Farbharmonien in Ellys “De Groene Weelde” NL, Drenthe

"De Groene Weelde", der Frühlingsgarten von Elly Groen-Waarsing

Ankommen in “De Groene Weelde”, dem Garten von Elly Groen-Waarsing

Der große Event in Iheringsfehn, “Garten & Kunst 2025” ist geschafft. Erna de Wolff und ich sind heute unterwegs zu unserem “Belohnungsausflug” in die Niederlande. Die Provinz Drenthe, nicht immer das nördlicher gelegene Groningen, ist unser Ziel. Wir fahren, um es exakt auszudrücken, in das Dorf Drouwenermond.

Drouwenermond bedeutet “Kanal, dessen Mündung zu Drouwen gehört”. Das bezieht sich auf die Zeit um 1817, als die Provinzen Groningen und Drenthe den Torftransport durch ihre Gebiete genehmigten. So wurde der Kanal 1822 zum Torfabbau in dieser Gegend angelegt und gehört zum Kanalsystem, das in Richtung Stadskanaal führt. Kurz vor dem Haus von Elly Groen-Waarsing, fahren wir an einem bunten Tulpenfeld vorbei. Nein, wir fahren natürlich nicht vorbei, Erna steigt erst auf die Bremse, dann aus. Übermütig tanzt sie die langen parallel verlaufenden Blütenbänder entlang und nimmt fröhlich mitten im Tulpenfeld ein visuelles, buntes Bad.

Im Garten unterwegs

Wenige Meter später stehen wir vor dem Eingang zu “De Groene Weelde”. Wir werden bereits erwartet und Elly Groen-Waarsing führt uns durch das Haus, direkt auf die Terrasse des Gartens.

Im Glanz des frischen Maiengrüns präsentieren sich im lebendigen Gerüst die bunten Farbtupfer des Frühlingsgartens in “De Groene Weelde”. Der Garten ist so gut durchdacht angelegt, dass ich zuerst gar nicht vermute, dass fast 2000 qm Grün vor mir liegen. Es gibt keine abschottenden Hecken oder Mauern. Licht- und sichtdurchlässig sind die Konstruktionen der Pergolas. Kleine Pflanzinseln sind geschickt im Garten platziert. Niedrig gehaltene Wasserbecken und eine filigrane Holzkonstruktion trennen die gepflasterte Terrasse vom Grünbereich.

So sitzen wir einerseits rundum behütet beim Kaffee, haben dabei aber den freien Blick nach links und geradeaus in den Garten, während auf der rechten Seite und hinter uns das Haus die Terrasse kompakt zusammenhält. Schon im Sitzen erkenne ich, dass die Sichtachsen nie bis zum Gartenende reichen, sondern immer so enden, dass ich dazu verleitet werde, von der Kaffeetafel aufzuspringen, um in den Garten hineinzugehen.

Während Erna in ein Gespräch mit Elly vertieft ist, schnappe ich mir endlich die Kamera, um mir all das genauer anzuschauen, was ich von meinem Sitzplatz aus bereits bewundern konnte. Meine ersten Schritte führen mich nach links. Dort befindet sich ein schmaler Gartenteil, der bis zur vorderen Front des Hauses reicht. Dieser Gartenteil ist etwas schattig, sonniger ist der Bereich unmittelbar neben der Terrasse, denn dort zieht sich der Hausschatten zurück.

Eine dunkelgrüne mächtige Araucaria setzt ein Ausrufezeichen am Ende des linken Seitengartens. Beeindruckend ist der Kontrast der ungewöhnlich breiten, dunklen Nadeln der Andentanne zu den üppigen gelbgrünen Euphorbien-Blüten, die auf dem graublauen Laub dieser Solitärstauden thronen. Muscari- Vergissmeinnicht- und Hasenglöckchen-Blüten setzen sich dezent vom sonnigen Gelb ab und bringen nachtblaue Ruhe in den Randstreifen, der eine weitere Terrasse begrenzt.

Eine große, blaue Keramikkugel springt über auf die braune Sitzgruppe aus Metall und verwandelt sich auf der Bank in vier bauchige, blauweiße Keramik-Übertöpfe, die mit weißrosafarbigen Bellis gefüllt sind. Ich bin nicht nur von der Farbharmonie in dieser Ecke begeistert, sondern insgesamt vom gut gelungenen Arrangement.

Am Ende der Seiten-Terrasse führt ein Holzdeck über eine schmale Wasserkonstruktion und mäandert dann als gepflasterter Weg auf der linken Gartenseite nach hinten. Vor dem Wasserbecken steht eine farbige Tulpen-Topfparade, die ich unwillkürlich abschreite. Sie endet kurz vor der Hausecke und öffnet die Sicht auf einen rechts verlaufenden Parallelweg, der sich aber nicht an Beeten vorbeischlängelt, wie der erste Weg, den ich sah. Dieser läuft schnurgerade an einem fast rechteckigen Rasenstück entlang. Vor der rechten Hausseite reicht die Pflasterung noch ein gutes Stück in den Rasen hinein. Eine überdachte Holzkonstruktion, einem Marktstand nachempfunden, ist hier das Zuhause der Hostasammlung von Elly. Ein relativ schmales Metallgestell, bestückt mit einem Potpourri von Violas, schmiegt sich an die Hauswand an. So wie das Tulpenfeuerwerk nach den blauen Blüten bei der Araukarie links beginnt, so endet es wieder vor den blauen Töpfen auf dem Pflanzengestell.

Immer wieder finde ich neue Farbkombinationen bei den Tulpen, die sich von weiß über gelb und orange bis zu knallrot steigern. Es finden sich lilienblütige, päonienblütige, Darwin- und Crispa-Tulpen, in den unterschiedlich hohen Pflanzgefäßen.

Ein Holzrahmen läuft, ohne die Sicht zu behindern, die ganze Terrassenbreite entlang. Das dürfte sich ab Juni leicht ändern, denn er ist wunderbar für himmelsstürmende Kletterpflanzen geeignet. Jetzt bildet die Konstruktion einfach einen Abschluss, der die Front zusammenhält, ohne auf sie zu drücken.

Ein Brunnenschwengel, passend zum Thema Wasser, lässt die Tulpen auf dem alten Nähtisch dahinter sonnig aufleuchten. Silberfarbene Kugeln schwimmen im Wasser, bewundert von einer blauen Iris. Der Wasserfrosch interessiert sich nur für die Hydraulik des Seerosenblatts, die es ihm nach dem Winter endlich wieder ermöglicht, seinen gewohnten Stammplatz einzunehmen.

Während die Tulpen sich farbig in der Sonne aalen, spenden andere Blüten, wie Iris und Azaleen, ein beruhigendes Blau dazu. Es ist ein gesunder Mixed aus Spannung, Temperament, Harmonie und Ruhe und ich schlendere langsam die ersten Meter auf der rechten Gartenseite den Weg entlang, um mir den “Hosta-Stand” genauer anzuschauen.

Die Funkien stehen sämtlich in dezenten, weißgrauen Übertöpfen. Im April haben sich noch nicht alle Blätter entfaltet und viele scheinen noch ihre Position zu suchen. Aber in wenigen Wochen schon, werden hier makellose Hosta-Blattrosetten in den Töpfen stehen. Als nächstes visiere ich die Holzbank an, die vor einer neuen hohen Metall-Konstruktion steht. Elly nennt dieses Teil ihren “Pfad für Kletterer”. Innerhalb der filigranen Wände würde ein Halbdunkel vorherrschen, liefe da nicht das weiße Band der Anemone ‘Vestal’ entlang. Die Kletterpflanzen, die hier zuhause sind, haben noch Zeit.

Elly hat zwar keine Lieblingsblumen, aber sie arbeitet gern mit starken Pflanzkombinationen, die durch die Farbzusammenstellung besonders zur Geltung kommen. Eine Schwäche hat sie sicher für Kletterpflanzen wie Rosen und Clematis, denen sie eine Menge “Aufstiegsmöglichkeiten” bietet. Mit diesem Trick wirkt der Garten romantisch und großzügig und natürlich braucht dieses Gärtnern im “ersten Stock” weniger Platz und wirft auch viel weniger Schatten, als es große adulte Bäume in gleichem Maße täten. Der Garten wirkt dadurch immer noch überraschend jung und dynamisch, obwohl er bereits vor über 40 Jahren konzipiert worden war. Ich habe das rechte Gartenende erreicht und gehe nun quer, um den Weg auf der linken Seite zu finden und von dort langsam zur Terrasse zurückzukehren.

Unter der lockeren Gehölz-Begrenzung mit den sanften Farben der Obstbaum- und Magnolienblüte fühlt sich schon früh im Jahr ein Waldbrettspiel wohl. Diesen Schmetterling gibt es bei mir leider gar nicht.

Wichtig für den großen Garten sind die mächtigen ausladenden Solitärstauden. Egal, ob Bambus, Riesenrhabarber oder Mammutblatt, sie benötigen Platz, schaffen Struktur und bilden dominante Inseln, welche die Blicke auf sich ziehen.

Ich könnte Euch immer weiter von jedem Quadratmeter Garten interessantes erzählen, aber es wird Zeit, dass ich mich endlich mit der Gartengeschichte befasse. Der Garten wuchs in Jahrzehnten mit dem Ehepaar Groen-Waarsing zu seiner heutigen Gesamtheit. Beide brachten ihre Talente ein. Ellys Stärke dabei war vom ersten Moment an ihr Farb- Formen- und Raumgefühl. Das ist kein Wunder, denn beruflich kreiert sie individuelles, besonderes Innendesign.

Während ich mir einen überraschend auftauchenden 2. Sitzplatz ansehe, zu dem ein zweites Teichbecken gehört und die leichte, heitere Atmosphäre im Garten genieße, ist Erna de Wolff mit Elly im Haus verschwunden. Erna ist so begeistert von der geschmackvollen Einrichtung der Räume, dass sie gleich 2 Kurzvideos mit Elly in unterschiedlichen Zimmern dreht. Elly spricht zwar niederländisch, aber ich glaube, ein Blick in das Interieur lohnt sich auf jeden Fall. Klickt einfach auf die beiden Bilder und seht selbst:

Das wunderbare Gespür Ellys für Farben Formen und Räumlichkeiten ist im Haus genauso vorhanden, wie im Garten.

Erst seit dem Tod ihres Mannes, der noch nicht lange her ist, befasst sich die Gärtnerin allein mit ihrem Areal. Der Garten brachte einerseits Trost, aber auf der anderen Seite entstand auch die große Sorge, dass sie ihm allein nicht mehr gerecht werden würde.

Die Gartenbesucher, die oft und gerne kommen, tun in so einer Lage der Seele unheimlich gut. Vor allem diejenigen, die über ihren eigenen Garten erzählen und Tipps geben. Die Erkenntnis, dass man so ein großes Areal auch allein schaffen kann, hat Elly die Freude, sich im Garten weiter kreativ zu beschäftigen, wiedergegeben und es ist eine Freude zu sehen, wie souverän die Gärtnerin ihre Aufgaben meistert und was für eine großartige Gastgeberin sie dabei ist.

Liebe Elly, ich danke Dir vielmals, dass ich mit Erna bei Dir zu Gast sein durfte und Du mir gestattet hast, dass ich Deinen wunderbaren Frühlingsgarten auf “Wurzerlsgarten” zeigen und vorstellen darf.

Elly Groen-Waarsing, “De Groene Weelde”

Adresse: NL 9523 TH Drouwenermond, Zuiderdiep 68, Drenthe

Kontakt: Mail-Adr.: engeltjelammert@kpnplanet.nl

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7 Kommentare

  • Wie schön, die leuchtenden Farben der Tulpen zu sehen, die uns so lange gefehlt haben! Und wie schön, dass der Garten und der Zuspruch der Besucher der Besitzerin so viel Kraft geben, weiter zu machen.
    LG Susanna

  • ich kann da nur susanna’s post unterstützen! aich ich finde es schön, dass der garten und der viele zuspruch der besitzerin soviel kraft geben! nach schweren schicksalsschlägen geben einem solche feedbacks enorm kraft (weiss ich aus eigener erfahrung).
    glg gabriela

      • liebes wurzerl! ich wandere im geiste immer mit bei deinen gartenbesuchen. ich habe eben nur 2 balkone, einer 10 m2 und der kleinere hat 4 m2. der grössere ist der sonnenbalkon. das ist im sommer mein 4. zimmer. morgens trinke ich draussen meinen kaffee, lese die zeitung. ansonsten schaue ich, welche pflanzen am blühen sind, beobachte die wildbienen und schmetterlinge. oder ich fertige was kreatives. da kann ich dann so richtig abschalten! eine liebe kundin hat mir zum geburtstag ein bild geschenkt: hier wohnt eine *wilde* gärtnerin :). liebe grüsse, gabriela

        • Du bist herzlich eingeladen, immer wieder in neue Gärten mitzukommen. Dafür sind meine Bilderfluten und ausführlichen Texte gedacht, dass man das Gefühl bekommt, dabei gewesen zu sein. Danke Dir. LG Wurzerl

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