Rosen-Träume auf wenig Platz

Rosen-Collage

Um es gleich vorwegzunehmen, Rosen haben zwei große Fehler! Der Erste, sie brauchen verhältnismäßig viel Platz, das ist bei 180 qm Garten-Größe ein scheinbares Manko. Der zweite Fehler, Rosen haben ein großes Sucht-Potenzial! Das ist bei 180 qm Garten-Größe ein scheinbares Glück!

Ahnung hatte ich nicht wirklich von Rosen, aber die Liebe meiner Mama zu ihnen hat wohl bei mir durchgeschlagen, denn immerhin nenne ich inzwischen stolze zwanzig verschiedene Exemplare mein eigen.

Meinen schweren winternassen Boden scheinen sie gerade in der jetzigen Zeit des Klima-Umschwungs zu schätzen. Obwohl ich eine nachlässige und etwas faule Gärtnerin bin und kaum gieße, gedeihen sie gut bei mir.

Rosa 'Munstead Wood', Knospe in Wurzerls Garten
Rosa ‘Munstead Wood’ Knospe in Wurzerls Garten

Generell häufle ich meine Rosen nicht an, ich setze sie mit der Veredelungs-Stelle einfach tiefer in die Erde. Das tolerieren nicht alle Rosen, zum Beispiel für die wunderbar duftenden Maler-Rosen von Delbard aus Frankreich  war das eindeutig zu wenig Winterschutz. Ich habe ca. 7 Sorten nach spätestens 4 Jahren verloren.

Aber die 20 Rosen-Sorten, die mir treu geblieben sind, die ich auch für geeignet halte, Rosen-Anfängern Freude zu machen, die möchte ich jetzt gerne vorstellen:

Rosa ‘Veilchenblau’

Rosa 'Veilchenblau' in Wurzerls Garten
Rosa ‘Veilchenblau’

Beginnen möchte ich mit der Rose ‘Veilchenblau’. Dieser fast stachellose nicht remontierende Rambler steht am Mittelpfeiler vor der Terrasse und ich habe die Triebe direkt unter das Glasdach der Terrasse geleitet. Im Rosen-Monat habe ich deshalb einen blauen, wunderbar duftenden Blüh-Baldachin über dem Gartentisch. Nach der Blüte schneide ich die trockenen Büschel über der Sitzgruppe ab, damit die vertrockneten Reste nicht im Orangensaft landen. Alles außerhalb darf bleiben und kleine entzückende, orangefarbene Butten bilden. Die Rose ‘Veilchenblau’ wurde von Hermann Kiese gezüchtet. Der Multiflora-Rambler beginnt rötlich violett zu blühen, verfärbt sich dann zu dunkelblau und verblasst später zu einem sanften lilagrau. Da die Blüten sich lange halten, habe ich in der Regel alle Farbschattierungen gleichzeitig an dieser Rose. Erstaunlicherweise leiden die Blätter unmittelbar unter dem Glasdach keineswegs unter zu viel Sonnen-Einstrahlung.

Rosa 'Veilchenblau' in Wurzerls Garten
Rosa ‘Veilchenblau’

Rosa ‘Ghislaine de Féligonde’

Rose 'Ghislaine de Féligonde' in Wurzerls Garten
Rose ‘Ghislaine de Féligonde’

Ein weiterer Multiflora-Rambler ist die Rose ‘Ghislaine de Féligonde’, die gleich am Seiten-Zugang in den Garten steht. Sie kann zwar auch als freistehende Strauch-Rose kultiviert werden, aber ich lasse sie klettern, damit sie ebenfalls von der Seite in die Terrasse hineinwachsen kann. Da sie gut remontiert, allerdings mit deutlichen Intervall-Pausen bis zur nächsten Blüh-Phase, weht  doch immer wieder ihr moschusartiger Duft auf die Terrasse. Auch sie hat kaum Stacheln, was bei ihrem Standort neben dem Weg angenehm ist. Ihre Blüten sind gefüllt mit goldgelben Staubgefäßen und irisieren von gelb zu lachsrosa, bei Hitze zeigen sie einen blassen Apricot-Ton  und werden letztlich weiß. Bei kühler Witterung sind sie rosafarbig und bleiben das auch. Diese Sorte wurde vom  französischen Rosenzüchter Eugène Turbat gezüchtet und erstmals in Bagatelle bei Paris 1916 vorgestellt.

Rose 'Ghislaine de Féligonde' in Wurzerls Garten
Rose ‘Ghislaine de Féligonde’

Rosa omeiensis pteracantha

Rosa omeiensis pteracantha in Wurzerls Garten
Rosa omeiensis pteracantha

Eine meiner liebsten Rosen ist die Stacheldraht-Rose, sie wächst im Wintergarten-Beet. Schon Ende April zeigt sie ihre schneeweißen Schalen-Blüten mit goldgelben Staubgefäßen. Interessant ist vielleicht, dass sie anstatt der normalen 5 Blütenblätter nur 4 besitzt. Sie remontiert nicht, dafür habe ich bereits Ende Juni die hübschen runden knallroten Hagebutten, die mit den feuerroten Stacheln um die Wette leuchten. Das zarte gefiederte Laub ist ein toller Kontrast dazu, denn sie ist wohl die Rose mit den größten Stacheln weltweit.

Rosa omeiensis pteracantha  mit den größten Rosen-Stacheln der Welt in Wurzerls Garten
Rosa omeiensis pteracantha

Gepflanzt habe ich sie an diesen Standort, damit die Stacheln schön in der Nachmittagssonne aufflammen  können. Diese unbändige Strauch-Wild-Rose, die 1890 aus China eingeführt wurde, wird bei mir gut 3 m hoch. Leider kann ich ihr nicht den Umfang zugestehen, den sie verdient hätte. Aber da die Stacheln an den jungen Trieben viel ausdrucksstärker sind, als am alten Holz, fällt der Rückschnitt nach der Blüte nicht schwer. Sie strotzt vor Kraft und hat noch nie irgendwelche Krankheitserscheinungen gezeigt.

Rosa omeiensis pteracantha Hagebutten in Wurzerls Garten
Rosa omeiensis pteracantha

Rosa ‘Fairy Bouquet’

Rosen-Rondell in Wurzerls Garten mit 'Morning Jewel', 'Guirlande d'Amour' und 'Rosarium Uetersen'
Rosen-Rondell mit ‘Morning Jewel’ ‘Guirlande d’Amour’ und ‘Rosarium Uetersen’

Vor dem Rosen-Rondell und um dieses rund herum blühen fünf verschiedene Rosen. Gleich vor dem Eingang steht eine kleine Strauch-Rose,  Rose ‘Fairy Bouquet’. Es handelt sich hierbei um eine sogenannte Knospen-Rose. Ja, man kann sagen “wie langweilig”, sie bildet keine schön geformte Blüte, hat keinen Duft! Aber man kann auch sagen. “Wow!” Was für eine wunderbare rote Rose, deren knospige Blütenbüschel bis zu einem halben Jahr voller Erwartung am Strauch hängen. Dieses Foto ist vom Dezember, aber ich hätte es auch noch im Januar machen können.

Rose 'Fairy Bouquet',die Knospenrose in Wurzerls Garten
Rose ‘Fairy Bouquet’,die Knospenrose im Dezember

Und gerade im Schnee finde ich, ist diese Knospen-Rose etwas ganz besonders anrührendes. Wer die Möglichkeit hat, die Bilder groß zu klicken, der kann auch die kleinen roten Stacheln erkennen, die sich wohl erst bei kalter Witterung entwickeln, denn im Sommer sind keine Stacheln erkennbar. Genau wie alle am Rosen-Rondell befindlichen Rosen (hier mit Rose ‘Morning Jewel’) verträgt die ‘Fairy Bouquet’ eine ganze Menge Schatten, denn bis Mittag sind die großen Birken der Sonne größtenteils im Weg.

Rose 'Fairy Bouquet',die Knospenrose und Rosa 'Morning Jewel' in Wurzerls Garten
Rose ‘Fairy Bouquet’,die Knospenrose und Rosa ‘Morning Jewel’ im Juli

Rosa ‘Morning Jewel’

Rose'Morning Jewel' in Wurzerls Garten
Rose’Morning Jewel’

Wie man auf dem Foto eben schon gesehen hat, ist die Rose’Morning Jewel’ direkt hinter der Knospen-Rose und darf sich dort als Kletterer am Rondell nach oben schwingen. Die mittelgroßen Blüten sind mit einem silbern überhauchten dunklen Rosa sehr auffällig und leuchten weithin. Sie wird zwar als sonnenhungrig beschrieben, aber als ADR-Rose weiß sie, dass sie mich nicht enttäuschen darf und blüht hier mit etwas Schatten unverdrossen remontierend bis zum Frost. 1968 wurde sie von der Rosen-Baumschule Cocker eingeführt.

Rambler-Rose 'Guirlande d'Amour' hinter rosa 'Morning Jewel'
Rose ‘Guirlande d’Amour’ hinter Rose ‘Morning Jewel’

Rosa ‘Guirlande d’Amour’

Rambler-Rose 'Guirlande d'Amour' in Wurzerls Garten

Als Kontrast zum großblumigen Kletterer ‘Morning Jewel’ habe ich die Rambler-Rose ‘Guirlande d’Amour’ dahinter gesetzt. Ihr wird sogar amtlich bescheinigt, dass sie Halbschatten verträgt. Ich liebe ihre weithin leuchtenden kleinen, weißen, locker gefüllten Blüten, die wunderbar nach Honig duften. Das dunkle Laub ist ein schöner Kontrast zum Weiß. Schneidet man die bei Insekten sehr beliebte Rose ‘Guirlande d’Amour’ nach der ersten Blüte etwas zurück, dann remontiert sie innerhalb eines guten Monats und die zweite Blüte fällt fast so üppig aus, wie die Erste. Der Züchter ist Louis Lens aus Belgien. 1993 wurde sie auf dem Markt eingeführt.

Rosa ‘Rosenreigen’

Rosa 'Rosenreigen' in Wurzerls Garten
Rosa ‘Rosenreigen’

Den schattigsten Platz hat wohl meine Rose ‘Rosenreigen’ erwischt. Dieser Rambler steht unmittelbar an der roten Klinker-Mauer. Für diese Rose ist eigentlich ein Sonnenplatz empfohlen, aber, wie man sieht, lässt sie sich nichts anmerken und blüht unverdrossen. Im Pflanz-Jahr ist sie allerdings verständlicherweise etwas steckengeblieben. Aber jetzt spielt sie schon gut mit im Rosen-Konzert. Das kräftige Rosa der Blüten verblasst innen etwas, was ihre Blütenschalen noch reizvoller wirken lässt. Auch sie remontiert zuverlässig, hat aber einen etwas zarteren Duft als die Kolleginnen. Ihre Triebe sind bestachelt. Die einfachen Schalen-Blüten laden Insekten in Scharen zum Mahl. Gezüchtet wurde sie von Liebig und 2009 auf den Markt gebracht.

Rosa 'Rosenreigen' in Wurzerls Garten
Rosa ‘Rosenreigen’

Rosa ‘Rosarium Uetersen’

Die Rose ‘Rosarium Uetersen’ ist die letzte Rose, die zum Rosen-Rondell gehört. Sie wurde mir speziell für den Halbschatten empfohlen und mit ihrer Signalfarbe wirkt sie vor der dunkelgrünen Eibe in der hinteren Ecke hinreißend. Die Blüten sind zu Beginn tief rosa und überziehen sich im Verlauf mit einem edlen silbernen Schimmer. Sie gehört zu den gefüllten Rosen in meinem Garten. Auch sie hat einen relativ leichten Duft. Man könnte sie auch als Strauch-Rose ziehen, aber mir ist es recht, dass sie so perfekt klettert, auch wenn sie nicht viel über 2 m kommt. Die Blüten sind sehr regenfest und halten lange. Bis zum Frost remontiert sie zuverlässig und ist sehr gesund. Diese Rose ist eine Züchtung von W. Kordes’ Söhne und seit 1977 auf dem Markt.

Rosa 'Rosarium Uetersen' in Wurzerls  Garten
Rosa ‘Rosarium Uetersen’

Rosa ‘The Dark Lady’

Rose 'The Dark Lady'

Vom Rosen-Rondell gehe ich jetzt zum Teich-Mixed-Border. Für die englische Rose ‘The Dark Lady’ herrscht hier eitel Sonnenschein. In den beiden ersten Jahren dachte ich, wir werden keine Freunde, die Stiele waren zu schwach, die ersten Blüten knickten ab. Inzwischen ist sie mir aber sehr ans Herz gewachsen. Diese David Austin Züchtung von 1991, hat tief karmesinrote locker gefüllte Blüten, mit schwachem, angenehmem Duft. Als mittelhohe Strauch-Rose passt sie hervorragend zu meinem Paradies-Tor, das sie richtiggehend umschmeichelt. Sie blüht erstaunlich lange, ist wetterfest und gibt erst nach den ersten Frösten auf.

Rosa 'The Dark Lady'
Rosa ‘The Dark Lady’

Rosa ‘New Dawn’

Rosa 'New Dawn' in Wurzerls Garten
Rosa ‘New Dawn’

Ebenfalls im Teich-Beet steht die Rose ‘New Dawn’. Zumindest unter meinen Kletter-Rosen ist sie die auffälligste und vornehmste Erscheinung. Sie hat tatsächlich zwei Jahre total geschwächelt und ich verkündete ihr daraufhin, dass ihr Gastspiel in meinem Garten bald beendet sein würde. Nun gut, seit letztem Jahr erfreut sie mich wieder mit einem Blüten-Segen, wer weiß, was sie im Wurzelbereich für ein Problem hatte. Diese Rose ist ein absoluter Klassiker, sie wurde 1930 als Sport der Sorte ‘Dr. W. van Fleet’ in der “Somerset Rose Nursery” in den USA entdeckt. Sie remontiert zuverlässig und blüht oft noch im November nach. Die eleganten rosé-elfenbeinfarbenen halb gefüllten Blüten haben einen leichten Apfelduft. Auch sie verträgt Halbschatten, hat stark bestachelte Triebe und wirkt robust. Sie wurde als erste Rose in den USA patentiert und 1997 zur Welt-Rose gewählt.

Rosa 'New Dawn' in Wurzerls Garten

Rosa ‘Munstead Wood’

Die englische Rose 'Munstead Wood' in Wurzerls Garten
Die englische Rose ‘Munstead Wood’

Die englische Rose ‘Munstead Wood’ ist ein richtiger Tausendsassa. Sie ist zwar eine der letzten, was den Blüh-Beginn betrifft, dafür schenkt sie mir oft noch zu Weihnachten ihre großen seidigen karmesinroten Blüten. Sie hat einen starken fruchtig-warmen Duft. Aus relativ hellroten Knospen öffnen sich die stark gefüllten dunklen roten Blüten, nur die äußeren Petalen behalten den helleren Ton. Sie blüht fast durchgehend und bildet einen niedrigen breiten Strauch. Den Namen bekam sie von ‘Munstead Wood’, Gertrude Jekylls eigenem Garten in Surrey. Diese englische Rose ist mehrfach ausgezeichnet worden: 2009 zur “Blume des Jahres” oder 2011 zur “Besten Strauch-Rose” beim Wettbewerb “Beste Rose” in Portland, USA. Ich mag besonders ihre nostalgische Blütenform und ihre Fähigkeit, mich auch im Winter noch mit Blüten zu überraschen. Nicht umsonst gilt diese 2007 eingeführte Rose als eine der schönsten Züchtungen von David Austin.

Die englische Rose 'Munstead Wood' in Wurzerls Garten
Die englische Rose ‘Munstead Wood’

Rosa ‘The Lady’s Blush’

Rose 'The Lady's Blush' in Wurzerls Garten
Rose ‘The Lady’s Blush’

In völligem Kontrast zu der karmesinroten stark gefüllten ‘Munstead Wood’ steht als letzte Rose im Teich-Beet ‘The Lady’s Blush’. Die Blüten dieser englische Strauch-Rose haben eine leicht gefüllte Schale in reinem Rosa  mit creme-weißem Auge. Nicht nur bei mir hat diese duftig wirkende David Austin Züchtung (Einführung 2010) einen Stein im Brett, sie ist auch bei allen Insekten sehr beliebt. Ich habe sie mit weiß- und pinkfarbigen blühenden Stauden umgeben, die sie noch romantischer wirken lassen. Auch sie hat übrigens einen interessanten Namen. Er erinnert an den 125. Jahrestag der Zeitschrift “The Lady”. “The Lady” ist die am längsten erscheinende Wochen-Zeitschrift für Frauen in Großbritannien. Diese Rose ist die erste englische Rose, die ich von Jeannette Frank, ‘Galarosa’, bekommen habe. Ich bin sehr froh, dass ich mich von dieser Rosen-Spezialistin so für die englischen Rosen von David Austin habe begeistern lassen. Sie sind eine absolute Bereicherung für mich und meinen Garten.

Rose 'The Lady's Blush' in Wurzerls Garten
Rose ‘The Lady’s Blush’

Rosa ‘Sweet Pretty’

Rosa'Sweet Pretty' in Wurzerls Garten
Rose ‘Sweet Pretty’

Aber zurück zu meinen Rosen. Inzwischen ist mir der Platz für Rosen in den Beeten ausgegangen. Was macht Frau? Die Rose ‘Sweet Pretty’ und die beiden als nächstes beschriebenen Perser Rosen haben einfach die sowieso sehr kleine Wiese angeknabbert und stehen am Rand des Steingartens oder des Teich-Beetes.

Ist ‘Sweet Pretty’ nicht reizend? Sie macht ihrem Namen mit den einfachen pastell-rosé angehauchten Blüten wirklich alle Ehre. Ganz besonders die pinkfarbenen Staubgefäße sind auffällig und besonders. Diese Beet-Rose aus dem Hause Meilland wurde 2005  im Rosen-Neuheiten-Wettbewerb mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Sie möchte regelmäßig ausgeputzt werden, dann blüht sie unverdrossen lange Zeit und ist ein Treffpunkt von Bienen und Schmetterlingen. Sie brauchte zwei Jahre, bis sie sich eingewöhnt hatte, gilt aber als pflegeleichte Anfänger-Rose. Das würde ich jetzt so nicht ganz bestätigen, aber bei diesem Aussehen würde ich auch als Rosen-Neuling sofort zugreifen.

Rosa 'Sweet Pretty' in Wurzerls Garten
Rosa ‘Sweet Pretty’

Hulthemia – Rosa persica

Bevor ich meine beiden nächsten Rosen vorstelle, die ebenfalls in der Wiese “Platz genommen” haben, möchte ich gerne etwas zu den Hulthemia-Hybriden, besser bekannt unter dem Namen “Persische Rosen” schreiben.

Die” Persische Rose” stammt aus steppenartigen Gebieten im Iran und dessen angrenzenden Ländern. Blätter und Blüten unterscheiden sich so stark von den herkömmlichen Rosen, dass sie ursprünglich in der Gattung Hulthemia geführt wurde. Im Ursprungshabitat überlebte die Persische Rose nur, indem sie ihr Überleben auf ein tiefgehendes und extrem ausgedehntes Wurzelsystem aufbaute, denn Blüten und Früchte gerieten immer in Gefahr der Witterung oder Fressfeinden zum Opfer zu fallen. Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam Rosa persica in die europäischen Botanischen Gärten. 1836 verkündete der Jardin de Luxembourg in Paris von einer natürlichen Hybride, die zufällig aus Rosa persica und einer Garten-Rose entstanden war. Hulthemosa hardii  hat die typischen gelben Blüten mit der roten Mitte, wächst aber buschiger mit größeren Blüten. Sie war jedoch nicht für unser Klima geeignet und blieb zudem unfruchtbar. 140 Jahre passierte nichts!  In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wagten die Züchter Jack Harkness aus Süd-England und Alec Cocker aus Schottland einen gemeinsamen neuen Versuch. Cocker importierte Samen aus dem Iran und teilte dann die Pflänzchen mit Harkness. Bis 1977 versuchten sie nun Hybriden mit Garten-Rosen zu kreuzen, was in Ansätzen gelang. Doch  der genetische und klimatische Hintergrund der Rosa persica zeigte, dass diese noch ungenügend waren. 1977 publizierte Jack Harkness seine und Cockers Erfahrungen und gab die züchterischen Zwischenresultate ausdrücklich für die weitere Bearbeitung und Benutzung durch Konkurrenten frei. Es dauerte immer noch bis zur Jahrtausendwende, bis die Rosen-Züchter soweit waren, dass sie nach einigen Zwischengenerationen sagen konnten: “Wir haben es geschafft, die Persische Rose hat ihre typischen Basalflecken behalten, wir haben nicht nur das Farbspektrum erweitert, sondern können auch robuste und resistente Garten-Rosen zur Verfügung stellen.” Was mich besonders freut, wieder ist die rührige Rosenfamilie Harkness mit vielen neuen Züchtungen an diesen Persern beteiligt.

Rosa ‘Eyes For You’

Rosa 'Eyes For You' in Wurzerls Garten
Rosa ‘Eyes For You’

Rosa ‘Eyes For You’ bekam ich vor einigen Jahren wurzelnackt zusammen mit Rosa ‘Angel Eyes’ (das ist ein Synonym für R. ‘Bright Eyes’) von Karin Schade vom Rosenpark Reinhausen, die in ihrer Firma GrönlooF – Stauden und Rosen auch viele Persische Rosen im Angebot hat.

Da ich nie zuvor eine wurzelnackte Rose in der Hand gehalten hatte, stand ich erst etwas hilflos da. Kurzerhand packte ich die ‘Eyes For You’ in einen noch nicht einmal allzu großen Topf, um zu sehen was passiert. In Oberbayern war noch keine Pflanz-Zeit für Rosen. Die Erde ist länger gefroren und das mit den “Eisheiligen” nehmen wir manchmal auch etwas zu wörtlich.

Rosa 'Eyes For You' in Wurzerls Garten
Rosa ‘Eyes For You’

Aber diese Perserin verhielt sich einfach großartig. Schnell trieb die Pflanze aus und im Nu waren kräftige Knospen an ihr zu sehen. Fast noch vor den jahrelang eingewachsenen Rosen begann sie ungestüm mit einer schon fast wilden Schönheit zu blühen. Anfangs, wenn sich die einfachen Blüten-Schalen in einem wunderschönen, zarten Mauve-Ton mit weißem Rand auffalten und die Basalflecken noch  rein violett sind hat die Rose noch eine etwas vornehme Wirkung. Aber sie kann ihr Temperament auf Dauer nicht wirklich verbergen und zeigt es schnell. Der feine angenehme Duft lockt viele Insekten an. Peter James hat diese Rose 2009 auf den Markt gebracht.

Rosa ‘Bright Eyes’

Rose 'Bright Eyes' (Synonym 'Angel Eyes') in Wurzerls Garten
Rosa ‘Bright Eyes’

Exakt die gleichen Erfahrungen machte ich mit der Rose ‘Bright Eyes’ (Synonym ‘Angel Eyes’). Auch sie kam in einen “Verlegenheits-Topf” und legte genauso los, wie die zuerst beschriebene Perserin. Vom Aussehen her zeigt sie ein dezentes Rosa, das nach außen in zartem rosé ausläuft. Ihre Basalflecken sind rubinrot mit einem pinkfarbenen Verlauf von der Mitte weg. Auch sie wirkt im Aufblühen noch etwas romantisch brav und zeigt dann schnell ihre unbändige, wilde Schönheit. Sie duftet auch eher zurückhaltend, was aber die Insekten nicht an regelmäßigen Besuchen hindert. Schneidet man verblühtes ab, kommen  bis Oktober immer weitere neue Blüten. Die beiden Perserinnen sind gesunde Strauch-Rosen und wünschen sich den sonnigsten Platz im Garten. Den haben sie dann im Herbst auch in der Wiese bekommen, was sie in den Folgejahren nur zu weiteren Höchstleistungen angetrieben hat.

Rosa 'Bright Eyes' Wurzerls Garten
Rosa ‘Bright Eyes’

Rosa ‘Mozart’

Rosa 'Mozart' in Wurzerls Garten
Rosa ‘Mozart’

Meine restlichen Rosen befinden sich in der Wisteria-Ecke schräg neben der Terrasse. Dabei hat die Strauch-Rose ‘Mozart’, die ich als kleinen Kletterer kultiviere, den schattigsten Platz erwischt. Sie ist ein absoluter Glücksgriff gewesen und sieht mit den dicht gefüllten Dolden voll mit ungefüllten, kleinen Blüten in leuchtend kräftigem Rosa mit weißem Auge selbst im Schatten noch hinreißend aus. Unermüdlich blüht sie bis zum späten Herbst und ist sehr gesund. Der feine Wildrosen-Duft lockt auch viele Insekten an. Der Rosen-Züchter Lambert hat diese traumhafte Rose 1937 eingeführt.

Rosa ‘Jacqueline Du Pré’

Rosa 'Jacqueline Du Pré' mit Rosa 'Mozart' in Wurzerls Garten
Rosa ‘Jacqueline Du Pré’ mit Rosa ‘Mozart’

Die Rose ‘Jacqueline Du Pré’ ist eine Strauch-Rose, die wohl wegen des halbschattigen Standortes ihre End-Höhe von 1.50 m nicht wird erreichen können. Die Rose ‘Mozart’ verehrt sie, wie man auf dem obigen Foto sehen kann. Kein Wunder sie ist einfach wunderschön anzusehen. Außen rein weiß bekommen die Blütenblätter nach innen einen samtigen Elfenbein-Ton. Darin schimmern die rosafarbenen Staubgefäße heraus. Sie remontiert bis zum Spätherbst, legt aber immer kleine Blüh-Pausen ein. Der frische Duft zieht natürlich auch Insekten, vor allem Wildbienen an. Die großen Hagebutten zieren sie im Winter. Sie hätte wahrlich einen besseren Platz verdient, so darf ich mich nicht beklagen, dass sie nur  wenig Zuwachs zeigt. Allerdings wird sie als Langsam-Starterin geschildert und soll eben auch Halbschatten gut vertragen. ‘Jacqueline Du Pré’ haben wir Harkness zu verdanken, der sie 1988 auf den Markt brachte.

Rosa 'Jacqueline Du Pré' in Wurzerls Garten
Rosa ‘Jacqueline Du Pré’

Rosa ‘The Fairy’

Rosa 'The Fairy' in Wurzerls Garten
Rosa ‘The Fairy’

Die Polyantha-Rose ‘The Fairy’ (Synonym ‘Fairy’) wird eigentlich als Bodendecker-Rose angepriesen. Bei mir wächst sie so, wie ich sie gerade brauche. Kommt Giersch hoch, schneide ich sie kaum zurück, dann legt sie sich einfach über das Geranium, die Campanula und den Giersch. In einem anderen Jahr schneide ich sie stark zurück, damit sie sich besser umsehen kann und ich sie natürlich dann auch besser betrachten kann, da sie im Blickfeld meines Schreibtisches ist. Sie ist gesund, mit mittelgrünem Laub und verträgt Hitze wie Kälte gut. Staunässe mag sie nicht und wenn man darauf Rücksicht nimmt, dann blüht sie schon mal bis Weihnachten durch. Ihre charmanten kleinen, hellrosa Blüten, die stark gefüllt sind, zeigt sie sehr reichblühend ab Juni. Den Royal Hortical Society Award of Garden Merit, den sie 1993 bekam, hat sie wirklich mehr als verdient. Sie stammt aus einer Züchtung der Britin Ann Bentall, die sie 1932 eingeführt hat.

Rosa 'The Fairy' im Winter

Rosa ‘Bonica 82’

Rosa 'Bonica 82' in Wurzerls Garten
Rosa ‘Bonica 82’

Die letzte meiner Rosen ist die Rose ‘Bonica 82’, sie ist meine älteste Rose und begleitet mich seit meinen ersten Garten-Jahren. Immer noch ist sie mein großer Favorit, den ich jedem Rosen-Anfänger wirklich nur ans Herz legen möchte. Diese Floribunda-Rose wurde 1982 von Meilland, Frankreich eingeführt. Die mittelgroßen Blüten zeigen sich manchmal schon Ende Mai und blühen bis zum Frost. Man sieht auf dem Bild, während sie noch neue Knospen schiebt, sind schon die Hagebutten der ersten Blüten ausgebildet. Der Flor zeigt ein kräftiges Rosa und dieses leuchtet in Büscheln von 5 – 10 Blüten weithin. Sie ist total anspruchslos und blüht freudig, obwohl sie im Schatten des Blauregen (Wisteria) steht. Es  ist kein Wunder, dass sie mit Preisen überhäuft wurde. 1982 wurde sie zur “ADR-Rose” gekürt, 1986 “All American Selection”, in “Bagatelle” schaffte sie Platz 2 1988, aber 2003 wurde sie sogar zur Welt-Rose erwählt. Kann eine Rose mehr erreichen? Ja, sicher in “Wurzerls Garten” da hat sie sich auch Platz eins gesichert und sich schon vor langer Zeit in mein Herz gestohlen.

Rosa 'Bonica 82' in Wurzerls Garten
Rosa ‘Bonica 82’
Teile als erste*r diesen Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

6 Kommentare

  • Gitti sagt:

    Liebe Renate, mein Kompliment zu Deinem Rosengarten. Bin sowas von begeistert von deiner Webseite. Die viele Arbeit und Mühe, hat sich wirklich gelohnt, du kannst sehr stolz darauf sein. Deine Art zu Schreiben fesselt mich, besonders die Rosenseite habe ich von Anfang bis Ende heute Morgen gelesen. Besser geschrieben als manches Buch – man kann soviel Nutzen aus deinen Beschreibungen ziehen und sich vlt. doch ein paar schlechte Erfahrungen sparen. Bin total begeistert Gitti

    • Wurzerl sagt:

      Oh liebe Gitti, Du machst mich ja ganz verlegen, das ist aber ein mächtiges Lob. Vielen herzlichen Dank. Ich weiß ja, dass Du gerade sehr in Zeitnöten steckst, um so mehr freut es mich, dass Du Dir diese für mich genommen hast. Ich wünsche Dir einen guten Sonntag.
      Ganz liebe Grüße
      Wurzerl

  • Barbara sagt:

    Bei Rosenbeschreibungen öffnen sich bei mir alle Sinne 🙂 ! Du hast deine Rosen wunderbar erklärt und es ist immer wieder interessant zu erfahren wie verschieden sie an den diversen Orten gedeihen. Meine Stacheldrahtrose fiel leider bei meinem Umzug vor fünf Jahren dem Bagger zum Opfer (die Bauarbeiter waren schneller als ich) und den Rosen New Dawn und Morning Jewel gefiel wohl die Umgebung oder der Boden nicht. Mit New Dawn habe ich sogar mehrere Versuche gemacht, bis ich es ganz aufgegeben habe. Die Mustead Wood ist seit knapp zwei Jahren hier und blüht und duftet und blüht und duftet….es ist eine Freude (auch wenn sie aus Platzmangel erst in einem Topf zu Hause ist). Für Eyes for you und Bright Eyes hast du mit deiner Beschreibung mein Interesse (und Verlangen!) geweckt….Veilchenblau ist eine aussergewöhnliche Rose, ich schätze sie jedes Jahr mehr, das gleiche gilt für die Ghislaine. Sweet Pretty hätte ich auch noch gerne, aber sie würde “nur” einen Topf bekommen. Da ich aber immer mehr Buchskugeln entfernen muss, gäbe es da eventuell wieder Platz. Kommt Zeit, kommt Rat.

    • Wurzerl sagt:

      Liebe Barbara, warum habe ich wohl beim Schreiben öfters an Dich gedacht? Ja, Du siehst, es hat sich rosenmäßig (nicht nur bei Rosen) viel in meinem Garten getan. Mehr Rosen, mehr Wabi Sabi und mehr Gelassenheit bestimmen jetzt meinen Garten. Streu doch mal getrocknete Mehlwürmer auf Deine Buchse und schneide sie nicht zu dicht. Dann mampfen Meisen und Spatzen nach den Mehlwürmern gleich mit den Buchsbaum-Zünslerraupen weiter. Ich habe keine einzige bisher verloren. (hoffe das ist der Grund und nicht der Pilz).
      Sei herzlich gegrüßt
      Wurzerl

      • Barbara sagt:

        Leider ist es vorwiegend der grässliche Pilz, der mmich die Buchse dezimieren lässt. Dem Zünsler machen, wie ich gesehen habe, doch ab und zu auch die Spatzen und Meisen den Garaus. Wenn ich Mehlwürmer finde, probiere ich es aus, dann sollte es noch besser klappen. Danke für den Tipp. Ganz liebe Grüsse. Barbara

        • Wurzerl sagt:

          Oh, liebe Barbara, Pilz ist schlimm, aber wenn man dann stattdessen, in aller Ruhe in Rosen-Katalogen schmökern kann, da Buxus kein Rosengewächs ist, dann hat das doch auch wieder etwas Gutes. Ich glaube, ich schrieb sogar in den Garten-Impressionen Juni/Juli, seit heute online, darüber?!
          Grüße Dich auch ganz herzlich
          Wurzerl