Ankommen im niedersächsischen Oldenburg
Die Stadt Oldenburg mit über 175 000 Einwohnern liegt im Zentrum des Oldenburger Landes im westlichen Niedersachsen, sie ist die nördlichste Großstadt dieses Bundeslandes. Die ehemalige Residenzstadt des Großherzogtums Oldenburg ist heute eine moderne Universitätsstadt. Sie liegt auf einer Höhe von 2 – 19 Metern; der Hafen befindet sich ungefähr auf Meeresspiegel-Niveau. Rund um die Stadt befinden sich Geest- und Moor-Gebiete.
Da ein weiteres Oldenburg in Schleswig-Holstein existiert, bin ich froh, dass mich heute meine ortskundige Gartenfreundin Ulrike Aljets chauffiert. Da weiß ich sicher, dass wir im richtigen Bundesland, im Süden der richtigen Stadt, Straße und Garten landen. Und da steht Martina Groth auch schon in der Tür und lacht uns entgegen.
Der Vordere Garten von Martina Groth
Martina führt mich kurz in den hinteren Gartenteil, damit ich die Größe abschätzen und mir die Zeit einteilen kann. Insgesamt sind es 450 qm Garten, da kann ich entspannt zur Eingangsseite zurückkehren, um mir als erstes in Ruhe den vorderen Garten anzusehen.
Hyacinthoides hispanica, Pseudofumaria alba – Narcissus triandrus ‘Thalia’ – Wulfenie
Die Aufteilung des nicht allzu großen Stadtgartens in einen Vorderen Garten und einen Hinteren Garten erleichtert mir das Durchfotografieren kolossal. Ich muss Pflanzenporträts nicht in Übersichten einbinden, um später rekonstruieren zu können, wo sie genau stehen. Also lasse ich mich, entgegen meiner normalen akribischen Vorgehensweise in den beiden Gartenteilen spontan weitertreiben und fotografiere querbeet alles, was mich anspricht. Der “Vordere Garten” ist zu groß und zu komplex, um ihn als schlichten “Vorgarten” zu titulieren. Die Farbgebung mit viel frischem Gelbgrün, Weiß und ein wenig Blau, die in diesem Areal vorherrscht, gefällt mir sehr gut.
Wie eine frische Brise schäumen die Blüten der verschiedenen Euphorbien auf. Diese üppigen frischen Wellen ziehen ab April durch den Garten. Die weiße Gischt, in Form der Narzissen ‘Thalia’ wird in wenigen Wochen verschwinden. Aber ich sehe schon die Austriebe des Purpur-Leinkrauts, Linaria purpurea und weiterer Stauden in den Startlöchern stehen, die nach und nach die Brise im Vorgarten in ruhigeres Fahrwasser leiten werden.
Während die weißen Blüten einer Choisya, Orangenblume, die Farbe der Narzissen aufnimmt, sehe ich am Zaun eine Blutberberitze. Schon fast theatralisch wirkt die rote Rosenkugel davor. Ich fotografiere unmittelbar in die Kugel hinein und stelle mir vor, wie dieser Glutball von Sonne abends im Meer versinkt. Nicht nur mich begeistern Gestaltung und Farbgebung des vorderen Gartens. Oft bleiben Spaziergänger stehen, betrachten die Blütenpracht der Stauden und bewundern die ausgefallenen Gehölze, wie die Choisya, die gerade überschwänglich in Weiß gehüllt ist und ihren Orangenduft über den Zaun sendet. Ist Martina im Vorgarten präsent, entwickelt sich dann auch schnell ein interessanter Austausch mit den interessierten Spaziergängern.
Alleine die 10 unterschiedlichen Euphorbienarten und -sorten sorgen für Gesprächsstoff. Ich liebe die Wolfsmilchgewächse genauso wie Martina und freue mich über die kleine Sammlung von Euphorbia myrsinites, E. characias subsp. wulfenii, E. epithymoides, um nur einige Arten hervorzuheben. Die Euphorbien sind momentan die unangefochtenen Stars im vorderen Garten. Geschickt sind sehr früh blühende, mittel- und spätblühende Arten und Sorten von Martina Groth ausgewählt worden. Sie haben verschiedene Höhen und Formen, das macht diesen Garten so lebendig. Die Grundfarbe gelbgrün zieht sich großzügig durch das Areal.
Im April 1997 wurde der Vorgarten, im Zusammenhang mit mehreren Vorhaben im hinteren Garten von Martina Groth neu geplant, modelliert und mit Sichtschutz-Gehölzen, zur Straße hin, bepflanzt.
Kann es sein, dass mich Martina und Ulrike amüsiert bei meinen maritimen Vergleichen und Betrachtungen im vorderen Garten beobachten? Nein, natürlich nicht, sie beraten gerade, wo sie das kleine Video zur Garten-Vorstellung aufnehmen wollen. Klickt gerne auf das Standbild des Videos, macht bitte den Ton laut und hört selbst, was Martina nach diesem Foto im Haus anschließend erzählt hat.
Ich selbst habe nun im hinteren Garten freie Bahn zum Fotografieren und das ist perfekt so, denn ich komme in einen übersichtlichen Bereich mit einem zentralen Teich innerhalb eines Senkgartens, in welchem sich keine Person so ohne weiteres verstecken kann.
Der Hintere Garten von Martina Groth
Schaut man sich die beiden so unterschiedlichen Gartenteile an, so kann man sich kaum vorstellen, dass es das im Januar 1997 alles noch gar nicht gab. Vernachlässigte Thujenhecken rahmten eine Wildnis von Brombeeren, Brennnesseln, Unkraut und einem Trümmerhaufen ein. Mit Unmengen von Steinplatten war das Areal zugepflastert. Es wartete viel Arbeit auf Martina. Dank Familie, Freunden und Nachbarn und einem großen Container wurde erst einmal Tabula rasa gemacht und alles entfernt, was nicht mehr verwendbar war. Anschließend wurde großzügig Mutterboden aufgebracht, um den Boden zu verbessern.
Der Eingangsbereich in den hinteren Garten ist vielfältig gestaltet. Das Zusammenspiel von Hecke und buntlaubigen Gehölzen, mehrere Topfgarten-Arrangements, ein freundlich altweiß gestrichenes Holzhäuschen mit vanillegelber Tür und gegenüber, die abschließende Hauswand, schaffen in diesem Bereich einen recht intimen Charakter.
Zwischen dem Gartenhäuschen und der Seitenfassade des Wohnhauses, bis hin zur Terrasse vor der Hinterfront des Gebäudes, gibt es viel Halbschatten und Schatten. Martina hat nicht nur mit dem hellen Anstrich des kleinen Holzbaus für eine freundliche Wirkung im hausnahen Bereich gesorgt. Es gibt viele hell panaschierte Stauden wie Hostas oder Salomonssiegel und gelb- und rotlaubige Gehölze, um Helligkeit und Freundlichkeit in die dunkleren Ecken, die nicht den ganzen Tag in der Sonne sind, zu bringen.
Cotinus coggygria, Perückenstrauch – Corydalis ochroleuca – Polygonatum ‘Striatum’ (Syn. Grace Baker)
An der Seite ist die Terrasse mit großen hellen Holzbrettern abgeschirmt, ein langer schmaler Spiegel hellt zusätzlich auf. Der weißblühende Viburnum hat in der Terrassenecke gerade seinen großen Auftritt. Täusche ich mich, oder wirft er mir gerade große Schneebälle zu? Dahinter an der Holzwand lauern schon die ersten Knospendolden einer ebenfalls weiß blühenden Kletterhortensie auf ihren großen Auftritt einen Monat nach dem Viburnum. Überall aus den Ritzen, hier direkt aus den Mauerfugen, drängt Corydalis ochroleuca, ein weißblühender Lerchensporn, mit zartgelbem Make-Up an den Blütenspitzen, ans Licht. Martina schneidet ihn nach der Blüte zurück und genießt die Wiederholungsblüte. Das I-Tüpfelchen ist Actinidia kolomikta, der Strahlengriffel, der sich die Blattspitzen großzügig weiß gefärbt hat.
Überall im Garten merkt man an den Planungsfeinheiten, die Begeisterung, Freude und unverwechselbare Handschrift der Gärtnerin Martina Groth. Es gibt mehrere Sitzplätze im Vorderen und auch im Hinteren Garten. Die Wahl der Möbel ist helles Holz, gefertigt als leichte Außenmöbel, die Frau nicht nur alleine umplatzieren kann, sie sind auch ein angenehmer Hingucker und lockern mit ihrer leichten Machart den Garten auf. Martina ruht sich nicht aus, wenn sie mit einem Gartenteil fertig ist. Sie freut sich, fängt aber schon im nächsten Moment an, ihr Werk infrage zu stellen und an Verbesserungen zu feilen. Erst realisiert sie ihre eigene Planung – dann folgt die Weiterentwicklung. So entstehen farbharmonische, bewegte Gartenbilder, die mir poetische Geschichten erzählen.
Martina ist, wie ich selbst auch, Autodidaktin. Ihre erste Inspirationsquelle war dabei sicher ihr Opa. Mehr erfahren über die Welt der Gärten, Gehölze und Stauden hat sie dann durch Gärtnereibesuche, Fachliteratur und Fachzeitschriften, Vorträge, sowie dem Besuch von Landes- und Bundesgartenschauen. Besonders wichtig waren für sie die Gartenbesuche. Als sie ihr Weg in den Karl Foerster Garten nach Potsdam führt, weiß sie, wie der Grundriss des Hinteren Gartens bald aussehen würde.
Im April 1997 beginnen die Ausgrabungen im Hinteren Garten, nachdem auch da das Prozedere des Aufräumens wie schon im Vorgarten, durchexerziert worden war. Martina wünschte sich einen Senkgarten mit Wasser im Zentrum, ähnlich dem Vorbild, das sie im Karl Foerster Garten gesehen hatte. Die Aktion ist so auffallend, dass ein Besucher gleich historische Ausgrabungen als Grund für den Teichaushub vermutet. Nach der Wasserfläche wurden Trockenmauern rund um den Teich gebaut und in die oberen Beete kamen der Teichaushub, Grassoden vom Vorderen Garten und Mutterboden.
Nach der Bodenvorbereitung wird die Buchenhecke gepflanzt und erste Bäume ziehen in den Garten ein. Später folgen dann die wunderbar zusammengestellten Staudenpflanzungen. Der Teich wird befüllt und vollendet und Wasserpflanzen aus dem Ernst Pagels Garten werden im Teich versenkt. Fast gleichzeitig bezieht ein Entenpaar den Teich. Nicht nur bei den Gartenmöbeln wurde auf eine leichte Wirkung gesetzt. Die abwechslungsreiche Kombination von Holzelementen, Hecken und Einzel-Gehölzen, die den Garten umrahmen, bringen ebenfalls eine spielerische Leichtigkeit in das damit größer wirkende Areal. Zudem verliert das doppelte Quadrat von Senkgarten und Teich seine Strenge und wirkt eingebunden.
Nun habe ich mir eine gute Übersicht verschafft, es wird Zeit die Augen nach unten zu richten. Die zarte Farbgebung in den Beeten ist sehr bewusst, gerade jetzt im Frühling, so gewählt worden. Wenn ich über den Garten schaue und sehe hinten links eine knallrote Tulpe und rechts eine aufdringlich gelbe Trompetennarzisse, dann habe ich eigentlich von meinem Standpunkt aus alles gesehen. Ich kenne das und gehe schnellstens ins Haus zum Kaffeetrinken. Das ist hier alles anders. Ich erahne nur die plüschigen Härchen der Küchenschellen, die Tulipa batalinii ‘Bright Gem’ kenne ich überhaupt nicht, auch der gelblaubige Cercis Strauch mit seinem lila Blütenmeer, das sich so unmittelbar an die Ästchen klammert, will aus der Nähe begutachtet werden. Ich mache es kurz, es war wahrscheinlich nie jemand länger als ich in diesem Garten zum Fotografieren. Aber, Indianerehrenwort, als ich ins warme Zimmer eintrete, erwartet mich eine heiße Tasse Kaffee!
Viele der Lieblingspflanzen von Martina blühen noch nicht, aber die Euphorbien im Vorgarten, die mir zusammen mit ihren Begleitern eine wunderbare, immer abrufbare Erinnerung an Meeresbrisen und rotem Sonnenuntergang beschert haben, lassen mich vermuten, dass mir die Lieblingsblumen von Martina: Echinacea, Salvia, Penstemon, Farne, Hostas und filigrane Gräser im Zusammenspiel mit den ausdrucksstarken Gehölzen: Vitex, Physocarpus, Choisya, Osmanthus, Cotinus, Hydrangea und mehr, mir bestimmt eine neue, ganz andere Geschichte im Kleinen Stadtgarten von Martina erzählen würden.
Liebe Martina, ich danke Dir von Herzen, dass ich mit Ulrike bei Dir zu Gast sein durfte und wünsche Dir ein wunderbares Gartenjahr.
Die offiziellen Besuchstermine 2026 sind: 24.5.26 und der 23.8.26. Ansonsten gerne Mail-Anfragen.
Kleiner Stadtgarten Martina Groth
Adresse: PLZ 26135 Oldenburg, Troppauer Str. 17
Kontakt: E-Mail: martina.groth@ewetel.net
