Überraschung! Garten Grüssing in Firrel, Ostfriesland

Blick aus dem Glashaus auf den Teichgarten der Fam. Grüssing, Firrel

Ankommen im Garten von Adele und Edgar Grüssing in Firrel

Ulrike Aljets ist Ende April 26 mit mir in Ostfriesland unterwegs. Wir fahren nach Firrel. Auf die Initiative von Heuerleuten aus der Gemeinde Bagband wurde Firrel 1762 als Kolonie gegründet. Der Name ist die Bezeichnung für einen Sandrücken in morastigem Gebiet. Heute gehört die Gemeinde Firrel zur Samtgemeinde Hesel und hat gerade einmal ca. 850 Einwohner.

Ich kenne weder Firrel noch einen der dortigen Einwohner. Das ändert sich jetzt schlagartig, als Ulrike vor dem Anwesen von Adele und Edgar Grüssing hält. Ich liebe Überraschungsbesuche, bei denen ich null Ahnung habe, wer und was mich erwartet. Heute ist einer meiner Glückstage! Ich befinde mich in einem Frühlingsgarten in üppiger, frühlingshafter Blühpracht, mit bereits deutlichen Hinweisen auf einen baldigen überbordenden Sommer- und später einen reifen Herbstgarten.

Überraschende Garten-Inszenierungen kommen auf mich zu und vor mir steht das überaus sympathische Ehepaar Adele und Edgar mit zwei lebhaften weißen Wollknäueln. Die beiden Wollknäuel sind Malteser und Geschwister aus einem Wurf. Sie heißen Flocke und Wolke und teilen sich die “Herrschaft” über das Areal mit drei Katzen. Genauer betrachtet gehören die Dosenöffner zu den Hunden und die Fellnasen patrouillieren durch den Garten.

Während Ulrike, Edgar und Adele ihre eigenen Wege gehen, betrachte ich mir in Ruhe den Eingangsbereich mit den geschmackvollen Dekorationen an der Klinkermauer des Hauses und auf der Terrasse. Es ist die Hoch-Zeit der späten Frühlingsgeophyten. Auch viele Gehölze blühen jetzt überschwänglich, angefangen von den Magnolien und Rhododendren bis hin zur Obstbaumblüte.

Seit 1979 wohnt die Familie Grüssing in Firrel. Das Bauernhaus war die Hofstelle der Großeltern von Adele. Das Grundstück war 2020 qm groß und war von landwirtschaftlich genutzter Fläche umgeben, die im Familienbesitz war. Rund um das Haus entstand 1981 der “Alte Hausgarten”. Dafür wurde das Haus erweitert, die Stallungen abgerissen und Gehölze, Rasen, Teich mit Bachlauf und ein Gartenhaus angelegt. Ein riesiger Sandkasten mit 30 qm stand bei den Kindern hoch im Kurs. Später begannen sie auf dem Rasen Fußball zu spielen. Als immer mehr Blumen kaputtgeschossen wurden, zweigte Edgar von der landwirtschaftlich genutzten Fläche 200 qm ab, um einen Fußballplatz zu gewinnen.

Der Rosengarten von Adele und Edgar Grüssing

2013, zwei Jahre vor Edgars Rente, erweiterte er mit Adele den Garten um 2500 qm nach Norden. Den Boden ließ Edgar pflügen und grubbern, bevor die Buchenhecke gepflanzt wurde. Mit dem Rasenmähertrecker fuhr Edgar über das frisch gegrubberte Land und legte die Rasenwege und Beete mit Schwung und weichen Rundungen an. Die Voraussetzungen für den heutigen “Großen Rosengarten” waren geschaffen. Schon im ersten Jahr gab es einen kleinen Rückschlag. Die Buchenhecke und die Rosen waren frischgepflanzt und letztere standen kurz vor der Blüte, auf die Adele und Edgar schon sehr gespannt waren. Da kamen über Nacht ungebetene Gäste, Rehe, sie haben alle Knospen abgefressen. Daraufhin hat Edgar einen Wildschutzzaun in die Hecke gesetzt.

Als ich den Rosengarten betrete, wende ich mich nach rechts, Wasser zieht mich immer an. Der Teich ruht noch, aber dahinter stehen drei romantische Rosenbögen mit filigranen weißen Sitzbänken und passenden Polstern und Kissen dazu. Hortensien bilden den Abschluss der romantischen Sitzgelegenheiten. Vorne stehen Frühlingslenzrosen, vermutlich Helleborus x Hybridus, als “Fußvolk”. Im Sommer rahmen einige Agapanthus in Kübeln den länglichen Teich ein.

Nachdem ich mir einen kurzen Überblick verschafft habe, gehe ich erst einmal nach links bis zum Grundstücksende. Die Hortensien und Hostas vor der Hecke zum Hausgarten fangen langsam an, sich zu räkeln und den Winterschlaf abzuschütteln. Nicht anders ist es im großen Beet daneben. Dort wartet der Boden auf konstante Wärme, um dann die exotischen Dahlien aufzunehmen.

Ich stehe vor dem Abgang zum Senkgarten, in den ich hinabsteige. Ein besonderer “Teppichläufer” aus rosafarbenem und weißem Polsterphlox flankiert die Treppe auf der südlichen Seite. In den blühenden Gehölzen der Peripherie spiegeln sich die zarten Farben des Phlox wider. Ein aufgemauerter Brunnenrand spielt mir das Märchen vom Froschkönig vor. Dahinter werden in einem Monat die Kartoffelrosen anfangen zu blühen und den Senkgarten zu beduften. Auf dem Weg zur Gartenecke komme ich an Beeten für Alte Rosen, Moschata-Rosen und Strauchrosen vorbei. Der Senkgarten war übrigens das erste Projekt, das im Rosengarten verwirklicht wurde.

Es lohnt sich durchaus, überall genau hinzusehen. Es gibt nicht nur die “Leihgaben” der umgebenden Landschaft, nein, sogar ein genauer Blick auf die Zaunlatten lohnt sich! Schließlich wende ich mich in Richtung Rosenrondell, das mit einer ebenso liebevoll ausgestatteten Sitzgruppe aufwartet, wie der Teichrand. Als ich mich umdrehe, um noch einmal in die Richtung des Senkgartens zu schauen, bemerke ich, dass hier zwar im Frühling der Bär steppt, aber sich zwischen den Frühlingsblühern bereits die Rosen bereit machen, um dem Namen des Rosengartens in Kürze alle Ehren zu erweisen.

Rund um das Rosenrondell befinden sich Rosenbeete mit verschiedenen Themen, wie: Alte Rosen, Moschata Rosen, David Austin Rosen, Harkness Rosen, Renaissance Rosen, Strauchrosen, Rigo Rosen Kordes, Märchenrosen Kordes, Englischen Rosen und einem Beet mit gemischten Rosen. Mit Rosenbögen, dem zentralen Rosenrondell und Rosenbögen mit dazugehörigen Sitzplätzen wird für eine durchlässige Höhe gesorgt. Alles, was jetzt blüht, findet im untersten Stockwerk statt. Ist der Frühlingsflor vorbei, können die Blätter der Geophyten in Ruhe einziehen, denn die Rosenblüten werden dann alle Blicke festhalten.

Am oberen rechten Ende des Rosengartens steht ein entzückendes Gartenhäuschen. Auch hier ist alles sehr liebevoll und mit gutem Geschmack eingerichtet. Die Lage ist traumhaft. Entweder man kann die Baumblüte und den Frühlingsflor betrachten, oder die Rosen versüßen den Sommer und wenn die Tage wieder kürzer werden, dann laufen die drei Präriebeete in unmittelbarer Nähe des Häuschens zu Höchstform auf.

Die Aufgabe, die linksseitig vom üppig bemessenen Dahlienbeet erfüllt wird, den Sommer und Herbst mit Farben zu beleben, die wird auf der rechten Seite nämlich von einem großflächig angelegten Präriegarten wahrgenommen, der sich zwischen dem romantischen Gartenhaus bis hin zur rustikalen Ruinenmauer erstreckt.

Teichgarten, Obstbaum- und Laubbaumwiese im Garten von Adele und Edgar Grüssing

Ich betrete nun den neuesten Gartenteil, den Teichgarten. Was ich überblicke, ist schier unglaublich. Ich stehe auf einem Mixed Border Wall, auf dem oben mittig ein Weg verläuft, der ihn mächtiger wirken lässt, als er ist. 2017 kam der Teichgarten nach einer Erweiterung um weitere 5000 qm zum Haus- und Rosen-Garten dazu. Auch hier wurde zuerst gepflügt und gegrubbert und eine Hecke gepflanzt. Der Teich entstand in den Jahren 2021 und 2022. Das Moorbeet wurde 2022 angelegt. Der südliche Teil des “Neuen Gartens” ist als Obstbaumwiese angelegt. Im Osten schließt sich, fast in L-Form eine weitere Blumenwiese mit Laubbäumen an. Der übergroße Teichgarten nimmt die restliche Fläche der 5000 qm ein. Ich stehe hier in einem Garten, der im Laufe der Jahrzehnte auf ca. 10000 qm angewachsen ist.

Bevor ich endgültig in den großen Teichgarten gehe, laufe ich durch die Obstbaumwiese. Die Bäume sind noch jung und blühen filigran. Ein schmaler Wiesenweg ist gemäht, auch hier, wie im Rosengarten nur Gras. Das Wiesengrün wird nirgends durch Wege zerschnitten. Von den 25000 Frühlingszwiebel-Blühern sehe ich nur noch die späten Narzissen, Tulpen und Hasenglöckchen. Die Schneeglöckchen und Krokusse haben größtenteils ihr Laub schon eingezogen. Die Blüte der 34 Obstbäume ist dagegen eine Pracht, auch wenn die Pflanzung noch jung ist. Von Apfel- Kirsch- Birnen- Pflaumen- und Aprikosenbäumen bis hin zu Kaki-, Nashibirnen-Baum und Indianer Birne, findet sich hier alles, was später in der Küche verarbeitet werden kann.

Mein Blick fällt nicht auf die botanischen Kostbarkeiten, sondern gleitet über den großen Schwimmteich mit einem geräumigen Glashaus und Sonnendeck auf der einen Seite, einem in Sand gesetzten Strandkorb gegenüber und einem weiteren Wasserbecken daneben, durch das ein langes Moorbeet führt, um dann vor der Hecke zum Rosengarten sich noch einmal quer auszubreiten und seine Schätze zu zeigen.

Am Fuß des Walls, der aus dem Teichaushub entstanden ist, sind ungefähr 200 unterschiedliche Schneeglöckchen in kleine Gittertöpfe gepflanzt. Das sehe ich erst, als ich den Weg oben verlasse, um mir unter den Magnolien von Rosa über Rot bis zur gelben ‘Daphne’ die Unterpflanzungen anzusehen. Die Äuglein der Veilchen und der Küchenschellen holen meinen Blick schnell nach unten. Ich werfe einen kurzen Blick in das Glashaus, auf dem schon ein gedeckter Kaffeetisch auf uns wartet und gehe dann zur Strandkorbidylle und weiter zum größten Moorbeet, das ich je sah. Kein Wunder, dass Ulli sich dort fachsimpelnd mit Edgar und Adele aufhält. Gerade startet sie mit dem heutigen Video, in welchem es, wen wundert es, um die Entstehung des großen Moorbeetes geht. Wenn es Euch interessiert, macht gerne den Ton laut und klickt Euch in das Video, für das ich Ulrike Aljets herzlich danke:

Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr mich das alles hier fasziniert. Ich bin schließlich bei Gartenfreunden und nicht in einem Botanischen Garten. Edgar und Adele haben ihren Garten selbst geplant. Das Gros der Arbeiten im Garten haben sie selbst ausgeführt und mit der Pflege der inzwischen ca. 10000 qm sind sie mehr als dauerbeschäftigt. Meine Bewunderung für die Beiden ist riesengroß.

2021 hat Edgar das Herzstück des “Neuen Gartens” den Naturteich ausgebaggert. Zusammen mit dem Bachlauf bemisst sich das auf ca. 250 qm Wasserfläche. Die Wasserreinigung geschieht durch einen vom Teich über eine Schleuse getrennten Filtergraben, in dem viele Wasserpflanzen sind, die dem Wasser die Nährstoffe entziehen. Über den Wasserfall wird dem Teichwasser Sauerstoff zugeführt. Im Sommer 2022 war der Teich fertig und das Moorbeet mit 30 qm angelegt.

Mazus reptans, Lippenmäulchen – Helonias bullata, Moornelke – Trichophorum cespitosum, Rasen-Haarsimse

Als ich Edgar nach seinem Lieblingsplatz im Garten frage, muss er nicht lange überlegen. Sonntags sitzt er gerne im Gewächshaus am Teich bei einer Tasse Tee. Abends nach der Arbeit bevorzugt er die Bank am Moorbeet, wo er seine “fleischfressenden” Moorpflanzen, die ihm besonders gefallen, betrachten kann. Aber genauso gerne beobachtet er die vielen Kaulquappen im Teich und später unzählige kleine Frösche, die im Sommer durch den Garten hüpfen. Auch Molche und Schnecken haben sich im Teich angesiedelt. Was gibt es Schöneres als tagsüber die Schwalben flach über den Teich fliegen zu sehen, oft das Wasser streifend auf Insektenjagd oder bei der Wasseraufnahme. Am Abend werden sie dann von den Fledermäusen abgelöst, die auch ihren Anteil an Beute möchten.

Durch das Anlegen des Moorbeetes entstand der Kontakt zu Erika und Peter Meuthen (auch über diesen Garten habe ich bereits berichtet). Bei einem Besuch der Paare Meuthen und Hartmann 2024 bei Familie Grüssing entstand der Kontakt zur Gesellschaft der Staudenfreunde und noch im gleichen Jahr wurden sie Mitglied in der GdS. GdS-Mitglieder überzeugten schließlich Edgar und Adele, sich in die GdS-Broschüre “Unsere Gartenparadiese” Staudenfreunde öffnen ihre Gärten, eintragen zu lassen. Die letzten Öffnungstermine für 2026 findet Ihr am Ende dieses Beitrags bei den Adressdaten.

Diese Initiative der GdS in Ostfriesland und die Arbeit von Het Tuinpad Op, die in Groningen, Drenthe und ebenfalls Ostfriesland tätig sind, haben die ostfriesischen Gärten in einer herausragenden Weise für Besucher erschlossen und zugänglich gemacht. Die Gärten sind immer sehr individuell und schön, aber manche Gärten, wie z. B. der Garten Grüssing sind eine unerwartete Überraschung.

Bevor ich mich in das Glashaus zum Kaffeetrinken begebe, schaue ich mir noch den abschließenden zweiten Wiesengarten mit den Laubbäumen an. Auch hier entdecke ich blühende Gehölze, wie den Schneeglöckchenbaum, Halesia carolina, der auch prompt Besuch vom Waldbrettspiel erhält. Das Arboretum ist noch jung und die Bäume brauchen noch Zeit, um ihren jeweiligen charakteristischen Habitus zu erlangen. Trotzdem sehe ich schon jetzt, dass die Mischung von Haselnuss, Walnussbaum, Eberesche, Kornelkirsche, Zaubernuss, Esskastanie, Maulbeer- Tulpen- Trompeten- Amber- Eisenholz- Taschentuch- Blauglocken- Blasenbaum, sowie dem Zimtahorn, Tausendblütenstrauch und Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch eine interessante Gemeinschaft bilden. Auch hier gibt es Wiesenwege, die durch das Rasengrün führen, begleitet von den bunten Tupfen der Hasenglöckchen. Endlich reiße ich mich doch los, aus dem Glashaus weht Kaffeeduft zu mir.

Für diesen Garten bräuchte man eine Woche, um alles Wichtige zu entdecken und im Foto festzuhalten. Ich habe mich in den wenigen Stunden auf jeden Fall reich beschenkt gefühlt. Schön ist es, in netter Gesellschaft und mit einem so wunderbaren Ausblick auf den Teichgarten, meinen Besuch im Garten Grüssing im Neuesten, erst 2025 fertiggestellten Glashaus zu beschließen.

Liebe Adele und lieber Edgar, es war so inspirierend bei Euch, dass ich nur meinen allerherzlichsten Dank aussprechen kann. Danke, dass wir kommen durften und dass ich Euren Garten in Wurzerlsgarten vorstellen darf.

ACHTUNG: Wer diesen Garten gerne besuchen möchte, für den gibt es in diesem Jahr aus gesundheitlichen Gründen nur noch einen der offiziellen Termine innerhalb der offenen Gartentage: nämlich den 23.08.2026 von 11 – 17 Uhr.

Garten Adele und Edgar Grüssing

Adresse: PLZ 26835 Firrel, Klosterwaldstr. 8

Kontakt: E-Mail: edgar.gruessing@ewe.net

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