Tagebuch aus Wurzerlsgarten, April 2026

Prunus incisa 'Kojo-No-Mai', japanische Zierkirsche, Wurzerlsgarten

Tagebucheintrag 01.04.26 – ” Blühstatus Anfang April “

“April, April, der weiß nicht, was er will!” Also ich glaube, er weiß es doch. Er übt schon mal, ob es im Zeichen des Klimawandels Sinn macht, mit den Eisheiligen diesen Monat einzuleiten, anstatt sie, wie gewohnt, vom Kalendarium erst im Mai aus dem Hut zaubern zu lassen. Nach Graupelschauern kommt immer wieder die Sonne zwischen den Wolken heraus und schleckt sofort eifrig die kleinen weißen “Eisschusserchen” weg. Diese Momente gilt es für eine Bestandsaufnahme der Blüten, Anfang April, zu nützen! Schau mal liebes Tagebuch, was auf meinen 180 qm so alles los ist.

Während sich die März-Blüte hauptsächlich auf die Blumenwiese, das Frühlingsbeet und den Bachhügel konzentrierte, steppt jetzt Anfang April überall im Garten, einschließlich dem Vorgarten, der Bär. Es ist einfach herrlich liebes Tagebuch, wie fast täglich neue Arten und Sorten aufblühen.

Jeffersonia dubia, Syn. Plagiorhegma dubium – Anemone blanda ‘White Splendour’ – Hacquetia epipactis

Vor allem der Steingarten versucht jetzt, mit besonderen Schätzchen, wie der Jeffersonia dubia, Hacquetia epipactis oder Primelraritäten alles nachzuholen, was er im verlängerten Winterschlaf verpasst hat.

Ich laufe den Weg einmal rund um den Garten und sehe überall, dass mich neu aufgeblühte Gehölze und Stauden anlachen. Es macht so einen Spaß und wärmt mir das Herz, jaaaaa, ich gebe zu, es waren viele Runden, die ich gedreht habe, auch in die Gegenrichtung, denn immer sehe ich weitere Blüten, die erst entdeckt werden wollen.

Auch wenn es optisch den Eindruck macht, dass das Frühlingsbeet an der Ahornecke jetzt ruhiger wird, liegt es nicht am Mangel an neuen Blüten. Es wird einfach sehr grün, denn die Blätter der Geophyten, z. B. Galanthus oder der Stauden, z. B. Helleborus streben ans Licht und werden mehr und höher. Da müssen die Primelblüten, Blausternchen und Andere, die sich jetzt präsentieren, schon anstrengen, gesehen zu werden.

Tagebucheintrag 05.04.26 – ” Der Ostermorgen “

Seit Tagen schleiche ich um meine Zierkirsche Prunus incisa ‘Kojo-No-Mai’. Vor meinem geistigen Auge blüht sie Ostern und ich kann die herrlichen Blüten dieser Zierkirsche, die ihre Knospen mit als Erste innerhalb ihrer Gattung öffnet, für meine Ostergrüße ablichten. Im Gang habe ich eine Osterdeko stehen, Wachteleier im Nestchen, die möchte ich so gerne in meinem Bäumchen fotografieren. Am Karfreitag zweifele ich noch, das Bäumchen ziert sich und bleibt standhaft knospig. Aber heute Morgen, als die Sonne über den Gartenzaun hüpft, da passiert es.

frühblühende Zierkirsche Prunus incisa ‘Kojo-No-Mai’

Die Kirschblüten strahlen mich an und es leuchtet bis in den Wintergarten. Zwei Minuten später war mein Traumfoto für Ostern im Kasten. Stirn abwisch, “Guat is ganga!”

Da macht mir meine Deko im Regal des Wintergartens gleich noch viel mehr Spaß. Ich weiß jetzt schon, wenn ich Anfang Mai aus Ostfriesland zurückkomme, dann wartet sie auf mich und das ist gut so.

Auch im Garten ist jetzt dekoriert. Es macht mir vor allem auf der Terrasse Spaß, weil ich das unmittelbar vor meinen Augen habe, wenn ich von meinem Schreibtisch aus hinausschaue.

Tagebucheintrag 06.04.26 – “ Osterspaziergang mit Goethe ”

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche,
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungs-Glück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dorther sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur;
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlt’s im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Tatsächlich ist das der Beginn des Ostergedichtes von Johann Wolfgang von Goethe. Liebes Tagebuch, ich habe jetzt endlich den Beweis dafür, dass wir bereits mitten im Klimawandel sind. Lies einfach einmal die letzten beiden Verszeilen! Der Herr Geheimrat beklagt in seinem Osterspaziergang den “Mangel an Blumen”! Was sagste nu? Mein Garten blüht schon vereinzelt im Januar und was im Februar und März im Garten los ist, das zeige ich Dir ja bereits seit Jahren in den Eintragungen.

So schön das Gedicht vom Herrn Geheimrat auch ist, mir gefällt der Osterspaziergang in Wurzerlsgarten und in vielen tausenden heutigen Gärten, von Euch Allen, viel besser.

Was ich bei den Leugnern des Klimawandels absolut nicht verstehe, ist, dass sie auch gegen Klimaschutz-Maßnahmen sind. Was haben sie gegen saubere Luft? Warum wollen sie keine Kosteneinsparungen durch Energieeffizienz mit heimischen Energiequellen, welche uns noch dazu unabhängig von den Krisengebieten machen, die uns gerade mit netten Erhöhungen der Benzin- und Ölpreise überziehen? Was gibt es, durch den notwendigen Umbau der Infrastruktur bedingt, gegen neue krisensichere Arbeitsplätze zu sagen? Was spricht gegen eine “Grüne” (Gehölz-)Aufrüstung in den Städten, schon um die Zahl der Hitzetoten im Sommer zu senken? Warum schützen wir nicht noch gezielter unsere natürlichen CO 2-Speicher und Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten, nämlich die Moore, Wälder und Meere, damit sie nicht verschwinden, zur Plastik-Kloake verkommen, sondern uns Menschen und andere Kreaturen auf der Erde weiter schützen? Es gäbe noch viele Fragen an die Gegner von Maßnahmen gegen die rasante Klimaänderung, aber da sie mir die wenigen, die ich hier aufstelle auch nicht beantworten werden, spare ich mir den Rest und gehe in den Garten.

Tagebucheintrag 16.04.26 – “Achtung Wasserbewohner, der Teich wird ausgeräumt”

Heute ist ein schwieriger Tag für mich. Ich leide quasi schon vor dem ersten Handgriff mit allen Teich-Bewohnern mit. Aber es ist nötig, der Teich muss ausgeräumt werden, damit er nicht verlandet. Meine liebe Freundin Babsi steht schon am Vormittag mit ihrer Fischerhose im Teich und bekämpft die mattenartig ausgebreiteten Carex-Bestände.

Stolz präsentiert sie mir jedes einzelne Wurzelgeflecht, das sie aus dem Teichgrund mit Sumo-Ringerkraft herauszieht. Bevor sie die Sauergräser ans Ufer wirft, wird erst untersucht, ob sich eine Libellenlarve, ein Bergmolch oder eine Posthorn- oder Spitzschnecke in dem Strunk verfangen hat. Was Babsi nicht sehen kann, hat die Möglichkeit, in den nächsten Tagen, den halben Meter ins Wasser zurückzulegen. Am Nachmittag kann ich endlich wieder den Wolkenspiegel auf dem Teich betrachten. Allerdings ist der Himmel gerade etwas braun eingefärbt. Tja, das wird sich im Laufe der nächsten beiden Wochen sicher wieder normalisieren.

Tagebucheintrag 21.04.26 – “Blühstatus in der zweiten April-Hälfte”

Liebes Tagebuch, Ende April oder Anfang Mai, je nach Witterung, beginnt bei mir im Garten die Saure-Gurken-Zeit. Nein, Gott bewahre, ich spreche nicht von Essiggurken in meiner Wiese. Was ich meine, ist das Gesamtbild meines Gartens, das sich gerade grundlegend ändert. Die Gehölze haben sich endlich etwas Grünes angezogen und in der Wiese herrscht Sodom und Gomorrha. Tatsächlich ist meine Blumenwiese von Mitte Februar bis Mitte April ein wunderbarer Blütenteppich. Ich traue mich nicht, ihn während dieser Zeit zu betreten, vor lauter Angst, ein Blütenblättchen abzubrechen. Hätten bloß mal die Schnecken so einen Skrupel! Heute würde ich am liebsten nur auf der Terrasse die frisch aufgeblühten Hyazinthen und in der Toskanaecke die Frühlingsplatterbse, Lathyrus vernus, fotografieren.

Jetzt ist nämlich die Zeit gekommen, in der mein Garten für 1 1/2 Monate jegliche Struktur und Harmonie verliert. Die Gräser der Wiese sind eigentlich seit vier Wochen mähreif und die Blätter der Frühlings-Zwiebelblüher schießen unterschiedlich in die Höhe, als wollten sie mir lange Nasen herausstrecken. Sie wissen genau, dass ich jetzt leide und in Gedanken dauernd hämisch den Rasenmäher durch die Wiese dirigiere. Nein, natürlich mache ich das nicht! Ich hätte im Folgejahr überhaupt keine Blüten mehr in der Wiese. Die Blätter der verblühten Geophyten müssen nun einmal in Ruhe in die Zwiebel einziehen können, um Kraft für die nächstjährige Blüte zu sammeln. Ich weiß es genau – leide darum mit meinem ästhetischen, jetzt beleidigten Auge, umso mehr!

Ich konzentriere mich also jetzt auf die neu aufgeblühten Pflanzen und zeige sie nur als Porträt oder innerhalb des Beetes, in dem sie wachsen. Am Rand des Steingartens haben sich die späten Narzissen geöffnet. Der Steingarten erfreut mich auch in der zweiten Aprilhälfte mit besonderen Blüten, wie dem blauen Enzian, Gentiana acaulis und Euphorbia cyparissias ‘Fens Ruby’.

Gentiana acaulis, Steingarten, Wurzerlsgarten

Auch im Randbereich rundum gesellen sich neue Gattungen und Arten zu den vorhandenen Aprilblühern. Dazu gehören die Epimedium und die Anemone nemorosa ‘Robinsoniana’, die sich gegenüber der Art etwas mehr Zeit lässt, aber jetzt umso mehr aus dem Beet herausstrahlt.

Epimedium x warleyense ‘Orangekönigin’ Anemone nemorosa ‘Robinsoniana‘ – Euphorbia cyparissias ‘Fens Ruby’ 

Ich muss mal meine Pflanzenporträts über die Elfenblumen, Anemonen und Euphorbien nachlesen, denn bei den vielen Gartenbesuchen sind inzwischen natürlich wieder so einige neue Wünsche aufgekommen.

https://www.wurzerlsgarten.de/pflanzen-und-tiere/epimedium-die-elfen-kommen/

https://www.wurzerlsgarten.de/pflanzen-und-tiere/die-gattung-anemone-blueht-vom-fruehling-bis-zum-herbst/

https://www.wurzerlsgarten.de/pflanzen-und-tiere/euphorbien-mediterranes-flair-fuer-den-garten/

Liebes Tagebuch, ja, Wunschkandidaten habe ich tatsächlich, ich frage mich lediglich, wie man aus 180 qm einfach mal 250 qm machen könnte?

Pulmonaria officinalis – Leucojum aestivum – Brunnera macrophylla

Im großen Teichbeet beginnen jetzt das Lungenkraut, die Sommerknotenblume und das Kaukasus-Vergissmeinnicht zu blühen. Es sind absolute Lieblinge von mir.

Der Bachhügel und der Frühlings-Walk gegenüber erfreuen mich mit neuen Muscari- und Narzissen-Sorten, weiteren Elfenblumen, dem gelben Hundszahn und natürlich mit der langsam abflauenden Zierkirschen-Blüte von Prunus incisa ‘Kojo-No-Mai’. Sie hat den Blühstab allerdings bereits an die Säulen-Zierkirsche neben der Birke abgegeben.

Tagebucheintrag 23.04.26 – “Wenn einer eine Reise tut…”

Je höher das Gras wird und je brauner die Blätter der einziehenden Zwiebelpflanzen werden, umso mehr leide ich jetzt an der Optik des Gartens. Was soll ich tun? Ich kann dem Gras und den Zwiebelblättern beim Wachsen zusehen. Aber ich bin kein Masochist, verdammt noch mal, ich haue ab, das hier tu ich mir nicht länger an! Ostfriesland, ich komme! Aber das ist eine andere Geschichte. Die wird später vom Reisewurzerl erzählt. Ja, liebes Tagebuch, Du siehst richtig. Der Gartenapril ist schon eine Woche vor dem 01. Mai 2026 von meiner Seite her auserzählt. Wir sehen uns erst Anfang Mai wieder.

Prunus serrulata’Kanzan’ – Erythronium ‘Pagoda’ – Oxalis acetosella

Und während ich Stück für Stück mein Auto bepacke und mehrmals vom Haus zur Garage laufe und zurück, sehe ich es. Meine Hängezierkirsche ist im Vorgarten aufgeblüht und lacht in den blauen Himmel. Die sonnengelbe Forellenlilie verneigt sich zur Begrüßung und der weiße Waldklee strahlt mich an und wünscht mir eine gute Reise.

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