Ankommen im Schaugarten GrünTon Cottage Kralovec in St. Leonhard am Forst in Niederösterreich
Die Marktgemeinde St. Leonhard am Forst, (3100 Einwohner), befindet sich nicht weit vom Kloster Melk im Mostviertel Niederösterreichs. Der Ortszusatz “am Forst” weist darauf hin, dass gut 27 % der Gemeindefläche bewaldet ist.
Der letzte Tag unserer Österreichreise ist angebrochen. Trotzdem ist Ingrid Kralovecs Reich der erste Garten dieser Tour, den ich auf Wurzerlsgarten vorstellen möchte. Denn Ingrid war der eigentliche Hauptgrund für die Gartenreise nach Österreich. Sie hatte diesen Beitrag schon vor drei Jahren in einem meiner Adventrätsel in der Traumgartengruppe gewonnen und es war höchste Zeit, ihren Gewinn einzulösen und aus diesem Grund auch als Ersten hier zu präsentieren.
Im Südgarten des Schaugartens GrünTon Cottage Kralovec
Und da steht Ingrid auch schon und öffnet Ulrike Aljets und mir das Gartentor. Wir treten ein und sind urplötzlich in einer anderen Welt angekommen. Die Atmosphäre ist schwer zu beschreiben, auf jeden Fall ist sie spannend und meditativ, dazu künstlerisch und natürlich zugleich. Schon nach wenigen Schritten bekomme ich das “Kribbeln”, das mir zeigt, dass ich mich in einem grünen “Schatzkaleidoskop” befinde, welches bei jedem Schritt und bei jeder Drehung neue, überraschend vielfältige Ansichten vor mir ausbreitet.
Ich bleibe im Eingangsbereich des Südgartens, der von zwei Lärchen, den Hausbäumen, leicht beschattet wird, zurück. Die Gastgeber spazieren mit Ulrike zum Herzstück des Gartens voraus. Langsam schlendere ich den leicht geschwungenen Weg entlang. Wie alle Wege, ist auch dieser vom Hausherrn selbst gepflastert worden. Der Pflasterteppich vor dem Felsengartl, ist Ingrids Werk, die Umrandung stammt wieder von Hannes. Die Beiden haben den Garten in viel Eigenregie zu ihrem einzigartigen Eigenen geformt.
Seit 1984 interessiert sich Hannes für Bonsais, während Ingrid seit 1990 anfing, sich mit Keramik und der Töpferei zu beschäftigen. Diese beiden Leidenschaften kamen immer mehr sichtbar im Garten zum Vorschein. Allein die Bonsai-Präsentationsfläche an der Mauer, in ein ruhiges grünes Beet mit einem “Schildkrötenstein” eingebettet, in welchem eine stattliche Gruppe von lila blühenden Bletilla striata, der Japanorchidee, Mühe hat, auf sich aufmerksam zu machen, ist schon ein erster Höhepunkt. Viele der Bonsaigefäße hat Ingrid geselbert. Aber sie beherrscht auch figürliche Keramikarbeiten, wie ich am Krieger hinter dem Eichen-Bonsai sehen kann, der exakt zu den 8000 lebensgroßen Tonsoldaten aus der Terrakotta-Armee in Xi’an passt, die ab 1974 dort ausgegraben wurden.
Ich laufe direkt auf eine spannende Holzkonstruktion zu. Das Gebäude, aus silbergrau changierendem Holz, sehe ich erst, als ich auf der Rückseite des Hauses stehe. Denn die Seite, auf die ich zugehe, ist von der einmalblühenden Ramblerrose ‘Brenda Colvin’ bis über das Dach hinweg überzogen. Das ist keine Zauberei, diese Rose schafft mühelos 6 Meter. Ich bin am Rätseln, welche Funktion das Holzhaus hat, eine Treppe führt nach oben, darunter lehnt ein großer Mahlstein, daneben stehen zwei Wikinger-Holzstühle. Erst gegenüber auf der Seite des Teichgartens erkenne ich, dass es ein Teehaus ist.
Unverkennbar dagegen ist das Mondtor in der Holzpalisade, welche den Südgarten in zwei Teile halbiert. Ich schreite mit der gebotenen Achtsamkeit durch das Tor, wende mich nach wenigen Schritten um und genieße entzückt das Bild, das sich mir in Richtung Eingang im runden Rahmen bietet. Grenzenlos ist meine Bewunderung, als ich erfahre, dass auch die Holzarbeiten im Garten alle in Eigenbau entstanden sind.
Hier im Südgarten, auf der Lärchenbaumwiese und der Naturwiese hinter dem Mondtor, sind die Schneeglöckchenareale von Ingrid und Hannes. Wenn man im Vorfrühling einen Besuch zu Gartenfreunden mit einer stattlichen Galanthus-Sammlung unternimmt, darf man sich nicht wundern, wenn daraus eine Sammelleidenschaft entsteht, die mittlerweile mehr als einhundert Sorten umfasst. Die Naturwiese und Biodiversität sind nur zwei der Maßnahmen im Garten, die Insekten und anderen Tieren das Leben leichter machen. Darum ist es dem Ehepaar auch wichtig, dass sich die Blütenpracht im Garten von Januar bis weit in den Spätherbst hinein hinzieht. Orlaya grandiflora, die Strahlenbreitsame und Cirsium rivale ‘Atropurpureum’, eine Bachkratzdistel, stehen auf dem Speiseplan vieler Tiere.
Die Naturwiese endet vor der Pflasterfläche, die mich zum “Felsengartl” führt. Was für ein genialer Plan war das denn?! Das “Felsengartl” ist ein Aufbau, der sich unmittelbar an der Seite des Badehauses anschließt und als Aufgang zum Flachdach desselben entpuppt. Vor den letzten Stufen auf das Dach stehe ich sicher auf einer kleinen, ebenen Terrasse, die es mir ermöglicht, meinen Blick rundum schweifen zu lassen. Als erstes blicke ich aus dem Garten hinaus in die weite Landschaft, drei Keramik-Raben tollen auf einem malerischen Stück Totholz herum. Dann schaue ich hinunter in den hinteren Südgartenteil und traue mich dann auch ganz nach oben auf das Dach des Badehauses. Ja, ich bin nicht schwindelfrei, aber das begrünte Dach und die vielen Bonsaitöpfe rundum im Randbereich, die muss ich sehen und fotografieren. Ein weiterer Vorteil, der Blick ist jetzt auch ungehindert in den großen Teichgarten möglich. Da muss ich jetzt hin!
Der große Teichgarten von Ingrid und Hannes Kralovec
Beim Hinuntersteigen will mir die Rose ‘Ilmenau’ wohl die Sicht versperren, trotzdem erkenne ich das Holzhaus wieder, das ich neben dem Mondtor als Rückfront gesehen habe. Unten angekommen, steuere ich sofort auf das Teehaus zu, das sich auch von vorne mit den Blüten der Ramblerrose ‘Brenda Colvin’ im Dachbereich schmückt. Das Häuschen scheint sich etwas kleiner zu machen, als es ist. Das wird durch einen visuellen Kniff erreicht. Hannes baute rechts und links vom Eingangsbereich zum Teehaus Trockenmauern. Ja, auch die Kenntnisse der Technik zum Aufbau von Trockensteinmauern hat sich der Hausherr angeeignet. Auf der rechten Seite neben dem Eingang befindet sich das runde Becken des Lotusteichs. Ingrid bezeichnet die darin befindliche Lotus-Sorte als winterharten, zartgelb blühenden Lotus ‘Perry’s Giant Sunburst’.
Im Inneren des Teehauses steht eine blühende Azalee, die ebenfalls als Bonsai gezogen ist. Hannes kommt mir entgegen, lacht und meint: “Du kannst sie anfassen, sie ist wirklich echt, viele Besucher denken, das sind Plastikblüten.” Das glaube ich ihm sofort, denn sie steht makellos in der Bonsaischale. Aber genauso interessiert mich das geschwungene Bonsaigefäß links davon. Ich kann mich gar nicht entscheiden, ob ich das Gefäß oder die Bepflanzung, die fast wie ein Ikebana-Gesteck anmutet, interessanter finde.
Ich gehe noch einige Meter die Trockensteinmauer entlang und komme zu einer weiteren interessanten Sitzgruppe, mit einer schönen, oben gebogten Klinkermauer hinter den hohen Holzstühlen. Dahinter steht auf einer hohen Stele eine hochwertige Hasenskulptur. Ich habe den Rücken des Hasen schon im ersten Teil des Südgartens bewundert. In Richtung Haus finde ich noch ein romantisches, reetgedecktes Taubenhaus, mit einer anmutigen rosaweißen Rose, in luftiger Höhe verbandelt. Eigentlich wird man immer neu animiert, weiterzugehen und zu staunen. Aber links von mir ist der Schwimmteich, hinter mir das Badehaus und darum kehre ich jetzt entschlossen um, bis ich in den Querweg zum Badehaus komme. Er ist Durchgang, aber gleichzeitig das Bade-Deck vor dem Teich. Dann gehe ich die linke Seite, den von Bonsais begleiteten Weg entlang, diesmal endgültig nach hinten.
Überwältigend ist der Blick über das Wasser bis zur hinteren Kulisse des Kiesgartens. Die geschickt gesetzten Gehölze wirken in ihrer Höhenstaffelung, als würde der Garten nie aufhören. Gegenüber sehe ich über die Wasserfläche hinweg wieder das von der Rose begrenzte Teehaus, die Sitzplätze und andere Detail. Die interessante Heckengestaltung sehe ich von hier nicht. Der Weg ist zu eng. Ausgiebig betrachte ich die Wegführung rund um den Teich, die Sumpfzone mit der Skulptur des Fischreihers und der übermütigen, aber natürlich trotzdem damenhaften Madame, die sich etwas unvorteilhaft der Wasserfläche nähert. In der Nähe des Teehauses befindet sich nicht die europäische Trollblume, nein, es muss dann schon die Chinesische, Trollius sinensis, sein.
Große Teile des Gartens entstanden erst im Zug einer großen Umgestaltung im Jahr 2010. Viele alte gesammelte Materialien, Ingrids zunehmende kreative Tätigkeit mit den Ton-Arbeiten und Hannes Bonsai-Leidenschaft wollten verarbeitet, passend präsentiert und zu einem harmonisch in sich greifenden Ganzen vereint werden. So entstand 2010 der Schwimmteich, das Badehaus, neben dem sich ein Saunabereich befindet, der einer japanischen Fass-Sauna mit Holzofen nachempfunden ist und das Felsengartl, das Teehaus mit dem Mondtor und hinter dem Teich das Kiesbeet und das Salettl. Auch einige neue Bereiche mit Sitzplätzen kamen 2010 dazu.
Über den Schwimmteich führt eine typisch fernöstliche Stegvariante, nämlich lose verlegte, behauene Trittsteine aus Granit. Sie stammen vom nahen Hiesberg und sind immer wieder im Garten zu finden. Sie reihen sich gerade aneinander und zeigen mir das Selbstbewusstsein unserer Gastgeber. In China wären kerzengerade verlaufende Pfade, gerade über das Wasser in Richtung Haus, undenkbar. Ich sah so manche Zickzackbrücke in Shanghai oder in den klassischen Gärten von Suzhou. Ihre Aufgabe ist, böse Geister abzuwehren, da diese nur geradeaus gehen können. Vielleicht übernimmt diese Aufgabe auch einfach die waghalsig geschnittene Hecke, welche die bösen Geister gar nicht erst in diesen so bodenständig in sich ruhenden Garten eindringen lassen.
Über dem Teich liegt der eigenständige leise Singsang des Wassers und seiner Bewohner. Der Frosch und die männliche Plattbach-Libelle sonnen sich im Wasser und auf dem Holzstück. Mücken umtanzen die Seerosenblüten, als würden sie ihnen huldigen. Ich liebe diese gespannte Ruhe, die über einem lebendigen Teich schwebt.
Kiesgarten, Terrassengarten, Bauerngartl und die Bonsaischule
Natürlich bin ich mit Hilfe der Granitsteine über das Wasser “gewandelt”. Ich möchte mir den Kiesgarten etwas genauer ansehen und gehe an der japanischen Steinlaterne vorbei. Während vor mir der Kiesgarten liegt, drehe ich mich noch einmal um und schaue zurück auf die windschnittige Hecke und das Badehaus mit der Fass-Sauna daneben.
Dann öffnet sich mir mit dem Kiesgarten wieder eine völlig neue Perspektive. Der Kiesgarten entstand erst vor 4 Jahren und er erschließt das Teichende auf eine ihm eigene Art. Die Erde wurde hier in mühsamer Arbeit mit einem Schotter/Sandgemisch 40 cm tief abgemagert. Ingrid Kralovec gab diesem Gartenteil besonders viel Farbe. Nicht nur die Stauden, auch die mal bunten, mal schlichter gehaltenen Fabelwesen und Holzskulpturen, geben das Spektrum der im Garten möglichen Farben preis. Mehr als überall sonst im farblich eher zurückhaltenden Garten, sprenkeln sich hier die Farbkleckse fröhlich durch das Kiesbeet bis zum Bauerngartl und schaffen einen perfekten Übergang von der meditativen Traumwelt ins Hier und Jetzt.
Wobei ich zugeben muss, dass das Hagebuttenmädchen mich auch völlig verzaubert hat. So sehr, dass ich nicht einmal mehr in die Werkstatt zurückgegangen bin, um zu schauen, ob dieses entzückende Wesen vielleicht als Doublette im Verkaufsregal steht. Hier hinten im Philosophenbankerl, wäre mein Lieblingssitzplatz, vielleicht kann ich ja wiederkommen und erneut diese vielschichtige Tiefe und Atmosphäre des Gartens genießen.
Interessant finde ich, was Ingrid selbst über ihren Garten erzählt. Ich will sie einfach kurz zitieren:
“Biodiversität auf unserem Grundstück ist und war uns schon immer wichtig. Wir sehen unser grünes Reich als Trittstein dazu und versuchen bei offenen Gartentüren unser Wissen, sowie Erfahrungen an Interessierte weiterzugeben. Die daraus resultierenden Begegnungen ließen so manche langjährigen Freundschaften entstehen.”
Ich reiße mich endlich los von den vielen bunten Details und lande, einmal mehr in einem ruhigen grünen Schattenbereich vor der Salettl-Terrasse. Hier sind die unterschiedlichen Grüntöne und Blattformen wieder tonangebend.
Neben der dunkelbraunen Eingangstür, die in das Salettl führt, grünt ein lose gestellter Topfgarten. Innen höre ich schon, dass Ulrike gerade das Video mit Ingrid und Hannes aufnimmt. Da will ich nicht stören, aber Ihr könnt gerne auf das Bild klicken und den Ton laut stellen, damit Ihr die Beiden endlich auch persönlich kennenlernt.
Ich möchte noch den hinteren Teil mit dem Bauerngartl und der Bonsaischule sehen, also gehe ich leise dorthin. Das Bauerngartl ist ein kleines Schlaraffenland, wo die schwarzen und roten Johannisbeeren direkt vor meiner Nase vor sich hinschaukeln.
Vor über 40 Jahren begann die gemeinsame Bewirtschaftung des Gartens, als die Beiden 1984 das Haus von Ingrids Großmutter übernommen hatten. Das Grundstück, rund 1400 qm, war ursprünglich ein Gemüsegarten. Ein wenig erinnert das Bauerngartl im hintersten Gartenteil noch daran. Es ist wirklich eine große Pflanzenvielfalt in diesem Areal entstanden und ich glaube Ingrid sofort, wenn sie meint: “Eine der leichtesten Übungen im Garten Kralovec ist, den selbst auferlegten “Pflanzen-Aufnahmestopp” regelmäßig zu brechen.
Als letztes schaue ich mir die “Bonsai-Schule” im Garten Kralovec an. Hannes hat ein Faible für einheimische Bäume. Kiefern liebt er besonders und so stehen Rotkiefern, Pinus sylvestris, Latschenkiefern, Pinus mugo oder Schwarzkiefern, Pinus nigra austria, im Garten verteilt. Und so schließt sich ganz hinten im Bauerngartl der Kreis; der Bonsai-Kreis; der an der Eingangsmauer im Südgarten begonnen hat.
Gartenbeschreibung vom SERVUS Magazin (Oktober 2022)
Ingrid und Johannes Kralovec haben den Garten am 20.September von 9 Uhr bis 17 Uhr unter dem Motto ” Herbstfreuden ” geöffnet.
GrünTon Cottage, Ingrid & Johannes Kralovec
Adresse: St. Leonhard am Forst, Untere Neusiedlstr. 1, Niederösterreich / Österreich
Kontakt: kralovectonart@yahoo.de
Website: www.bonsai-keramik.at

