Ankommen im Vorgarten von Jennifer Adam, Niederlistingen
Niederlistingen, ein Ortsteil von Breuna, im nordhessischen Landkreis Kassel, befindet sich in den nördlichen Ausläufern des Habichtswälder Berglands. Es gibt gerade viele Baustellen in dieser Ecke, darum steht mein Auto vor der Sperre und Ulrike Aljets und ich laufen zu Fuß in die Berliner Straße.
Direkt unter unseren Nasen duften verschiedenste Stauden von weiß über rosa zu burgunderrot und dunkelviolett. Kein Zaun stört den Betrachter. Beim leisesten Lufthauch nicken die Akeleien, Himmelsleitern und Storchschnäbel vor sich hin.
Noch während ich die Farbharmonie zwischen bordeauxfarbenen Iris barbata, weißem Polemonium caeruleum ‘Album’ und weinroten und hellrosa Akeleien bewundere, hat uns Jennifer Adam erspäht. Sie kommt vom Seiteneingang um die Ecke und sieht, wie ich begeistert den Grünen Teppich am Ende des Vorgartens nach botanischen Namen seziere. Selbst die niedrige Zwerg-Rosskastanie, Aesculus pavia ‘Rosea Nana’, hält sich im Blühfarbton und der Gehölzhöhe zurück, um nur ja nicht unangenehm aufzufallen.
Ich habe insgeheim schon mit so einer Farbharmonie gerechnet. Bilder von Jennifer Adam sah ich schon oft in Facebook, auch von ihren selbst gemalten Tier- und Blumenbildern. Ja, ich gebe zu, meine Erwartungen sind hoch. Der Durchgang nach hinten ist schmal, ergo wird auch in die Höhe gepflanzt. Die englische Rose ‘Wollerton Old Hall’ ist wirklich ein Traum, wenn sie sich in luftiger Höhe anmutig vom blauen Himmel abhebt.
Die Gartenleidenschaft erbte Jennifer von ihrer Großmutter. Schon in der Kindheit durfte sie bei Oma Blumensträuße pflücken. Dabei lernte sie viel über die unterschiedlichen Düfte und Farben. An die Liebe ihres viel zu früh verstorbenen Vaters zu seinen Obstbäumen, die er selbst veredelte und seine präzisen Gemüseanbau-Pläne, denkt sie noch heute. Jennifer lernte von ihm Obstbäume zu schneiden und die Beiden legten gemeinsam Teiche, Natursteinmauern und Beete an. Die ersten Pflanzen, die 2011 in Jennifers eigenen Garten einzogen, waren Ableger aus dem Elterngarten.
Der hintere große Garten von Jennifer Adam
Nach dem schmalen Durchgang öffnet sich der Garten stückweise. Wir laufen im Entenmarsch den Hausweg entlang und gelangen zu einem Hochbeet und darunter befindlichen akkurat gesetzten Salatpflanzen. In der Nähe des Zauns ändern wir dann die Richtung, laufen an das Ende des Küchengartens und weiter in den Garten hinein.
Der Küchengarten wurde immer wieder an die Bedürfnisse der Familie angepasst. Zuletzt entstand ein neuer Nutzgarten. Der Gemüsegarten der Schwiegermutter wurde aus Altersgründen kleiner, dort legte Jennifer einen Naschgarten mit Kräuterbeet und eine Ecke mit Schnittblumen an.
Als die Familie Adam seinerzeit einzog, bestand der Garten aus sehr viel Rasen, einem Apfelbaum, einem Teich, einem verwilderten Beet und einer Thujenhecke. Die alten Immergrünen wurden entfernt und der Hühnerstall gebaut. Jennifer legte ihre ersten Blumenbeete an. Kräuter zogen unter dem alten Apfelbaum ein und es wurde ein Teichbeet gestaltet. Die Anzahl der Gehölze und Stauden in den Randbereichen des Gartens nahmen zu und die Beete wurden immer größer.
Wenn man einen Garten anfängt, gibt es oft viele Ideen, aber keinen Plan. So war es zuerst auch hier. Inzwischen hat Jennifer längst ihren Gartenstil gefunden und die Gestaltung geht immer mehr harmonisch ineinander über. Während ihr Mann sich oft um seine Ideen am Haus oder die Grobgestaltung des Gartens kümmert, bemüht sich Jennifer um die feinen Strukturen und Übergänge. Das überlegte Formen von Wegen und Mauern ist in einem leichten Hang unverzichtbar. Dazu kommt das Topping, die Gestaltung mit den Pflanzen.
Die Taglilienzucht hat es der Gärtnerin besonders angetan. Sie findet es unfassbar spannend, was aus ihren selbst gekreuzten Pflanzen entsteht. Die Sämlinge sind inzwischen im Garten verteilt. Bis sie das erste Mal blühen, dauert es vom Samenkorn an etwa 3 Jahre. Jennifer pflanzte viele filigrane und kleinblütige Stauden dazu. Es ist wichtig, in den Anpflanzungen immer wieder große und charakterstarke Blühpflanzen einzustreuen. Es geht dabei um Fernwirkung, aber auch um die Betonung eines Beetes mit einer herausstechenden Leitfarbe. Im Hochsommer wird diese Aufgabe bald von den Hemerocallis-Blüten übernommen werden. Welche Stauden und Annuelle sie dabei begleiten, bestimmt Jennifer im Vorfeld.
Clematis montana ‘Tetrarose’ – Iris barbata-elatior ‘Paradise Pink’ – Paeonia ‘Coral Sunset’ und Iris germanica ‘Ambassadeur’
Helleborus und Narzissen, weitere Lieblingsstauden von Jennifer, sind von Februar bis April für die Führungsrolle im Garten zuständig. Im Spätfrühling erfüllen die Leitstauden Allium ‘Globemaster’, verschiedenfarbige, pastellige Bartiris und Päonien diese Aufgabe, die sie dann im Juni noch zusammen mit den Rosen wahrnehmen.
Natürlich gibt es auch einen Lieblingsplatz. Er ist unter der Weidenkuppel, denn von dort genießt die Familie einen schönen Blick in den Garten. Außerdem kühlt die Weidenkonstruktion im Sommer angenehm ab. Die Kinder haben auch einen Lieblingsort, es ist das Türmchen, das früher im unteren Bereich als Hühnerstall gedient hat. Inzwischen ist es ein Werkraum für die Kinder und oben aufgestockt ein Rückzugsort und Spielplatz geworden. Mir gefällt die rustikale, natürliche, ja auch gemütliche Atmosphäre in der oberen Gartenperipherie.
Paeonia ‘Cytherea’ – Rosa ‘Wollerton Old Hall’ und Clematis montana ‘Mayleen’ – Rosa ‘Red Ballerina’
Jennifer liebt ihre Gehölze, setzt sie aber sehr gezielt und bewusst, hauptsächlich an den Gartenrändern ein, um in ihren “Seelengarten” möglichst viel Sonne hineinzulassen. Neben den Rosen und Clematis finden sich besondere Bäume, wie die Felsenbirne, ein Holunder ‘Black Beauty’ und eine Magnolie.
Sambucus ‘Black beauty’ – Senkgarten – Iris ‘Immortallity’
Das Gros der Pflanzen wird hauptsächlich nach pastelligen, ja oft weißen Blühfarben ausgesucht. Aber so wie Jennifer den starken Farb-Kontrast ihres Holunders ‘Black Beauty’ zwischen (fast schwarzem) Blatt und (rosa angehauchter weißer) Blüte schätzt, so spielt sie auch bei anderen Gattungen, diesen Trumpf aus. Die reinweiße Iris ‘Immortallity’ wurde nicht nur nach ihrer weißen Blüte ausgesucht, sondern auch nach ihrer Eigenschaft im Frühherbst zu remontieren. Zusätzlich punktet sie mit einem feinen Duft.
Umgekehrt kann Jennifer auch. Wenn die fast schwarze Iris barbata-elatior ‘Superstition’ auf Polemonium caeruleum ‘Album’, die weißblühende Jakobsleiter oder Silene latifolia, die Weiße Lichtnelke und Eriophorum latifolium, das Wollgras trifft, dann ist der Blumenbeet-“Malerin” Jennifer wieder eine wunderschöne Beetmalerei gelungen.
Als Sohn eins gekommen ist musste der alte Teich weichen. Nachdem Sohn zwei begann, den Garten zu erkunden, wurde aus dem alten Hühnerstall der Kreativturm für die Kinder gebaut. Ein aufgeasteter Holunder wurde zum Kletterbaum erkoren. Irgendwann schließt sich der Kreis. Der Sandkasten, der natürlich ebenfalls im Garten für die Jungs gebraucht wurde, hat inzwischen längst ausgedient und an dieser Stelle befindet sich inzwischen die Neuauflage des Teichs.
Eigentlich war vor wenigen Jahren eine Zinkwanne als Miniteich angelegt worden. Über Nacht gelangten einige Molche in die Wanne, Jennifer grübelt noch heute, wie sie das geschafft haben. Sie vermehrten sich dort explosionsartig. Im Hochsommer knallte die Sonne so sehr auf die Wanne, dass die Familie sich um die Gesundheit der Babymolche sorgte. Schließlich wurde als neues Zuhause ein kleiner neuer Teich angelegt. Etwa 30 bis 40 Babymolche wurden in den neuen Teich umgesiedelt. Seitdem ist dort immer etwas los.
Kein Wunder, dass die Kinder bis heute gerne in den Garten gehen. Besonders der Große zeigt Gästen gerne seine Lieblingspflanzen zum Naschen. Dabei kann es schon vorkommen, dass er die Kletterwand des Türmchens hochkraxelt und auf dem Gründach Schnittlauch erntet, den er gerne händeweise futtert.
Wenn sich im Sommer der Schwalbenschwanz die Ehre gibt, freut sich die ganze Familie. Nymphen der Streifenwanze, genauer gesagt, der italienischen Schönwanze, lieben den Fenchel genauso, wie der seltene Schmetterling. Das gewöhnliche Zittergras, Briza media, umtanzt alles, was ihm in die Quere kommt. Kuckuckslichtnelken sind genauso beliebt, wie der Staudenmohn.
Während ich immer neue Pflanzenkombinationen entdecke, hat Ulli sich mit Jennifer in den Senkgarten zurückgezogen und fertigt das obligatorische Video an. Genau das möchte ich Euch jetzt zeigen.
Zeit zum Malen findet die Gärtnerin meist nur im Winter. Dann freut sie sich darüber, sich mit Hilfe der Fotos die Farben des Frühlings und Sommers in die Erinnerung zurückrufen zu können und sie auf der Leinwand festzuhalten. So genießt Jennifer die Atmosphäre des Sonnengartens auch im Winter, wenn sie sich die Bilder ihres Seelengartens ansieht und malerisch umsetzt.
Kater Fussel ist jetzt der Meinung, dass ich lange genug im Garten war. Also ziehe ich mich mit Ulli diskret zurück. Natürlich nicht, ohne mich bei Jennifer Adam ganz herzlich dafür zu bedanken, dass ich den Garten fotografieren durfte und ihn jetzt auf Wurzerlsgarten vorstellen darf.
Garten Jennifer Adam
Adresse: PLZ 34479 Breuna Niederlistingen, Berliner Str. 3
Kontakt: Mailadresse: Jenny.adam@outlook.de
Website: www.altelier-j-adam.de

8 Kommentare
Wunderschöne Vorstellung dieses Gartens, der einen schönen Eindruck bei mir hinterlassen hat.
Grüße von Ulli
Lieben Gruß zurück und LG vom Wurzerl
Ein wundervoller Garten und so schön beschrieben!
Viele Grüße von
Margit
Es freut mich, dass Dir der Garten gefällt. Schönes Wochenende und LG Wurzerl
Guten Morgen Renate,
wie schön, Jennys wunderbaren Garten einmal mit deinen Augen zu sehen. Es blühten zu deinem Besuch wieder andere Pflanzen als an den Tagen, an denen wir dort waren: man geht eben nie zweimal in denselben Garten.
LG Susanna
Das ist richtig liebe Susanna und ich finde es auch immer spannend zu sehen, wie Du einen Garten beschreibst, den ich kenne. LG Wurzerl
Liebe Renate
Das ist einer meiner Lieblingsgärten. Und deine Beschreibung sowie die Bilder zeigen dass ich mich nicht geirrt habe. Es bleibt so traumhaft ☺️☺️☀️ Dankeschön für die tolle Beschreibung und die Bilder.Liebe Grüße Karin 😍
Oh, wusste gar nicht, dass Du diesen Garten kennst, ja, in Jennifers Garten kann man sich nicht irren. Er ist einfach “echt”. LG Wurzerl