Ankommen in Essel, Schwarmstedt
Heute bin ich mit meiner Gruppe im Südwesten der Lüneburger Heide unterwegs. Das Ziel ist Essel, das zu Schwarmstedt gehört und eine Gemeinde des niedersächsischen Landkreises “Heidekreis” ist. Zur besseren Vorstellung ist vielleicht die Entfernung zur südlich gelegenen Stadt Hannover hilfreich, die etwa 45 km beträgt. Essel liegt am südlichen Ufer der Aller. Schon 1251 wurde der Ort erstmals als “Esele” erwähnt. Vielleicht lag das an der Nähe zum Esseler Allerübergang. Die drei Herren von Hademstorf überwachten in der Allerniederung zwischen Essel und Buchholz auf der Uhlenburg die Überwachung des Übergangs und die Kontrolle der Allerschifffahrt. Die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg zerstörten die Burg 1394. 1450 wurde der Ort für längere Zeit Sitz einer Amtsvogtei.
Mitten im Wald der Südheide liegt das heutige Ziel meiner FB-“Traumgärten erleben”-Gruppe. Vor und hinter einem einladend wirkenden rot angestrichenen Tor parken wir direkt den Zaun des 3000 qm großen Grundstücks entlang. Die Farbe der Pforte erinnert mich an die asiatischen “Toris”, die Glückstore, die in viele chinesische und japanische Gärten einladen. Und es ist wirklich unser Glückstag, wir sind gerade in einem Waldparadies gelandet.
Seit 26 Jahren existiert der Waldgarten der Familie Günther. 1994 wurde das Grundkonzept für das Areal geplant. Sehr wichtig waren Ingrid und Rolf der Bau des massiven, finnischen Holzhauses mit großen Fenstern, da das Grundstück anfangs, hauptsächlich durch Fichten, stark beschattet war.
Der Waldgarten
Klugerweise gehörte zu den ersten Arbeiten des Ehepaares, die Fruchtbarkeit des Waldbodens mit Hilfe von Küchenabfällen, Blättern, Kuh- und Pferde-Mist, die mit Hilfe von Algenkalk und Hornspäne angereichert und mit eingesetzten Regenwurmkulturen belebt wurden, stetig zu verbessern. Die vorhandenen Fichten wurden teilweise entfernt, der Rest aufgeastet, um mehr Licht auf das Grundstück zu bekommen.
Dank dieser Maßnahmen entstand im Laufe der Jahre der Waldgarten. Lichtschneisen und einige Sonnenbeete, hauptsächlich in Hausnähe, wechseln sich mit geschwungenen Waldwegen und Schattenpartien ab. Letztere wirken dank der Unterpflanzung mit vielen Schattenstauden und Kleingehölzen absolut lebhaft und abwechslungsreich. Der Ideenreichtum der Besitzer ist in der Tat verblüffend.
Auch wenn es immer wieder Sichtachsen gibt, die einen vorauseilenden Blick erlauben, so ist es insgesamt doch spannend, sich auf die vielen Details zu konzentrieren die sich immer wieder neu erschließen. Schon kurz nach dem roten Tor liegt auf einer der aus dem Boden herausragenden Baumwurzeln ein in Plastik eingeschweißtes Papier. “Die Wurzeln haben ältere Rechte!!! Achten Sie auf Ihre Füße.” Also macht es Sinn, sich auf den Wegen, die nicht mit alten roten Ziegelsteinen versehen sind, auf den Untergrund zu konzentrieren.
Auffällig finde ich die vielen rundlichen Strukturen von Beeten und Einfassungen, kleinen Hecken, Habitaten, ja sogar bei den Dekorationen in Kugelform. Das schmeichelt dem Auge, nimmt den Baumstämmen jede Strenge und schafft eine durchgehende, natürliche Harmonie im Garten, ohne Ecken und Kanten. Auch das Holzhaus, die Garage und die Gartenhütte wirken durch diesen rundlichen Rahmen so weich, dass sie Teil des Gartens werden.
Auch wenn das Paar absolut autodidaktisch an die Gartenplanung und Gestaltung herangegangen ist, so gab es sofort ein klares Konzept. Ingrid Günther wusste stets genau, was sie wollte. So hatte sie mit 40 Jahren einen Blumenladen eröffnet, obwohl sie keinerlei Vorkenntnisse hatte. Sie wurde, obwohl sie davor noch nie einen Blumenstrauß selbst gebunden hatte, so erfolgreich, dass sie die großen Messen, wie die “Cebit-Hannover”, mit ihren Kreationen belieferte.
Irgendwann übernahm sich Ingrid Günther kräftemäßig und verkaufte ihren Laden. Der Vorteil dabei war, dass sie nun ihre Kreativität und Zeit bündeln konnte, um alle neuen Ideen im Waldgarten im Laufe der vergangenen Jahre umzusetzen. Wichtig war dem Ehepaar eine gute Gartenstruktur und mehr Tageslicht. Das Auslichten der zu eng stehenden Fichten und das Aufasten der Baumstämme geschah dabei mit so viel Fingerspitzengefühl, dass der Waldcharakter des Gartens voll erhalten werden konnte.
Neben den abwechslungsreichen Sichtachsen und der spannenden Wegführung, gibt es verschiedene Farbbeete zu bewundern. Im Birkenhain dominieren weiß und gelb und am Waldrand schmeicheln blaue und rosa Blühfarben dem Auge. Eine kleine Lieblingsstaude von Ingrid findet sich unter anderen im blau rosa Farbbeet. Es ist der Chinesische Bleiwurz, Ceratostigma plumbaginoides, einer der vielen Bodendecker im Garten.
Bei den Bodendeckern hatte Ingrid Günther tatsächlich ein besonders glückliches Händchen. Großflächige Schwanenhals-Sternmoos-Polster bezaubern vor allem im Norden des Gartens den Betrachter. Das Moos gedeiht sogar unter den alten Eichen. Allein mit den für diesen trockenen, schattigen Standort geeigneten unterschiedlichen Bodendeckern, schuf die Gärtnerin die Voraussetzung, dass das Waldparadies der Familie Günther immer wie ein Garten wirkt.
Trotzdem stellt der Klimawandel die Besitzer des Waldgartens in den letzten Jahren vor unvermeidliche Veränderungen und erhöhten Arbeitsaufwand. So muss inzwischen der Boden immer öfter aufwendig für die Frühjahrs- und Sommerblüher vorbereitet werden. Die vielen “Untermieter”, die im Garten leben, sind dankbar für den Erhalt ihres unersetzlichen Biotops.
Einige kleine Wasserstellen gibt es auch im Garten. Besonders beeindruckt bin ich von diesem kleinen Teich, der zum Großteil von einer Seerose ausgefüllt ist. Ich nenne die Blätter einfach mal “Wasserfrosch-Beach”. Ihr könnt gerne zählen, wie viele Frösche Ihr auf dem Foto entdeckt.
Über die Vögel kommt das Ehepaar schnell ins Schwärmen, wobei sie einschränken, dass auf dem kleinen Areal zu viele Amselmännchen lauthals ihr Revier verteidigen. Bei den Wühlmäusen hört die Freundschaft allerdings ganz auf, nun ja, wir mögen ja auch nicht alle unsere Nachbarn, oder?
Dann erzählt mir Ingrid noch eine kleine Anekdote. Als sie vor Jahren angefangen hatten, den reifen Kompost im Frühjahr auf die Beete zu bringen, fanden sie ein Eiergelege, etwa 50 Stück, so groß wie Wachteleier, die alle zusammenhingen. Der Kompostabbau wurde unterbrochen und nach einer Woche war es dann soweit. Kleine Ringelnattern wuselten oben auf dem Haufen herum. Sofort wurden sie bewacht, da die Amseln sie wohl mit kleinen Blindschleichen verwechselten, die durchaus auf ihrem Speiseplan stehen. Inzwischen gibt es zur Freude der Gartenbesitzer eine Population von Ringelnattern, die sich gut im Garten hält.
Dekorationen gibt es im Garten genau so viel, wie es ein Naturgarten gut verträgt. Gar nicht sparsam sind die Günthers mit Sitzplätzen, die überall als Gruppe, Bank oder auch nur als Liege oder Stuhl verteilt sind. Ingrid und Rolf haben einfach zu viele Lieblingsplätze im Garten, als dass sie sich permanent auf der gemütlichen Terrasse aufhalten möchten.
Im Mittelpunkt des Gartens wurden große Basaltsteinkreise um einige alte Kiefern angelegt. Sie sind mit Erde aufgefüllt und mit getrennten Farben bepflanzt. Die Vorstellung, wie im zeitigen Frühjahr die Stinzenpflanzen und unendlich viele Frühlingsgeophyten erscheinen, erweckt den Wunsch, zu einer anderen Jahreszeit in dieses Paradies zurückzukehren.
Aber auch der Spätfrühling, wenn sich die Stauden im Garten gut entwickelt haben und die uralten, teilweise begehbaren Rhododendren in voller Blüte sind, hat bestimmt seinen Reiz. Rhodos und Eiben gehören zu den immergrünen Pflanzen im Garten, die das ganze Jahr über Strukturaufgaben übernehmen. Zu den Immergrünen gehörte auch Jahrzehnte der Buxus, er fiel leider dem Virus zum Opfer und nun übernimmt Ilex crenata seine Aufgabe.
Im Sommer sind die Hostas, Gräser, Digitalis, Taglilien, Phlox und Bodendecker voll entwickelt und die großen Blattstauden zeigen ihren beachtlichen Habitus. Überall blüht es und die Insekten finden ihre Nektarbar im Garten.
Bevor im Herbst der Indian Summer beginnt, wird es für kurze Zeit etwas ruhiger und grüner im Garten. Genau in dieser Zeit durften wir das Waldparadies besuchen und mit Kaffee und Kuchen ausgestattet, die vielen Sitzplätze unter den Bäumen belegen. Tatsächlich hatte Ingrid etwas Bedenken, ob der Garten anlässlich unseres Besuches “genug hergibt”. Aber letztlich siegt dann doch das Selbstbewusstsein, als sie meint, dass sie mit der Gesamtheit ihrer Gartenanlage, auch mit der sparsamen Dekoration, so zufrieden ist, dass die Besucher jederzeit ein stimmiges Bild empfängt. Wie wahr!
Der Herbst mit seiner bunten Blattfärbung, unterstützt von späten Hortensienblüten und Herbstanemonen, zusammen mit den filigranen Gräsern und hunderten Blattrosetten der Hostas ist ein weiterer Gartenhöhepunkt.
Auch das Ehepaar Günther war so freundlich ein kurzes Interview mit Ulrike Aljets aufzunehmen. Vielen Dank, liebe Ulrike. Macht gerne den Ton laut und klickt auf das Video, um die beiden sympathischen Gärtner kennenzulernen.
Als ich den Beitrag für den Nikolausvorabend plante, landete ich schnell bei diesem wunderbaren Waldgarten der Familie Günther. Während ich die Fotos zusammensuchte, fragte ich mich, wie der Garten wohl im Dezember aussieht. Meine dahin gehende Frage wurde von den Waldgärtnern mit den drei folgenden Schneefotos beantwortet. Na, dann kann der Nikolaus ja um die Ecke kommen!
Ich danke Ingrid und Rolf Günther sehr herzlich, dass ich mit meiner FB-“Traumgärten erleben”-Gruppe im Waldgarten zu Gast sein durfte. Auch für die drei Schneefotos, die sie mir für diesen Beitrag am Vorabend von Nikolaus zur Verfügung gestellt haben, danke ich ihnen. Es war für uns Alle eine große Überraschung in der Lüneburger Heide so einen stimmungsvollen Waldgarten zu finden. Ob da heute wohl die Nikolaus-Schuhe vor die Tür gestellt worden sind?
Waldgarten Ingrid und Rolf Günther
Adresse: PLZ 29690 Essel, Drebberfuhrenweg 20
Kontakt: Mail-Adr. irguenther@gmx.de

15 Kommentare
Guten Morgen liebe Renate, ich liege krank im Bett und freue mich sehr über diesen tollen, informativen Beitrag und die Vorstellung des herrlichen Waldgartens. Vielen Dank dafür. Da ich aus Lehrte bei Hannover stamme, wäre dieser besondere Garten nahe Schwarmstedt für mich erreichbar. Beteiligt sich das Ehepaar an der “offenen Gartenpforte”? Wenn ja, wäre ich sehr dankbar über einen Hinweis. Alternativ könnte ich mir auch vorstellen, bei Ehepaar Günther per E-Mail nachzufragen…was empfiehlst du? Herzliche Grüße von Liane
Liebe Liane, zuerst einmal wünsche ich schnelle, gute Besserung. Familie Günther ist Teil der offenen Gärten: “Über Zäune schauen”. Wann die Öffnungszeiten 2026 online gehen, das kann ich nicht sagen, aber es wird sicher zum Jahresanfang stattfinden. Sollten die angebotenen Tage nicht passen, ist es bestimmt auch in Ordnung, wenn Du Dich in einer Mail nach einer Besuchsmöglichkeit erkundigst. Schreib da gerne, dass Du den Beitrag in Wurzerlsgarten gesehen hast und Du das sehr gerne einmal live erleben möchtest. Ich wünsche Dir einen netten Nikolaustag und einen schönen 2. Advent. LG Wurzerl
Ein wundervoller Waldgarten, so stimmig und stimmungsvoll! ich habe viele schöne Anregungen erhalten. Großes Kompliment an die Gartenbesitzer für dieses gelungene Gesamtkunstwerk!
Und Danke, liebe Renate für diese, wie immer, großartige, anregende Gartenreportage!
Über einen Kontakt mit Familie Günther würde ich mich sehr freuen.
Herzliche,grüne Grüße
Manuela
Liebe Manuela, Familie Günther ist Teil der offenen Gärten: “Über Zäune schauen”. Wann die Öffnungszeiten 2026 online gehen, das kann ich nicht sagen, aber es wird sicher zum Jahresanfang stattfinden. Sollten die angebotenen Tage nicht passen, ist es bestimmt auch in Ordnung, wenn Du Dich in einer Mail nach einer Besuchsmöglichkeit erkundigst. Schreib da gerne, dass Du den Beitrag in Wurzerlsgarten gesehen hast und Du das sehr gerne einmal live erleben möchtest. Ich wünsche Dir einen netten Nikolaustag und einen schönen 2. Advent. LG Wurzerl
Ein sehr stimmiger Garten vor der tollen Waldkulisse. Wie schön hier mit den Gegebenheiten und nicht gegen sie geplant und gestaltet wurde! Die sparsame Deko finde ich sehr wohltuend.
Liebe Grüße
Susanna
Wunderbar schön 🥰
Mit lieben Grüssen aus der Schweiz Silvio👌👍👏
Lieben Gruß zurück aus meiner oberbayerischen Endmoräne, lieber Silvio. LG Wurzerl
Wunderschöner Garten, in der Nähe ist auch der Garten Hilmers in Marklendorf. Sollte er noch existieren, Ehrpaar war schon etwas älter, absolut sehenswert 👍👍👍👍👍
Stimmt liebe Christiana, diesen Garten kenne ich auch. War dort schon bevor ich mit Wurzerlsgarten begonnen habe. Er ist wirklich sehenswert gewesen, weiß aber nicht, wie er heute ist. LG Wurzerl
Liebe Wurzerl-Renate, vielen Dank dafür. Ich werde es mir im Kalender notieren und mich kümmern. Fiebere vor mich hin. So beeindruckend, dein Wirken und die Weitergabe. Von Herzen danke dafür und auch für dich einen stimmigen Nikolaus und 2. Advent. Liebe Grüße aus Lehrte, Liane
Einfach wunderbar,wie immer liebe Renate
Das ist ja ein ganz besonderer Garten! gefällt mir sehr gut!
Ich kann mir vorstellen, dass so ein Waldgarten schon eine gewisse Herausforderung darstellt. Viele Wurzeln machen das Gärtnern bestimmt nicht einfach.
Viele Grüße von
Margit
Wieder so ein toller Beitrag von einem so wundervollen und natürlichen Garten der mich schwer verzaubert. Dankeschön dafür, liebe Renate.
Sehr gerne liebe Nicole, LG Wurzerl
wow
was für ein beeindruckender Garten
da wurde nicht Wald in den Garten gebracht
sondern der Garten in den Wald
den müsste man wirklich zu den verschiedenen Jahreszeiten besuchen
danke fürs Vorstellen
Rosi