Sammlergarten Mekelburg, Augenweide in der Lüneburger Heide

Ankommen im Garten Mekelburg in Hemslingen

Einen der Höhepunkte der Reise in die Gärten rund um die Lüneburger Heide bildete der Besuch des Gartens Mekelburg in Hemslingen, einer Gemeinde im niedersächsischen Landkreis Rotenburg (Wümme). Bereits im Eingangsbereich lernen wir, dass Madame Dogge das Gartenareal für sich beansprucht. Während unseres Aufenthalts bleibt sie im Haus, aber kurz vor der Verabschiedung läuft sie interessiert von Besucher zu Besucher, so dass wir die Hundedame noch kennenlernen dürfen.

Bereits von der Straße aus ist unverkennbar, dass hier Gehölzliebhaber wohnen. Das Ehepaar Heidi und Claus-Dieter empfangen uns freundlich in der Einfahrt und laden zur Gartenbesichtigung ein. Ich setze mich, wie immer, wenn ich mit einer Gruppe unterwegs bin, nach einer kurzen Begrüßung ab. Ist die Gruppe bei einer Führung unterwegs, habe ich freie Bahn zum Fotografieren. Je nach Gartenanlage bin ich der Gruppe dann entweder voraus, gehe hinterher, oder laufe einfach entgegengesetzt, in der Hoffnung, dass ich nicht plötzlich auf die Gruppe stoße, sondern sie dann gerade mit Kaffeetrinken beschäftigt ist.

Eine gartenarchitektonisch gestaltete Klinker-Ziermauer flankiert als dekorative Gartenkulisse den seitlichen Eingangsbereich des vorderen Gartens. Auf mich wirkt dieser individuelle Aufbau in mehrfacher Hinsicht interessant. Ich stehe gewissermaßen vor der Visitenkarte dieses Gartens. Der Hausherr ist handwerklich so geschickt und seine Gattin, die das sehr schätzt, ist so ideenreich, dass sich durch den gesamten Garten immer wieder Klinkermauern, Klinkerbögen, Klinkerhäuschen oder andere Klinkeraufbauten finden, die immer die gleiche Handschrift tragen.

Der große vordere Gartenteil ist als Arboretum angelegt. Im Randbereich zur Straße befindet sich eine “Sissinghurst-Bank”. Unmittelbar dahinter steht eine selbst gemauerte, oben abgerundete Klinkermauer mit zwei eckigen Stelen. Sie wirken wie eine vergrößerte Silhouette der Bank. Dieser ästhetische Hintergrund dämpft nicht nur Straßenlärm, sondern bietet auch Schutz vor Wind. Der Blick fällt erst einmal auf das Stauden-Vorspiel mit japanischem Waldgras und Hostas. Dann beginnt in einer hügelig geformten Steinlandschaft die eigentliche “Aufführung” mit den unterschiedlichen Höhen und Wuchsformen der Gehölze.

Schöne Gehölzkombinationen, teilweise in Topiary-Manier zu Großbonsais oder “Wolkenbäumen” geschnitten, wechseln sich mit edlen Gehölzen ab, die in etwas Abstand voneinander gepflanzt sind, um mit niedrigen Unterpflanzungen, wie Moosen, Hostas und Gräsern, eine eher meditative Wirkung zu entfalten. Bunt wird es hier nur sporadisch, etwa wenn die “Kissenazaleen” zu blühen anfangen. Stauden und Gehölze kommen, wie die gelbgrün panaschierte Davidia involucrata ‘Lady Sunshine’, der buntlaubige Taubenbaum, in diesem hauptsächlich grünen Areal auch gerne mit mehrfarbigen Blättern vor.

Japanische Ahorne, Blumenhartriegel und die farbenfroh beblätterten Cercis canadensis gehören zu den Lieblingspflanzen der Gartenbesitzer. Ich komme zum Haus und folge dem rechten Rundweg in den hinteren Garten. Dort fällt mein Blick schnell erst auf den weißen Pavillon, dann auf den großen Koiteich. Dramen spielten sich hier ab, vom Besuch der Fischreiher, der Waschbären und Füchse bis hin zum Fischotter, alle hatten Appetit auf Kois. Jetzt ist der Teich mit Strom mehrfach gesichert und der Koibestand hat sich erholt.

Das Abenteuer Garten begann für die Familie Mekelburg, als sie 1981 in ihrem neuen Haus in Hemslingen einzogen. Heute ahnt man nicht mehr, dass die 2.400 qm Garten ursprünglich naturnah angelegt waren. Den Grundstein für den jetzigen Garten, einige sorgfältig ausgesuchte Bäume, gab es allerdings schon damals. Nachdem einige Mixed Border und ein Naturteich angelegt waren, wuchs das Interesse von Heidi und Claus-Dieter am Thema Garten. Zu diesem Zeitpunkt fuhr das Ehepaar in das Ammerland. Als sie dort die große Auswahl an Formgehölzen kennenlernten, stand für sie fest: der Garten sollte japanisch werden!

Die Gehölzlandschaft im vorderen Garten und der Koiteich sind tatsächlich japanisch anmutende Gestaltungselemente im Garten. Gott sei Dank verhinderten die Sammleraktivitäten in Bezug auf neue besondere Pflanzen und die handwerkliche Kreativität, verbunden mit dem geistig quirligen Temperament der Beiden, immer neue Ideen im Garten umzusetzen, die Beschränkung auf einen japanischen Zen-Garten. Japanische Teegärten gibt es viele, der Garten Mekelburg ist individuell und einzigartig.

Ich denke, der kleine Film, den Ulrike Aljets dankenswerterweise mit der Hausherrin gedreht hat, ist sehr aussagekräftig, wenn es um Feinheiten bei der Türgestaltung des Gartenhauses oder um einen besonderen Baum geht. Bitte klickt einfach in das Bild, stellt den Ton laut, damit Ihr alles gut mitbekommt.

Also ich finde, die Tür und die Säulen passen perfekt zur Fassade des Klinkerhäuschens dazu. Das Ehepaar Mekelburg hat mit sicherem Gespür ihren eigenen Gartenstil kreiert und die japanisch anmutenden Elemente sind absolut harmonisch in den Garten integriert.

Türe und Säulen integriert in der Fassade des Gartenhauses im Garten Mekelburg, Hemslingen

Ich nähere mich dem hinteren rechten Gartenteil und stelle immer wieder fest, wie harmonisch sich alles zusammenfügt. Während sich der Pavillon am Teich sofort dem Blick anbietet, sind alle anderen Gestaltungsteile wie kleine Kapellen in einer großen Kirche seitlich zurückgesetzt und mit entsprechender Bepflanzung vor einer zu frühen Entdeckung geschützt. Lediglich Klinkerbögen, die den Weg queren, sind im Blick präsent. Sie haben manchmal die Aufgabe die Augen der Besucher zu bündeln, hindurchgleiten zu lassen und die Sichtachse optisch bis an ein reizvolles Ende zu führen. Es gibt aber auch auf der linken Seite solche, die zusätzlich einen opulenten, äußerst dekorativen Zweck erfüllen.

Ich bin am rechten Gartenende angekommen und spaziere nun auf die linke Gartenecke zu. Dabei entdecke ich ein wunderbares “Claire-Voie”. Es lohnt sich, an die Öffnung heranzutreten. Die Landschaft dahinter wirkt wie gemalt. Auch die Höhe und Anordnung von Bäumen schafft “Durchblick” auf interessante Pflanzen, Klinkerkreationen oder eine Maueröffnung, die einlädt, doch näher zu treten. Jeder Quadratmeter birgt neue Überraschungen.

Ich laufe die Peripherie entlang und bewundere die unterschiedlichen Abgrenzungen des Gartens. Während ein Eisentor sich mit der Hortensienblüte davor noch im Sonnenlicht aalt, ist in der hinteren, linken Ecke schon die “Blaue Stunde” angebrochen. Geheimnisvoll wirken nicht nur die beiden Skulpturen, die dem Löwen von San Marco nachempfunden sind. Auch die Frauenbüste hat eine etwas mystische Wirkung, umgeben von den teilweise blaublättrigen Funkien.

Ich gehe den linken Weg zurück in Richtung Haus. Der Torbogen und die abgestuften Mauerelemente, die mit passendem Zierrat und Topfpflanzen verziert sind, lädt nach etwa einem Drittel des Gartenwegs zum Durchgehen ein.

Ja, es gibt auch ein klassisches Gewächshaus und Hochbeete in diesem Garten. Aber ich lasse mich schnell vom Topiary-Garten ablenken. Die beiden hohen, weißen Stein-Stelen mit ihrer Saisonbepflanzung bilden den farbigen Übergang von den Immergrünen zum Gewächshaus.

Jede einzelne Pflanze scheint “handverlesen” zu sein, jedes Dekorationselement wird auf den Prüfstand gestellt, ob es würdig ist, einen der exponierten Plätze einnehmen zu dürfen. Es ist spannend diese liebevoll ausgesuchten Details zu entdecken.

Und wieder nähere ich mich einer Gartennische mit einer sehr aufwendig gemauerten Konstruktion. Während ich noch auf einem Tischchen die verschiedenen Buntnesseln betrachte, höre ich schon ein leises Brunnenplätschern. Ich trete ein und betrachte mir das reichverzierte, dreiflügelige Mauerwerk in dessen Mitte ein Spiegel den Reichtum des Gartens einfängt.

Die Blumen sind in passenden Terrakottatöpfen untergebracht. Der Boden ist rot geklinkert, mittig scheint allerdings ein Bach aus Steinen in heller Farbe gelegt, aus dem Quellstein davonzulaufen. Um diese steinlastige Konstruktion aufzuweichen, leisten einige Exemplare des Gold-Japan-Berggrases, Hakonechloa macra ‘Aureola’, gute Dienste.

Ich bin wieder auf dem Hausniveau angekommen, flitze aber noch in einige besondere Ecken, bevor ich mich endlich von diesem großartigen, individuellen Garten der Familie Mekelburg losreißen kann, um mich dann noch kurz Kaffee und Kuchen zu widmen.

Liebe Familie Mekelburg, ich danke Ihnen ganz herzlich, dass wir bei Ihnen zu Gast sein durften und dass Sie mir gestatten, Ihr gelungenes Gartenreich auf meiner Website: in “Wurzerlsgarten”, vorstellen zu dürfen.

Heidi und Claus-Dieter Mekelburg

Adresse: PLZ 27386 Hemslingen, Söhlinger Str. 13

Kontakt: E-Mail: mekelburg@ewetel.net

Website: http:garten-mekelburg.jimdo.com 

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