Garten der Vielfalt, Reinhard Oberleitner, Pöchlarn, hört auf!

"Garten der Vielfalt" Reinhard Oberleitner, Pöchlarn, Niederösterreich

Oberleitners Gartenkultur, ein Paradies für Gartenenthusiasten in Pöchlarn, Ording

Es ist Mitte Juni 2026 und Ulrike Aljets und ich kommen gerade aus der Richtung von Kloster Melk an der Donau, das nicht weit Pöchlarn entfernt liegt. Wir sind im Mostviertel von Niederösterreich, direkt an der Mündung der Erlauf im Nibelungengau. In Ornding, mit nur 361 Einwohnern, ein Teil Pöchlarns, finde ich die neu aufgebaute Gärtnerei, die ich von früher her, noch in der Ortsmitte gelegen, kenne.

Die Gärtnerei des "Gartens der Vielfalt" von Reinhard Oberleitner, Pöchlarn

Bei meinem ersten Besuch in der Gärtnerei merkte ich schon, dass Reinhard Oberleitner platzmäßig unzufrieden geworden war, da sein innovativer Gartenbaubetrieb, den er mit seinem Team aufgebaut hatte, immer mehr in Platznot geriet. Sein Sortiment wurde immer größer, vor allem an begehrenswerten Raritäten-Pflanzen, was ihm bei anspruchsvolleren Liebhabern einen guten Namen machte. Der Betrieb wuchs, mit ihm das Sortiment und die Stückzahlen, so wurde es immer enger und enger.

Plan "Garten der Vielfalt" Reinhard Oberleitner, Pöchlarn, Niederösterreich

Im Jahr 2021 übersiedelte die Gärtnerei auf ein neues Gelände am Ortsrand auf eine Fläche von 2,7 ha. Neben der Gärtnerei entstand ein ausgedehnter Schaugarten, der „Garten der Vielfalt“. Hier werden innovative Bepflanzungskonzepte und Sortenneuheiten vorgestellt und wertvolle Anregungen für Gartenliebhaber geboten. Gleichzeitig wurde es ein Ort zum Staunen und Genießen, aber auch für Feste und Veranstaltungen. Als ich mit Ulrike auf dem Parkplatz des neuen Geländes parke, ahne ich noch nicht, dass dieser erste Besuch auf dem neuen Areal, außerhalb des Ortskerns, wohl auch gleichzeitig der letzte Besuch sein könnte.

Die Gärtnerei des "Gartens der Vielfalt" von Reinhard Oberleitner, Pöchlarn

Denn seit einem Monat sucht Reinhard einen Käufer oder Pächter für das Gärtnereigelände. Den folgenden Text habe ich zusammen mit dem Geländeplan, direkt aus Reinhards Webseite kopiert:

Wir suchen einen Käufer oder Pächter

Gleichzeitig möchten wir versuchen, für das Gelände und vielleicht auch für einen Teil dessen, was hier entstanden ist, eine Zukunft zu finden. Dafür bitten wir um Ihre Mithilfe: Wir suchen einen Käufer oder Pächter für das Gärtnereigelände.

Das Areal umfasst insgesamt rund 2,7 Hektar und ist als Grünland – Gärtnerei gewidmet. Es bietet damit interessante Möglichkeiten für Menschen oder Betriebe aus den Bereichen Gärtnerei, Pflanzenproduktion, Gartenbau oder verwandten Nutzungen.

Vielleicht kennen Sie jemanden, für den ein solches Gelände interessant sein könnte. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie diese Information weitergeben oder mögliche Interessenten auf uns aufmerksam machen.

Die Gärtnerei des "Gartens der Vielfalt" von Reinhard Oberleitner, Pöchlarn

Für mich stand sofort fest, ich darf mir die Vorstellung dieser außergewöhnlichen Gärtnerei nicht für 2027 aufheben, sondern ich möchte sie so schnell wie möglich ins Netz stellen, damit Kaufinteressenten, aber auch Pflanzenfreunde, die den Spätherbst noch für einen Besuch des Schaugartens nutzen möchten, oder sich in der Gärtnerei umsehen wollen, noch rechtzeitig davon erfahren.

Vom „Rosengarten“ zum „Großen Pavillon“

Wir treffen Reinhard Oberleitner in der Gärtnerei. Er führt uns sofort nach der Begrüßung zum Eingang des Schaugartens und in den Bereich des Rosengartens. Vom Zugang her können wir die Ausmaße des Schaugartens noch nicht einmal erahnen. Das ändert sich erst, als ich auf die Aussichtsterrasse des Besucherzentrums hinaufsteige.

Reinhard steuert unmittelbar das Besucherzentrum an und wir schauen uns auf einer Großleinwand den 8 Minuten Film über die Entstehung der neuen Gärtnerei am Ortsrand von Ornding an. Ein gigantisches Vorhaben wurde in die Tat umgesetzt. Der Film zeigt beeindruckende Bilder vom ersten Entwurf, dem ersten Spatenstich bis zur Vollendung des Gartens. Zuletzt sehen wir Bilder, die den fertigen Schaugarten mit seinen wunderbaren Pflanzkombinationen zeigen und es hält mich nicht länger im Besucherzentrum.

Vor dem Besucherzentrum reihen sich sogenannte „Parfumarosen“ auf, davor befindet sich ein Halbkreis mit Beetinseln, in denen es historische Duftrosen und pflegeleichte Kleinstrauchrosen zu bewundern gibt. Am Grundstücksende beschließt der Rosenpavillon den Rosengarten. Interessant ist, dass Reinhard keine langweiligen Rosenbeete angelegt hat, sondern die Königin der Blumen stets mit einem Staudenhofstaat umgeben ist. Dazu gehören so besondere Stauden wie Lychnis coronaria ‚Alba‘, die Kronen-Lichtnelke, Sesleria autumnalis, das Herbst-Kopfgras, Orlaya grandiflora, die Strahlen-Breitsame, oder Galega officinalis, die echte Geißraute.

Die Sorgfalt und Überlegung, die der Gärtner bei der Planung des Gartens, nicht nur mit der Pflanzenauswahl, sondern auch mit unglaublich stimmigen Farbkombinationen walten ließ, ist überall im Schaugarten deutlich zu spüren und zu sehen. Innerhalb von zwei Schritten wechsle ich von einer erwartungsvoll romantischen Stimmung zu einer prickelnden Sektlaune. Am deutlichsten veranschaulichen das die Stauden-Gräser-Mischpflanzungen, die mich auf dem Weg zum Großen Pavillon hinter dem Festplatz und vor der Festwiese in „Weiß“ und „Pink und Violett“, begleiten. Sie wechseln auf der hinteren Seite in „Gelb und Blau/Violett“ und „Orange und Rot“. Vor den im hinteren Teil befindlichen Mutterpflanzenquartieren machen sie noch in „Lachs und Dunkelrot“ Furore.

Die Überdachung des Großen Pavillons überspannt den Platz wie eine Mondsichel. Die Streben enden in weißen Beeten, in denen ich Centranthus ruber ‚Albus‘, die weiße Spornblume, ebenso finde, wie Euphorbia characias ‚Tasmanian Tiger‘, die Palisaden-Wolfsmilch und eine weiße Zistrose. Genial ist der Blick in das rote Beet, aus dem mir die Blüten von Lychnis chalcedonica, der Brennenden Liebe, schon erwartungsvoll entgegensehen.

Von den Stauden-Gräser-Mischpflanzungen und Teichen, zu den Mutterpflanzenquartieren

Das klassische Rot der Brennenden Liebe setzt sich Lichtpunkte mit Heliopsis helianthoides, dem Sonnenauge, auf. Alstroemeria ‚Spring Valley‘, die Inkalilie, lässt sich nicht auf diesen Handel ein. Sie hat sich in ihre attraktiven gelben Blüten extra rote Staubfäden hineingeholt, damit sie als Solistin glänzen kann.

Immer wieder gibt es kleine Sitzgruppen, Bänke zum Ausruhen und Genießen, sowie verschiedene Pavillons und Unterstellmöglichkeiten, wie die Bambushütte. Sie befindet sich hinter dem Dschungelgarten und dem Seerosenteich. Noch bin ich im „Gelb/Orange/Roten“ Areal. Die starken Farben verstärken noch die Hitze, in der ich herumlaufe. In diesem Garten spüre ich zum letzten Mal in diesem Jahr das Pannonische Klima Österreichs.

Etwas Schatten und Kühlung verspreche ich mir vom Dschungelgarten. Ich betrachte zuerst die interessanten Gehölze wie die Hanfpalme, die Faserbananen und die Schirmmagnolie, bevor ich mich den vier Teichen zuwende. Besondere Blattstrukturen beherrschen diesen Gartenteil.

Tetrapanax papyrifer – Reispapierbaum-Hain – Cercis canadensis ‚Eternal Flame‘, Judasbaum

Es ist spannend in den Reispapierbaum-Hain einzutauchen. Tetrapanax papyrifer, evtl. die Sorte ‚Rex‘ finde ich einfach großartig. Das Araliengewächs ist genauso auffällig wie das Mammutblatt. Im Gegensatz zu diesem handelt es sich beim Reispapierbaum tatsächlich um ein Gehölz. Während Tetrapanax durch die Blattgröße auffällt, punktet der Judasbaum, Cercis canadensis ‚Eternal Flame‘ mit seinem einmalig gefärbten Laub. Es ist Mitte Juni, nicht Oktober! Der Judasbaum suggeriert über die komplette Vegetationszeit das Laub des „Indian Summers“.

Kennt Ihr das, wenn man vor einer Unmenge Knospen steht und man weiß, wie die Blüte aussieht, aber nicht Eine ist geöffnet? So geht es mir gerade am Lotosteich. Die wunderbare Nelumbo nucifera ‚Mrs. Perry D. Slocum‘ mit ihrer zartrosa gefüllten Blüte hätte ich wirklich gern gesehen, aber gut. Die charmante x Chitalpa tashkentensis, ein Schmalblättriger Trompetenbaum und die Seerosen im Seerosenteich entschädigen mich. In diesem Schaugarten gibt es einfach keine Enttäuschung!

Es wird Zeit in den hintersten Bereich zu gehen, von dem ich eigentlich nicht viel erwarte, weil es für die Mutterpflanzen der Bart-Iris und der Päonien zu spät ist und die Hemerocallis-Blüte erst Anfang Juli in Schwung kommt. Trotzdem irre ich mich. Das hintere Areal ist durchaus interessant. Es ist rundum eingerahmt vom Kirschenblütenhain, einer Wildobstzeile mit Indianerbanane und seltenen Vogelbeeren und Dirndlbeeren, sowie einer exotischen Obstzeile mit Feigen, Kaki und Setchuanpfeffer. Vor dieser illustren Randbepflanzung gibt es rundum Rasenstreifen und -flächen für die Aussteller bei den Kunsthandwerkermärkten.

Blühende Rosensträucher und Streifen von Ringelblumen und Schlafmützchen, auch einmal ein Kalifornischer Baummohn eingestreut, locken die Bestäuber-Insekten in den hinteren Gartenteil. Und da sehe ich doch tatsächlich im Hemerocallis-Beet schon vereinzelt frühe Taglilien mit offenen Blüten. Ach, es gäbe überall noch so viel zu sehen, aber ich will noch unbedingt auf der hinteren Seite den Schaugarten zurück nach vorne abfotografieren, bevor ich mich verabschiede. Also reiße ich mich los von den Mutterpflanzenbeeten und ihrer interessanten Einrahmung.

Vom Wüstengarten zurück zur Gärtnerei

Als ich auf der anderen Seite des Schaugartens langsam zurückgehe, spiegeln sich die Stauden-Mischpflanzungen mit ihren fantastischen Pflanzen- und Farbkombinationen. Die großzügige Verwendung von Gräsern macht die Beete leicht und luftig.

Achillea und Heliopsis wirken eingerahmt von den Gräsern Calamagrostis und Sesleria nicht so kompakt und können dadurch größere Flächen beleben. Lychnis chalcedonica ‚Carnea‘ die Brennende Liebe, die hier eher eine zarte Liebe verkörpert, möchte gerne solo bestaunt werden. Eryngium x zabelii, der stahlblaue Mannstreu bekommt von Nassella tenuissima, von der Höhe kann es sowohl die Art als auch die Sorte ‚Ponytail‘ sein, ein Stück Leichtigkeit zugefächelt. Das Mexikanische Federgras hieß mit ihrem Botanischen Namen ursprünglich Stipa tenuissima.

Es folgt ein wunderschöner Mixed Border Streifen in Gelb und Silber. Die Silberlaubige Ölweide, Elaeagnus angustifolia, überragt alles und lässt den gelbblühenden Ginster und die Ziergräser aufleuchten. Ich komme in den Wüstengarten. Das Maharadschazelt, der Bruchstein-Trockengarten, der Duftpfad und der Eucalyptusbaum sind so ganz meins.

Euphorbia rigida, Steife Wolfsmilch – Berkheya purpurea, Purpurdistel – Tanacetum haradjanii, Silber-Rainfarn

Selbst hier im Wüstengarten ist mit gutem Geschmack gepflanzt und sogar ausnahmsweise eine Rost-Dekoration platziert. Die Blumen brauchen eigentlich keinen Schmuck. Aber wer würde nicht behaupten, dass die Rostblüte ganz wunderbar mit dem Silber-Rainfarn korrespondiert. Langsam nähere ich mich dem Ausgang, die rosablühende Säckelblume, Ceanothus × pallidus ‚Marie Simon‘ zeigt mir noch einmal die Klaviatur der Raritäten dieses Gartens. Ich schaue ein letztes Mal zum Maharadscha-Zelt zurück und stehe dann unvermittelt wieder in der Gärtnerei. Eigentlich will ich gar nicht aus diesem Garten-Traum erwachen.

Leider wird es mein letzter Besuch gewesen sein. Dabei hätte ich Euch diesen Garten so gerne noch mit dem Frühlings- und Herbstaspekt vorgestellt. Aber wer weiß, vielleicht geschieht ein Wunder?! Ich würde es Reinhard Oberleitner und seinem Werk so sehr gönnen. Vielen Dank lieber Reinhard, dass Du so etwas Schönes geschaffen hast und Ulli und ich bei Dir zu Gast sein durften.

Die Öffnungszeiten bis zum Saisonende sind wie folgt:

Öffnungszeiten vom 27. bis zum 31. Oktober 2026
Montag bis Samstag: 9:00 bis 17:00 Uhr bzw. bis zum Einbruch der Dämmerung

Öffnungszeiten vom 2. bis zum 14. November 2026
Montag bis Freitag: 9:00 bis 17:00 Uhr bzw. bis zum Einbruch der Dämmerung
Samstage im November: 9:00 bis 15:00 Uhr
Sonntage im November: geschlossen

Garten der Vielfalt, DI Reinhard Oberleitner

Adresse: 3380 Pöchlarn, Ornding, Hauptstr. 31, Niederösterreich

Kontakt: Tel.: 0043 6702056788 E-Mail: office@gaerten-oberleitner.at

Website: www.gaerten-oberleitner.at (mit allen Infos zum 50 % Räumungsverkauf)

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