Ankommen im Exotengarten von Bernhard Strohmaier in St. Margarethen an der Raab, Steiermark
Die Marktgemeinde St. Margarethen an der Raab, mit über 4100 Einwohnern befindet sich in der Oststeiermark. Die sanften Hügel, die das Raabtal umgeben, bestehen primär aus feinkörnigen Ablagerungen des ehemaligen Pannonischen Meeres und späteren Binnensees. Der Talboden selbst, in den St. Margarethen eingebettet ist, entwickelte sich in der jüngsten Erdgeschichte (Quartär). Durch die gewaltige Flußdynamik entstand das breite, fruchtbare Flachmuldental des Flusses Raab.
Der Garten selbst liegt an der höchsten Erhebung des Entschendorfberges (486m) und erstreckt sich parabolspiegelartig auf über 2,5 ha nach Südwesten. Die topografischen Gegebenheiten, die hohe Jahreswärmesumme und die durchlässigen, leicht sauren Bodenverhältnisse ermöglichen die Kultur subtropischer Gewächse.
alte Hippeastrum Sorte – Iris spuria Hybride – Salvia greggii ‚Soft Pink‘ mit Holzbienen
Wie aus der Gemeindechronik hervorgeht, wurde Hanns Hiebamb (Herrschaft Riegersburg) im Jahr 1754 bereits als Besitzer des Anwesens Entschendorfberg 52, in St. Margarethen, erwähnt.
Im Jahr 2006 entdeckte dann Bernhard Strohmaier diesen alten, besonderen Ort. 2007 übernahm er die Landwirtschaft und begann nach und nach in vielen verschiedenen Bauabschnitten „Philemons Garten“ mit dem Hauptaugenmerk auf exotischer und mediterraner Bepflanzung, behutsam und naturschonend, zu einem Landschaftsgarten umzugestalten. Begünstigt war sein Vorhaben durch das milde Klima der Oststeiermark, das dem illyrischen Klimatyp, geprägt vom kontinentalen Talbodenklima und dem thermisch begünstigten Riedellandklima (USDA 7a) zugeordnet wird.
Sambucus Sutherland Gold, Goldholunder – Paulownia tomentosa, Blauglockenbaum – Rosa ‚Chevy Chase‘ und ‚Jasmina‘
Tatsächlich weiß ich nicht, was auf Margarete, Ulrike und mich zukommt, als ich auf „Philemons Garten“ zusteuere. Als ich parke und vor vier Paulownias stehe, die von Rosen umringt, von diesen erklettert werden, weiß ich jedenfalls, dass „Philemons Garten“ so außergewöhnlich auf mich wirken wird, wie der altgriechische Name „Philemon“. Bernhard Strohmaier wählte den Namen nach der antiken literarischen Figur aus der Geschichte über „Philemon und Baucis“, die der römische Dichter Ovid in seinen „Metamorphosen“ erwähnte. Philemon lässt sich als „der Liebevolle“ übersetzen. Ich betrachte den Namen als Synonym für Bernhard selbst, der seinen Kraftort so liebevoll und behutsam in Szene gesetzt hat, dass sich jede einzelne Pflanze hier nicht nur wohlfühlt, sondern auch geschätzt sieht. Ich riskiere einen ersten Blick von der obersten Ebene nach unten. Das Blätterdach verbirgt noch wie ein grüner Theatervorhang die Inszenierung, die ich bald den Hang hinunter erleben werde.
Als wir den Garten betreten, steht Bernhard noch mit Besuchern in seinem kleinen Verkaufsbereich, wo er einige der Raritäten, die im Garten bewundert werden können, zum Erwerb anbietet. Keine Pflanze verlässt das Areal, ohne Empfehlung, wo und wie sie im neuen Garten gepflanzt werden sollte. Dann ist er soweit und begrüßt uns mit seiner herzlichen, charmanten Art. Wir gehen zwischen den Gebäuden in den hinteren großen Bereich mit dem Mediterranen Garten und stehen auf der Palmenterrasse. Diese ist nach einem Hanfpalmenpärchen benannt, das schon seit 1980 in der Steiermark ausgepflanzt ist. 2010 wurde es in Philemons Garten umgesetzt. Weitere Hanfpalmenarten, Granatapfelsträucher, die Zypresse ‚Goldcrest‘ und ein Mastixstrauch, die mit schwarzem Schlangenbart, Schusterpalmen und Liriope unterpflanzt sind, vervollständigen das mediterrane Flair. Der beste Platz ist bereits besetzt – von einem Pfau! Das Motto von Bernhard: „Klassisch, Tropisch, Mediterran & Steirisch“ ist perfekt umgesetzt.
Es ist unmöglich, jede Ecke des 2.5 ha großen Areals mit weit über 3000 verschiedenen Pflanzen aus allen Kontinenten zu entdecken, geschweige denn zu fotografieren. Normalerweise fotografiere ich ja akribisch einen Garten von Anfang bis zum Ende, damit ich zuhause genau weiß, „wo denn nun das kleine Alpenveilchen geblüht hat“. Das ist hier, sowohl von der Größe, aber auch von den verschiedenen Serpentinenwegen nach unten und wieder nach oben her, nicht zu schaffen. Dazu kommt, dass an diesem Ort Kräfte walten, die alle Sinne ansprechen und von denen ich mich leiten lasse. Also lasse ich mich schon oben einfach treiben und laufe von einem Höhepunkt zum anderen. Der klassisch anmutende Rosen-Spargelhügel mündet in den tropischen Poolgarten, den ich von der Palmenterrasse aus anvisiere.
Olivenbäume, Zypressen, weißblühender Baummohn und Granatäpfel betonen rund um das Schwimmbassin das Flair der „steirischen Toskana“. Für exotische und mediterrane Gehölze hat Bernhard eine Schwäche. Wenn er für eine Gattung brennt, dann finden sich schnell die verschiedensten Sorten im Garten. Der Granatapfelstrauch, Punica granatum, gehört unbedingt dazu. Der Pflanzensammler schätzt dabei nicht nur den Zierwert, wie ihn Punica granatum ‚Legrellei‘ aufweist, der nicht essbar ist. Natürlich kultiviert er auch Granatäpfel, wie z. B. Punica granatum ‚Dente di Cavallo‘, der mit besonders großen, schmackhaften Früchten punktet. So haben sich wohl inzwischen allein über 20 verschiedene Granatapfel-Sorten im Garten etabliert.
Asclepias tuberosa, Seidenpflanze und Teucrium hircanicum, Kaukasus-Gamander – Rosen und Kniphofia – Erythrina crista-galli, Korallenstrauch
Den Korallenbaum, Erythrina crista-galli, liebe ich sehr. Noch nie in meinem Leben habe ich jedoch diese Pflanze, die der Nationalbaum Argentiniens ist, mit so imposanten, riesigen Blüten gesehen, wie hier in Philemons Garten.
Bevor ich die exotische Üppigkeit der oberen Ebene verlasse und mich auf das Abenteuer „exotischer Hanggarten“ einlasse, möchte ich den geneigten Leser noch unbedingt dazu einladen, den Ton laut zu stellen und das Video anzuklicken, das Ulrike dankenswerterweise auch mit Bernhard Strohmaier gemacht hat, hier lüftet er das Geheimnis von „Philemon“:
Es fängt leicht zu nieseln an. An einigen auftauchenden Schirmen sehe ich, dass sich keiner von uns davon abschrecken lässt, trotz des einsetzenden Regens in die Pflanzenvielfalt der verschiedenen Themengärten einzutauchen.
Bergab und bergauf im exotischen Hanggarten mit Bernhard Strohmaier
Die verschiedenen Gartenteile lesen sich für mich wie eine erlesene „Gourmetkarte“. Da ist die Rede von einer Feigenallee, einem Palmen- und Olivenhain, dem Spargelrosenhügel, Lotosteichen, Steppen- und Präriegärten, dem Zizyphusgarten, einem Amazonasbecken, dem Marrakeschgarten, Taglilienfeld, Bambushain, Trüffelgarten, Gemüsetunnel, mediterranem Garten, Wüsten- und Steppengarten und vielem mehr. Dazwischen wiegen sich beim leisesten Lüftchen die hohen Gräser und Wildstauden, der großzügig angelegten Blumenwiesen zwischen den Themengärten.
Mutig, mit einem letzten Blick zum grauen Himmel, der so gar nicht zu diesem Garten passen will, stürze ich mich in das Abenteuer „Philemons Garten“. Im oberen Bereich erkenne ich unschwer, dass ich im „Zistrosen – Lorbeer – Oliven Hang“ angekommen bin.
Die Zistrosen, mediterrane Sträucher, die mich an wunderbare Teneriffa-Urlaube erinnern, wo ich sie zuerst kennenlernte, lachen mir mit ihren wunderschönen rosafarbenen und weißen Blütengesichtern, die mit dunkelroten Basalflecken sehr aufgeweckt wirken, entgegen. Leider kann ich solche Schätze nicht zuhause kultivieren. Ach ja, diesen Satz werde ich wohl noch mehrfach in meinen Gedanken in diesem Garten strapazieren müssen. Die klare Blüte von Cistus x dansereaui ‚Decumbens‘ schaut mich an. Ist sie nicht eine ausgesprochene Schönheit? Es freut mich sehr, dass ich gerade die Zistrosen zur Hauptblütezeit erleben darf.
Die Wege führen nicht allzu steil nach unten. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass der Steilhang terrassiert wurde. Das ist nicht nur bequem für den Besucher, es ermöglicht auch dem Gärtner zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten. Ich bin noch etwas unentschlossen, ob ich zum Zizyphusgarten weitergehe, oder nach unten zum Pavillon und dem Amazonas-Becken. Beim Fotografieren kann ich nicht gleichzeitig einen Schirm tragen, es wird langsam ungemütlich.
Nymphaea ‚Detective Erika‘, ISG-Seerose – Nymphaea ‚Colorado‘ – Nymphaea ‚Ring of Fire‘
Die Entscheidung wird mir abgenommen, denn plötzlich steht Bernhard vor mir und fragt mich, ob ich schon im subtropischen Wassergarten war. Nein, war ich nicht, aber nun stehe ich plötzlich davor und erfreue mich an den wunderschönen Seerosenblüten. Eine makellose, bläuliche ISG-Seerose zieht mich magisch an. Nymphaea ‚Detective Erika‘ wie sie botanisch heißt, ist intersubgenerisch, daher kommt die Abkürzung ISG. Bei diesen Seerosen kreuzt man eine besonders schöne Tropen-Seerose, mit einer winterharten Art oder Sorte, um die intensiven Farben Blau und Violett, die es bei unseren heimischen Seerosen nicht gibt, zumindest für milde Lagen so abzuhärten, dass sie im Gartenteich ausgepflanzt werden können. Bernhard besitzt mehrere dieser ISG-Hybriden. Obwohl ich sehr auf blaue Seerosen fixiert bin, kann ich mich dem lebhaften Farbenspiel der Sorte Nymphaea ‚Ring of Fire‘ nicht verschließen. Oh, es gibt so viel zu entdecken und zu bewundern, ich bin ganz in meinem Element!
Hemerocallis fulva blüht im unteren Teil des Gartens. Hier gibt es teilweise etwas feuchtere Bodenverhältnisse als direkt im Hang. Insgesamt hat Bernhard in mehreren Taglilienfeldern wohl an die 3000 Hemerocallis-Sorten gesammelt. Dazu kommen in trockeneren Beeten etwa 400 Iris-Sorten. Allerdings befinden sich die meisten Stauden weiter oben. Bernhard ist bei mir geblieben. Sein entzückender Hund lässt uns nicht aus den Augen. Normalerweise bin ich alleine in den Gärten unterwegs. Aber Bernhard erzählt so fachkundig und dabei liebevoll von den vielen botanischen Bewohnern seines Gartens, dass ich gebannt zuhöre und das Fotografieren plötzlich zur Nebensache wird.
Mein Plan, alle Gartenteile auf sinnvolle nachvollziehbare Weise systematisch zu begehen und durchzufotografieren, um sie später entsprechend in den Gartenbeitrag einordnen zu können, ist für heute Geschichte. Es hat aufgehört zu regnen und es gibt so viele Gründe, Bernhard zu besonderen Bäumen zu folgen, mir von ihm eine sommerblühende Magnolie zeigen zu lassen, die genau vor meiner Nase blüht und mir eine wunderbare Großaufnahme der Blüte beschert und so wie die Wege mäandern, so lassen wir uns treiben, von einem botanischen Höhepunkt zum anderen. Ich weiß nicht mehr, wo der Präriegarten oder der Trüffelgarten war. Aber ich erinnere mich an den riesigen Bambushain und die Zypressenallee, an die vielen Sichtachsen, die Bernhard mit geschickter Bepflanzung geschaffen hat. An die Gehölzinseln, aber auch an die niedrigen Bepflanzungen, die genauso zur Struktur beitragen, wie die hohen Baumveteranen.
Der Xerophytengarten mit Trockenkünstlern wie Opuntien, Agaven und Yuccas wird liebevoll eingehüllt von Nassella tenuissima und einem wogenden Meer von Euphorbia characias. Wunderschön ist der jetzt blühende Cornus angustifolia, überraschend ein länglicher Seerosenteich, mit einem ungewöhnlichen Silbergoldrahmen, den man dank der Hanglage von oben über dem Wasser bewundern kann. Ich habe das Gefühl, als ob ich auf wenigen Metern jedes Mal in ein neues Szenario komme.
Das linke Hangstück ist vielfach den Xerophyten vorbehalten. Nicht nur im unteren Bereich sind die Gehölze spärlicher und etwas zurückgenommen, damit sich Spezialisten wie Eryngium, eine stahlblaue Edeldistel, oder die orange Asclepia, die Seidenpflanze, mit Fackellilien, exotischen Salbei-Sorten und Mittagsblumen zusammen in der Sonne aalen können.
Digiplexis ‚Firecracker‘ (Isoplexis x Digitalis) – Delosperma ‚Alpenglut‘ – Kniphofia ‚Green Jade‘
Während wir gemächlich über den Sukkulenten- und Agavengarten zum Marrakeschgarten hinaufsteigen, unterhalten wir uns über einige Gestaltungsmerkmale in diesem Bereich. Die Wildblumenwiese drängt teilweise an die felsigen Xerophytenbereiche. Erigeron annua, Lychnis coronaria, Achillea filipendulina, von Gräsern durchzogen, schaffen einen natürlichen Kontrapunkt, was wiederum spannende Bilder erzeugt. Bernhard ist stets mit der Optimierung des Geländes beschäftigt und sucht nach Möglichkeiten, sie immer noch besser zu strukturieren.
Wir steigen immer höher, was immer reizvollere Ausblicke und Übersichts-Möglichkeiten schafft. Der Wüsten- und Steppengarten begleitet uns zum Marrakesch-Garten. Der typische Majorelle-blau gehaltene Farbanstrich der rückwärtigen Mauer unterstreicht die Wirkung dieses Areals auf den Besucher, das schon von weitem erkennbar ist. Farbintensive blaue und panaschierte Agaven und mehrere Yuccas, die ihre weißen Blütenkerzen direkt in das Himmelsblau zu schießen scheinen, lenken mich noch für einen Moment von Marrakesch ab.
Noch einmal genieße ich bewusst den Wiesenweg, den wir entlanglaufen. Er verschwindet einfach nach einer Weile in einer Biegung und scheint von Gehölzsilhouetten ausgebremst zu werden. Das kurze Gras ist ein geschickter dramaturgischer Kniff, es scheint fast, als ob ich durch eine exotische Traumlandschaft wandle und in mir reichert sich immer mehr die Dynamik dieses riesigen Kraftortes an.
Agave americana ‚Mediopicta Alba‘ – Opuntia scheeri – Strelitzia reginae
Endlich konzentriere ich mich auf das Beet im Marrakeschgarten. Die Pflanzengesellschaft ist etwas „spitz“ geraten. Ganz so, als wollten die gut bewehrten Agaven und Opuntien, ja, auch die Spitze der Spatha und der farbigen Blütenblätter der Strelitzie, die an einen Vogelschnabel erinnert, hier eine besondere Stimmung behüten und abschirmen.
Punica granatum fiori plena ‚Alba‚ – Cylindropuntia imbricata – Stewartia monodelpha
Ich könnte noch stundenlang weiterlaufen. Ich möchte die Indianerbanane besuchen, die Citrus-Raritäten mit Buddhas Hand, die man nicht so häufig in Tropengärten findet und gerne von den Nashibirnen kosten. Irgendwo auf dem Gelände wächst ein wohl über 250 Jahre alter Buchsbaum. Von den bereits früher vorhandenen Pflanzen ist er sicher der Methusalem im Garten. Allein schon dieser Buxus erweckt in mir den dringenden Wunsch, den Garten zu einer anderen Vegetationszeit erneut besuchen zu dürfen.
Wir sind fast oben angekommen und ich bitte Bernhard noch um ein letztes Foto. Da steht er also, der „Herr“ von Philemons Garten, der seit 2007 etwas Unglaubliches vollbracht hat. Nicht nur, dass er in Eigenregie das Areal gestaltet hat, er leistet auch die Pflegearbeiten zum Großteil selbst. Und… Bernhard ist kein Rentner, der sich 7 Tage die Woche auf sein Gartenreich konzentrieren kann. Er arbeitet hauptberuflich im 30 km entfernten Graz in einem medizinischen Beruf und ist nur in seiner Freizeit im Garten.
Ich danke Dir ganz herzlich, dass Du uns mehrere Stunden davon geschenkt hast, lieber Bernhard, und dass Du mir gestattest, „Philemons Garten“ auf meiner Website vorzustellen.
Philemons Garten Bernhard Strohmaier
Adresse: 8321 St. Margarethen an der Raab, Entschendorfberg 52, Steiermark / Österreich
Kontakt: E-Mail: office@philemons-garten.at
Website: www.philemons-garten.at
