Sichtungsgarten Weihenstephan Teil 3 Juli 22

Staudensichtungsgarten Weihenstephan

Große Gärten, wie der Hermannshof in Weinheim, den ich demnächst erstmals hier vorstellen möchte, oder auch der Sichtungsgarten Weihenstephan in Freising, den ich den Leser/innen von Wurzerlsgarten bereits mit dem Herbstaspekt gezeigt habe, verdienen es tatsächlich zu den verschiedensten Vegetationszeiten vorgestellt zu werden.

Sie sind so unterschiedlich, innovativ und spannend angelegt und bepflanzt, dass sich für mich jedes Mal wieder ein völlig neues Gesamtbild ergibt.

Unmittelbar bevor ich in der letzten Woche zur GdS-Jahrestagung nach Mannheim aufgebrochen bin, besuchte ich noch mit einer Gartenfreundin den Sichtungsgarten.

Bevor ich mich mit meinen Gartenvorstellungen in die auf Wurzerlsgarten neue Mannheimer Ecke begebe, möchte ich Euch heute gerne den Juli-Aspekt 2022 vorstellen.

Natürlich muss auch ein Sichtungsgarten wie Weihenstephan, schon aufgrund seiner Größe, der heißen, zu trockenen Witterung Tribut zollen. In so einer Zeit bewähren sich dann die Wildblumenwiese, die Steppenbeete und die große Steingartenanlage.

Viele Aspekte des Staudensichtungsgartens sind im Juli schon beendet. Die große Paeonienpflanzung ist abgeblüht, ihr Laub wird aber im Herbst noch ein schönes Bild ergeben. Auch die Wisteria-Pergola ist jetzt grün, die Nachblüte wird sicher schwach ausfallen.

Auch der große Steingarten am Hang hat den Blüh-Höhepunkt bei weitem überschritten. Anstatt überschäumender Blütenpolster bewundere ich nun die Strukturpflanzen wie die Walzenwolfsmilch oder kleine rote Sempervivum, die sich an den hellgrauen Granit anschmiegen. Die nicht mehr so zahlreich vorhandenen Blumen fallen nun doppelt ins Auge. Was eine gelbe Nelke? Ja, Dianthus knappii, die Schwefel-Nelke, sie war mir eigentlich noch nie im Steingarten aufgefallen! Heute hat sie meine volle Aufmerksamkeit.

Ich schlendere durch die verschiedenen Quartiere und Doppel-Border hindurch und konzentriere mich einfach auf die Harmonie der Farben, die abwechselnd zurückhaltend kühl und dann wieder feurig und laut wirken.

Als ich in das große berühmte Doppel-Border gelange, bin ich so am Staunen, wie schnell es sich trotz der Trockenheit entwickelt hat, dass ich das Fotografieren vergesse. Aber keine Angst, das wird im August-Aspekt ausführlich nachgeholt. Abgesehen von wenigen Sträuchern und den mächtigen Miscanthus-Horsten wird das Doppel-Border im Winter komplett abgeräumt. Es ist jedes Jahr wieder faszinierend die Kahlheit im April und Mai zu sehen, aber später die Explosion der Exoten, Annuellen und Stauden zu bewundern.

Die verschiedenen Gelbblüher, meist Helianthus, Helenium und Solidago sind noch etwas zögerlich beim Aufblühen. Aber das Hemerocallis-Quartier empfängt mich in Höchstform. Im Juli ist die Taglilien-Zeit!

Am Rande des riesigen Taglilienbeetes wird es feurig rot. Ja, man muss in solcher Nachbarschaft schon um die Aufmerksamkeit der Besucher kämpfen. Zumindest wirken die Fackellilien und Montbretien so.

Schnell gehe ich in Richtung Wäldchen, die Luft ist ja schon heiß genug. Ich brauche Schatten und Kühlung. Beides finde ich am Rand einer Lichtung, die die hellen Rabatten beherbergt.

Gleich dahinter, ebenfalls im Nordareal vor dem Eichenwäldchen tummeln sich Kerzenknöterich und Wiesenknopf. Diese Gattungen wurden in diesem etwas komplizierten Habitat (schwerer Lehmboden, lange feucht) vor Jahren für eine Sichtung hier gepflanzt und haben sich so bewährt, dass sie inzwischen das Staudengerüst für diese Pflanzung bilden.

Zuletzt bin ich an meinem Lieblingsplatz in Weihenstephan angekommen – der Staudenwiese. Momentan wirkt es etwas ruhiger, denn der Frühlingsflor ist verblüht, die Gräser sind noch in der Entwicklung und die Hochsommerstauden brauchen noch einige Wochen. Aber von Tag zu Tag wird die Wiese jetzt gelber, denn auch hier ist die Taglilienzeit angebrochen. Mit Hemerocallis minor, Hemerocallis ‘Corky’ und der später aufblühenden Hemerocallis ‘Green Flutter’ ist die Wiese über fast 2 Monate nun mit der Farbe gelb versorgt.

Und ich hoffe, dass auch Ihr mit neuen Eindrücken aus meinem geliebten Weihenstephan versorgt seid. Das Landkärtchen hat sich jedenfalls über unseren virtuellen Besuch gefreut und winkt uns noch nach.

Sichtungsgarten Weihenstephan, Am Staudengarten 8, 85354 Freising, Tel. 08161/714026, geöffnet April – Oktober, weitere Infos über: https://www.lwg.bayern.de/gaerten/171126/index.php und: https://www.stauden.de/sichtungsgarten-weihenstephan.html

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6 Kommentare

  • Susanna sagt:

    Liebe Renate,
    einen solchen Garten sollte man wirklich in verschiedenen Jahreszeiten besuchen, es verändert sich ja ständig etwas. Wir waren im vergangenen Jahr Ende Juni dort und ich habe mir fest vorgenommen, wieder zu kommen, denn Weihenstephan ist wirklich eine Reise wert! Auch wenn ich kräftiges Rot für unseren Garten mag, finde ich die Fackellilien mit den roten Montbretien zusammen klasse!
    Liebe Grüße
    Susanna

    • Das Wurzerl sagt:

      Jaaa, ich finde einfach diese Kraft und das Temperament stecken doch an und wecken (zumindest kurzzeitig) die Lebensgeister bei Temperaturen nahe 40 Grad. Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende. Liebe Grüße Wurzerl

  • Sven Beck sagt:

    Liebe Renate,

    Du hast absolut Recht viele der Gärten bieten rund um das Jahr etwas sehenswertes und es ist schade, wenn es nur einen Artikel zu einer Jahreszeit gibt. Dabei geben die Gärtner*innen sich alle Mühe, dass das ganze Jahr etwas blüht. Das ist bei Dir so, bei mir auch und sowieso in den meisten liebevoll gestalteten Gärten. Deshalb freue ich mich schon auf den nächsten Bericht.
    Übrigens liebe ich die tolle Kombination von rosa Ecchinacea und Gräsern. Wunderschön!

    Liebe Grüße,

    Sven.

    • Das Wurzerl sagt:

      Für mich erschließt sich der wahre Wert eines Gartens tatsächlich darin, dass ich ihn 12 Monate im Jahr attraktiv finde. Für die Natur hat bei uns sicher der Foerster Slogan “Es wird durchgeblüht” Priorität. Aber, mal mit Augenzwinkern bemerkt: “Isst nicht auch eine Hummel mit den Augen mit”? Ich wünsche Dir einen guten Sonntag. LG Wurzerl

  • Tolle Bilder! Ich war noch nie da, weil es von uns aus doch eine Ecke weit weg ist. Aber irgendwann, wenn es mal auf der Reiseroute liegt..
    Ich will auch Montbretien! Undbedingt!
    VG
    Elke

    • Das Wurzerl sagt:

      Oh ja, das ist wirklich empfehlenswert, auch im Herbstaspekt, es ist ziemlich egal, wann Dich Dein Weg in den Süden führt. Vielleicht meldest Du Dich bei mir, dann können wir uns da treffen und ich bringe Dich zu den Highlights. LG Wurzerl