Olaf Schachtschneider und 25 Jahre Dötlinger GartenKultour

Pflanzenhof Schachtschneider

Ankommen im Pflanzenhof Schachtschneider, Dötlingen, OT Aschenstedt

Tatsächlich ist das heute ein etwas ungewöhnlicher Beitrag, der mir sehr am Herzen liegt und der sicher auch zum ersten Mal mehr über den Gärtner und Menschen Olaf Schachtschneider, denn über seine Gärtnerei erzählt. Dazu kommt ein Jubiläum, an dem Olaf nicht ganz unschuldig ist, denn er war vor 25 Jahren der Initiator der “Dötlinger GartenKultour”.

Dass ich drei Jahre lang damit gewartet habe, Euch Olaf und seinen Pflanzenhof im Landkreis Oldenburg vorzustellen, liegt nicht am diesjährigen Jubiläum (im Gegenteil, den ersten Feiertermin im Mai habe ich leider verpennt). Den eigentlichen Grund verrate ich erst, kurz bevor sich das Tor des Pflanzenhofs virtuell schließt.

Der Pflanzenhof Schachtschneider

Ich hatte mich ehrlich gesagt, im Pflanzenhof selbst eingeladen und kannte Olaf nur von botanischen Facebook-Gruppen, in denen er souverän, kompetent und mit sehr dezidierter Meinung zu den Zukunfts-Themen: Gärten, Gärtnereien, Natur und Umwelt, vertreten war. Der virtuelle Eindruck, den ich gewonnen hatte, trog mich nicht. Der Gärtner in Aschenstedt war für mich letztlich spannender als sein Pflanzenhof. Entsprechend wenig habe ich fotografiert, es war mir viel wichtiger, genau zuzuhören.

Aquilegia flabellata ‘Spring Magic Yellow’, Zwerg-Akelei – Sphaeralcea ‘Newleaze Coral’, Kugelmalve – Trollius chinensis ‘Golden Queen’

Trotzdem ist mir auf den wenigen Fotos etwas aufgefallen – es gab keinen Abfall, keinen Krümel Erde, keine Pflanzenreste auf dem Boden, alles sah aus, wie aus dem Ei gepellt. So etwas habe ich in dieser Akkuratesse niemals davor, aber auch nicht danach in einer Gärtnerei gesehen.

Während wir, Ulrike Aljets ist heute meine Chauffeuse, mit Olaf auf das Gewächshaus zusteuern, habe ich etwas Zeit über die Gärtnereigeschichte zu erzählen. Trotz Kaffee ist Olafs Temperament noch etwas verhalten, er war erst spät in der Nacht von einer Englandreise zurückgekehrt.

Aber zuerst muss ich noch meinen Spaß mit Euch teilen, den ich hatte, als ich das Schild: “Pflanze der Woche” entdeckte. Der Röhrenstern ‘Ernst Pagels’ wurde auf der Tafel angepriesen, als handele es sich um eine delikate Vorspeise im Drei-Sterne-Restaurant. So viel Wertschätzung für eine Pflanze macht nachdenklich.

Holdreich Schachtschneider, Olafs Vater begann 1957 auf einer 0.5 ha großen Fläche mit der Baumschule. Anfangs hatte sie ein zweites Standbein, da neben der Pflanzenproduktion in der Region auch Gartenarbeiten ausgeführt wurden. Bereits 1959 kam die Baumschule wegen der extremen Trockenheit in diesem Jahr an ihre Grenzen. Mit dem Bauboom der 1960er Jahre und der damit steigenden Nachfrage nach Gartenpflanzen, ging es dann rasant bergauf. Die Baumschule expandierte, Mitarbeiter wurden eingestellt und erste Preislisten herausgegeben.

1970 wurde der Pflanzenhof als Endverkaufsbetrieb angeschlossen und es entwickelte sich eines der größten Gartencenter Norddeutschlands. Inzwischen umfasst der Pflanzenhof über 10.000 qm Ausstellungs- und Verkaufsfläche mit mehr als 3.000 verschiedenen Pflanzenarten und -sorten. Stauden, Gehölze, Obstbäume und Rosen und auch ein reichhaltiges Angebot an Raritäten locken viele Besucher in den Pflanzenhof.

Calycanthus x raulstonii ‘Aphrodite’, Gewürzstrauch – Buddleja loricata, Schmetterlingsflieder – Sinocalycanthus raulstonii ‘Venus’

Die zweite Generation der Familie führt seit langem das Lebenswerk von Holdreich Schachtschneider gemeinsam fort. Während Olaf Schachtschneider vor allem als Gesicht des Pflanzenhofs, für die Öffentlichkeitsarbeit, Pflanzenauswahl und Versuche, sowie als Initiator zahlreicher Garten- und Naturprojekte bekannt wurde, sind seine Brüder Jens, in seiner Staudengärtnerei, und Udo, in der Baumschule, mit ihren eigenen, fachlichen Schwerpunkten in der Produktion und Vermarktung von Gartenpflanzen aktiv.

Olaf Schachtschneider, der Gärtner

Cornus hongkongensis, Hongkong Hartriegel – Indigofera himalayensis ‘Silk Road’, Himalaya-Indigostrauch – Rosa sericea, Wildrose Bhutan

Viele Pflanzen von Olafs Pflanzenhof stammen aus den Betrieben seiner Brüder. Die Gehölze werden bei Udo kultiviert, die Stauden bei Jens. Olaf übernimmt stärker die Rolle des Pflanzenfinders, Testers, Beraters und Vermarkters. Neue Pflanzen werden oft zunächst in seinem Hausgarten oder Arboretum erprobt, bevor sie gegebenenfalls in die Vermehrung gehen.

Und… beinahe hätte ich jetzt geschrieben “in diese heiligen Hallen”, nämlich den Hausgarten und das Versuchs-Arboretum, durfte ich mit Ulrike zusammen, nun den Olaf begleiten. Inzwischen war er sowas von “Hallo-wach” und in seinem Element, die Englandstrapazen und die kurze Nacht waren vergessen. Er schwärmte uns von seinen Raritäten und Versuchspflanzen vor. Die Namen mehrerer Gehölze und Stauden kannte ich nicht, hatte sie nie zuvor real gesehen.

Nandina domestica ‘Obessed’ und Olaf Schachtschneider – Rhododendron yuefengense, Wildrhododendron – Dicentra spectabilis ‘Gold Heart’, Tränendes Herz und Blätter von Actaea simplex ‚Brunette‘

Der Gärtner Olaf Schachtschneider unterscheidet sich von vielen Kollegen, durch seine konsequente inhaltliche Ausrichtung. In den Veröffentlichungen des Pflanzenhofs erkenne ich drei wiederkehrende Themen. Das erste betrifft den Klimawandel und Zukunftspflanzen. Eine große Rolle spielt in seinen Testpflanzungen die Frage, ob eine Pflanze im Zeichen des Klimawandels noch zuverlässig in unseren Gärten gedeihen und guten Gewissens verkauft werden kann. Seinen Angaben zufolge testet er schon seit mehr als 20 Jahren Pflanzen auf ihre Eignung für trockenere und heißere Sommer. Auf seiner Website sind Trockenheitsverträglichkeit, Hitzestress und die Anpassung von Gärten an veränderte Niederschlagsmuster ausführlich behandelt.

Olafs zweites Thema ist Biodiversität statt Modepflanzen. Da er die Bedeutung von Gehölzen und Stauden für Vögel und Insekten als wichtig bewertet, sucht er nach ökologisch wertvollen Pflanzen, die zugleich unter den Bedingungen des Klimawandels funktionieren. Sympathisch ist in meinen Augen, dass Olaf weder ein dogmatischer Verfechter ausschließlich heimischer Pflanzen ist noch ein Freund von x-beliebigen Exoten.

Der dritte Punkt sind Bildung und Naturvermittlung. Viele seiner Projekte haben nichts mit dem herkömmlichen Pflanzenverkauf zu tun. So initiierte er einen Linden-Lehr-Fahrradweg rund um Dötlingen. Die Vorstellung unterschiedlicher Lindenarten verbindet Botanik-Wissen mit Naturerlebnis und soll Menschen für Pflanzen und die Landschaft, in der sie leben, sensibilisieren und begeistern. Damit fungiert Olaf Schachtschneider als Brückenbauer zwischen Gartenkultur, Pflanzenwissen und Naturschutz.

Er fordert nichts von der Politik oder einschlägigen Gruppierungen, sondern er macht selbst etwas! Er erarbeitet umsetzbare praktische Lösungen zur Förderung insektenfreundlicher Pflanzen, setzt sich für den Erhalt einer großen Sortimentsvielfalt ein, verwendet robuste und klimaangepasste Arten, vermittelt botanisches Wissen, fördert naturnahe Gärten und unterstützt regionale Gartenkulturprojekte. Olaf gehört zu jener seltenen Generation von Gärtnern, die dazu imstande sind, wirtschaftlichen Erfolg, Pflanzenleidenschaft und ökologische Verantwortung miteinander zu verbinden.

Das beeindruckt mich sehr und auch heute habe ich für Euch ein Video, das Ulrike Aljets dankenswerterweise für uns aufgenommen hat. Olaf in seinem Element, klickt gerne auf das Video und hört ihm zu.

Und nun wird es Zeit aufzuklären, warum ich diesen Beitrag erst nach 3 Jahren poste. Als das Video abgedreht war, seufzte ich und erzählte Olaf, dass auf meinem schweren, wasserundurchlässigen Boden in Oberbayern so wunderbare Pflanzen wie Choisya oder Nandina, die ich mehrfach versucht habe, anzupflanzen, einfach nicht über den Winter kommen. Und dass ich die Gehölze für die Zukunft meines Gartens wohl erst finden müsse.

Choisya x dewitteana ‘White Dazzler‘, Orangenblume – Nandina domestica ‘Obsessed’, Himmelsbambus – Phillyrea angustifolia, Schmalblättrige Steinlinde

Auf meine Worte hin, schnappte sich Olaf einen Einkaufswagen und stellte eine besondere Sorte der Orangenblume, einen speziellen Himmelsbambus und eine schmalblättrige Steinlinde hinein. “Die nimmst Du bitte mit und testest sie für mich. Ich bin davon überzeugt, dass sie alle Drei bei Dir wachsen und Du keine Ausfälle damit haben wirst. Berichte mir irgendwann, ob ich recht hatte.” Ich war sprachlos, vielleicht habe ich sogar vergessen, mich zu bedanken.

Lieber Olaf, irgendwann ist genau jetzt und Du hast recht. Die weiße Blütenwolke der Choisya erfreut mich seit drei Jahren in jedem Frühling. Das Laub der Nandina errötet jeden Frühsommer aufs Neue und macht mir einen Riesenspaß. Die Steinlinde hat eine Lücke in der Peripherie gefüllt, so dass ich den Verhau jenseits des Zaunes nicht mehr sehen muss. Alle drei Gehölze, die Du mir für meine oberbayerische Endmoräne anvertraut hast, sind gesund und wachsen und gedeihen, wie Du es vorhergesagt hast. Nach drei Jahren Test kann ich das ruhigen Gewissens behaupten. Tausend Dank, dass Du auch Lösungen für Gärten hast, die nicht Deinem Klima und Deinen Bodenverhältnissen entsprechen.

Aber ich danke Dir auch für Deine Zeit und die Erlaubnis, dass ich über all das in Wurzerlsgarten berichten darf.

Pflanzenhof Schachtschneider

Adresse: PLZ 27801 Dötlingen-Aschenstedt, Iserloyer Str.2

Kontakt: Tel. 04433/919100 E-Mail: info@schachtschneider.com

Die Website mit vielen interessanten Artikeln: z.B. Pflanzen vor Wärmepumpen, trockenheitsverträgliche Pflanzen, heimische Pflanzen und vieles mehr auf: schachtschneider.com

Achtung: Aus Umweltschutzgründen erfolgt kein Pflanzenversand an Privatkunden.

Achtung: Seit dem 1. Juni wird der Betrieb montags geschlossen gehalten. Ich zitiere dazu die Website:
“Wir gehen bewusst von einer 6 Tage Woche auf eine 5 Tage Woche zurück, denn auf diese Weise erreichen wir, dass wir ein Wochenende mit 2 Tagen am Stück frei haben. So geben wir unserem Personal und unseren Familien Zeit und Kraft für die kommenden Jahre. Vielen Dank für Ihr Verständnis.” 

Das Jubiläum – 25 Jahre “Dötlinger GartenKultour”

Die Dötlinger GartenKultour feiert in diesem Jahr ihr großes Jubiläum am 21.Juni 2026 und am 03.10.2026

Olaf Schachtschneider hat mit der von ihm gegründeten “Dötlinger GartenKultour” weit über die Grenzen des Oldenburger Landes hinaus Impulse für eine zukunftsfähige Gartenkultur geschaffen. Sie zählt heute zu den bekanntesten Gartenveranstaltungen Nordwestdeutschlands. Aus der Idee heraus, private Gärten, Kunst, Kunsthandwerk und die Kultur der Region miteinander zu verbinden, entwickelte sich in den letzten 25 Jahren ein fester Termin im Gartenkalender.

Viele Wege in Privatgärten öffnen sich zur 25. Dötlinger GartenKultour

21. Juni 2026 und 03.10.2026 von 11 bis 17 Uhr.

Die Veranstaltung verbindet Privatgärten, Gartenkunst, Kunsthandwerk, Ausstellungen, regionale Kulinarik, Pflanzen- und Gartenkultur in folgenden Veranstaltungsorten: Dötlingen, Aschenstedt, Neerstedt, Geveshausen, Ostrittrum, Nuttel, Hockensberg, Klattenhof, Bergedorf und Sandhatten. Der Eintritt erfolgt über einen Tagesbutton für alle geöffneten Privatgärten. Viele Wege führen in die Privatgärten und Veranstaltungsorte, die sich zur 25. Dötlinger GartenKultour für interessierte Besucher öffnen.

Auch der Stein- und Wassergarten der Familie Kalle und Gertrud Krüger in Simmerhausen ist im Jubiläumsjahr 2026 wieder offizieller Bestandteil der Dötlinger GartenKultour. Karl-Heinz Krüger, gilt als Urgestein und war von Anfang an dabei und öffnet seine rund 11.000 Quadratmeter große Anlage im Rahmen des 25-jährigen Bestehens der Veranstaltungsreihe

Ich durfte die gastfreundliche Familie Krüger vor meinem Termin im Pflanzenhof Schachtschneider besuchen und kann darum gerade diesen Garten nur empfehlen.

https://www.wurzerlsgarten.de/deutsche-gaerten/das-gartenglueck-der-familie-krueger-in-simmerhausen/

Wer also noch nicht groß geplant hat für die Zeit um den 21.6.26, der Landkreis Oldenburg wäre ein lohnendes Ziel mit einer Menge interessanter Anlaufstellen, die ich Euch sehr empfehlen kann. Wenn es Euch zu kurzfristig ist, obwohl ich aus dem Freitagspost einen Montagspost gemacht habe, der hat am 3.10.2026 noch die Gelegenheit den Jubiläumsabschluss der 25. Dötlinger GartenKultour zu feiern.

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