Tagebucheintrag 03.05.26 – ” Blühstatus Anfang Mai “
Liebes Tagebuch, ich bin wieder da! Gestern total inspiriert aus Ostfriesland und den Niederlanden zurückgekommen, bin ich heute gleich durch den Garten gelaufen, um zu schauen, welche Stauden und Gehölze inzwischen verblüht, bzw. neu aufgeblüht sind. Es ist schon ein Riesenunterschied, ob ich täglich eine Runde im Garten drehe, oder er zwei Wochen lang sich selbst überlassen bleibt.
Choisya x dewitteana ‘White Dassler’ – Rhododendron ‘Homer’ – Rosa omeiensis pteracantha
Das kurze Blütenglück der Zierkirschen ist vergangen, aber die Orangenblume und die Stacheldrahtrose schenken mir ihr strahlendes Weiß und hinter dem Bachlauf in der Rhododendronsenke erröten die Azaleenknospen immer mehr und beginnen aufzubrechen. Die Alpenrose, Rhododendron ferrugineum im Steingarten ist bereits voll aufgeblüht, ebenso Prunus laurocerasus, die vielgescholtene Lorbeerkirsche, die als Immergrüne hinter der zweiten Vogelfutterstelle unter dem Pfaffenhütchen, den kleinen Vögeln Schutz bietet.
Die zweijährige Knoblauchrauke, Alliaria petiolata, hat ihren Premierenauftritt im Garten. Bleiben darf sie, aussamen aber nicht. Dazu entdecke ich unterschiedliche Storchschnäbel, Hundszahn, Günsel, Milchstern, Knöterich, Brunnera, Geum und Salomonssiegel. Meine geliebten Akeleien zeigen mir verheißungsvoll eine Menge Knospen.
In den Gärten der Niederlande und Ostfrieslands sah ich noch vor einigen Tagen eine Unmenge an Tulpen blühen. Ich habe nicht Viele, aber sie sind mir kostbar. Es ist ein Altbestand, der aus Sicht der Mutterzwiebeln bereits mehr als 25 Jahre auf dem Buckel hat. Meine Papageitulpen sind sogar bereits 45 Jahre lang, stets am gleichen Platz, im Garten. Alle neuen Sorten, die mich im Laufe der letzten 10 Jahre angelacht haben und denen ich nicht widerstehen konnte, verließen mich verhältnismäßig schnell und deshalb pflanze ich inzwischen keine neuen Tulpen mehr.
In diesem Beitrag kannst Du sehen, welche Erfahrungen ich generell mit der Tulpenblüte gemacht habe.
https://www.wurzerlsgarten.de/arbeiten/jetzt-tulpen-zwiebeln-setzen/
Meine kleine Euphorbien-Sammlung ist bis auf zwei späte Arten bereits am Blühen. Euphorbia griffithii ‘Fireglow’ kommt zwar zuverlässig jedes Jahr, aber leider setzt sie gar nicht zu. Vielleicht sollte ich bei Ihr doch auf etwas mehr Feuchtigkeit achten. Mehr als die mächtigen hohen Wolfsmilch-Arten und Sorten, hat es mir im Steingarten die niedrige Euphorbia cyparissias ‘Fens Ruby’ angetan. Sie vermehrt sich durch Samen und Ausläufer, ist aber leicht im Zaum zu halten, da ich die Sämlinge immer sofort mühelos aus dem lockeren Boden herausnehmen kann.
Auch mein Frühlingsbeet an der Ahornecke freut mich jetzt besonders. Mit den blauen Hasenglöckchen, am äußeren Rand gepflanzt, läutet es langsam das Blühende dieses Beetes ein. Als Letzte werden noch Mitte Mai die Camassia in Blau und Weiß hier blühen, dann beginnt unter dem roten Blätterdach des Ahorns die Sommersiesta. Ich denke, der Mai wird blühtechnisch großartig. Die vielen Knospen versprechen einen bunten Blumen-Monat.
Tagebucheintrag 06.05.26 – ” Mein Garten versinkt im Hagel “
Heute war ein Hauch von Weltuntergang im Garten zu spüren. Angesichts der allgemeinen Weltlage möchte ich diesen Satz aber gar nicht weiter strapazieren.
Wenn Du Dir die Katastrophe ansehen willst, liebes Tagebuch, dann schau einfach da rein:
https://www.wurzerlsgarten.de/monatsspaziergaenge/wurzerlsgarten-und-der-regentanz/
Ich habe weder die Lust, Dir hier mehr als dieses eine Bild zu zeigen, noch will ich Dir beschreiben, wie es aussah, nachdem sich der Hagel ausgetobt hatte, 10 cm hoch weiße Körner zurückgelassen hat und weitergezogen war.
Tagebucheintrag 08.05.26 – ” Chelsea Chop oder Vögel füttern ? “
Die Antwort ist relativ einfach, zwei Starenfamilien, eine Amsel- und eine Spatzenfamilie sitzen inzwischen täglich unter dem Glasdach der Terrasse und provozieren mich, indem sie an der Terrassentür vorbei stolzieren. Die Meisen sind viel dezenter, nur die Altvögel kommen zum Terrassenfutterplatz. Mit den Jungen bleiben sie lieber im Gebüsch an Zaunnähe neben dem Rosenpavillon.
Die Vögel interessieren sich nicht für die ästhetischen Gesichtspunkte im Garten, schon zweimal nicht nach dem Hagel. Sie haben Hunger und wollen ihrem Nachwuchs künftige Nahrungsquellen erschließen. Nach der “Raubtier”-Fütterung schaue ich mir die Stauden an, die ich im Mai normalerweise chopen würde. Wie das funktioniert, siehst Du hier:
https://www.wurzerlsgarten.de/arbeiten/chelsea-chop-und-pinzierenmai-juni/
Es ist nicht leicht, nach dem Hagelschlag noch durchzublicken. Vereinzelt sehe ich Blüten und Knospen, wie beim unkaputtbaren Balkanstorchschnabel.
Aber das meiste sieht so ähnlich aus wie die Bergflockenblume. Eine Blüte und weitere 18 geköpfte Stiele anklagend im Beet stehend, sind für einen Großteil der Stauden im Moment exemplarisch. Ich spare mir den Chelsea Chop für das Jahr 2026! Das Chaos ignoriere ich und schaue zu, wie alles Abgeschlagene braun wird oder sich vereinzelt ein Stiel erholt und wieder aufrichtet.
Tagebucheintrag 15.05.26 – ” Blühstatus Mitte Mai “
Inzwischen ist Ruhe eingekehrt, einiges hat sich wieder erholt. Viele Stauden, aber auch das Gros der Rosenknospen sind fürs Erste einfach verschwunden. Schlimmer als der Schaden an den Stauden, die sich bis zum nächsten Jahr hoffentlich erholen, ist das Zusammenbrechen meiner Haltestrukturen. Meine Kletterrosen, abgesehen von denen am Rosenpavillon, verunglücken gerade haltlos. Mein Glyzinien-Stamm hat den Kontakt zur Erde verloren, die Wurzeln sind verfault. Ein großer Heurechen stemmt sich gerade in die Krone der Rose ‘Mozart’, um einen totalen Absturz zu verhindern. Meine Rosa ‘Ghislaine de Feligonde’ hat sich über die Schiene des Sonnenschutzes über dem Terrassen-Glasdach geworfen und hängt nun ebenfalls an Rechen. Ich brauche dringend 3 hohe Rosenobelisken, sonst muss ich alles total zusammenschneiden. Dabei ist eh kaum was da an Rosenknospen.
Überraschenderweise blühen ausgerechnet die Baum- und Stauden-Päonien ohne größere Ausfälle. Ich weiß, dass die verholzenden Päonien viel abkönnen, sie stammen immerhin aus den Bergregionen von Nordchina und Tibet.
Schaue ich mir allerdings meine Kiefer im Vorgarten an, von der inzwischen nur noch ein Totholz-Fragment steht, dann ist es doch ein “Pfingst-Wunder”, dass die großen attraktiven Päonien-Blüten das so souverän hinbekommen haben.

Glück hatte auch mein Großer Federbuschstrauch, Fothergilla major, der vom Holzzaun rundum und vom Ahorn von oben geschützt, unbeschadet vor sich hin blüht.
Tagebucheintrag 15.05.26 – ” Alles neu macht der Mai ? Von wegen… “
Ok, neu ist zumindest dieses Volkslied nicht, dessen Text aus dem Jahr 1818 stammt. Der Inhalt besingt den Frühlingsbeginn und steht für Erneuerung, Lebensfreude und Aufbruchstimmung.
Was soll ich von einer Erneuerung halten, die mir vom Wetter aufgezwungen wird?
Lebensfreude? Klar doch, ich gehe doch nicht wegen eines Hagels in die Knie, das lasse ich allein schon wegen der Arthrose hübsch bleiben.
Aufbruchstimmung? Grrh, das habe ich missverstanden und schon seit Mitte April in Ostfriesland und den Niederlanden mit mir herumgetragen. Dort habe ich sie dann wohl vergessen, einzupacken.
“Alles neu macht der Mai” – Yes, der Monat gilt nun mal als die ideale Zeit dafür, Altes hinter sich zu lassen, Pläne umzusetzen, Kraft zu tanken oder sich neu zu verlieben, das erzählt mir gerade ein Buch mit alten Sinnsprüchen.
Das Älteste in meinem Garten bin ich selbst, wie lasse ich mich selbst hinter mir? Ich soll Pläne umsetzen, gut, ich muss wieder verreisen, das mildert das Durchschnittsalter meiner Gartenbewohner ungemein. Kraft tanken soll ich auch, i wo, ich strotze nur so vor Kraft, muss dringend 8 kg abnehmen. Neu verlieben, na ja, aus dem Alter bin ich Gott sei Dank lange raus.
Ich habe tatsächlich inspirierende neue Pflanzen mitgebracht. Sempervivum ‘Gold Nugget’ gilt als weltweit erste goldblättrige Hauswurz und wurde 2019 in Essen zur besten neuen Staude gekürt. Diese patentierte Semps kommt aus den USA und ich bekam das Pärchen von Karin geschenkt, als ich sie in ihrem kunterbunten Garten in Aurich besuchte. Der Palmenzüchter Wim überreichte mir eine kleine hübsche Choisya und Henk der Farnspezialist aus den Niederlanden packte zu meinen Farnen noch eine Dicksonia antarctica, den Tasmanischer Baumfarn, dazu. Woher ahnte er wohl meine Faszination für exotische Baumfarne? Niemals hätte ich es gewagt, mir so etwas zu kaufen, auch wenn ich einfach mal so in den Botanischen Garten nach München fahre, nur um die dortigen Prachtexemplare zu bewundern.
Zwei gelbe Hostas und fünf Farne hatte ich für den Vorgarten gekauft. Die Schleiereule musste auch mit. Gleich der erste Stellversuch vorne unter dem Goldahorn war für mich ein Volltreffer, aber es fehlte noch etwas.
Tagebucheintrag 25.05.26 – ”Ist das Leben nicht schön ?“
Wiese im Slalom um die Geophyten-Blätter herum gemäht, Bachlauf angestellt, Deko raus, einige Pflanzen haben sich doch berappelt und die Kübelpflanzen sind jetzt in die Sommerfrische unmittelbar vor den 30 Grad zu Pfingsten aus dem Wintergarten herausgekommen.
Der Teich ist so spät ausgeräumt worden, dass das Entenpaar sich schon zuvor am Weiher, 400 m Luftlinie entfernt, niedergelassen hatte. Bei den Molchen hatte ich zwar wegen Abwesenheit die Türkisfärbung und den Hochzeitstanz der Männchen verpasst, aber bei der Jagd kann ich sie jetzt umso besser beobachten. Den kleinen Frosch habe ich seit dem Hagel leider nicht mehr gesehen. Die Terrasse wurde nach Jahren wieder einmal gründlich gereinigt. Schön kommt nun das Schneckenmuster wieder zutage. Der Bach läuft wieder munter den Hügel hinab, ich kann mich allerdings nicht durchringen, mir das bräunliche Blüten-Gematsche der vier Rhododendron anzuschauen. Ich halte mich an die Päonien. Und besuche die Schleiereule, sie ist inzwischen mit einem Ausläufer vom Bachhügel verschönert worden und gefällt mir, so komplettiert, sehr gut am neuen Standort.
Für meine Kiefer habe ich auch schon einen Plan. Ich suche gerade nach einer nicht allzu hoch kletternden Clematis, ohne Welke-Anfälligkeit, die den nackten Stamm wieder zum Leben erwecken kann, vielleicht auch remontiert? Mal sehen, hast Du eine Idee, liebes Tagebuch, oder die treuen Leser von Wurzerlsgarten? Es gibt immer wieder neue Pläne, es geht immer weiter, selbst an Tagen, wo man mehr Schäden entdeckt, als man gute Ideen dagegen entwickeln kann. Egal mit welchen Mitteln – irgendwie macht der Mai halt doch alles neu – und ja:
“Das Leben kann wunderschön sein”.


4 Kommentare
Wir hatten vor Kurzem auch einen heftigen Hagelschauer und die Hosta, die dieses Jahr bisher von den Schnecken fast verschont blieben, sind allesamt zerfetzt. Aber wenn ich mir das Trauerspiel bei dir ansehe, Renate, ist das Jammern auf hohem Niveau.
Ich hoffe, dass sich dein Garten berappelt und du deine Rosen in den Griff bekommst, ohne sie ganz runter zu schneiden.
Viele Grüße
Susanna
Liebe Susanna, ich denke, es ist immer traurig, wenn man im Garten vor grünen Konfettis und kahlen Stielen steht. Da brauchen wir keine Kategorien einteilen. Wichtig ist es, am Ball zu bleiben und nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Bei mir keimt allerlei und fängt auch schon zu blühen an… allerdings alles unerwünschte Beikräuter, die jetzt Platz in meinem dicht gepflanzten Beeten gefunden haben. Wünsche Dir ein schönes Wochenende. LG Wurzerl
Meine liebe Renate
Unglaublich unschöne Bilder . Bin ich froh, dass du einige Neuheiten von deiner Reise mitgebracht hast.
Und
Ich arbeite schon an unserer nächsten gemeinsamen Reise. Freue dich auf eine riesige Überraschung. Deine Erna
Ups, wie lange habe ich jetzt schlaflose Nächte? LG Wurzerl