Dominikanische Republik – Höhlen

2. Teil – Abenteuer über und unter der Erde – Die Fun Fun Höhle und eine gefährliche Rückfahrt.

Folkloristische Malerei in der Dominikanischen Republik

Fahrt zum Rancho Capote

Heute steht uns ein aufregender Tag bevor, aber das ahne ich noch nicht! Wir sind mit einem Mietwagen unterwegs zur “Fun Fun Höhle” im Landesinneren. Erst geht es ein kurzes Stück die Küste entlang, dann biegen wir ab nach Norden. Ich schaue interessiert auf eine völlig neue Landschaft. Erst ist es flach und Zuckerrohr-Felder flankieren die Straße. Im langsam ansteigenden Hügelland gibt es dann Palmen, Mahagoni- Citrus- Mango- und Kalebassenbäume und natürlich exotisch blühende Pflanzen.

Natürlich blüht es in der Dominikanischen Republik auch Weihnachten.

Wir machen uns auf den Weg zur “Fun Fun Höhle”.

Auf dem “Rancho Capote” erwartet uns ein 2. Frühstück. Danach umziehen – erst Badeanzug und Socken, dann einen Overall und Gummistiefel, die wir vor Ort erhalten. Dann stehe ich vor – “meinem gesattelten Pferd”! Wir werden zu dieser Höhle im Urwald reiten. Ich stehe da und warte auf einen Hilfs-Tritt, um auf mein Pferd zu gelangen, bin ja schließlich nicht viel größer als ein Gartenzwerg. Es kommt aber keine Aufstiegshilfe, also überlege ich, welchen Fuß ich nun in welchen Steigbügel setze und wie ich dann letztlich hochkomme? Doch da steht schon ein Hüne lächelnd neben mir, packt meinen Overall und bugsiert mich mit Schwung in den Sattel. Dann passt er galant die Steigbügel an, dass sie nicht zu tief hängen. So kann ich mich im Galopp aufrichten und mein reiterlich ungeübtes Kreuz entlasten.

Rancho Capote, Dominikanische Republik

Wir reiten unwegsame Urwald-Wege, die kaum zu erkennen sind. Es geht rutschige, lehmige Abhänge hinunter, durch Bäche und am anderen Ufer wieder steile Anstiege nach oben. Mir wird etwas mulmig bei diesem Unterfangen und als ich über mir einige dunkle Geier kreisen sehe, bessert sich dieses Empfinden auch nicht wirklich. Ich muss an den kürzlich passierten Unfall eines im Reiten sehr versierten Freundes in Deutschland denken und frage mich, wie dieser Tag wohl für mich enden mag?

Im Urwald unterwegs in der Dominikanischen Republik

Immerhin trage ich einen Sturzhelm, wie beruhigend. Er ist für die spätere Durchquerung der “Fun Fun Höhle” mit einer Grubenlampe ausgerüstet. Die Höhle kann nicht beleuchtet werden, da sie einmal im Jahr von einem Sturzbach völlig zugeschwemmt wird. Damit ist sie dann auch für einige Zeit unbegehbar. Heute ist sie geöffnet und mir dämmert langsam, dass der Abseil-Gurt, den ich bereits übergestreift habe bedeutet, dass, wenn ich den Urwald-Ritt überlebe, ich mich 10 m tief werde abseilen müssen.

Im Urwald der Dominikanischen Republik unterwegs.

Ein großer braun-gelber Schwalbenschwanz und verschiedene Vögel reißen mich schließlich aus meinen düsteren Überlegungen. Längst habe ich gemerkt, dass mein Pferd zuverlässig, ruhig und völlig trittsicher ist. Also lasse ich die Zügel schleifen und konzentriere mich auf die Landschaft. Ich ermuntere das Tier nur bei den wenigen geraden Gras-Strecken zum Galopp, damit ich den Anschluss nicht verliere. Selbst vom Sattel aus erkenne ich Urwald-Pflanzen, die wir zuhause in Mini-Ausgaben am Fenster stehen haben, oder die von Botanischen Gärten mit hohen Gewächshaus-Kosten hochgepäppelt werden, damit wir uns eine kleine Vorstellung von exotischen Urwald-Landschaften machen können. Das auffälligste, am meisten verbreitete Gehölz in dieser vielfältigen Pflanzengesellschaft ist “La Caoba”, der Mahagoni-Baum. Er ist auch der National-Baum der Dominikaner. Ich sehe Philodendren, die sich an Gummibäumen (Ficus) oder Palmen hoch hangeln. Während immer wieder Lianen vor meinem Gesicht  auftauchen, ein Duftschwall von Orchideen in meine Nase eindringt, die jetzt blühenden roten afrikanischen Tulpenbäume (Spathodea campanulata) durch das Urwaldgrün blitzen und ich die epiphytischen Bromelien und Tillandsien auf Augenhöhe bewundere, nähern wir uns allmählich dem Ziel, der “Fun Fun Höhle”.

Im Urwald der Dominikanischen Republik

Ein letztes Stück zu Fuß und wir werden abgeseilt.

Nach gut 50 Minuten steigen wir ab, die Pferde bekommen Wasser und Futter und bleiben im Schatten zurück. Wir steigen das letzte unwegsame Stück zu Fuß nach oben, das dauert noch eine halbe Stunde. Plötzlich stoppen unsere beiden Führer. Erst im letzten Moment entdecken wir das kleine, enge Loch über uns im Felsen, das wie ein Kamin, der langsam breiter wird, zur Höhle nach unten führt.

Der Einstieg zur "Fun-Fun Höhle" in der Dominikanischen Republik
Einstieg zur Fun-Fun-Höhle oben in den Felsen.

Der Hüne befestigt das Seil in den bereits vorhandenen Haken, dann klettert sein Kollege als Erster auf den Abseil-Felsen und verschwindet vor unseren Augen in der Tiefe. Er wird von unten sichern und uns später durch die Höhle führen. Nie zuvor bin ich geritten, aber ich bin da! Nie zuvor war ich beim Bergsteigen, aber ich klettere brav als Dritte auf den Felsen! Der Hüne betet auch mir in seinem spanischen Singsang die Sicherheits-Vorschriften herunter: “Immer nach oben sehen, linke Hand ist zum Fernhalten von der Felswand, die rechte bestimmt hinten am Po mit dem Seil die Geschwindigkeit, oder kann sie abbremsen.” Ich robbe vorsichtig zum Loch, setze mich an die Schlund-Öffnung, das Seil wird im Sicherheitsgurt verhakt und schon baumle ich in der Luft und es geht nach unten.

Am Eingang zur Fun Fun Höhle in der Dominikanischen Republik

Durchquerung der Fun Fun Höhle mit Hindernissen

Es ist glitschig hier unten! Konzentriert versuche ich Tritt zu fassen und ein Gefühl für den rutschigen Fels-Boden zu bekommen. Die Grubenlampe ist jetzt meine einzige Lichtquelle und natürlich ungeeignet, so weit auszuleuchten, dass meine Pocket-Kamera gute Bilder machen könnte. Mein Herz schlägt schnell, der Adrenalin-Spiegel ist fast am Überschwappen. Langsam steige ich tiefer, manchmal liegen dicke Felsen im Weg, da kann ich nur auf dem Po vorsichtig darüber hinweg rutschen. Langsam richte ich aber meinen Blick auch nach vorne und nach oben und beginne diese unterirdische, unberührte Welt zu genießen. Stalaktiten und Stalagmiten, die sich bizarr entgegenwachsen; zu Säulen (Stalagnaten) vereinen, oder bizarre Gebilde darstellen, tauchen unvermittelt aus der Finsternis auf. Das Kopf-Kino zeigt mir plötzlich Phantasie-Gestalten, Gesichter, Tiere, und Menschen. Es ist ein Licht-und Schattenspiel, ausgelöst durch unsere Gruben-Lampen. Das Gestein beginnt zu leben. Immer wieder sehen und hören wir auch Fledermäuse, sie konzentrieren sich vor allem am Ein- und Ausstieg. Erst zuhause am großen Bildschirm kann ich später erkennen, dass in den dunklen kleinen Aushöhlungen an der Decke bis zu 50 Tiere zusammenhängen, um sich gegenseitig zu wärmen. Es geht weiter, immer wieder Szenen-Wechsel.

In der Fun-Fun Höhle, Dominikanische Republik

Die Feuertaufe!

Dieser Tropfstein ist doch eindeutig eine Katze? Aber warum winkt sie mir bloß zu, frage ich mich? Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Wir kommen zu einem Stein-Quader, der oben eine flache Ausmuldung wie eine Schale aufweist. Es ist rote Farbe darin, angerührt aus einem pflanzlichen Naturstoff. Nun erfolgt die Taufe durch unseren Führer zum “Taíno”! Das waren einst die Herren auf Hispaniola, ein indigenes, zu den Arawak gehörendes Volk. Nur weit im Landesinneren, wie hier im Urwald, haben sich einige Sitten und Gebräuche dieses Volkes erhalten. Der Höhlen-Führer bemalt unsere Gesichter, benützt dabei seine Finger als Pinsel und ich denke, nicht viel anders haben das seine Vorfahren zu ihren Feierlichkeiten auch gemacht. Dann erinnere ich mich plötzlich an die Höhle der Wunder (Cava Maravilla). Die 250 Höhlenzeichnungen der Taíno zeigen dort genau die gleiche Farbe, die jetzt mein Gesicht “ziert”.

Der unterirdische Fluss und ein nasser Endspurt.

Die abenteuerliche Kletterei geht weiter. Dann stehen wir urplötzlich vor einem unterirdischen Fluss. Jetzt macht der Badeanzug Sinn, denn im Nu stehe ich mit dem Overall bis zur Hüfte im Wasser. Wenn es bergab geht und es dadurch mehr Wasser-Druck gibt, halte ich mich an den gespannten Stricken fest. Dann kommt die Frage nach einer zusätzlichen Mutprobe. Der Fluss verschwindet plötzlich in den Felsen, dabei geht die Wasserhöhe bis fast an die  Decke. Es heißt also durch den Höhlen-Tunnel hindurch zu tauchen. Ich streike, das möchte ich nicht probieren, beim Tauchen bekomme ich Platzangst. Die Alternative führt über eine Steilwand. Ich habe auch Höhen-Angst, aber es scheint mir dann doch das kleinere “Übel” zu sein. Die senkrechten Wände überwinden wir mit Hilfe von Strickleitern. Dann erreichen wir wieder das Fluss-Bett. Ich bin mehr als erleichtert, als der Führer mir versichert, dass es jetzt ganz bequem bis zu Ausgang weitergeht. Darum kann ich auch noch ein paar weitere Eindrücke der Tropfstein-Formationen sammeln.

Schließlich winkt uns ein kleines Licht-Fenster zu – wir haben es fast geschafft!

In der Fun-Fun Höhle, Dominikanische Republik

Übermütig werfen wir uns ins Wasser, glücklich über ein Erlebnis, das für keinen von uns alltäglich ist – und für nicht mehr so sportlich geübte “Sechziger” wie mich, schon fast mehr als eine Herausforderung. Ein letztes Mal spielen wir “Flieger”, um die Gummistiefel und uns vom vielen Wasser zu befreien. Noch ein paar wenige Schritte und wir sehen unsere Pferde im Schatten der Urwald-Wand stehen. Ein kühles Bier erwartet uns als Belohnung. Wir genießen es noch vor dem Aufsitzen.

Es geht zurück zur Rancho Capote

Durch den Urwald zur Rancho Capote, Dominikanische Republik

Nach einem weiteren tollen Ritt, die Pferde wittern den Stall und geben Gas, sind wir zurück auf der Hazienda, wo uns ein zünftiges Grill-Büffet erwartet. Ich glaube, ich hatte nie zuvor in meinem Leben und auch nie mehr danach so einen Bärenhunger. Kaum sitzen wir am Tisch kommen schon die “Mitesser” angeschlichen, Hunde, Katzen, Hühner, Enten, alle mit dem hungrigen Bettelblick. Autark dagegen sind die Kolibris, sie bevorzugen die Nektar-Stationen, die neben den Plätzen installiert sind oder laben sich an roten Ixoren, Zieringwer und Hibiskus. Die Hibiskus-Blüte vor meinen Augen ist mir fast zu grell nach der langen Dunkelheit und den ruhigen Farbtönen der Fun Fun Höhle und des Urwalds. “La Cayena” oder “Sangre de Cristo” nennt man die Pflanze hier und die Dominikanerinnen tragen sie gerne als Haarschmuck. Jetzt heißt es aber “Lebewohl” zu sagen. Wir werden sowieso in die Dunkelheit kommen. Weil die Fahrt zurück zur Hauptstadt erst über provisorische Straßen verläuft, möchten wir jedoch gerne noch bei Tageslicht losfahren.

Eine Horrorfahrt

Baum der Reisenden, Ravenala, Rancho Capote, Dominikanische Republik.

Ravenala – der Baum der Reisenden – winkt uns symbolhaft zu, als wir in den Wagen steigen und losfahren. Wie ein Pfauenrad sind die Blattwedel dieses Bananengewächses aufgereiht. Erneut fahren wir durch die Zuckerrohr-Ebene, aber diesmal mit dem letzten Tageslicht.

Zuckerrohr-Felder in der Dominikanischen Republik
Zuckerrohr-Feld

Wir haben die Küstenstraße beinahe erreicht, da beginnt die nächste Aufregung dieses Tages, dabei war es eigentlich schon mehr als genug für meinen Geschmack. Der Motor des Leihwagens fängt zu stottern an und setzt dann ganz aus. Wir stehen im Dämmerlicht am Haltestreifen der Autobahn. Nicht ungefährlich außerhalb der bewachten Touristen-Stellen, nein, eigentlich sogar sehr gefährlich, aber wir haben keine Wahl. – Kriegsrat! Die Dämmerung geht jetzt schnell in die Dunkelheit über, es wird ungemütlich. Alle Trinkflaschen werden zusammengesucht, 100 m hinter uns ist ein kleiner Wasserfall, also gehen meine beiden Begleiter los, um die Flaschen aufzufüllen. Ich bleibe alleine im Wagen, habe mich einsperren lassen und beobachte den Verkehr. Vor allem Motorräder, die in falscher Richtung auf dem Haltestreifen dahin rasen, machen mir Sorgen. Gerate ich in einen Scheinwerfer-Kegel, dann drehe ich mich nach hinten um und gestikuliere, als würde ich mich mit jemandem unterhalten. Froh bin ich, dass die Seiten- und die hintere Scheibe dunkel getönt sind. “Der Pate” lässt grüßen! Die Beiden kommen zurück und der Inhalt der Wasserflaschen ist im Nu unter der Motorhaube verschwunden. Dann ein kleines Wunder – der Wagen springt an.

Es geht kurz im Schongang weiter, dann ein Holperer, der Motor verabschiedet sich nun endgültig und rollt noch, wie gut, mit  letzter Kraft in eine hell erleuchtete Autobahn-Tankstelle am Rande einer kleinen Ansiedlung. Inzwischen ist es stockdunkel, was sind wir glücklich an einer beleuchteten Zapfsäule gelandet zu sein. Wir wähnen uns in Sicherheit und erhoffen uns schnelle Hilfe. Der Tankwart schüttet auch sofort 10 l Wasser vorne in den Wassertank, aber auf der Erde unter der Motorhaube bildet sich sofort eine verräterische, große Wasserlache. Der Tankwart zuckt mit den Achseln und erklärt uns, dass er jetzt leider schließen muss. Es ist zu gefährlich nachts die Tankstelle offen zu lassen. Es ist 19 Uhr!!! Zwei Minuten später sitzen wir wieder im Stock-Dunkeln. Ketten und Steine versperren die Ein- und Ausfahrt. Wir sind gefangen.

Der Autovermieter ist längst angerufen und verspricht in einer Stunde da zu sein. Wir sind ca. 15 km von Boca Chica entfernt und etwa 50 km von unserem Hotel. Plötzlich nähert sich ein älterer ausgemergelt wirkender Mann mit einem langen Gewehr. Auch das ist keine prickelnde Situation und wir sitzen beklommen im Auto. Aber der Mann ist der Tankstellen-Wächter und auf der 1. Patrouille unterwegs. Da der Autovermieter nicht nach 1 Stunde, sondern erst nach weiteren immer wütender klingenden Telefonaten nach 3 Stunden erscheint, sehen wir den Wächter mehrmals. Als die Hilfe kommt und der Techniker das Auto für tot erklärt, nehmen wir im Wagen des Autovermieters Platz und sehnen uns nur noch nach einer schönen Dusche im Hotel. Aber wir müssen weitere Stunden darauf warten, denn auch dieser Wagen ist defekt. So kriechen wir mit 30 Stundenkilometern auf der Autobahn dahin! Nach diesem abenteuerlichen Tag fallen wir nur noch wie Steine ins Bett.

Am nächsten Morgen endet unsere Liaison mit diesem Autoverleiher. Als wir in den neuen Mietwagen einsteigen und losfahren wollen, stirbt dieser bereits an der Ausfahrt der Auto-Verleih-Firma ab. Wir switchen um und ich nütze den Tag, um in die Historie der Dominikanischen Republik einzutauchen und mehr über die quasi “erste Stadt  Amerikas” zu erfahren. Aber das ist eine neue Geschichte. Die erzähle ich dann im folgenden III. Teil ab dem 31.10.20, den ich dem historischen Santo Domingo widme. 

Park in Santo Domingo, Dominikanische Republik

Dominikanische Republik – III. Teil

Die Historie der Stadt und des Staates

geplant für den 31.10.20

Teile als erste*r diesen Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

2 Kommentare

  • Christa schroth sagt:

    Puh du bist ja eine richtige abenteuerin. Toll. Hätte mir auch gefallen. Aber mit dem Durchtauchen auch nicht. Dann lieber klettern.
    Klasse Bericht Toll

    • Das Wurzerl sagt:

      Klar liebe Christa, sympathisch, dass Du beim Durchtauchen auch gestreikt hättest. Also ich fand alles andere schon überirdisch genug, nach den Jahren, die ich zuhause mit der Pflege meiner Lieben beschäftigt war.
      Wünsche Dir ein schönes Wochenende
      LG Wurzerl