Angela Gerke-Repp und ihr Naturgarten in Homberg, Hessen

Margeritenwiese im Garten Angela Gerke-Repp, Homberg

Ankommen im Naturgarten Angela Gerke-Repp in Homberg

Nachdem ich mit Ulrike Aljets der Einladung Jörg Diebels zum Besuch der Steinfurther Rosenschulen gefolgt war, wollten wir die Gelegenheit nutzen und einige FB-Freundinnen besuchen. Heute ist es so weit, Ulrike und ich fahren nach Homberg (Efze). Die hessische Kleinstadt ist nach der Hohenburg benannt, die auf einem Basaltkegel oberhalb der Stadt liegt.

Im Wohngebiet von Homberg/Efze befindet sich der kleine Stadtgarten von Angela und Joachim. Die Beiden stehen im Eingangsbereich des Grundstücks. Gerade da, wo wir uns begrüßen, kann ich über den Zaun hinweg die Hohenburg sehen. Darum schlage ich spontan vor, das Video doch an dieser Stelle zu drehen. Unser gemeinsamer Versuch funktioniert nicht richtig, darum bin ich froh, dass mir Angela später selbst ein Video zukommen lässt. Natürlich erzählen Angela und Joachim hauptsächlich über die Burg. Darum ist es am einfachsten, den Ton laut zu stellen, auf das Bild zu klicken und meine heutigen Gastgeber im Video kennenzulernen.

Zwei schmale Mixed Border begrenzen den Eingangsbereich des Grundstücks. Zur Rechten schließt sich das Nachbargrundstück an und auf der linken Seite ist hinter dem Beet der vordere Gartenbereich, der am Haus endet. Das ist nicht nur eine schöne Einrahmung der gepflasterten Einfahrt, es ist auch die Visitenkarte des Grundstücks. Das dem Garten zugewandte Beet bietet zudem einen kleinen Sichtschutz für die Terrasse.

Der Garten erstreckt sich über drei Ebenen zwischen Haus, Garage und Gartenhaus. Im Vorgarten, dem Terrassengarten und dem Nutzgarten finden sich viele Bäume, Sträucher, Rosen und Stauden, dazu typische weitere Elemente, die einen Naturgarten auszeichnen. An drei Seiten gibt es verschiedene Hecken mit Thujen, Liguster und Eiben. Der Restbestand der kranken Buchsbäume wird nach und nach entfernt.

Rosa ‚Guy Savoy‘, Delbardrose – Angela Gerke-Repp – Rosa ‚Westerland‘

Die Liebe zu ihren Pflanzen erbte Angela sicher durch das Vorbild ihres Großvaters. Jede freie Minute verbrachte er im Garten. Darum war es vor 15 Jahren, als Angela und Joachim ihren 1000 qm großen Garten bekommen hatten, eine klare Sache, dass sie der Rasen- und Unkrautwüste zu Leibe rücken würden. Es wurde gerodet, gejätet und gepflanzt, bis ein schöner, etwas exotisch angehauchter Stadtgarten entstanden war.

Parallel setzte sich Angela in ihren letzten Berufsjahren in einer Förderschule besonders für die Einrichtung eines Schulgartens ein. Er ist wunderschön geworden und existiert in Fritzlar am Grauen Turm.

Spaziergang durch die verschiedenen Gartenräume

In den drei Gartenräumen gibt es tatsächlich 5 Terrassen. Der Platz vor dem Haus ist überdacht und lädt Angela und ihren Mann zum Frühstücken ein.

Im Schutz der Gehölze sitzt man hier sehr angenehm. Dekorationen findet man im Garten wenig, aber in der Nähe der Gebäude gibt es schon mal Unikate zu bestaunen. So ist der blaue Stuhl von einer ehemaligen Klasse Angelas gestaltet worden. Mit klassischen Sempervivum-Schalen ist das Arrangement aufgepeppt worden.

Rosa rugosa ‚Smart Roadrunner‘, Kartoffelrose – Rosa ‚Lions Rose‘Rosa ‚Gertrude Jekyll‘

Rosen gehörten von Beginn an zu den Lieblingspflanzen von Angela. Bei ihren Beobachtungen fand sie schnell die Vorteile von Duftrosen für sich in Terrassennähe heraus. Andererseits bemerkte sie, dass Rosen mit offenen Schalenblüten gerne von Insekten besucht wurden.

Weigelia ‚Carnaval‘ – Deutzia scabra ‚Plena‘ – Centranthus ruber + Centranthus ruber ‚Albus‘

Dann entdeckte Angela eines Tages im Gartencenter Nisthilfen für Bienen. Sie weiß heute, dass diese nicht perfekt waren. Aber es schien so, als gäbe es weit und breit in Homberg keine Alternativen, denn im kommenden Frühling beobachtete Angela etliche Wildbienen, die hier ihre Nachkommen deponierten und die Eingänge zukleisterten.

Im Jahr darauf gab es ein unglaubliches Gewusel vor den Nisthilfen. Diese Momente überwältigten Angela, was ich durchaus nachvollziehen kann, ging es mir doch die ersten Jahre mit meinen eigenen Insektenhotels genauso. Nachdem sie beobachtet hatte, dass die Wildbienen die Blüten des gefleckten Lungenkrauts und anderer Wildkräuter anflogen, beschloss sie, ihren Garten im Sinne eines Naturgartens umzugestalten und für mehr Blütenpflanzen, Wasserstellen und Unterschlupfmöglichkeiten zu sorgen.

Nach und nach entstanden wichtige Natur-Komponenten, der Garten wurde immer beliebter. Heute ist hier ein dauerndes Kommen und Gehen. Natürlich ist es für Katzen hier viel spannender als in „aufgeräumten“ Gärten. Da Angela die Vogeltränken klug platziert und es eine Menge Unterschlupf-Möglichkeiten in den Hecken und Bodendecker-Stauden für ihre gefiederten Freunde gibt, haben Alle ihren Spaß.

Im Rasen entwickeln sich regelmäßig Blumeninseln mit Margeriten, Hahnenfuß, Gundermann, Dost und Wilder Möhre. Besonders in den Randbereichen der vorderen Wiese samen sich immer wieder Königskerzen aus. Angela mäht einfach um die Bienenweiden herum. Seit einiger Zeit gibt es auch ein Sandarium direkt in der Wiese. Da drei Viertel der Wildbienen Erdbrüter sind, ist das eine wichtige Ergänzung zu den aufgehängten Nisthilfen, die hauptsächlich für Mauerbienen interessant sind.

Getreu dem Motto von Karl Foerster: „Es wird durchgeblüht“ beginnt die Blühsaison im Garten bereits ab Februar mit Schneeglöckchen, Wildkrokussen, Winterlingen und Hohlem Lerchensporn, dem die Narzissen im April folgen. Sie sind in den Randbereichen der Hecken und Beete untergebracht.

Während ich nun über die Umgestaltung des Gartens zum Naturgarten erzähle, habe ich ganz versäumt zu berichten, dass ich inzwischen auch den mittleren Gartenteil durchgegangen bin und mich nun dem hintersten Gartenteil nähere. Die gepflasterte Einfahrt führt nämlich über die Terrassen in Wegbreite weiter bis zum Ende des Grundstücks.

Bevor ich den Nutzgartenbereich betrete, stehe ich in einem wunderbaren, wildromantischen Gartenteil. Geißblatt und Holunder sind hier das „Ehrenspalier“ für mich. Das Baumhaus lässt mich einen Moment vor Neid erblassen. Was für ein spannender Gegensatz ist das hier zur „Visitenkarte“ der Eingangsbeete und der Rosen, die im vorderen Bereich ein völlig anderes Bild anbieten.

Im hinteren Garten finden sich viele typische Naturschutzkomponenten. Hier gibt es nicht nur die wild(romantischen) Ecken und Komposthaufen, sondern ich finde auch ein Experimentierfeld, Angela nennt es „Beobachtungsbeet“, in welchem Wildpflanzen auf ihre „Wildbienentauglichkeit“ getestet werden. Anstelle eines Teichs gibt es verschiedene flache Wasserstellen für Vögel und Insekten. Da Angela die Vögel ganzjährig füttert, kann sie die Vogelfamilien dabei beobachten, wie die Altvögel ihren Jungen die Futterstellen zeigen, sie dort füttern und langsam daran gewöhnen, sich das Futter selbst zu nehmen.

Beim Sortieren der Fotos für diesen Beitrag fiel mir ein Foto mit Totholz mitten auf der Wiese im hinteren Bereich in die Hand. Ich schickte Angela das Bild und fragte, ob sie geplant habe, etwas damit zu gestalten. Prompt sandte sie mir das Foto der fertigen Benjeshecke zu, die sie, etwas untypisch, mit einem Staketenzaun umgeben hat. Der Sinn ist klar: Da die Benjeshecke keine Abtrennung darstellt und auch nicht im Zaunbereich steht, ist es harmonischer die Hecke als „Benjesbeet“ anzulegen. Die Kastenform passt perfekt zu den Gemüsebeeten und an der Abgrenzung können Wilder Wein, Kapuzinerkresse oder Duftwicken hochranken. Der Igel, der im Vorgarten unter dem Reisig überwintert hat, ist auf jeden Fall begeistert und schon in das „Benjesbeet“ umgezogen.

So gibt es für Angela täglich Neues im Garten zu entdecken. Die „Wilde Ecke“ mit Beinwell und Brennnesseln zeigt mit den abgeschnittenen Nesselspitzen, dass sich auch Angela an den Wildkräutern bedient. Ich bin gespannt, was ihr noch alles einfällt, um ihre Naturoase noch interessanter zu gestalten.

Im Frühjahr 2024 hat sich Angela selbst beschenkt. Sie hat ihren Garten naturzertifizieren lassen. Das ist ein schöner Erfolg, den sie gerne mit Naturgartenfreunden in der näheren Umgebung teilen würde. Der Austausch mit Gleichgesinnten ist wohl das Einzige, was ihr momentan noch fehlt.

Es ist Zeit, Abschied von einem Garten zu nehmen, dessen Besitzer nicht nur ein Gespür für die Schönheit ihres Areals haben, sondern die auch gerne ein großes Stück davon für die Natur abgezweigt haben. Dabei sind die Übergänge manchmal fliesend, aber ab und zu auch sehr spannend. Vielen Dank liebe Angela und lieber Joachim, dass ich mit Ulrike bei Euch zu Gast sein durfte und Ihr mir das Video und das Foto des „Benjesbeetes“ für „Wurzerlsgarten“ zur Verfügung gestellt habt.

Garten Angela Gerke-Repp

Adresse: PLZ 34576 Homberg/Efze, Pommernweg 4

Kontakt: E-Mail: a.gerke-repp@t-online.de

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