Cercis canadensis
Die Herkunft: Eozän und Miozän
Die Gattung Cercis ist erdgeschichtlich sehr alt und bildete sich im Zeitalter des Eozäns vor etwa 34 – 56 Millionen Jahren. Dank fossiler Funde (West-Nordamerika) ist belegt: Die Gattung war bereits im späten Eozän fest etabliert. Damals passten sich die Bäume an das zunehmend trockener werdende Klima auf der Nordhalbkugel an. Im späteren Zeitalter des Miozäns vor etwa 5 bis 23 Millionen Jahren breiteten sich die Vorfahren der heutigen Arten der Judasbäume über die Nordhalbkugel, Nordamerika, Asien und Europa, aus. Damit gehören Judasbäume innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler zu den evolutionär ältesten Vertretern.
Die Vergangenheit: Es war einmal in Rom und Konstantinopel.
Bevor ich mich als Prophetin zur Zukunft der Gattung Cercis äußere, möchte ich die historische Uhr zunächst auf die Zeit um 753 vor Christus zurückdrehen – das traditionelle Gründungsjahr Roms durch Romulus – und auf das Jahr 330 nach Christus, in dem Konstantinopel als neue Hauptstadt des Römischen Reiches feierlich eingeweiht wurde. An beiden Orten gab es schon lange zuvor Ansiedlungen: In Rom sind dauerhafte Siedlungen auf dem Palatin und dem Esquilin bereits für das 10. Jahrhundert vor Christus nachgewiesen, und an der Stelle des späteren Konstantinopels (heute Istanbul) entstand um 660 vor Christus die griechische Stadt Byzanz. Diese früheren Zahlen dienen lediglich der zeitlichen Einordnung und haben zunächst nichts unmittelbar mit dem Mittelmeer-Judasbaum, Cercis siliquastrum, zu tun. Interessant wird es vielmehr dort, wo sich in der Geschichte der beiden Städte Parallelen zeigen, die auch für unseren Judasbaum von Bedeutung sind.
Cercis siliquastrum, der Mittelmeer-Judasbaum, ist auch heute noch an viele Stellen in Rom zu finden.
Cercis siliquastrum, der Judasbaum, gehört in Istanbul auch heute noch Stadtbild.
Welche Parallelen haben nun Konstantinopel (Istanbul) und Rom?
Die Anhäufung von Parallelen resultiert in erster Linie aus der tief verwurzelten, historischen Verbundenheit der beiden Städte. Kaiser Konstantin der Große ließ die alte Stadt Byzanz zur neuen kaiserlichen Hauptstadt ausbauen und bewusst nach dem Vorbild Roms gestalten.
Architektur: Das antike Rom ist auf Sieben Hügeln erbaut worden. Um die topografische Identität Roms widerzuspiegeln, wurde auch Konstantinopel symbolisch auf sieben Hügeln erbaut. Die Stadtstruktur Roms, die Kernbauwerke, wurden am Bosporus kopiert. Um dem Status als kaiserliche Hauptstadt zu entsprechen, erhielt Konstantinopel, einem architektonischen Zwilling gleich, ein eigenes großes Forum, einen monumentalen Kaiserpalast, ein Hippodrom (in Rom der Circus Maximus), Viadukte, Thermen und Triumphbögen. In beiden Städten gibt es eine unterirdische Zisternenwelt mit monumentalen Wasserspeichern. Als Nullpunkt der Straßennetze diente in Rom das Milliarium Aureum (der goldene Meilenstein) und in Konstantinopel wurde dies mit dem Milion von Konstantinopel, (triumphaler Torbau) nachempfunden.
Politik und Recht: Beide Städte verkörperten das politische Machtzentrum des Römischen Imperiums. Rom war erst Hauptstadt für das gesamte Römische Reich, später für Westrom. Konstantinopel hielt die Macht für das Oströmische bzw. Byzantinische Reich in Händen. In beiden Städten galt das Römische Recht als Staats-Fundament. Der Corpus Iuris Civilis, die römische Rechts-Sammlung, wurde im 6. Jahrhundert unter Kaiser Justinian in direkter Tradition zu Rom kodifiziert. Konstantinopel übernahm auch das römische Verwaltungssystem, hatte einen eigenen Senat und ließ – wie in Rom – kostenlos Getreiderationen an die Bürger verteilen. Die Bürger Konstantinopels sprachen zwar vorwiegend Griechisch, bezeichneten sich jedoch selbst bis zur osmanischen Übernahme 1453 als „Römer“ und ihren Staat als „Römisches Reich“.
Religion: Die beiden Städte entwickelten sich zu den bedeutendsten Zentren des Christentums. Rom war der Sitz des Papstes, während Konstantinopel der Sitz des Ökumenischen Patriarchen (Oberhaupt der orthodoxen Kirche) wurde. In Rom gibt es einen bedeutenden Kuppelbau, den Petersdom, in Konstantinopel die Hagia Sophia, ebenfalls ein großartiger Kuppelbau, der in diesem Fall sogar viel älter als die römische Hauptkirche ist.
Botanik: In beiden Städten ist seit langem die häufige Präsenz von Cercis siliquastrum, dem Gewöhnlichen, oder Mittelmeer-Judasbaum, nachgewiesen. Bis heute prägt der Baum das Stadtbild und die Identität der beiden Metropolen. Die Rolle dieses Baumes offenbart eine tiefe kulturhistorische Parallele:
In Rom ist der Mittelmeer-Judasbaum allgegenwärtig.
Den Trivialnamen Judasbaum verdankt das Gehölz der düsteren Überlieferung der Legende, die besagt, dass Judas Iskariot sich nach seinem Verrat an Jesus an einem solchen Baum erhängt haben soll. Die Erzählung ist in der römisch-katholischen Tradition so tief verwurzelt, dass sogar behauptet wurde, dass sich die Blüten, die ursprünglich weiß gewesen sein sollen, vor Scham über dieses Ereignis dauerhaft rot bzw. rosaviolett gefärbt haben. Da Rom das administrative Herz des westlichen Christentums war, verbreitete sich diese Namensgebung im gesamten lateinischen Kulturraum.
Neben der Nutzung als robuster Alleen- und Straßenbaum findet er sich in großer Zahl an den historischen Stätten Roms, was zeigt, dass er schon lange zum Stadtbild gehört. In den antiken Kulissen kommt der Judasbaum auch heute noch eindrucksvoll zur Geltung. Im Frühling blühen die Judasbäume spektakulär inmitten der antiken Ruinen auf dem Palatin-Hügel und rund um das Forum Romanum. Im Zusammenspiel mit den charakteristischen römischen Pinien ergibt das den klassischen, farblichen Kontrast zum antiken Backstein und Marmor.
In Istanbul – Konstantinopel – erblüht der Mittelmeer-Judasbaum entlang des Bosporus und taucht die Hänge der Stadt im Frühling in das sogenannte „Byzantinische Violett“.
In Konstantinopel (Istanbul) verlief die Symbolik des Baums völlig anders und war stark politisch-kaiserlich aufgeladen. Im Byzantinischen Reich war Purpur die exklusive Farbe des Hofes. Kaiserliche Kinder wurden in einem mit Purpursteinen ausgekleideten Raum geboren. Die Farbe der Cercis-Blüten glich diesem imperialen Purpurton so exakt, dass der Baum in Konstantinopel als Symbol für die kaiserliche Macht galt. Die Osmanen griffen diese Tradition auf, die Sultane ließen immer mehr Cercis siliquastrum anpflanzen und sie feierten im Frühling „Erguvan-Festivals“, das sie von Bursa nach Konstantinopel mitgebracht hatten. Der Baum, die Türken nennen ihn Erguvan, hatte einen fast heiligen Status in der Stadt. Heutzutage ist es allerdings das „Lale-Festival“, das Tulpenfest, das während des Monats April gefeiert wird.
Auch in Istanbul hat der Baum nach wie vor große Bedeutung als Straßenbaum, aber man findet ihn auch an alten Stätten, wie den Hanggräbern von Eyüp oder direkt auf dem Sultan-Ahmed-Platz zwischen der Hagia Sofia und der Blauen Moschee.
Cercis siliquastrum in Rom und Konstantinopel
Der Gewöhnliche Judasbaum, den ich blühend sowohl in Rom als auch in Istanbul, erleben durfte, stellt eine für mich faszinierende, lebendige Parallele zwischen Rom und Konstantinopel dar. Er war und ist nicht einfach ein robustes Stadtgrün, sondern verbindet die beiden Machtzentren über Religion und kaiserliche Symbolik weit hinaus als botanische, urbane Ästhetik.
Blüten von Cercis siliquastrum, Judasbaum, Istanbul, Eminönü, Sultan Ahmed Platz; die Gattung Cercis besitzt die botanische Besonderheit der Kauliflorie (Stammblütigkeit)
Eine auffällige botanische Besonderheit ist die Kauliflorie. Dieses Phänomen bedeutet, dass die leuchtend rosa-violetten Blüten im Frühjahr nicht nur an den jungen Zweigen erscheinen, sondern auch direkt aus dem Stamm und den alten Ästen hervorbrechen. Zusammen mit dem frühen Blühzeitpunkt, noch vor dem Laubaustrieb, macht diese „Stammblütigkeit“ den Judasbaum in den Straßen Istanbuls und Roms besonders auffällig. Sie erzeugt eine außergewöhnliche Farbintensität und verleiht den Bäumen in den urbanen Räumen ein beinahe surreales, „überbepflanztes“ Aussehen, das die Menschheit seit Jahrtausenden fasziniert.
Die lange Tradition, die der Judasbaum in diesen beiden Metropolen hat, liegt sicher in seiner ursprünglichen, bedeutenden Historie und Symbolik. In beiden Städten ist er aber noch heute, lange nach dem Römischen und Byzantinischen Reich, ein bedeutender Straßen- und Parkbaum. Das Überleben und selbstverständliche Existieren in Rom und Istanbul verdankt der Baum aber hauptsächlich seinen biologischen Eigenschaften. Er ist extrem hitze- und trockenheitsresistent, liebt kalkhaltige, karge Böden (häufig in antiken Ruinen und Schuttfeldern zu finden) und verträgt hervorragend das typische mediterrane bzw. maritime Mikroklima von Rom und Istanbul.
Reichen die Voraussetzungen dieser Cercis Art inzwischen auch für Mitteleuropa?
Jetztzeit und Zukunft: Die Gattung Cercis im Klimawandel
Tatsächlich kann meine letzte Frage: „Reichen die Voraussetzungen dieser Cercis Art inzwischen auch für Mitteleuropa?“ nicht einfach mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden. Aber innerhalb einer kurzen Gattungsdarstellung ist es möglich, die Situation der Gattung „Cercis“ in Mitteleuropa zu beschreiben und den Status von Cercis siliquastrum, von dem bisher fast ausschließlich die Rede war, genauer zu erläutern.
Es existieren weltweit 10 Arten innerhalb der Gattung „Cercis“. Sie sind ausschließlich auf der Nordhalbkugel über 3 Kontinente hinweg verteilt.
Wichtige, gartengeeignete Arten sind:
Der Kanadische Judasbaum, Cercis canadensis, ist, als wichtigste Art in Kultur, in Nordamerika beheimatet.
Der Gewöhnliche, oder Mittelmeer-Judasbaum, Cercis siliquastrum, ist die einzige in Europa (+ Mittelmeerraum) heimische Art.
Der Chinesische Judasbaum, Cercis chinensis, wächst mit weiteren Arten in den gemäßigten und subtropischen Regionen Ost- und Westasiens.
Insgesamt würde ich die Gehölze der Gattung Cercis inzwischen als „Klimabäume“ bezeichnen. Sie bringen die Voraussetzungen mit, in den sich unregelmäßig veränderten, insgesamt heißeren und trockeneren Bedingungen in Mitteleuropa, inzwischen besser zurechtzufinden als viele heimische Arten. Durch den Klimawandel sind in Deutschland etwa 30 – 40 % der Waldbäume erkrankt. Das entspricht einer Zahl von ca. 27 Milliarden betroffener Gehölze. Ihr fragt, was gehen mich die Waldbäume an? Meine Antwort: „Wenn Ihr einen größeren Garten habt, dann gibt es darin vielleicht auch Fichten, Kiefern, Buchen und Eichen?“ Gerade diese Gehölzgattungen sind noch viel dramatischer betroffen, 80 % sind krank oder weisen massive Kronenschäden auf. Vollkommen gesund ist nur jeder fünfte Baum. Ich selbst habe in diesem Frühjahr meine kleine Kiefer verloren.
Die Gattung Cercis wird natürlich nicht im zukünftigen Waldbau berücksichtigt werden. Sie ist kein Gehölz für die Waldbewirtschaftung. Der Judasbaum gewinnt als extrem hitze- und trockenheitsresistenter Klimabaum jedoch gerade im städtischen Raum sehr an Bedeutung. Er ist längst kein Geheimtipp mehr für private Gärten und Parks, sondern besetzt eine wichtige Nische in der urbanen Infrastruktur. Achtung: suchen wir ein besonders hochwachsendes Gehölz als Sichtschutz, oder Ersatz für einen kranken Baum, dann kommt keine der Judasbaum-Arten infrage, da sie teilweise strauchartig wachsen und eine Endhöhe von ca. 12 m kaum überschreiten.
Cercis canadensis, der Kanadische Judasbaum
Von den drei Arten, die ich genauer vorstellen möchte, verdient es Cercis canadensis als Erster behandelt zu werden. Diese Art kann inzwischen in fast ganz Deutschland gepflanzt werden. Es gibt natürlich einige wenige Details, die es zu beachten gibt. Aber generell gesehen ist diese Art aus der Gattung Cercis am besten für eine Pflanzung in Deutschland, auch außerhalb von Weinbaugebieten geeignet. Seine Eigenschaft ein Tiefwurzler zu sein, prädestiniert ihn als Klimabaum. Die Widerstandsfähigkeit des Gehölzes gegenüber Extremwetter (Hitzephasen, Trockenperioden und Spätfröste) machen ihn zur klimatoleranten Baumart. Der Kanadische Judasbaum ist unempfindlich gegenüber Bodenverdichtung, Abgasen und Rückstrahlungshitze, das empfiehlt ihn als stadtklimataugliches Gehölz, gerade im urbanen Raum.
Cercis canadensis, Judasbaum
Cercis canadensis hat gegenüber Cercis siliquastrum und Cercis chinensis einen entscheidenden Vorteil. Er ist sortenunterschiedlich bis maximal minus 23 Grad oder minus 34 Grad (Klimazone 4 – 6) frosthart. Damit empfiehlt er sich als robustester der Judasbaum-Vertreter in Mitteleuropa auch für höhere Regionen. Bei der Standortwahl gilt es jedoch, mit Fingerspitzengefühl vorzugehen. Durch die Kauliflorie, Stammblütigkeit schätzt Cercis canadensis zwar die Sonne sehr, in halbschattiger Lage können die Blüten jedoch spärlicher ausfallen. Wegen der Kauliflorie kann bei einem zu spätfrostgefährdeten oder extrem windigen Standort die Blüte bis zu einem Totalausfall geschädigt werden. Der zweite Punkt betrifft den Boden. Sand, Lehm, Kalk, der Judasbaum toleriert viele Böden. Ein zu schwerer, undurchlässiger Boden kann jedoch im Winter zu Wurzelfäule oder Pilzbefall führen. Um Staunässe zu vermeiden, muss die Pflanzstelle gut vorbereitet und drainiert sein. Außerdem sind Jungpflanzen noch frostempfindlich, erst gut eingewurzelt sind sie winterhart. Darum empfiehlt sich die Frühjahrspflanzung, damit bis zum Winter ausreichend Wurzeln gebildet werden können. Zusätzlich kann man seinem Jungbaum in den ersten Jahren in rauen Lagen im Stamm- und Wurzelbereich eine Mulch- oder Reisig-Schicht spendieren.
Cercis canadensis ‚Eternal Flame‘, Judasbaum
Welche Bedeutung Baumschuler und Gärtner der Art Cercis canadensis zurechnen, kann man an den spektakulären neuen Züchtungen attraktiver Sorten mit auffälligen Blättern sehen.
Cercis siliquastrum, der Gewöhnliche Judasbaum
Über die Geschichte des Gewöhnlichen Judasbaums, Cercis siliquastrum, aus dem Mittelmeerraum und Vorderasien, habe ich bereits anfangs eine Menge erzählt. Er ist von Natur aus an magere, kalkreiche Böden und heiße Sommer angepasst. Genetisch bedingt ist er jedoch nicht so frosthart wie Cercis canadensis. Aus diesem Grund lässt er sich zwar inzwischen erfolgreich in vielen Teilen Deutschlands kultivieren, aber die milder werdenden Winter bieten nicht überall die Garantie, für ein gesundes Anwachsen. Der adulte Baum verträgt maximal minus 15 Grad, die Jungpflanze nur maximal minus 10 Grad. Darum würde ich ihn nicht in Regionen über ca. 450 Höhenmetern pflanzen und sehe ihn nach wie vor in milden Weinbaulagen am besten aufgehoben. Es sei denn, ein Garten hat ein begünstigtes Kleinklima mit den passenden wasserdurchlässigen Bodenverhältnissen.
Cercis siliquastrum, Mittelmeer-Judasbaum
Von seiner Herkunft, Genetik her, ist Cercis siliquastrum an milde Winter und trockene, heiße Sommer, gewöhnt. In vielen Teilen Mitteleuropas gibt es auch jetzt noch Winter, in denen die Temperaturen, von minus 15 Grad, die adulte Mittelmeer-Judasbäume vertragen, immer wieder unterschritten werden. Beim Mittelmeer-Judasbaum ist die Frühjahrspflanzung noch wichtiger als beim Kanadischen Judasbaum. Einen guten Windschutz hat er, wenn er auf der Süd-, Südost- oder Südwestseite des Hauses gepflanzt wird. Ein durchlässiger, sandig-lehmiger, oder kiesiger Boden, ohne Staunässe, ist überlebenswichtig. Ein Platz an der Sonne hilft dem Baum, dass das Holz besser ausreift. Damit wird die Frosthärte im Winter massiv erhöht. Jungpflanzen müssen in den ersten Jahren mit Vlies im Wurzelbereich vor starken Kahlfrösten geschützt werden. Die Äste müssen regelmäßig von nasskaltem, schweren Schnee befreit werden.
Cercis chinensis, der Chinesische Judasbaum
Am seltensten begegnet mir der Chinesische Judasbaum. Ihn würde ich vom Habitus her, z. B. mit der Sorte ‚Avondale‘ als Gehölz für ein geschütztes Mixed Border auswählen. Der wunderschöne Cercis chinensis wächst nämlich als buschiger und kompakter Solitärstrauch ohne den klassischen Baumcharakter zu zeigen. Da er aus den milden, teilweise subtropischen bis gemäßigten Regionen Zentral- und Ostasiens stammt, ist auch er bei weitem nicht so winterhart wie Cercis canadensis. Die Frosthärte eines etablierten, adulten Chinesischen Judasbaums endet spätestens bei minus 15 Grad.
Cercis chinensis, Chinesischer Judasbaum, durch Sonne stark aufgehellt
Der Chinesische Judasbaum verträgt adult Temperaturen bis maximal minus 15 Grad; Jungbäume, oder frisch gepflanzte (bei problematischer Herbstpflanzung) nur wenige Grade unter null. Cercis chinensis ist in den ersten Jahren besonders frostempfindlich und kann schon bei wenigen Minusgraden starke Schäden davontragen. Züchtungen, wie die Sorte ‚Avondale‘ werden in meiner Literatur mit Winterhärtezone 7 und bis zu minus 17 Grad angegeben. Der adulte, gut eingewurzelte Baum gilt in raueren Lagen als etwas widerstandsfähiger als Cercis siliquastrum, reicht aber nicht annähernd an die Frosthärte von Cercis canadensis heran. Wichtige Vorsichtsmaßnahmen in raueren Lagen für die ersten Winter: Frühjahrspflanzung, damit der Baum bis zum Winter einwurzelt. Bei Jungbäumen wird der Wurzelbereich dick mit Laub oder Reisig abgedeckt und die Krone mit einem Gartenvlies geschützt. Da der Wurzelballen nur wenig frosttolerant ist, würde ich auf eine Kübelpflanzung ganz verzichten. Der Standort muss sehr warm und sonnig sein, sonst hat der Chinesische Judasbaum Probleme, dass seine Triebe gut verholzen, was unweigerlich zum Zurückfrieren führt. Der frühe Austrieb macht ihn dagegen anfällig bei Spätfrösten. In einem geschützten Kleinklima, oder in einem Weinbaugebiet entfallen diese „Wintervorbereitungen“ und es ist nur auf einen Standort ohne Staunässe zu achten.
Soll ich, oder soll ich nicht?
Betrachte ich mir die letzten Winter in Oberbayern oberflächlich, wäre eigentlich keiner der drei beschriebenen Arten gefährdet gewesen. Milde Winter verlaufen allerdings immer mehr in Begleitung von Schnee-Armut. Im Zeichen des Klimawandels ist darum nicht der herkömmliche Winter das Haupt-Problem, sondern die Spätfröste ohne die schützende Schneeschicht. Der Klimawandel findet nun mal nicht im Zeitraffer nach Plan statt, sondern in Durchschnittswerten, die uns inzwischen im Sommer auch mal über 40 Grad bescheren, im Winter jedoch genauso Minusgrade aus früheren, allerdings sehr schneereichen Jahren bescheren. Bei einer Staude teste ich schon mal, ob sie es packt. bei einem kostbaren Gehölz würde ich das nie tun. Wichtig sind immer die Lage des Gartens, die Bodenbeschaffenheit und das Kleinklima. Genau das habe ich versucht, herauszuarbeiten bei den drei wichtigsten Cercis-Arten. Ich persönlich werde sicher innerhalb der Art Cercis canadensis bleiben, um sicherzugehen, dass der Baum nicht unnötig gestresst wird. Ich weiß, das Kleinklima meines Gartens ist perfekt, allerdings muss ich das Pflanzloch, ich sitze auf einer Endmoräne mit viel schwerem Lehm, für meinen künftigen Cercis canadensis ‚Eternal Flame‘, gründlich vorbereiten lassen.
Der ökologische Aspekt für die Gattung!
Wer in seinem Garten sehr auf den ökologischen Wert eines Gehölzes achtet, kann folgende Überlegungen anstellen: Ist der Garten so klein, dass kaum Platz für Gehölze vorhanden ist? Dann könnte es sinnvoller sein, sich für die Pflanzung einer Kornelkirsche, Cornus mas, oder eines Wildapfels, Malus sylvestris, zu entscheiden. Auch diese beiden Gehölze gelten als zukunftsfähig und klimaresistent. Ihr Vorteil ist ihr größerer ökologischer Gesamtwert für Insekten und Vögel. In einem großen Garten würde ich persönlich jedoch nicht auf mindestens einen Judasbaum verzichten wollen. Er bietet den Hummeln und anderen Wildbienen, die nicht spezialisiert sind, im Frühling Nektar und Pollen an und erfreut das Auge des Betrachters nicht nur zur Blütezeit, sondern auch mit seinem teilweise spektakulären Blattwerk vom Austrieb bis zur Herbstfärbung. Das ist schon eine Menge „Mehrwert“.
Empfehlenswerte Arten und Sorten der Gattung Cercis
Cercis canadensis, die Art:
Mit bis zu minus 30 Grad und einem vitalen Austrieb, auch nach kalten Wintern ist der nordamerikanische Cercis canadensis die frosthärteste und empfehlenswerteste Art für einen Großteil Deutschlands.
Cercis canadensis, Judasbaum
Noch vor dem Laubaustrieb erscheinen die Blüten in Rosa bis Purpurrosa. Die Blätter treiben häufig kupfer- oder bronzefarben aus und färben sich im Laufe des Sommers mittel- dunkelgrün. Die Herbstfärbung ist spektakulär und reicht von leuchtenden Gelbtönen zu warmem Orange und letztlich gelbbraunen Farbtönen.
Cercis canadensis, die Sorten:
Cercis canadensis ‚Appalachian Red‘
Cercis canadensis ‚Appalachian Red‘ besitzt die intensivste Blütenfarbe innerhalb der Gattung der Judasbäume. Die tiefvioletten Knospen öffnen sich zu einem knalligen Neon-Pink bis Magentarot. Das klassische, mittelgrüne Sommerlaub wird im Herbst leuchtend gelb.
Cercis canadensis ‚Caroline Sweetheart‘
Die Sorte ‚Caroline Sweetheart‘ gehört zu den buntlaubigen Judasbäumen. Der Austrieb erfolgt in einem auffälligen Rosa-Weiß. Im Sommer vergrünen die Blätter bis auf weiße Ränder. Gelbtöne mit leicht kupferfarbenen Nuancen zeigt dann die Herbstfärbung.
Cercis canadensis ‚Caroline Sweetheart‘, Judasbaum
An den bis zu 4 m hohen Gehölzen erscheinen im Frühling die rosa-pinkfarbenen Blüten. Wer einen panaschierten Cercis sucht, der nicht allzu laut in seiner Farbgebung ist, kann diesen Judasbaum gut in verschiedenste Beete integrieren.
Cercis canadensis ‚Eternal Flame‘
Diese Sorte ist sehr auffällig, darum muss der Standort sorgfältig geplant sein, damit das panaschierte Gehölz nicht in Konkurrenz mit anderen bunten Pflanzen tritt. ‚Eternal Flame‘ wird bis zu 4 m hoch, in sehr guten Lagen können es auch bis zu 6 m werden.
Cercis canadensis ‚Eternal Flame‘, Judasbaum
Sensationell an dieser Sorte ist, dass der Neuaustrieb dauerhaft intensiv rot ist, während die Blätter allgemein über Orange und Gelb nach Grün verblassen. Damit trägt der Baum, die ganze Saison über, alle diese Farben gleichzeitig. Während der Herbstfärbung verwandeln sich die Grün- und Gelbtöne in ein leuchtendes Orange-Rot. Die Blüten im Frühling sind pinkfarben.
Cercis canadensis ‚Forest Pansy‘
Diese Sorte erreicht eine Höhe von 5 bis 8 Metern, gehört damit zu den hohen Judasbäumen und wächst im Alter sehr ausladend in die Breite. Der malerische kleine Baum ist im Alter ein schöner Schattenspender in kleineren Gärten.
Cercis canadensis ‚Forest Pansy‘, Kanadischer Judasbaum
Der Laubaustrieb ist scharlachrot, im Sommer schluckt das dunkel-purpurrote Laub das gleißende Sonnenlicht und wirft einen wunderbaren, kühlen Schatten. Die Herbstfärbung von ‚Forest Pansy‘ ist orange, scharlachrot bis zu verbleichendem Gelb. Im Frühjahr erscheinen die rosa Blüten.
Cercis canadensis ‚Hearts of Gold‘
Bis zu 5 m hoch wird Cercis canadensis ‚Hearts of Gold‘. Nach der hellvioletten bis lavendelfarbigen Blüte treiben die herzförmigen Blätter rötlich aus, um sich im Sommer leuchtend goldgelb bis gelbgrün zu färben. Im Herbst verstärkt sich der Ton in warmes Goldgelb und Orange.
Cercis canadensis ‚Lavender Twist‘
Maximal 4 m hoch wird die Sorte ‚Lavender Twist‘ (auch ‚Covey‘). Dieses Gehölz wächst in Tränenform mit malerisch hängenden Zweigen und empfiehlt sich für kleinere Gärten. Die Blüten dieser Sorte zeigen sich in einem kräftigen Rosa-Lila, Rosa-Violett oder Pink. Nach der Blüte treiben die Blätter in einem frischen Hellgrün aus. Im Laufe des Sommers dunkeln sie nach und werden mittel- bis dunkelgrün. Im Herbst verfärben sie sich in warme Gold- und Gelbtöne.
Cercis canadensis ‚Pauline Lily‘
Cercis canadensis ‚Pauline Lily‘ entwickelt sich mit bis zu 6 Metern Höhe und bis zu 5 Metern Breite zu einem interessanten Großstrauch oder Kleinbaum.
Cercis canadensis ‚Pauline Lily‘, Judasbaum, Weihenstephan
Die Blüten von ‚Pauline Lily‘ sind zartrosa bis fast weiß. Die Blätter treiben in einem auffälligen Gelb bis Hellgrün aus, es kann ein eleganter, bronzeartiger Schimmer auf ihnen liegen. Im Sommer wechseln sie zu einer mittel- bis blassgrünen Farbe. Zum Saisonende färbt sich das Laub intensiv gelb, bevor es abgeworfen wird.
Cercis canadensis ‚Royal White‘
Mit 5 bis maximal 10 Metern gehört Cercis canadensis ‚Royal White‘ zu den hohen Judasbäumen. Die Sorte ‚Royal White‘ wird auch Cercis canadensis var. alba genannt. Schon vom Namen her kann man darauf schließen, dass diese Sorte in einem reinen, schneeweißen Ton blüht. Das hellgrüne Laub beschließt das Gartenjahr mit einer hellgelben Herbstfärbung.
Cercis canadensis ‚Ruby Falls‘
2 bis 4 Meter hoch wächst die kompakt in Tränenform wachsende Sorte mit den kaskadenartig herabhängenden Zweigen. Die Wuchsbreite liegt meist zwischen 1.50 und 3.50 Metern. Die Blüte von ‚Ruby Falls‘ ist Dunkelrosa bis Violett. Dunkel-purpurrot sind die Blätter, die sich im Herbst zu warmen Orange- und Gelbbrauntönen verfärben.
Cercis canadensis ‚The Rising Sun‘
Dieser Judasbaum wird auch gerne das „ganzjährige Leuchtwunder“ genannt. Mit 3 bis 4 Metern bleibt er kompakt und ist besonders hitzetolerant, verträgt also auch Mittagssonne. Die Farbe der Blüten ist rosa. Der Farbverlauf der Blätter ist sensationell. Neue Blätter treiben goldorange aus, werden dann gelb-limonengrün und die älteren Blätter im Inneren der Krone sind dunkelgrün. Es sind oft alle Farben gleichzeitig sichtbar. Die Herbstfärbung ist dann ein einheitliches helles Goldgelb.
Cercis chinensis, die Art:
Während die Art des Chinesischen Judasbaums in Asien unter optimalen Bedingungen in der Natur auch mal bis zu 15 Meter erreicht, bleibt sie in unseren Gärten mit 3 bis 6 Metern doch moderat niedrig. Cercis chinensis blüht in auffälligem Rosaviolett bis Dunkel-Purpurviolett.
Cercis chinensis, Chinesischer Judasbaum, frischer Blattaustrieb
Die Blätter treiben nach der Blüte bronze- oder frischgrün aus. Im Sommer sind sie in einem glänzenden Dunkelgrün zu sehen. Im Herbst verfärbt sich das Laub dann intensiv Goldgelb bis Gelborange, bei entsprechendem Standort oder passender Witterung kann auch eine Nuance von Rotorange bis Rotviolett durchschimmern. Die Art wird im Handel eher seltener angeboten. Die Kultursorten haben die Vorteile von kompakterer Wuchsform und einer noch extremeren Blütenfülle.
Cercis chinensis, die Sorten:
Cercis chinensis ‚Avondale‘
Die bekannteste und lohnendste Sorte des Chinesischen Judasbaums ist die Sorte ‚Avondale‘. Mit ca. 2.50 bis 3 Metern wächst die Sorte sehr kompakt und strauchartig. Die Blüte hat ein intensives Violett-Rosa und ist so zahlreich, dass ‚Avondale‘ als eine der blütenreichsten Sorten im Cercis-Reich gilt. Das Sommerlaub verändert sich vom frischgrünen Austrieb zu einem satten dunkelgrün. Im Herbst zeigt es sich in intensivem leuchtendem Goldgelb.
Cercis chinensis ‚Don Egolf‘
Diese Sorte wurde in den USA (U.S. National Arboretum) gezüchtet. Der kompakt bleibende Strauch erreicht eine Endhöhe von ca. 3.50 Meter. Das Besondere an ihm: Er ist steril und bildet darum nach der Blüte keine braunen Samenhülsen aus. Die Blütenfarbe zeigt sich in strahlendem Purpur-Rosarot. Die Blütenknospen sitzen extrem dicht gedrängt am alten Holz. Das kompakt stehende Sommerlaub zeigt sich in glänzendem Dunkelgrün. Die Blätter wirken dicker und ledriger als bei der Art. Das Laub färbt sich im Herbst in warme, goldene Gelb- bis Gelborangetöne.
Cercis chinensis ‚Shirobana‘
Cercis chinensis ‚Shirobana‘ ist ebenfalls klein mit 2 bis 3.50 Meter. Diese Sorte ist selten und zeigt im Frühling reinweiße Blüten. Die Blätter sind im Sommer mittelgrün und färben sich im Herbst erst in ein helles Goldgelb, das später in warme Braun-Gelbtöne übergeht.
Cercis siliquastrum, die Art:
Über die Karriere der Art habe ich bereits anfangs ausführlich berichtet. Dieser Baum, oder Großstrauch wird zwischen 4 und 13 Metern hoch. Typisch für ihn sind die langen, dekorativen Samenhülsen. Cercis siliquastrum, der Gewöhnliche oder Mittelmeer-Judasbaum blüht in auffälligem Purpurrosa bis Rosaviolett.
Cercis siliquastrum, gewöhnlicher Judasbaum
Die markanten herz- oder nierenförmigen Blätter treiben häufig bronzefarben aus. Im Sommer sind sie mittel- bis blau-grün gefärbt. Die auffälligen rotbraunen Hülsenfrüchte bleiben lange am Baum hängen. Das ergibt neben den im Herbst leuchtend hellgelb bis gelborange gefärbten Blättern einen interessanten Kontrast.
Cercis siliquastrum, die Sorten:
Cercis siliquastrum ‚Alba‘
Edel ist ‚Alba‘, eine rein weiß blühende Sorte. Die Blüten direkt am Stamm bieten einen außergewöhnlichen Kontrast.
Cercis siliquastrum ‚Alba‘, Weißer Judasbaum
Das Laub des weißblühenden Judasbaums ist den Sommer über Hellgrün, um dann im Herbst auf Hellgelb bis Gelborange zu wechseln.
Cercis siliquastrum ‚Bodnant‘
Cercis siliquastrum ‚Bodnant‘ zeigt kräftige, magentafarbene Blüten. Das Sommerlaub von ‚Bodnant‘ ist mittel- bis blaugrün. Im Herbst färbt es sich in ein leuchtendes Goldgelb.
Cercis siliquastrum ‚Rubra‘
Cercis siliquastrum ‚Rubra‘ bildet farbintensive, tief purpurrosa Blütenstände. Die Sorte ‚Rubra‘ ist im Sommer mittelgrün. Das Herbstlaub erscheint in hellem Gelb.









