11. Helianthus ‘Shanya’ wurde bei Sarastro Stauden aus einem Sämlingsbestand selektiert. Die Kombination aus dunklen Stängeln und hellgelben Blüten wirkt besonders. Dieser Solitär-Eyecatcher blüht außergewöhnlich lange von Ende August bis in den November hinein.

12. Phlox paniculata ‘Ostinato’ besitzt eine außergewöhnliche Blütenzeichnung und ist damit ein gutes Beispiel dafür, dass Christian nicht nur auf Robustheit, sondern auch auf Eigenständigkeit neuer Sorten selektiert.

13. Artemisia pontica ‘Apetlon’ besitzt im Gegensatz zur kultivierten Form eine besonders silbrige Blattfarbe! Diese Auslese ist ursprünglich ein Wildfund aus dem Seewinkel.

14. Molinia caerulea ‘Jahreslauf’, hier kommt die ganzjährige Strukturwirkung ins Spiel, für Gräserfreunde ist das durchaus bedeutsam.

15. Es ist kaum möglich, sich bei der Gattung Galanthus auf eine einzelne Sorte zu beschränken. Für Christian Kreß ist Galanthus ein wichtiger Arbeitsbereich und seine Schneeglöckchen-Auslesen verdienen einfach, in meiner Aufzählung als bedeutende Leistung erwähnt zu werden.

SARASTRO STAUDEN feiert am 19. und 20. September 2026 das 30-jährige Bestehen der Gärtnerei und den offiziellen Leitungswechsel.

Einladung zum großen Event am 3. September-Wochenende. Die Inhaber Christian H. Kreß und seine Tochter Kata veranstalten zu diesem Anlass einen exklusiven Spezialitäten-Pflanzenmarkt. Sie nennen ihn die „kleine Raritätenbörse des Innviertels“. Es sind ausschließlich langjährige Freunde, Züchterkollegen und Top-Experten der europäischen Pflanzenszene eingeladen, die man nicht verpassen sollte:

Gastgeber Sarastro-Stauden mit über 3000 Sorten Stauden und mehreren inspirierenden Schaugarten-Bereichen

“De Hessenhof” reist mit seinen botanischen Schätzen aus den Niederlanden an.

“Franks Salvias” bringt sicher nur einen Teil seiner 300 verschiedenen Salbeiarten und -sorten, Kräuter und Duftpflanzen aus Freiburg mit.

“Clematis Herian” ist ein kleiner Familien- Spezialitätenbetrieb für Clematis (Waldreben) und  mittlerweile auch Obstraritäten  in Unterliezheim im Landkreis Dillingen an der Donau.

“Rifnik garden & plants” Gorazd Mauer kommt aus Šentjur, Slowenien und verkauft seltene und besondere Zierpflanzen.

“Mielys Pfingstrosen”, aus Buchkirchen in Österreich ist auf Päonien spezialisiert.

Der “Wüstengarten Gußmagg” bringt sicher Yuccas, Kakteen, Agaven, Mittagsblumen, Zistrosen und südafrikanische Stauden aus seiner Gärtnerei im Feistritztal in Österreich mit.

“Holzbecher” aus Lelekovice bei Brünn, Tschechien, ist spezialisiert auf Steingartenpflanzen, Alpinpflanzen, Farne und seltene Wildstauden.

“Kunst im Garten – Sebastian Ehrl” Sebastian kommt als Überraschungsgast!

“Grüner Anzeiger” nennt sich ein deutsches Anzeigen- und Fachmagazin für Pflanzen, Gärtnereien, Gartenkultur und Gartenliteratur. Es erscheint seit 1998 im Selbstverlag in Hamburg.

“Chaosfritz” aus Österreich ist ein liebenswerter Zeitgenosse, nach dem sogar ein Phlox benannt wurde. Er wird hoffentlich seine Drehorgel mitbringen.

Das “Keramikatelier Doris Schmölzer” aus Österreich ist bekannt für ihre individuelle, persönliche Keramik-Kunst. Sie arbeitet bei SARASTRO Stauden und einige besondere Keramik-Stelen konnte ich schon vor Ort bewundern.

“Naturfloristik, Rosemarie Etzinger”, aus Österreich, Christian arbeitet gerne, unter dem gemeinsamen Slogan “Nicht Nelken aus Übersee, sondern verspielte Floristik aus unseren Gärten”, mit ihr zusammen.

Natürlich wird vor Ort auch für das leibliche Wohl gesorgt. Ich freue mich schon sehr auf die interessanten Aussteller und versuche zu kommen.

Beide Fotos: von Christian Kreß aus seinem Schaugarten.

Die beiden letzten Fotos sind mir Ende Juli von Christian Kreß geschickt worden. Sie sind eine Einladung, doch mit SARASTRO Stauden, Christian Kreß und Kata Wallace zu feiern. Save the date! Es wird spannend.

Sarastro-Stauden Christian Kreß und Katharina (Kata) Wallace

Adresse: 4974 Ort im Innkreis, Kammer 42, Oberösterreich / Österreich

Kontakt: office@sarastro-Stauden.com

Website: www.sarastro-stauden.com

Teile als erste*r diesen Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Cookie-Einstellungen