Staudengärtnerei Sarastro

Motto Christian Kress

Sarastro-Stauden in Ort im Innkreis, Österreich

“Vielfältiger Schaugarten, ca. 3000 qm, der mit der Gärtnerei-Anzuchtfläche zu einem Gesamtensemble mit 3000 Arten und Sorten verschmilzt!”

Immer wieder lese ich diese Kurzbeschreibung von Sarastro-Stauden. Wie sieht so etwas aus? Ich kann mir das nicht annähernd vorstellen. Also fahre ich am 24.09.2020 mit Petra Steiner los über die österreichische Grenze nach Ort. Jetzt wollen wir das genau wissen.

Erst der Gärtner, dann die Gärtnerei !

Christian Kreß findet man nicht oft an seinem Schreibtisch. Umtriebig ist er in allen Ecken seiner Gärtnerei unterwegs. So ist das auch, als ich am späten Vormittag ankomme und auf ihn zugehe. Er stellt sofort das halbe Dutzend Töpfe auf die Erde als er mich sieht, und wir gehen in den Pavillon zum Gespräch, weil es just in diesem Moment ein paar Tropfen regnet.

Erwartungsvoll schaut mich Christian an, was ich ihn wohl fragen werde? Christian Kreß ist in der Gartenszene sehr bekannt. Auf Gartenmärkten, mit Vorträgen, als Buchautor und Staudenspezialist ist er weit über den deutschsprachigen Raum hinaus mit seinem breit gefächerten, fundierten Staudenwissen bekannt geworden. Besonders in der Gesellschaft der Staudenfreunde, der Christian seit 40 Jahren angehört und in der er schon oft den “Staudengarten” mit seinen Beiträgen bereichert hat, ist er geradezu eine Institution. Ich frage ihn einfach das, was mich momentan am meisten interessiert:

” Was sagst Du zum Klimawandel ” ?

Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: “Die Klimaveränderung ist die Pandemie des Globus. Es ist nicht entscheidend, ob die ‘Monokultur Mensch’ eine oder mehrere neue Viren im Jahr zu verkraften hat! Die Klimaveränderung ist das eigentliche Problem!”

Kreß erinnert sich an den Horror-Sommer 2018. “Der Härtetest mit den geliebten Phloxen, die keine Extrazuwendung an Wasser bekamen, ging glimpflich aus, sie waren wohl nur gut halb so hoch, als in normalen Sommern, aber sie haben überlebt.

“Stauden dürfen nicht verzärtelt werden. Sie müssen zeitig lernen tiefer mit den Wurzeln zu gehen, um genug Wasser zu bekommen. Also nicht immer gießen, sondern lieber einmal durchdringend mit dem Sprenger arbeiten und dann wieder abwarten. Wir müssen uns einfach darauf einstellen, dass die Winter im großen und ganzen milder werden und die Sommer heißer”.

Wird sich in der Pflanzenverwendung und bei der Gestaltung etwas ändern ?

“Die Pflanzenverwendung wird sich wohl nicht gravierend umstellen, vielleicht geringfügig”, meint Christian. Den momentan so heftig propagierten Präriegarten findet er zwar praktisch und zeitgemäß, aber in einem normalen Garten mit Durchschnittsgröße nicht wirklich als Ganzes durchsetzbar.

Phlox ist nach wie vor ein großer Favorit für ihn, ungeachtet der Wetterverhältnisse. Da wird auch mal eine  Ausnahme gemacht; bei großer Trockenheit gibt es Wasser-Zugaben. 2018 hat der Gärtner gelernt, Phlox ist zäh, nimmt aber einen ständigen Wechsel von trocken und nass übel. Da wir gerade bei den Lieblingspflanzen sind. Neben Phlox gehören auch Buschwindröschen und  Zwergranunkeln zu seinen Favoriten. Die Alpinen- und Schattenstauden mag er auch sehr. Ist es ein Zufall, dass Christian schon vor der Klimadiskussion eine Schwäche für trockenheitsliebende Pflanzen hatte? Die neue Bandbreite robuster Gräser nötigt ihm auf jeden Fall großen Respekt ab und er hält die vermehrte Verwendung derselben für immer wichtiger.

” Braucht ein Visionär Vorbilder ? “

Sein großes Vorbild Karl Foerster zitiert er gerne und das passt ja auch. Damals war Foerster genau so ein pragmatischer Visionär, der seinen eigenen Weg gegangen ist, wie Christian Kreß das heute auch tut. Wichtiger als einem Trend nachzulaufen ist es ihm, sich in seiner Authentizität treu zu bleiben.

Von Modepflanzen hält Kreß nicht viel, aber er ist ständig auf der Suche nach Neuem. Mit Hilfe seiner vielen Kontakte versucht er, überraschende Entwicklungen mit neuen Arten zu forcieren. Er würde sich auch wünschen, dass nicht so schnell und viel patentiert wird, was letztlich nicht hält, was es verspricht und Berufskollegen andererseits hindert, Verbesserungen zu erzielen.

Beth Chetto hat ihn auch beeindruckt, er erzählt von mehreren Besuchen und dem Erlebnis, dass in einem Jahr der Rasen total trocken und braun war. Auf seine Frage, warum ihr Rasen nicht gewässert werde, wo doch täglich so viele Besucher in den Garten kämen, kam die lapidare Antwort  der britischen Garten-Ikone: “Ich möchte beobachten, was der Rasen macht, wenn ich nichts mache.” Im Jahr darauf war er wieder dicht und grün. Kurze Zeit später entstand der Gravel Garden auf dem ehemaligen Parkplatz!

Neues wagen und Altes bewahren .

Es passt zu Christian Kreß, dass er die klassische, englische Gartenkunst liebt und bei gut geplanten Mixed Bordern und Staudenrabatten schnell ins Schwärmen kommt. Er bewundert das Zelebrieren von Stauden, Annuellen und Gehölzen, die mit viel Wissen und Fantasie zu botanischen Kunstwerken zusammengestellt werden.

Genauso mag er es jedoch, neue Wege zu gehen, zu experimentieren, eigenes auszuprobieren, aber immer unter Berücksichtigung der Lebensbereiche der Stauden. Natürlich fallen in diesem Zusammenhang die Namen von Richard Hansen und Friedrich Stahl. “Sarastros” Lebensmotto, nicht nur zur Pflanzen-Verwendung, könnte man wohl am besten mit seinem  Spruch beschreiben: “Neues wagen – Altes bewahren!”

So verwundert es auch nicht, dass im Laufe der Jahre etliche eigene Sorten selektiert wurden. Sanguisorba ‘Scapino’ und ‘Figaro’, sowie Nepeta ‘Blue Danube’ wurden in der Stauden-Sichtung mit “sehr gut” bewertet. Sedum ‘Angelina’ und Campanula ‘Sarastro’ erhielten jeweils das Prädikat “gute Sorte”.

Wo fängt der Schaugarten an, wo hört die Gärtnerei auf ?

Diese Frage stellt sich mir immer wieder im Freigelände. Dank Regenpause kann ich mich endlich umsehen. Bei jedem Schritt durch Gärtnerei und Schaugarten spürt man die Lust des Gärtners, seine Stauden nicht einfach mit einem Preisschild zu versehen, sondern im besten Licht zu präsentieren. Alte Gebrauchsgegenstände werden nicht weggeworfen, sondern “hübschen” Stauden mit ihrer “gemütlichen Patina” dekorativ auf. Stauden-Neuzüchtungen umspielen bewährte Klassiker.

Mauern sind nicht einfach als Verbesserung des Kleinklimas gedacht, sie dienen auch als Biotope für Insekten und Kress hofft auch auf den Einzug von Klein-Reptilien. Die Verwendung der Klinker ist nicht eckig und gerade, sondern erinnert an die weiche, runde, humane Architektur Hundertwassers. Riesige Fenchelschleier locken  Schwalbenschwänze an. Vielleicht ist der Teich nur darum so groß, damit sich Darmera peltata im roten Herbstkleid optimal darin spiegeln kann?

Der Schaugarten bildet gleichsam einen Rahmen, der lediglich im hintersten Bereich als solcher ausgewiesen ist, aber insgesamt die Verkaufsflächen im inneren Areal immer wieder einbindet. Mauern oder Beet-Zungen mäandern direkt in die Standplätze der Staudentöpfe hinein. So ist es kein Wunder, dass ich beim Suchen des Namensschildes eines Hylotelephiums, das wie eine rosafarbige Woge vor einer Mauer mit Gräsern heraussticht, plötzlich einen Topf in der Hand halte. Ich war tatsächlich davon überzeugt, eine große ausgepflanzte Schaugarten-“Welle” fotografiert zu haben. Das passiert mir nicht nur einmal und ich verstehe, was mit dem Eingangssatz gemeint war. Hier gibt es tatsächlich eine so harmonische Symbiose zwischen Verkaufs- und Schauflächen, dass die Hinweisschilder zu den Raritäten durchaus Sinn machen, denn wer denkt schon bei einer so wunderbar präsentierten Fülle von Stauden ans Einkaufen?

Einkaufen muss sein !

SARASTRO Staudengärtnerei und Schaugarten

Nach dem Fotografieren kann ich mich endlich dem Verkaufssortiment widmen. Da gibt es Berkheya nicht nur in einer Art, aber ich trau mich nicht, mein Boden ist zu lehmig. Mein kleiner, gut eingewachsener Garten ist voll, aber ein Quadratmeter Schneefelberich (Lysimachia clethroides) muss weichen, er hat sich jahrelang ungehindert ausgebreitet und bedrängt eine englische Rose im Wurzelbereich. Also bitte ich Christian, mir doch 3 Stauden für mein sonniges Mixed-Border am Teich zu empfehlen. Ohne lange zu überlegen kommt er mit drei Stauden an, die mich sofort begeistern: Nepeta kubanica, Cirsium purpuratum und Anthriscus sylvestris ‘Ravenswing’. Jetzt kann ich es kaum erwarten nach Hause zu kommen und die vielen Eindrücke und das Gespräch mit Sarastro festzuhalten. Noch am gleichen Abend vertiefe ich mich in das Buch von Christian Kreß: “Meine Welt der Stauden”, das 2018 den Deutschen Gartenbuchpreis in der Kategorie “Bester Ratgeber” erhalten hat. Auch dieses Buch ist so persönlich und individuell wie der Gärtner und Autor.

Ende des Besuches von Sarastro-Stauden, einer Gärtnerei mit besonderem Flair .

SARASTRO Staudengärtnerei und Schaugarten

Es gibt in der Gärtnerei tatsächlich einen roten Faden – die Liebe des Gärtners zu seinen Stauden; seine Passion, neue seltene Arten in Kultur zu nehmen und dabei sein großer Respekt vor der Natur, die ihm dieses Füllhorn an Möglichkeiten uneigennützig zu Füßen legt.

SARASTRO Staudengärtnerei und Schaugarten

Das gleiche gilt übrigens auch für seinen Umgang mit Gärtner-Kollegen, die er schätzt und für alle seine Angestellten. Man spürt sofort, dass Kollegialität und Harmonie selbstverständlich sind, was gerade in die Zeit des Topfens für den Herbst-Verkauf, in die ich bei meinem Besuch geraten bin, eine angenehme Atmosphäre bringt. Das spürbar gute Betriebsklima, selbstbewusstes, fachlich geschultes Personal und ein gut aufgelegter Christian, dessen Schilder-Spruch:

“Träume nicht Dein Leben, sondern lebe Deinen Traum”

ich für eine kleine Weile mitträumen durfte, haben meinen Besuch zu einem sehr persönlichen  Aufenthalt werden lassen, wofür ich sehr dankbar bin.

Ausgang, SARASTRO Staudengärtnerei und Schaugarten

Die Verbundenheit von Kreß mit seinem Kundenkreis zeigt sich am besten in seinen sehr persönlich geschriebenen Rundbriefen, die, einmal auf seiner Website angefordert, monatlich als Mail zugeschickt werden und über Neuigkeiten in der Gärtnerei mit vielen Kulturtipps zu Stauden berichten. 

Genau dieser Gedanke leitet ihn auch, als ich ihn bitte, mir doch wie alle Gärten bisher, ein Video für SARASTRO-Fans zur Verfügung zu stellen. Nach kurzer Überlegung reflektiert er über die Frage, was ein Gärtner wohl im Winter macht?! Danach folgt gleich ein Tipp zur Aussaat von Kaltkeimern, aber bitte, seht und hört selbst (bitte nicht vergessen den Ton laut zu stellen)!  

Als ich Christian Kreß noch um ein Schlusswort bitte, antwortet er:

“Ich wünsche mir mehr Mut zum spielerischen Umgang mit Stauden. Wenn man sich an den Lebensbereichen orientiert, kann man eigentlich kaum Fehler machen aber viel gewinnen.”

Sarastro-Stauden in Oberösterreich – PLZ 4974 Ort/Innkreis, Ort 131, Kammer 42, 1 ha, GdS, “Vielfältiger Schaugarten, ca. 3000 qm, der mit der Gärtnerei-Anzuchtfläche zu einem Gesamtensemble mit 3000 Arten und Sorten verschmilzt.” Kontakt: Christian Kreß, Email: Office@sarastro-stauden.com, Website: https://www.sarastro-stauden.com

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12 Kommentare

  • Papenhausen Dorit sagt:

    Schon bemerkenswert ist das wohl jeder Christians Garten ganz anders wahrnimmt. Ich hätte andere Fotos gemacht, andere nicht bessere! Leider hat dieses Jahr Corona einen Besuch verhindert, mein Auto wäre wieder voll geworden. Ich werde jetzt auch meine Kaltkeimer aussäen.

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Dorit, das ist ja mit das spannendste an solchen Garten-Berichten. Oft sind sogar die Gartenbesitzer verblüfft, was man für völlig andere Sichtweisen einbringt, die sie so noch gar nicht wahrgenommen haben. Jeder hat andere Schwerpunkte und ist an anderen Details interessiert. Sonst wäre es langweilig. 100 x Sissinghurst plus 100 x die”Lutjens-Bank” und der “weiße Garten”, wer braucht das?
      Christian hat natürlich nicht nur ein gestalterisches Auge, dadurch, dass der Schaugarten und die vielen Verkaufstöpfe ja immer sehr individuell neu zusammenkomponiert werden können, ist das quasi immer ein Garten in Bewegung. Wünsche Dir einen schönen Drei-Königs-Tag.
      LG Wurzerl

  • Toller Bericht von einem sympathischen Gärtner… Ich finde das experimentieren richtig klasse. Es gibt mir Mut auch meinen eigenen Garten so zu gestalten… Und die Fotos sind wieder sehr schön… Man bekommt einen schönen Einblick in die Gärtnerei und die Pflanzugen…ich muss dahin… Liebe Grüße Karin

  • Friedhilde Adler sagt:

    Ja- super, ich habe gestern meine Samen sortiert nach – Kaltkeimern, Sommerstauden und Gemüse.Werde morgen nach dieser Anleitung die Kaltkeimer aussäen. Sarastro ist schon ein toller Gärtner.

    • Das Wurzerl sagt:

      Ja liebe Friedhilde, er ist nicht nur ein toller Gärtner, er kann seine Begeisterung auch wunderbar weitervermitteln. Ich schätze ihn sehr. Liebe Grüße Wurzerl