Ankommen im „Magonia Garten“, dem Paradies von Christine Vogeltanz, Lannach Heuholz
Ulli, Margarete und ich sind jetzt den dritten Tag in der Steiermark unterwegs und bevor wir in Richtung Burgenland am Nachmittag weiterreisen, besuchen wir noch zwei steirische Gärten. Wir sind auf dem Weg zu Christine Vogeltanz, in Lannach Heuholz und ihrem Garten, mit dem klangvollen Namen „Magonia“. Heuholz ist ein Weiler und gehört zur Marktgemeinde Lannach. Etwa 490 Einwohner zählt der Ort in der Weststeiermark.
Wir betreten das Anwesen und sind schon nach wenigen Schritten bezaubert von der märchenhaften, romantischen Ausstrahlung, die uns entgegenkommt. Zwischen Rosen (Rosa ‚Westerland‘) und Blumenhartriegel (Cornus kousa ‚Venus‘) öffnet das entzückende kleine Landhaus langsam seine Äuglein, bis es ohne den „Blütenparavent“ vor uns steht. Wer wird auf mein Klingeln öffnen? Eine Blumenfee? Das Rosenresli? Eine legendäre Märchenfigur?
Nein, in der Tür steht Christine Vogeltanz, eine vollendete Gartenlady, wie man sie eher in den Cotswolds oder in Kent vermuten würde. Sie braucht allerdings keinen mit Blumen garnierten Gartenhut, ihre Ausstrahlung ist selbstbewusst und natürlich, ihre gute Laune ansteckend und ihre Selbstironie entwaffnend.
Die Begrüßung ist wie immer unter Gartenfreunden herzlich und aufgeschlossen. Auf meine Frage, worauf ich bei meiner Fotopirsch achten muss, um nichts zu übersehen, führt mich Christine einfach einmal rund um das Grundstück. Am Gästehäuschen vorbei gehen wir direkt durch eine kleine Schneise in den Waldgarten zu dem Ort, wo Christine ihr „Bodengold“ produziert. Während wir zum Eingangsbereich zurückgehen, erzählt sie mir beiläufig, dass sie nicht nur „Vogeltanz“ heißt, sondern auch noch im „Amselweg“ wohnt. Bei der Bemerkung, dass ihr Mädchenname „Singer“ ist, mustert sie mich von der Seite, ob ich das auch glaube. Ich glaube Christine alles, sie ist einfach durch und durch authentisch.
Dann frage ich sie noch nach der Herkunft des Gartennamens „Magonia“. Christine bezieht sich auf ein lyrisches Gedicht ihres Sohnes, der über das Land der Wetterhexen jenseits der Welt geschrieben hat. Der Glaube an das legendäre Wolkenreich im früheren französischen Volksglauben geht bis ins frühe Mittelalter zurück. Hier in der Weststeiermark darf der Name weiterleben.
Nun spaziere ich allein durch den Garten und versuche mir vorzustellen, wie hier alles begann. Es war ursprünglich ein Waldgrundstück, ein Garten existierte hier nicht. Der Wirbelsturm „Paula“ ist verantwortlich für die Anfänge, als aus dem Wald zuerst der Waldgartenteil entstand und dann während der kommenden 30 Jahre der übrige Garten. Im Sonnengarten lag der Schwerpunkt ursprünglich auf Rosen und ihre Staudenbegleiter. Später sammelte Christine viele Hortensiensorten, die sich in den Randbereichen und Lichtschneisen des Waldgartens wohlfühlen. Eine Helleborus-Sammlung, Päonien und Kamelien kamen dazu. Die Stauden- und Gehölzauswahl erfolgt so, dass sie möglichst immer einen Mehrwert darstellt. Die Pflanzen sind zum Großteil Aspekt- oder Strukturbildner, häufig auch immergrüne Blattschmuck-Pflanzen.
In den verschiedenen Gartenräumen gibt es immer wieder gemütliche Sitzplätze. Ganz entzückend finde ich das Gästehäuschen mit dem angebauten Salettl. Hier können Besucher das Paradies von Christine Vogeltanz genießen und ein Stück weit daran teilhaben. Alle Gebäude sind hier direkt in den Garten eingebettet. Das ersetzt schon einen Teil der Gliederung für die Gartenzimmer, die sich aneinanderreihen. Durch die Liebe von Christine zu ihren Gehölzen, ist der Rahmen der Grünen Räume immer vorhanden. Aber, dank verschiedener Wuchsformen und regelmäßig eingestreuter Strauchrosen stehe ich nie vor einer statischen Wand.
Gleich im ersten Gartenzimmer könnte ich verweilen und auf der Bank Platz nehmen. Hätte ich es doch getan, dann wäre mir der Gedichtband von Christine Vogeltanz: „Ein Gartenjahr“ mit ausgewählten Gedichten, erhältlich bei Amazon unter der ISBN-Nr. 9781533305275, schon bei meinem Besuch im Juni aufgefallen. So las ich den Namen der Autorin erst zuhause auf dem fotografierten Buchcover, während ich die Gartenfotos sortierte. Ich hatte die Reihenfolge der Fotos gerade fertig, da erhielt ich das Büchlein per Post und las es parallel. Ein Gedicht hat es mir besonders angetan, da es direkt meiner Bildfolge entspricht und ich bat Christine, ob ich das Gedicht: „Ein Gartenmärchen“, für Euch zitieren darf. Ich darf!
EIN GARTENMÄRCHEN
Komm in meinen Garten, teile ihn mit mir:
Düfte, Farben, Bäume, Sträucher
erwarten Dich hinter der Tür.
Wenn du sie öffnest, dann öffne dein Herz,
vergiss allen Kummer, Sorgen und Schmerz.
Sprich mit der Rose, mit dem Jasmin
und lass dich dann tief
in den Wald hineinzieh’n.
Halt inne, hör genau hin,
was Vögel dir singen, wohin sie dann zieh’n.
Bei der alten Fichte, da ist ein Platz,
da wohnt die Zwergin mit ihrem Schatz.
In Sommernächten, mild und lau,
zündt Glühwurmkerzen er für seine Frau.
Dann sitzen sie unten beide beim Teich,
gehen dann schlafen und betten sich weich
unter der Wurzel im grünen Moos.
Ist alles das wahr, oder träumt man es bloß?
Hast du ein Herz, so weit, wie ein Kind,
weißt du genau, wie wahr Märchen sind.
Christine hat viele Lieblingsplätze im Garten, die sie je nach Tages- oder Jahres-Zeit nützt. Aber den Platz am Teich, den sie in ihrem Gedicht beschreibt, den liebt sie besonders.
Nachdem die Führung durch den Waldgarten von dem Gedicht: „Ein Gartenmärchen“ für mich übernommen wurde, trete ich zwischen den alten Bäumen heraus und fotografiere noch einige Sommerblüten von Gehölzen und Stauden. Ich ertappe mich dabei, dass ich noch immer leise auf Zehenspitzen gehe – war ich gerade in einem Märchenwald?
Calycanthus ‚Venus‘, ein Weißblütiger Gewürzstrauch, oder die rote Lilium martagon Hybride, sind deutliche Zeichen dafür, dass Christine versucht, immer wieder neue Pflanzenraritäten für ihre verschiedenen Gartenbereiche zu finden.
Je näher ich mich der Rückseite des Hauses nähere, umso dichter und märchenhafter wird die Blütenpracht vor der Waldkulisse. Ich träume wieder für einen Moment, ähnlich der Situation im Eingangsbereich des Hauses. Die Rosen mit ihren Begleitern beeindrucken mich stark. Es wirkt alles so natürlich und selbstverständlich, als wäre es schon immer hier.
Wasserstellen sind nicht nur für die Tiere eine erquickende Erholung. So plätschert es immer wieder leise in der Nähe der Sitzplätze aus einigen Brunnen. Etwas geschützter platziert sind dagegen die Vogeltränken. Inzwischen hat sich Christine im oberen Terrassen-Bereich des Hauses niedergelassen und plaudert mit Ulli über einige Erlebnisse mit ihren Dackeln.
Ich stehe seitlich auf dem schmalen Balkon und bin so fasziniert von den Ausblicken in das große Mixed Border zwischen Haus und Wäldchen, dass ich fast aufschrecke, als Ulli zu lachen anfängt. Sie hat soeben das Video mit Christine gedreht, indem sie so unnachahmlich über ihren Namen und die Dackel sinniert, dass ich es Euch ans Herz lege, den Ton lauter zu machen und auf das Bild zu klicken, um Christine im Video zu erleben:
Dann kehre ich noch einmal zum Rand des Wäldchens zurück, an den Ort, den Christine mir bei unserer ersten kurzen Einführungsrunde durch den Garten extra gezeigt hat. Dieser Platz ist für sie immer noch besonders wichtig ist.
Fast nicht zu sehen, verborgen durch ein Blätterdach aus Efeu und garniert mit Buchs, verziert mit Hortensien und bewacht von einem steinernen Jagdhund, hat mir Christine einen magischen, ruhig heiteren Platz gezeigt. Er ist mit tausend Erinnerungen an die gemeinsame Zeit mit ihrem Gatten verbunden. Ich glaube, hier ist der Ort, an dem seine Seele auf den täglichen Gartenbesuch seiner Christine wartet.
Der Garten zeigt sich in unterschiedlichen Stimmungen. Eine geheimnisvolle Aura geht vom wildromantischen Wäldchen aus. Das Rosenthema verbindet alle sonnigen Gartenteile rund um das Haus und schafft eine Harmonie, in der man auftanken kann. Und dann gibt es da noch die hintere Hausecke, vor der ein blau leuchtender Pool zum Baden einlädt. Und hier häuft sich plötzlich die sonnenaufgetankte Farbe Gelb in den Blüten, die diesen Gartenteil zu einem Kraftspender werden lassen. Im Daoismus ist Gelb das Element Erde und das Zentrum – die innere Mitte des Gartens.
Für Christine ist der Garten ein romantisches Paradies. Mit 80 Jahren hält sie der Garten gesund, zufrieden und fit. Sie ist umgeben von 4500 qm Glück, das die „Grande Dame“, die „Gartenlady der Steiermark“ hoffentlich noch sehr lange genießen kann.
Liebe Christine, ich möchte Dir ganz herzlich dafür danken, dass Du Dir für Ulli, Margarete und mich Zeit genommen hast. Natürlich bin ich auch sehr glücklich, dass Du mir erlaubst, Deinen „Magonia Garten“ auf meiner Website vorzustellen.
Magonia Garten Christine Vogeltanz
Adresse: 8502 Lannach Heuholz, Amselweg 5, Steiermark / Österreich
Kontakt: Tel. 00436644335147
