Ankommen im poetischen Garten von Brigitte Bergschneider, Paderborn
Heute bin ich wieder in dem Garten angelangt, der mich bei meinem ersten Besuch und meinem Beitrag über ihn, nicht nur zu einem Vergleich mit Smetanas Musikstück: „Die Moldau“ angeregt, sondern mich auch zum Verfassen einiger „Haiku“ hingerissen hat. Über dem Garten liegt eine ganz eigene Poesie, und ich erinnere mich noch an meinen letzten Satz, in dem ich den Wunsch äußerte, Brigitte und ihren Garten in der Zeit, in der die 40 Rosenstöcke ihr Blühspektakel zeigen, wiedersehen zu dürfen.
Tatsächlich ist es heute so weit. Der Garten Bergschneider befindet in Paderborn, einer Großstadt im östlichen Nordrhein-Westfalen, günstig auf unserer Bus-Strecke. Mit Halwax-Reisen liegt eine wunderschöne Woche mit Gärten in Ostfriesland und Groningen hinter uns und wir übernachten noch ein letztes Mal hier und sind nach dem Frühstück unverzüglich in den romantischen Rosengarten von Brigitte Bergschneider gefahren. Nach meinem ersten Besuch 2023 hat sich einiges geändert. Wenn Ihr Euch den ersten Beitrag über Brigittes Garten anschaut,
https://www.wurzerlsgarten.de/deutsche-gaerten/romantischer-wohlfuehl-garten-brigitte-bergschneider/
werdet Ihr feststellen, dass es ein neues Glashaus gibt. Was Gerlinde Halwax und unsere Gartengruppe 2025 allerdings noch nicht sehen konnten, ist der inzwischen abhanden gekommene kleine Gartenteich. Damit ich den Garten nicht inaktuell vorstelle, sind mir Bilder von der Veränderung dankenswerterweise von Brigitte zum Veröffentlichen zur Verfügung gestellt worden. Vielen Dank dafür liebe Brigitte.
Der Garten ist nun schon seit 106 Jahren im Besitz der Familie von Udo Bergschneider, Brigittes Ehemann. Die Großeltern von Udo hatten das Haus gebaut und wie seinerzeit üblich dahinter den Selbstversorgergarten angelegt. Seine Eltern kümmerten sich bis 1999 um Haus und Garten. Die Kinder von Brigitte und Udo kannten das Naschparadies ebenso. Nachdem sie dem Garten den Rücken zukehrten, und der Sandkasten und die Spielflächen verwaisten, kam Brigitte mit ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen endlich zum Zuge. Ihr Hauptwunsch, kein Gemüsegarten mehr, um damit die Konkurrenz durch die Wühlmäuse einzudämmen, wurde nach und nach realisiert.
Anregende Gartenreisen unter anderem nach Großbritannien und zum “Monet Garten” nach Giverny, in Frankreich, dienten dazu ihren persönlichen Wohlfühlgarten zu realisieren. Anregungen für Strukturen und Garten-Gestaltungen fand sie in der daoistischen Harmonielehre des Feng-Shui.
Der Eingangsgarten von Brigitte Bergschneider
Wie beim ersten Mal ist es ein Erlebnis den anfangs schmalen Eingangsgarten nach hinten zu laufen. Dieses Mal fehlt mir der Blick auf die Sichtachsen, da vor mir schon geschaut, bewundert, diskutiert und gefragt wird. Es geht uns Allen gleich, sobald auf der linken Seite das Haus endet und sich der Eingangsgarten dadurch verbreitert, weiß man einfach nicht mehr auf welche Seite man zuerst schauen soll. Auch bei diesem Besuch wirkt der Garten viel größer als 1200 qm.
Auf beiden Seiten gibt es Licht- und Schattenpartien, darum ist auch die Staudenauswahl sehr vielfältig und Raritäten wie Arisaema consanguineum wandern genauso selbstverständlich durch die Halbschatten-Seiten, wie sich die sterile Cirsium rivulare ‚Atropurpureum‘ auf der Sonnenseite platztreu wohlfühlt.
Über den vordersten halbschattigen Bereich freut sich ein Großteil der etwa 200 Hosta-Sorten. Brigitte hat die teilweise mächtigen Funkien, mitsamt den tiefen Plastiktöpfen in den trockenen Gartenboden versenkt. Das ist Brigittes Geheimnis, dass die Hosta-Rosetten wie eine Eins in den Beeten stehen. Allium ‚Mars‘ dazwischen ist bereits verblüht und zeigt seinen nicht weniger dekorativen Samenstand. Die Lerchensporne spielen immer noch zwischen den Funkien Verstecken. Nur die neugierigen Blüten verraten ihre Standorte. Das kleine Quadrat vor dem Glashaus ist immer noch mein Herzensort im Garten. Zwei silberlaubige Pyrus salicifolia ‘Pendula’, weidenblättrige, hängende Wildbirnen, beschirmen hier die fröhliche Staudengesellschaft, die sich um eine kleine Wasserstelle schart.
Der große Garten von Brigitte Bergschneider
Nach dem Wintergarten am Hausende öffnet sich der Garten auf seine Gesamtbreite von 14 m. Ein segelüberdachter offener Sitzplatz, eine kleine Querhecke, der „mein“ entzückendes, blühendes Beet-Quadrat mit den weidenblättrigen Wildbirnen folgt und das sich anschließende Gewächshaus, lenken von der tatsächlichen Breite ab.
Der Weg ist dadurch sicher optisch etwas verengt, aber das schadet nichts, denn wichtig ist, dass die Fließbewegung der unterschiedlichen Gartenräume keineswegs gestört ist. Und…, dass der Garten sein Vorspiel so beendet, dass man, plötzlich auf dem Rasen stehend, das Gefühl hat, dass sich die Gartenkulisse zur Seite hin verbreitert. Insgesamt führt der Garten ab dem Haus etwa 70 m weit nach hinten. Alles eingebettet in harmonischen Übergängen und der fließenden Kraft des strukturierenden Feng-Shui, das überall spürbar ist. Ich merke erneut, dass Brigittes Persönlichkeit die eigentliche Kraft des Gartens darstellt. Mit ihrer eigenen Vorstellung von Garten-Poesie hat sie jedem einzelnen Meter eine besondere Individualität geschenkt.
Auf der linken Seite wird die rein optisch wirksame Verbreiterung mit einem kleinen Bauerngärtchen aufgefangen, das mit einem schlichten Staketenzaun eingefasst ist. Die Bepflanzung darin lässt viel Spontanvegetation mit Annuellen wie Mohn und Glockenblumen oder Storchschnäbeln zu, was ein fröhliches, buntes, spontan wirkendes Bild erzeugt.
Bevor ich noch überlege, ob ich gleich nach hinten gehe und mir die Pflanzeninseln im Rasen anschaue, lockt mich auf der rechten Seite der Teich zum Seitenwechsel. Brigitte war mit der natürlich angelegten Wasserstelle schon beim letzten Mal nicht zufrieden. Also werfe ich einen Blick auf die Wasserfläche, die sich hinter zwei Stühlen und filigranen hohen Gräsern verbirgt. Was ich nicht ahne, es ist das letzte Mal, dass ich diese Situation so fotografieren kann.
Während ich mich mit Brigitte austausche und ihr versichere, dass ich mich freue, dass ich den Garten mit dem neuen Gewächshaus aktualisiert wieder vorstellen kann, erzählt sie mir beiläufig, dass sich inzwischen schon wieder etwas geändert hat. Der kleine Teich existiert nicht mehr. Er musste einem neuen Senkgarten weichen. Da ich nicht wieder einen unvollständigen Garten zeigen möchte, bat ich Brigitte, mir doch die folgenden drei Fotos zur Verfügung zu stellen.
Einige Steinstufen führen in diesen neuen gemütlichen Gartenteil. Außerdem hat mir Brigitte noch zwei Fotos geschickt, in denen man die beiden Seiten des Senkgartens gut erkennen kann.
Ich finde den Senkgarten auf den Fotos schon einmal wunderschön und freue mich jetzt schon darauf, wenn ich ihn, hoffentlich schon im nächsten Jahr dann in echt bewundern kann.
Die 3 Fotos des neuen Senkgartens sind von Brigitte Bergschneider aufgenommen.
Nach dieser kleinen Aktualisierung, die es 2025 noch nicht gab, stehe ich immer noch neben dem Senkgarten, in der Realität von 2025 allerdings neben dem Teich. Der Rasen ist immer bewusst kurzgehalten. Umso auffälliger fallen mir die üppigen Blütenwellen aus den Pflanzinseln und den breiten Randbeeten entgegen. Oft sind sie in der Höhe von Rosenbouquets gekrönt. Es gibt weder harte noch kerzengerade Kanten und Beet-Enden. Starre Konturen werden von Stauden und Gehölzen, momentan vor allem Rosen, einfach überrollt. Ich gehe jetzt in die Gartenmitte zum großen Rondellbeet mit der Stein-Stele. Im Frühling hat sie durchaus eine tragende Rolle, jetzt wird sie von der blühenden Kletterrose ‚Laguna‘ schlicht in den Schatten gestellt.
Rosenduft zieht durch den Garten! Es gibt keine Sperren, die hohen Gehölze sind an die Grundstücksgrenzen zurückgewichen, als hätten sie Angst, den Duft egoistisch festzuhalten oder den Rosen zu viel Licht wegzunehmen. Die Begleiter sind klug gewählt und benehmen sich zurückhaltend.
Dann stehe ich am formalen Seerosenbecken. Es ist schmal und länglich und wird von einem Blumenstrauß aus Berufskraut, Natternkopf, Samenständen von Allium, Kartäusernelke, Glockenblumen und Euphorbien aufgelockert. Auch hier ist alles mit so leichter Hand von Brigitte arrangiert, dass man gar nicht auf die Idee kommt, hier wäre bewusst eine bestimmte Wirkung herbeigeführt worden.
Die Grundstücksbreite von nur 14 m korrespondiert harmonisch mit der Gartenlänge von 70 m. Welche Gestaltungs-Kniffe tragen dazu bei? Die weichen Übergänge spielen eine wichtige Rolle. Das Beschränken bei den Blühfarben auf hauptsächlich blau, weiß und rosa vergrößert visuell die Gartenecken, das Wiederholen von Pflanzen aus der gleichen Gattung wirkt großzügig. Das Himmel anstrebende Verhalten der Rosenrambler und anderer höherer Gehölze, auch mittig im Garten platziert, erschließen die vertikale Dimension im Garten.
Auch bei meinem heutigen Besuch werde ich an das bekannteste Werk des tschechischen Komponisten Bedřich Smetana, „Die Moldau“ erinnert. Die sinfonische Dichtung folgt dem Fluss von der Quelle bis zum Ergießen in die Elbe. Im Eingangsbereich habe ich das typische flinke, fröhliche Entfalten der Moldau-Quelle im Ohr. Langsam schwillt der Fluss an und als ich den Rasen betrete, endet das Staccato des dynamischen jungen Flusses und er strebt über die Rasenfläche gemächlicher und breiter dahin. Vor der Peripherie verläuft eine Hecke quer durch den Garten und schirmt den „Secret Garden“ ab. Das verkürzt die einsehbare Länge und tut den Proportionen des Gartens ebenfalls sehr gut. An dieser Sichtgrenze „fließt“ dann die Moldau in die Elbe, um das “musikalische” Bild abzurunden.
Ein wichtiger Unterschied zur Moldau besteht allerdings, Im Garten gibt es keine Stromschnellen. Brigitte liebt die Harmonie und den Gleichklang, das ist überall zu spüren und zu sehen. Dabei gibt es durchaus immer wieder Höhepunkte und Eye-Catcher, die für sich betrachtet jeden Besucher beschäftigen, aber sobald der Blick wieder über den Garten streift, ist er ein Teil des Ganzen. So bin ich auch nicht überrascht als ich das neue viktorianische Glashaus zum ersten Mal sehe. Gerade durch die weißen Metallteile wirkt es fast durchsichtig und natürlich sehr auffällig. Aber die ruhige dunkelgrüne Hecke dahinter und die vielen lockeren, filigranen, hohen Stauden davor, betten es wieder harmonisch in das Gesamtbild des Gartens ein. Mit diesem Glashaus hat sich ein Traum von Brigitte erfüllt und weil es so gelungen ist, gab es eben in diesem Jahr noch die Veränderung mit dem Senkgarten dazu.
Wie heißt es so schön: „Wer mit seinem Garten schon zufrieden ist, der hat ihn nicht verdient.“ Ich glaube nicht, dass Brigitte mit ihrem Garten unzufrieden ist. Aber mit ihren vielen Gartenreisen kommt sie doch oft mit neuen Ideen nach Hause und wenn sie das Gefühl hat, ihren Garten mit einer Änderung noch weiter optimieren zu können, dann packt sie das auch beherzt an.
Ich bin inzwischen am steinernen Hundewächter vorbei in den schmalen Zugang zum hintersten Gartenteil gegangen. Der Garten hinter der Hecke birgt eine Überraschung, die schon kenne. Ich stehe wieder vor dem Staketenzaun zum „Secret Garden“. Altes Kaffeegeschirr und andere Garten-Accessoires strahlen eine gemütliche Intimität aus. Hier liegt etwas Wehmut in der Luft, gleich endet nicht nur dieser Gartenbesuch, sondern wir werden am späten Nachmittag wieder in Niederbayern und später zuhause ankommen.
Gartenreisen sind für Brigitte so wichtig geworden, dass sie jedes Jahr Tages- und Mehrtagesfahrten anbietet. Auf ihrer Website sind die Termine zu finden. 2027 bietet sie Ein- und Zweitagesfahrten an. Brigitte hat natürlich auch ein Video besprochen, da erzählt sie auch über ihre Reiseveranstaltungen. Also bitte Ton laut und auf das Bild klicken und Brigitte kennenlernen.
Heute heißt es einfach nur danke zu sagen. Danke, dass wir kommen und Deine großzügige Gastfreundschaft erleben durften, liebe Brigitte. Es war wieder wunderbar, Dich als Gestalterin, Dirigentin und Gärtnerin Deines Wohlfühl-Gartens zu erleben.
Stadtgarten Brigitte Bergschneider
PLZ 33102 Paderborn, Elsener Str. 68
Kontakt: E-Mail: Bbergschneider@paderborn.com
Website: www.garten-bergschneider.de




7 Kommentare
Liebe Renate, vielen Dank für deinen wunderschönen Bericht über unseren Garten. Endlich habe ich einen Ort im Garten gefunden um ca. 5 Hühner zu beherbergen. Es ist der Platz links neben dem Hundewächter. Also immer noch kein Stillstand. Alles Liebe Brigitte
Uih, ja, das kann ich mir sehr gut vorstellen. Das werden glückliche Hühner! Ich sehe schon, ich muss wiederkommen. LG Wurzerl
Oh , wie schön ist das den. Ein Traumgarten. Danke liebe Renate für deinen Bericht.
Sehr gerne liebe Erna
Renate, danke für diesen Beitrag.Ich freue mich jedes Mal wenn etwas Neues erscheint.Es ist ein wundervoller Ort. Das ist dann Garten Nummer 3 den ich nächstes Jahr besuchen werde.
Wow, das wird ja schon bald eine Gartenreise. Dann wünsche ich ein schönes Wochenende. LG Wurzerl
Ein wunderschöner vielfältiger Garten, der sich da im Laufe der Jahre entwickelt hat und sich auch immer noch weiterentwickelt. Wunderbar natürlich und so schön eingewachsen, so viele tolle Gestaltungsideen, überall ist die Liebe und Leidenschaft zu diesem romantischen Herzensgarten zu spüren der einen verzaubert und begeistert.