Tagebucheintrag 31.08.2026 – “August war tote Hose, ist abgehakt”
Liebes Tagebuch, Du hast Dich oft beschwert, wie weitschweifend meine Tagebucheinträge sind, wie schrecklich ich die Leser von Wurzerlsgarten langweile mit meinen langatmigen Ausführungen zu eben aufgeblühten Geophyten oder abgängigen Fröschen. Heute werde ich mich selbst übertreffen, 1 Monat – 8 Sätze.
Der blaublühende Hibiscus syriacus gab sich im August die Ehre, alle anderen Pflanzen streikten. Der Himmel hatte schon am Monats-Anfang vergessen den Sonnen-Ausschaltknopf zu drücken. Die Natur wirkte wie gelähmt und ich forderte meine Schnecken vergeblich zum Rennen auf. Gott sei Dank, wie ich rückblickend feststellen muss, ich hätte wahrscheinlich verloren.
Neben den geliebten blauen Hibiskus-Blüten, die ich momentan am liebsten umfärben würde, gab es aber doch ein Highlight, das mich mit dem August wieder versöhnte. Bei meinem letzten Besuch im Schaugarten GALAROSA, in der Nähe Bambergs, hatte ich eine wunderschöne Steinbüste der „Selene“ entdeckt und sie spontan gekauft. Da ich ein Schwachmatikus bin, haben mich meine lieben Freunde Jeannette und Roberto am Monatsende besucht und die Selene mitgebracht. Nun liegt sie hinten in meiner Peripherie und ich schaue jeden Tag einmal nach, ob sie ihren Schönheitsschlaf auch ja ungestört genießen kann.
Tagebucheintrag 02.09.2026 – “Endgültige Entscheidung!“
Nach diesem trockenen Hitzesommer wollte ich im September einfach wieder etwas Normalität. Aber mein Garten hat es sich und mir nicht leicht gemacht. Er litt immer noch an den Nachwehen der beiden Frühjahrshagel. Die 40 Grad im Sommer haben dem Garten gar nicht so viel anhaben können, da ich seit Jahren nicht gieße. Die Stauden, die das nicht mochten, haben sich schon vor Jahren aus dem Garten verabschiedet. Gut, die Rosen sind erst Ende Juli, fast halb so groß wie normal, aufgeblüht. Dadurch gibt es wohl kaum eine Rose, die in dieser Saison remontiert. Viele Stauden waren so gechopt, dass ich im August nichts gesehen habe und auch jetzt Anfang September schaut es mau aus.
Es ist angenehm, sich im Garten nicht um Wässern kümmern zu müssen. Eine große Ausnahme bildet dabei die Kübel- Topf- und Ampelfraktion. Bisher hatte ich in den Hängeampeln immer eine Saisonpflanzung, was mich soeben an Friedhof erinnert. Im Frühling kleine Violas, im Sommer meist Petunien, im Herbst boten sich oft Kissenastern an. Nur im Winter kaufte ich nichts Neues, sondern schnitt die Pflanzen erdnah ab und steckte Eibenzweige in die verbliebene Erde. Im Advent schmückte ich dann die Ampeln mit passender Weihnachtsdekoration. Dieses Jahr waren die Violas, dank Rückschnitt, lange schön. Sollte ich da unmittelbar vor dem Urlaub noch Petunien pflanzen? Nein, keinesfalls, ich habe die Violas gelassen. Gott sei Dank liebes Tagebuch, denn mit Grauen denke ich an die Hitzewochen des Sommers zurück. Die Violas sahen natürlich im August nicht mehr standesgemäß aus, aber sie hatten Zeit, sich wunderbar auszusäen und ich hatte Muse, zu entscheiden, dass ich nie mehr Petunien oder Pelargonien oder ähnliches nicht Winterhartes kompostieren will. Im Garten fielen mir die niedrigen Sedum und hohen Telephium auf, die knospig wie eine Eins im Beet standen. Mit diesem Gedanken ging ich in die Gärtnerei und habe jetzt eine Herbstpflanzung kreiert, die nicht nur im Frühling komplett ins Beet ausgepflanzt werden kann, sondern von der ich erwarte, dass sie auch den Winter über gut aussieht. Ich finde meine Blumenampelkreationen sogar fast schon zu vornehm für meinen naturnahen Garten. Aber wie heißt es so schön, liebes Tagebuch: „Wer angibt, hat mehr vom Leben.“
In den Beeten und am Gehölzrand warten übrigens schon die Verwandten meiner Hängeampelpflanzen. Die Sedum- und Telephium- Arten und Sorten und die Herbst-Alpenveilchen freuen sich schon, wenn sie im Frühling, bevor die Violas in die Ampeln kommen, dann nette Gesellschaft kriegen.
Tagebucheintrag 09.09.2026 – “Die Terrassendeko und die bepflanzten Steine“
Die Herbst-Terrassen-Dekoration ging heute ganz fix. Im Dachjuchhe der Garage habe ich einen schönen Stauraum und dort warten alle Advents- Oster- und Herbstschätze darauf, ihren großen saisonalen Auftritt zu bekommen. Gestern kaufte ich lediglich Kürbisse. Denn ich habe eine Bekannte, die liebt Kürbissuppe und sie bekommt ab Halloween jede Woche ein bis zwei Kürbisse zum Kochen mit, denn Essbares kann ich nicht ausschließlich als Deko verwenden. Das wäre mir total zuwider.
Meine Tuffsteine und Steinschalen standen die letzten 2 Jahre achtlos am Boden. Sie bestanden nur aus kleinen Erdresten, die daran erinnerten, dass ich da versucht hatte, attraktive kleine bepflanzte Landschaften mit alpinen und sukkulenten Kleinstauden zu gestalten. Sie begeisterten mich genau so lange, bis die Ameisen entdeckten, dass man dort wunderbar an die feinen Wurzeln der Pflanzen kommt und gleich darunter geschützte Nester anlegen kann.
Da ich die Pelargonien und andere nicht winterharte Pflanzen im nächsten Monat in die Garage umzusiedeln gedachte, wurde meine Pflanzentreppe unter dem Terrassenspiegel freigeräumt und ich platzierte alle meine Steine und Gefäße, die nicht zu groß waren, auf der Pflanzentreppe. Ich wollte diesmal schlauer sein als die Ameisen und die fertig bepflanzten Schalen und Steine nicht wieder auf den Boden setzen. Ich hatte das schon vor meiner Herbst-Deko-Aktion erledigt, weil ich diese auf mein Fass und den Platz am Mittelpfeiler der Terrassenüberdachung beschränkt, festgelegt hatte. Und was musste ich heute entdecken? Viele abdeckende Kieselsteine und auch Teile der Hauswurzen und Sedum waren von den Meisen und Spatzen kurzerhand „ausgetopft“ worden. Sind es nicht die Ameisen, dann halt die Vögel! That’s life!
Tagebucheintrag 15.09.2026 – „Blühstatus Mitte September“
Meine Hippeastrum, die Rittersterne, habe ich tatsächlich erst jetzt ausgetopft und ohne Erde trocken und kühl gelagert. Später, wenn wirklich alle Blätter restlos eingezogen sind, hole ich die Zwiebeln dann, zusammen mit ihren luftigen Holzkörbchen in den Wintergarten, um sie später erneut einzutopfen.
Natürlich gibt es jedes Jahr eine Extrawurst, pardon, eine extrovertierte Zwiebel meine ich, die bereits Knospen zeigt. Über solche Vorreiter freue ich mich natürlich. Aber dass gerade „meine“ bevorzugte Weihnachtsfarbe heute schon blüht, das war eigentlich nicht vorgesehen. Lach, ich freu mich natürlich trotzdem.
Gut, das betraf jetzt eher den Wintergarten als den Garten draußen. Klar gibt es vereinzelte Storchschnabelblüten. Und natürlich freue ich mich über Linaria purpurea, die sich besonders gut in diesem Jahr ausgesät und etabliert hat, auch wenn es wohl eher am Platzangebot im Frühjahr lag, wo sich innerhalb kurzer Zeit an 2 Hageltagen, das Angebot der Stauden radikal dezimiert hat. Einige brauchen bis heute, bis sie ihre Blattkonfetti zusammengesucht haben, da hat man nicht gleichzeitig die Muse, zu blühen. Besonders weh tut es mir, dass sich bei den Rosen noch gar nichts Neues zeigt, obwohl 16 meiner Rosen remontierend sind. Aber es gibt immer etwas in meinem ramponierten Garten, das mich wieder aufleben lässt. Die Herbstzeitlosen sind pünktlich erschienen. Mein Wasserkrokus, Zephiranthes candida, blüht reichlicher als die vergangenen 4 Jahre zusammengerechnet und oh Wunder, Choisya ternata ‚White Dazzler‘, die Orangenblume, sie remontiert zum ersten Mal in meinem Garten.
Tagebucheintrag 22.09.2026 – „Änderungen und Neues“
Ich sehe gerade, dass ich erst vor einer Woche über die Folgen des Hagels schrieb. Da passt mein heutiger Eintrag tatsächlich perfekt dazu. Am letzten Samstag war ich beim Jubiläum von SARASTRO-Stauden. Dort fand ich einige Pflanzenraritäten, die ich mir schon lange gewünscht hatte und als Andenken an diesen schönen Tag mit nach Hause genommen hatte. Heute war nun die große Einpflanzaktion.
Clematis ‚Country Rose‘ – Hosta ‚FehnOmenal‘ – Sphaeralcea ‚Newleaze Coral‘
Die zerstörte Kiefer im Vorgarten bekam endlich eine Clematis zugeordnet. In mein warmes Beet vor dem Wintergarten setzte ich die Wüstenmalve ein. Ein sehr kostbares Geschenk von Ulli, nämlich die Rarität Hosta ‚FehnOmenal‘, die sie selbst entdeckt und benannt hatte, durfte im Vorgarten in die Erde, sobald die ärgste Sommerhitze ausgestanden war. Ich bin bei diesen und weiteren Neuerwerbungen wirklich gespannt auf das kommende Frühjahr.
Tagebucheintrag 01.10.2026 – „Gedanken zur Gartendekoration“
Heute bin ich mit meinem kritischen „Dekoblick“ durch den Garten gelaufen. Eine gute Gartendekoration ist in meinen Augen nicht kitschig und stiehlt meinen Pflanzen nicht die Schau. Es gibt zwei Ausnahmen, an denen ich nicht vorbeikann. Weihnachten und Ostern bin ich der verkitschteste Mensch auf Erden und das ist gut so. Zwischendurch führen Geschenke von Freunden dazu, dass sich im Garten auf engstem Raum viel zu viele völlig unterschiedliche neue Deko-Teile ansammeln.
Während die Maske meiner leider viel zu früh verstorbenen Freundin Eva, von der Birke aus, den beiden Miezen vor dem Diamant-Reitgras beim Spielen zusieht, ruht sich Fräulein Säulein unter ihr aus. Eine Verehrerin hat Fadenalgen zu einem Grünen Herz über die Lehne drapiert. Die Teakholzliege ist inzwischen ein Stuhl geworden, das Fußteil ist komplett abgefault und musste entsorgt werden.
Im nächsten Frühling werde ich beim Wiederausbringen der Dekorationen mehr auf unauffällige Plätze achten, sie nicht zu eng zusammenstellen und sicher auch nicht alles gleichzeitig präsentieren. Hast Du schon einmal etwas von „Wechselausstellungen“ gehört, liebes Tagebuch? Das bietet sich auf jeden Fall für meine 180 qm Garten an.
Tagebucheintrag 15.10.2026 „Blühstatus Mitte Oktober“
Auch der Oktober beschert mir keine Rosen-Nachblüte mehr. Eine letzte Persische Rose winkt aber doch tröstend aus dem Teich-Beet zu mir in die Bibliothek. Das Plattährengras und das Diamantgras waren von allen Wetterkapriolen dieses Jahres unbeeindruckt geblieben. Sie blühen überreich und werfen sich jetzt für das große Herbst-Finale in Schale.
Das braucht der Herbstkrokus ‚Artabir‘ nicht, bei ihm genügt es, wenn sich die Blüten öffnen. Sofort ist seine Umgebung verzaubert, ich selbst eingeschlossen. Unter der Erde konnte er in Ruhe abwarten, was das Jahr so an Kapriolen hervorbrachte. So ist es nicht verwunderlich, dass ich dieses Jahr mehr Herbstkrokus-Blüten habe als je zuvor.
Tagebucheintrag 20.10.2026 – „Indian Summer in Wurzerlsgarten“
Es ist immer das gleiche, jedes Jahr warte ich auf die Herbstfärbung im Garten und wenn sie dann da ist… werde ich melancholisch. Sobald die Pflanzen ihr Rouge und ihren Goldflitter anziehen, weiß ich, dieser große Auftritt läutet das Ende der Gartensaison ein.
Ja, ich liebe es, wenn sich im Spindelstrauch das Feuer fängt und der Wilde Wein und die Berberitzen versuchen, da mithalten zu können. Ich amüsiere mich über die Eichblatthortensie, die sich nicht zwischen Rot- und Gelbtönen entscheiden kann und einfach kunterbunt daherkommt. Sehr apart finde ich die Gelbspitzen der Euphorbie, die sich von unten nach oben färbt. Und… Moment mal, meinen überreich golden gefärbten Ginkgo habe ich prompt vergessen für Dich zu fotografieren. Au weia, das setzt was.
Tagebucheintrag 23.10.2026 – „Schafstelzen und andere Vögel“
Apropos golden gefärbt, da fällt mir noch ein Erlebnis ein, das ich Dir noch dringend erzählen muss. Zum ersten Mal in Deutschland und dann auch noch in meinem Garten, habe ich eine Schafstelze gesehen. Der kleine Wippsteert saß auf dem hohen Stein, der aus dem Teich herausragt, aber bei meiner ersten Bewegung in Richtung Kamera, flog er auch sofort weg. Was für ein schönes Erlebnis! Weniger schön fand ich das Verhalten des Buntspechts, der sich zum ersten Mal am Insektenhotel zu schaffen machte.
Dann kam auch schon das zweite unwiderrufliche Zeichen zum nahenden Ende der Gartensaison, das sich meist kurz vor dem Höhepunkt der Blattfärbung zeigt. Jedes Jahr fällt ein Reisetrupp von bis zu 100 Staren in unsere Straße ein, die in ihrem Reisekleid von Norden kommend, hier noch einmal ungefähr drei Wochen Station machen, um sich noch einmal auszuruhen, gut anzufuttern und auf den Flug über die Alpen in Richtung Süden vorzubereiten. Bis zu 15 Meisenknödel schaffen sie locker an einem Tag und das neben dem losen Futter im großen Vogelhaus. Wenn sie einfallen, dann machen die Spatzen sofort Platz an ihrer Futter-Spaßschaukel. Sie wissen ja, dass der Spuk bald vorbei ist.
Gestern war es dann so weit. Die Stare hatten fünf Tage zuvor angefangen, in der Mittagszeit zu kommen und sich auf meinen Teich zu stürzen. Es war ein Anblick für Götter, zu sehen, wie bis zu 40 Stare gleichzeitig im flachen Wasser geplanscht haben. Ich habe versucht, es zu fotografieren, aber man sieht nur verschwommene Flügel und tausend Wassertropfen. Vier Tage lang ging das so. In keinem Jahr zuvor habe ich etwas Derartiges bei ihnen beobachtet. Ich war nur wochenlange Fressstation für sie. Und heute, ja, heute kamen sie weder zum Baden noch zum Fressen. Adieu liebe Stare, gute Reise und danke für Euren Hinweis.
Tagebucheintrag 31.10.26 – “ Einwintern! Kann das Leben nicht schön sein?”
Sobald der Schwarm Stare weg ist, zähle ich die nächsten 10 Tage ab. Ich weiß, so lange habe ich noch Zeit, bis der erste Frost kommt. Ich verlasse mich auf meine Zugvögel seit über 40 Jahren und ich habe noch nie eine Pflanze an Väterchen Frost verloren.
Gestern und heute war es so weit. Die Strelitzie und die drei Hibiskus kamen zurück in den Wintergarten. Leider musste ich alleHibiskus stark einkürzen. Das war allerdings meine eigene Schuld. Vom Vogelhaus war der Fuß abgefault und ich hatte es nur auf ein kleines Gestell platziert. Der Platz dafür war genau hinter den Hibiskus-Pflanzen. Die Amseln und Stare waren dieses Jahr so übermächtig, dass sie die Kleinen: Meisen, Rotkehlchen und Fitis einfach verdrängten. Diesen hatte ich eine eigene Futterstelle eingerichtet, so dass Alle auf ihre Kosten kamen. Nur, die Meisen kamen leider nicht mehr auf die Terrasse zu den Hibiskus, um sie zu entlausen. Darum der Friseurbesuch vor dem Einräumen. Agapanthus, Pelargonien, Mönchspfeffer und Zephiranthes kamen als neue Nachbarn des Vogelfutters an das Garagenfenster.
Das Abstellen des Bachlaufs war die letzte Amtshandlung dieses Gartenjahres. Es gilt nur noch die Terrasse aufzuräumen und in Kürze die Weihnachtsdeko und die Lichterkette für die Terrasse herauszusuchen. Der Garten darf dann ausruhen und einfach zusehen, wie ich mich wieder mit meinem Weihnachtskitsch selbst übertreffe. Hach, sag selbst liebes Tagebuch: „Kann das Leben nicht schön sein.“





2 Kommentare
Sehr schöne und spannende Zeilen von Deinem Tagebuch vom Wurzelgarten.Immer wieder gerne.
Liebe Grüsse aus der Schweiz Silvio
Herzlichen Dank Silvio, liebe Grüße zurück aus Oberbayern. LG Wurzerl