Garten(t)räume von Carmen Pokolm, in Westerholt

Tonschild von Carmen Pokolm

Ankommen im Garten Pokolm in Westerholt

Die Ortsbezeichnung “Westerholt” stammt aus dem Jahr 1589 und bedeutet “Westlicher Wald”. Die kleine ostfriesische Gemeinde ist nur 7 Kilometer von der Nordsee entfernt und gehört zur Kreisstadt Wittmund.

Hier möchte ich Carmen Pokolm treffen und sie und ihren Garten kennenlernen. Sie ist ein neues Vorstandsmitglied in der Stiftung “Het Tuinpad Op / In Nachbars Garten” https://www.innachbarsgarten.de/kontakt-nachbars-garten   und arbeitet dort für die  Gartenkommission Deutschland. Gleich nach unserer Ankunft hat meine Begleiterin Ulrike Aljets zu diesem Thema ein Video mit Carmen gedreht. Darin erzählt sie am besten gleich selbst, wie sie zu dieser Aufgabe gekommen ist.

Ich selbst habe mich sofort in den Eingangsbereich verliebt und bin darum gleich im vorderen Bereich geblieben, den Familie Pokolm ab 2021 neugestaltet hat.

Der Eingangsbereich ist sehr individuell und fantasievoll gestaltet. Der Frühling blüht hier überschwänglich, hauptsächlich in den Farben Weiß und rosa. Die Nashi-Birne ‘Kosui’ flirtet mit den lilienblütigen Tulpen. Die weiße Trompetennarzisse neigt sich den blassrosa Dicentra-Blüten zu.

Die ausgefallene Vorgartenbegrenzung, aus unterschiedlichen Holzkonstruktionen angefertigt, begeistert mich total. Nein, ich setze mich nicht in den Strandkorb, das überlasse ich Carmen. Ich spurte sogar noch nach draußen, über die Hauptstraße, um von dort ein Foto zu schießen, das dank der ausladenden grüngelben Blüten der Euphorbien bis auf die gegenüberliegende Straßenseite leuchtet.

Egal, ob an der Hauswand, in einem offenen Raum, in dem ich selbstgemachte Keramik von Carmen entdecke, oder einer neuerlichen Holzkonstruktion, die als Trennwand zum Nachbarn hin fungiert, überall sehe ich die sprudelnde Kreativität des Ehepaares Pokolm in vielen Varianten und Details.

Die Rasenfläche und der Sitzplatz, der sich mittig am Ende des Grüns befindet, erinnern mich an norddeutsche Visitengärten. Unmittelbar dahinter gehen auf beiden Seiten Wege in die verschiedenen Gartenräume. Ich entscheide mich für den linken Durchgang und finde gleich eine Treppe, die ich nach oben steige und von dort einen Teil der Gartenräume übersehen kann.

Genau wie ich, ist Carmen in Bezug auf Pflanzen und Gartengestaltung eine Autodidaktin. Sie kaufte sich viele Garten- und Pflanzenbücher und fand mit dem Band: “Ein Garten fürs Leben” von Lucenz und Bender erste Inspirationen. Das Buch: “Der Garten – Spiegel der Seele” von Felizita Söbbeke ließ dann den Wunsch in Carmen reifen, hier endlich ihren Gartentraum zu verwirklichen.

Es ist enorm, was Carmen und Dominikus seit dem Kauf des neuen Hauses, im Jahr 2006, hier aufgebaut haben. Der hintere Grundstücksteil bestand aus einem aufgelassenen Feld, einer Wiese, die durch eine Kiefernhecke abgetrennt war. In den ersten Jahren blieb die hintere Fläche so jungfräulich wie sie war, das Haus wurde als Ferienhaus genutzt.

Im Sommer 2008 sollte dann die Umsetzung des geplanten Bauerngartens starten. Die Wiese war jedoch so nass und von Binsen durchzogen, dass es nicht möglich war, sie mit einer Fräse zu bearbeiten. Sie musste von Dominikus mit dem Bagger abgezogen werden. Das bot Material für Wälle, die am hinteren Ende des Grundstücks und auf der rechten Peripherie entstanden sind. Eine weitere Chance bot sich beim Abziehen der Wiese dann ziemlich mittig im Garten. Es kam so viel Wasser aus der Erde, dass gleich ein Brunnen angelegt werden konnte.

Schnell wurde aber auch klar, dass die Bodenbeschaffenheit mit dem Kleiboden und dem hohen Grundwasserspiegel ein Umdenken erforderlich machte. Der Gartenplan musste verworfen werden. Die Gartenbücher wurden bei der neuen Planung zu Rate gezogen und das Ehepaar unternahm auch viele Besuche, anlässlich der “Offenen Gärten”. Dann begann das Abenteuer “Garten(t)räume”.

Die Pflanzung strukturgebender Gehölze auf den Wällen bildete den Startschuss. Rund um den Brunnen wurden 4 Beete angelegt. Nachdem der Buchs im zu nassen Boden kapituliert hatte, wurden anschließend alle Beete auf kleinen Wällen angelegt, um die Wurzeln der Pflanzen einigermaßen trocken halten zu können. Erste Rosen zogen ein, der Rest wurde vorübergehend mit Rasen eingesät.

Als Carmen berufsbedingt in Ostfriesland fest verankert war, setzte sich ab 2012 die Gartengestaltung fort. Es entstanden der Gartenteich und der Gemüsegarten. 2014 kam das Gewächshaus dazu und weitere Beete folgten. Carmen achtete darauf, dass sie nicht nur Gartenräume plante, sondern auch Sichtachsen bekam. Buchenhecken, Durchgänge und das Gärtnern in der 3. Dimension halfen der Gärtnerin ihr Ziel zu erreichen. Wertvoll waren die Stahl- und Schweißarbeiten ihres Mannes, der alle Rosenbögen und Stahl-Elemente selbst entworfen und gebaut hat. In vielen Gartenräumen richtete Carmen Sitzplätze ein.

Im Jahr 2019 wurde das alte Landarbeiterhaus, die ehemalige Stellmacherei von 1870, kernsaniert. Carmen hat viele Lieblingsplätze im Garten. Natürlich liebt sie alle ihre wundervollen Pflanzen, im Moment ist ja die Obstbaumblüte und die anderer Gehölze in vollem Gang.

Aber Carmen freut sich doch schon sehr auf die Zeit, in der am Metallgerüst, das Dominikus gebaut hat, wieder die Rose ‘Apple Blossom’ blüht und im Metallpavillon der Rambler, Ayshire-Rose ‘Janet B. Wood’ zu blühen anfängt.

Gerade habe ich meine persönliche Lieblingsecke im Garten gefunden. Der kleine Angler am Teich, die Hühner auf einem kleinen Tisch in der Holznische und der Spiegel, der diese liebliche Atmosphäre festhält. Diese Art Gärten sind einfach zum Entdecken und Staunen da!

Inzwischen bin ich wieder in den vorderen Bereich der Garten(t)räume zurückgekommen. Es ist ein Teichgarten, der ungefähr gegenüber dem Küchengarten liegt, in dem ich vom Visitengarten aus die ersten Gartenräume erkundet habe. Kleine Goldfische schwimmen aus dem Schutz der Seerosenblätter heraus, um die Lage zu erkunden. Ich fühle mich geborgen in diesem abgeschirmten Wasser-Areal und betrete die überdachte Teichterrasse. Auch dort fallen mir immer wieder individuelle Dekorationen aus Ton auf.

Carmen erzählt mir, dass sie ihre “Töpferliebe” erst später entdeckt hat. Sie besuchte einen Töpferkurs der Töpferei “Töpferbuud” in Ochtersum. Die Freude am Töpfern und die nette Gemeinschaft mit Gleichgesinnten ließ sie dort hängenbleiben. Seitdem töpfert sie sich ihre Gartendekorationen selbst.

Harter Stein und weiche, filigrane Farnblätter, es sind genau solche Gegensätze, die einen Garten individuell anziehend und spannend machen. Garten(t)räume, die mit Vielfalt überraschen und Sichtachsen, die zum Entlanggehen einladen, machen den Reiz dieses Gartens aus.

Vielen Dank liebe Carmen und lieber Dominikus, dass ich mit Ulli bei Euch zu Gast sein durfte.

Carmen Pokolm – Garten(t)räume

Anschrift: 26556 Westerholt, Nordener Str. 9

Kontakt: Tel.: 04975/756545 Mail.: carmen.pokolm@outlook.de

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