Weihenstephan Teil 2 Oktober 20

Dahlie im Miscanthus-Meer, Sichtungsgarten Weihenstephan

Der Spätherbst im Staudensichtungsgarten.

Von Weihenstephan kann man tatsächlich jeden Monat völlig unterschiedliche Beiträge erstellen. Darum darf es nicht verwundern, wenn ich nach dem September-Garten, den ich mit Ulrike Koska erkundet habe, schon heute bereits den nächsten Post über den Sichtungsgarten im Oktober zeige. Erna de Wolff reiste extra früher als geplant an, um mit mir dieses farbliche Gehölz- und Stauden-Spektakel zu genießen. Denn, wie viele andere große Gärten, schließt auch Weihenstephan Ende Oktober über die Winterzeit seine Pforte für Besucher.

Ich möchte gerne mit Allen, die Freude an wunderbaren Pflanz-Kombinationen haben, durch die Bilder-Symphonie von Weihenstephan wandern, denn am Besuch Ulrikes und Ernas habe ich wieder erfahren, wie wertvoll doch geteilte Freude ist. Danke für Euren Besuch Ihr beiden Lieben.

Rotahorn-Blätter und Cyclamen hederifolium im Sichtungsgarten Weihenstephan

So, jetzt aber jetzt auf in den “Goldenen Oktober” und/oder den “Feurigen Indian Summer” von Weihenstephan.

Spannend ist es hier im Oktober, denn eine große geneigte Hang-Fläche im ganzen vorderen Bereich schafft besondere Lichtverhältnisse. Da die formalen Wasserbecken auf dem kurz gehaltenen Rasen betreten werden können, wurden die “Ufer-Begleit-Stauden” wie Wasserdost und Gräser kurzerhand in das Beet daneben gepackt. Das gibt bei entsprechender Sonneneinstrahlung eine ganz besondere magische Wirkung. Taucht man dann in die Mixed Border und Staudenbeete ein, dann finden sich so schöne Motive wie die Zinnie, die sich von der Miscanthus-Blüte umschmeicheln lässt, oder der jungen, etwas steckengebliebenen Miscanthus ‘Zebrina’, die beim ersten Blick eher wie eine Garnele, denn wie eine Blüte aussieht.

Die Blattverfärbungen erreichen im Oktober ihren Höhepunkt bei den Gehölzen, wie dem Acer palmatum ‘Atropurpureum’, dessen Rot weit durch den Garten glüht. Aber auch die Stauden im Gehölzrand wie Gräser und Hostas punkten noch einmal mit einem besonders leuchtenden Farbspektrum.

In den Pfingstrosen-Quartieren, den Lauben für Kletterpflanzen und den Taglilien-Beeten ist bereits Ruhe eingekehrt. Aber es ist auch interessant die vielen verschiedenen Laub-Verfärbungen der Paeonien zu sehen. Trotzdem konzentriere ich mich mit dem Foto schon einmal auf die BdS-Rabatte, die mit vielen Gräsern und Persicaria Sorten und Liebhabern von wasserdurchlässiger Erde im silbern anmutenden Beet noch wunderbar aussieht. Möglich ist diese Art der Bepflanzung durch die schon erwähnte Hanglage, dadurch kann das Wasser schneller abfließen.

Wir gehen weiter nach hinten und stoßen auf die helle Rabatte. Sie kommt durch die dunkelgrüne Gehölz-Ummantelung auf drei Seiten besonders ansprechend zur Geltung.

Noch vor dem Gehölzrand folgt eine weitere Pflanzung hinter der hellen Rabatte. Astilben-Quartier und Persicaria-Sichtung, einiges habe ich hier schon gesehen. Aber jetzt ist hier im dritten Jahr eine charmante Stauden-Gesellschaft zusammengekommen, die von April bis Oktober voll überzeugt.

Auch wenn die großzügig angelegten Beete sehr attraktiv sind, tauche ich doch immer wieder in die Details ein. Diese erzählen mir die Geschichten dieses Gartenjahres. Die Persicaria blüht seit langem, wahrscheinlich hat sie die Blüte der blauen Wieseniris noch mitbekommen, die jetzt ihre Samenstände öffnet und verschwenderisch über das Beet schleudert. Die Blätter des chinesischen Blumen-Hartriegels (Cornus kousa ‘Gold Star’), legen jetzt täglich eine neue Portion Rouge auf und der Buddleja ‘Buzz Lavender’ hat noch niemand gesagt, dass der Winter vor der Tür steht, sie treibt immer noch frische Blütenrispen.

Wir sind auf der Wildblumen-Wiese angekommen! Für mich ist das in der Regel ganz hinten, denn die Haselquartiere finde ich nicht besonders interessant bepflanzt. Da steckt zuviel Routine darin und ich denke, 80 % der Besucher waren noch nie hier am Ende des Gartens. Ja ich fürchte, viele kennen nicht einmal die Wildblumen-Wiese, wie schade!

Erna de Wolff und ich tauchen ein in das Stauden-Meer der Wiese. Plötzlich ruft sie ganz verzückt: “Wie herrlich, hier sind so viele Blüten.” Ja vor zwei Wochen wogten hier noch Rudbeckia- und Astern-Wellen durch die Gräser-Gischt, jetzt sind es die Samen-Stände unzähliger Wildstauden, die das Bild lebendig machen und in den Augen von Erna erneut für sie zu blühen anfangen. Ich hätte sie umarmen können für diesen Satz, der diesen magischen Ort so wunderbar beschreibt.

Wir gehen langsam wieder in die vordere Hälfte des Sichtungsgartens zurück. Dabei nehmen wir den Frühlings- und Hosta-Weg, laufen an den Eichen-Quartieren vorbei und halten uns dann auf dem Hang im unteren Teil auf. Wir wollen uns ein wenig im Steingarten umsehen. Aber naturgemäß, da ist nicht mehr viel zu entdecken. Mukdenia rossii, das Ahornblatt hat aber gerade jetzt seinen großen Auftritt und färbt sich intensiv rot. Der niedliche Herbstkrokus, C. pulchellus, möchte den letzten blühenden Glockenblumen nicht alleine das Feld überlassen und reckt seine auffälligen orangenen Staubgefäße in die milchig werdende Nachmittagssonne.

Es tut gut, sich kurz vor dem Ende einfach noch einmal instinktiv kreuz und quer durch das “Gelbe Quartier”, die “Steppenheide” die “Iris-Beete” und dem “Kniphofia-Hang” treiben zu lassen. Dabei sind die letzten Einzelblüten, die oft schon eine morbide Patina tragen, fast überirdisch schön.

Späte Astern und Goldruten zeigen noch ein sehr ansehnliches Bild im Kniphofien-Hang. Miscanthus unterstützt das Bild der Fülle visuell mit vielen weiß silbernen Blütenähren, die beim kleinsten Sonnenlicht aufblitzen.

Die “Rote Rabatte”, das Prunkstück Weihenstephans hat sich fast tot geblüht. Das ist nicht schlimm, denn das Beet hat einen großen Anteil an Annuellen, die sowieso bald komplett abgeräumt werden, nur die großen Miscanthus-Stücke und einige Gehölze verbleiben im Doppelborder und warten auf das Wiederauferstehen im nächsten Sommer. Aber von außen finde ich die Rote Rabatte immer noch wunderschön mit der geliehenen Pracht der Staudenbeete rechts und links daneben.

Die Aster ericoides ‘Schneetanne’ flirtet heftig mit Hydrangea paniculata ‘Vanille-Fraise’, die Rose ‘Mozart’ lässt sich eher etwas distanziert von den Astern anhimmeln und die Dame Anemone ‘Honorine Jobert’ will widerum nicht, dass ihr überhaupt jemand zu nahe kommt. Wir sind bei den Purpur-Beeten angelangt.

Auch das Purpur-Beet ist ein Doppelborder, allerdings gibt es da Stauden anstatt vieler Annueller und es dominieren nicht die hohen Gräser und Cannas, sondern Rosen und noch mehr die Perückensträucher, die dem Doppelborder offensichtlich zu seinem Namen verholfen haben.

Als letztes schauen wir uns noch das große Abschluss-Feuerwerk der Hamamelis-Sichtung an, danach sind wir Beide so voll mit Eindrücken, dass wir bei der Heimfahrt erst einmal kurz schweigsam vor uns hinträumen.

Sichtungsgarten Weihenstephan, Am Staudengarten 8, 85354 Freising, Tel. 08161/714026, geöffnet April – Oktober, weitere Infos über: https://www.lwg.bayern.de/gaerten/171126/index.php und: https://www.stauden.de/sichtungsgarten-weihenstephan.html

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14 Kommentare

  • Christa Schroth sagt:

    Liebe Renate. Das macht unheimlich Lust hinzufahren und die ganze Pracht anzusehen und zu erleben. Du hast es so lebendig geschrieben ❤️❤️

  • Ulrike sagt:

    Weihenstephan ist wirklich eine Reise wert, ich war geflasht von der Vielfalt und den Farben. Du hast es so wunderbar beschrieben und es steckt so viel Arbeit drin. Ganz toll👌

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Ulrike, als wir da waren, gab es ja ein noch größeres Blütenmeer, besonders die Rudbeckia und Astern auf der Wildstauden-Wiese waren noch in Hochform. Aber ich finde auch die unterschiedlichen Samenstände zwischen den Gräsern besonders schön. Jeder Monat hat einen speziellen Reiz. Aber vielleicht kommst Du ja zu einer anderen Jahreszeit wieder in den Süden?
      Liebe Grüße Wurzerl

  • Irmgard Hantelmann sagt:

    Wunderschöne Fotos und lehrreiche Beschreibungen. Danke

  • Gabriele sagt:

    Warum in die Ferne schweifen? Da besuche ich Gärten in GB und habe eigentlich die Schönheit direkt vor meiner Türe. Kann’s nicht erwarten, Weihenstephan ich komme! Großartige Bilder. Vielen Dank den eifrigen Fotografen!

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Gabriele, bitte schau vor Deinem Besuch im Internet nach. Weihenstephan schließt immer Ende Oktober und wir müssen dann bis zum April warten. Es könnte sein, dass mit den neuen Corona-Bestimmungen bereits vor dem Wochenende geschlossen wird.
      Aber Du findest auf jeden Fall noch die Fotos von meinem September-Besuch in der Rubrik “deutscher Gärten.” Und für das nächste Jahr wünsche ich Dir jetzt schon viel Freude in diesem inspirierenden Sichtungsgarten, der trotz seiner Größe viel Wissen und viele Pflanz-Beispiele vermitteln kann, die man auch im kleinen Garten umsetzen kann.Alles Gute wünscht Wurzerl

  • Wieder einmal unglaublich fesselnd beschrieben was wir gemeinsam erkundet, gesehen und genossen haben, den ganzen „farblichen Gehölz- und Stauden-Spektakel“ . Ich bin so dankbar bei dir und deiner Welt eingetaucht zu sein. Danke liebe Renate für alle Inspirationen

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Erna, ich danke Dir, dass Du Dich auf meine Gedanken- und Gefühlswelt eingelassen hast. Es gibt noch so vieles, was ich gerne mit Dir teilen möchte. Liebe Grüße Wurzerl

  • Liebe Renate – Dein Stil – im Fotografieren, ebenfalls im Schreiben – ist einfach herrlich. So eine Webseite ist phantastisch. In Weihenstephan waren wir bestimmt schon 10 mal; es ist ein herrlicher Lehrgarten. Aber Deine Fotos und Beschreibungen setzen allem noch die Krone auf. LG Brigitte.

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Brigitte, schöne Gärten und Parks können Balsam für die Seele sein. Es ist genau das mein Bestreben, das ein wenig zu zeigen. Man kann die Natur abbilden, aber es ist schwer das Gefühl weiterzugeben, das sie vermittelt. Ich wünsche Dir einen guten Sonntag. Wurzerl

  • Liebe Renate, herzlichen Dank für Deinen absolut professionellen und liebevollen Beitrag über den Sichtungsgarten Weihenstephan.
    Da wurden Erinnerungen aus meiner Kindheit wahr.

    • Das Wurzerl sagt:

      Oh, das freut mich aber sehr liebe Anita, vielleicht macht es Dir dann auch Freude, Dir die Wildstaudenwiese vom September 20 anzuschauen, da war waren die Bäume noch etwas weniger bunt und die Blüten dafür noch umso farbiger. Passt bitte gut auf Euch auf. Wurzerl