Ankommen in Euerdorf, Ortsteil Wirmsthal
Vor einem Jahr machte ich am 30.04.2025 bei der Heimfahrt aus Ostfriesland, noch einen Abstecher nach Wirmsthal, einem Teil von Euerdorf, im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen.
Ich biege in den nördlichsten Weinort Weinfrankens ein. Der Garten liegt direkt an einem Hang, umgeben von ungemähten hohen Wiesen, einem breiten Gehölzsaum und einem steilen Weinberg rechts vom Garten gelegen. Dort werden die Trauben berühmter Frankenweine angebaut, wie Silvaner oder Müller-Thurgau.
Barbara Albert steht schon lachend an der Tür und wir sind Beide begeistert, dass wir uns endlich in Barbaras Garten treffen. Mein erster Versuch eines Besuchs bei ihr scheiterte zwei Jahre zuvor an Corona. Wir gehen die linke Hausseite entlang in den hinteren Garten. An der Hausecke führt der Weg zur überdachte Hausterrasse. Das sieht verlockend aus, aber ich habe noch 350 km vor mir und bin bereits 550 km gefahren, also möchte ich gerne loslegen mit dem Fotografieren.
Nach einem Blick von unten, den Gartenhang hinauf und den hohen Sonnenstand darüber einigen wir uns dann aber auf eine kurze Kaffeepause in der Küche. Während ich mir den Kuchen schmecken lasse, erzählt Barbara von ihrem Zuhause, in das sie im Winter 2008/09 eingezogen ist. Die Schwiegereltern wohnten ursprünglich hier und da Barbara ihre erste Tochter erwartete, war der Garten noch kein Thema für sie.
Aber sie nutzte die Zeit, um den Garten kennenzulernen, zu schauen, wo was wächst und wo wann Sonne oder Schatten vorherrscht. Als Töchterchen Laura drei Jahre alt ist, darf die Kleine schon bei Barbaras erstem Gartenprojekt dabei sein. Direkt bei der Terrassentür von der Küche aus gesehen, entsteht ein Kräutergarten. Ab 2011 komplettiert die kleine Hanna die Familie.
Iris barbata media ‘Rare Edition’, Bartiris mit Blattwespe – Kleiber an seiner Nisthöhle – Centaurea montana ‘Amethyst in Snow’, Bergflockenblume
Nach und nach gibt es weitere Veränderungen. Die Beete werden mit Rasenkantensteinen eingefasst und der Küchengarten, zu dem früher auch ein paar Zeilen Rebstöcke gehörten, wandelte sich nach und nach in einen Garten mit Staudenbeeten und Mixed Bordern. Ab 2014 ging es dann richtig los. Die Sonnenterrasse wurde mitten in den Garten gebaut, dafür mussten ein Mistbeet und ein Tomatenhaus weichen. Das lange Beet, das sich ganz oben befindet, entstand in drei Abschnitten zwischen 2015 und 2017.
Ich bin natürlich schon lange wieder im Garten und mit dem Foto unterwegs. Hinter dem weißen Flieder kommt eine geräumige Gartenhütte zum Vorschein. Der geschlossene Bestand an Epimedium rubrum, der roten, robusten Elfenblume, zeigt mir, dass die Bepflanzung hier schon eine Weile existiert. Liebevoll umfängt ein Staketenzaun ein kleines Stück Beet an der Hütte.
Zum Garten gehörten auch eine Reihe Obstbäume, Apfel, Zwetschge und Reneklode. Ein Kirschbaum musste gefällt werden, weil er zu sehr auf die Gartenhütte gedrückt hatte. Inzwischen gibt es wieder zwei Kirschen in Säulenform. Aber die Familie nascht auch gerne an den Johannisbeeren, den Stachelbeeren, der Kupferfelsenbirne und den schmackhaften Walderdbeeren. Wie man auf dem Foto vom Polsterphlox und den Tulpen erkennen kann, muss nicht alles an Gehölzen zum Essen nutzbar sein. Sambucus nigra ‘Black Lace’ punktet allein durch die Schönheit seiner Blätter, ebenso wie der Feuerahorn, oder die eichenblättrige Hortensie, die sich hier wunderbarerweise im Sonnengarten hält.
Im oberen Bereich, dem Himmel am nächsten, befanden sich die Weinstöcke des Schwiegervaters, die er 2015 mit 78 Jahren zum letzten Mal für Saft, aber vor allem für selbst gekelterten Wein gelesen hat. Da Barbara, gerade wegen ihrer Kinder keinerlei Gift im Garten wollte, Weintrauben aber ohne spritzen zu große Ernteausfälle haben, trennte sich die Familie von den Reben. Entzugserscheinungen gibt es aber wohl nicht, denn schaut man rechts aus dem Garten hinaus, fällt der Blick direkt auf den großen Weinberg, in dem Barbara jedes Jahr bei der Weinlese mithilft.
Lange überlegte Barbara, was sie mit dem frei gewordenen Stück Garten anfangen wolle. 2018 startete sie dann ihr Großprojekt: “Sandbeete”! Das Erste wurde 2019 vollendet und das zweite Sandbeet folgte 2020. Kaum hatte sie die bestellten Stauden für das letzte Beet abgeholt, kam der “Lockdown”. Damit konnte die Hanggärtnerin in aller Ruhe ihr Beet gestalten und bepflanzen.
Die wichtigste Leitpflanze in den Sandbeete ist offensichtlich Iris barbata, die Bartiris. Sehe ich gerade Kopfschütteln bei meinen Lesern? Hm, sorry, dann muss ich wohl gezwungenermaßen etwas botanisch werden. Gut, wer in seinem Leben nur eine einzige Bartiris kultiviert hat, der hat die nicht wirklich gute Erfahrung gemacht, dass ein Exemplar, egal welcher Sorte, sich maximal 14 Tage lang mit Blüten schmückt.
Dabei hält sich eine Einzelblüte gerade mal 2 bis 3 Tage. Das ist erst einmal kein erstrebenswertes Ergebnis, wenn man sich viele Iris in den Garten holen will. Aber was wäre, wenn die Blüte Ende März beginnt und bis weit in den Juni hinein andauert? Und…, abgesehen davon, mit remontierenden Sorten, die im September/Oktober noch ein weiteres Mal blühen, auch noch eine abgeschwächte Nachblüte hervorzaubert?
Iris barbata-nana ‘Ritz’ – Iris barbata-media ‘Vamp’ – Iris barbata-nana ‘Be Happy’
Das Geheimnis ist ganz einfach: Man nehme Pflanzen aus allen drei Bartiris-Gruppen und suche sich wieder aus jeder die schönsten Lieblings-Farben aus früh- und spätblühenden Exemplaren innerhalb der Gruppen aus. Das einzig Schwierige an den vielen wunderbaren Bartiris-Sorten ist die Qual der Wahl. Es gibt so viele Züchtungen in herrlichen Farben, dass man lange an einer perfekten Blühzeitplanung bastelt, dann aber mit einem irisierenden Regenbogen von Ende März – Ende Juni und noch einmal abgeschwächt im Spätsommer und Frühherbst rechnen kann.
Die Gruppen blühen folgendermaßen:
Iris barbata-nana, die Zwerg-Bartiris; die niedrigwachsende Iris ist die Erste und blüht am frühesten von Ende März bis Anfang Mai.
Iris barbata-media, die Mittelhohe Bartiris; folgt nahtlos im Mai und stellt das Bindeglied von den Zwerg-Iriden zu den Hohen Bartiris dar.
Iris barbata-elatior, die Hohe Bartiris, blüht von Mai bis Ende Juni. Remontierer blühen abgeschwächt noch einmal im Spätsommer/Frühherbst.
Der Blühstatus heute, am 30. April 2025, sieht während meiner Fotoaufnahmen so aus, dass noch einige späte Zwergiris und die ersten Mittelhohen Bartiris blühen.
Globularia punctata – Tulipa batalinii – Erodium ‘Almodovar’
Tatsächlich finden sich in den Sandbeeten, neben Barbaras Lieblingstaude Iris, weitere Favoriten wie Flockenblumen, Frühlings-Geophyten und verschiedene Disteln. Bei den Gehölzen gibt es keinen bevorzugten Baum oder Strauch. Barbara ist fasziniert von der Vielfalt, die sie im Zusammenspiel interessanter Rinden, unterschiedlicher Blätter, Blüten, Samenständen und Früchten und natürlich den verschiedenen Wuchsformen vorfindet.
Eine Sternmagnolie und drei Flieder waren neben den Obstbäumen schon im Garten, als Barbara einzog. Dazugekommen sind die Kornelkirsche, Zierquitte, 7-Söhne-des-Himmels-Strauch, Weißdorn, Kupfer-Felsenbirne, Blumenhartriegel, Perückenstrauch, eine weidenblättrige Birne, Feuerdorn, Amur-Ahorn und eine Eichblatthortensie.
Eine Stelle im Garten zieht mich immer wieder magisch an. Es ist Amelanchier lamarckii, die Kupfer-Felsenbirne, die bereits verblüht ist. Unter ihr hat inzwischen der Blütenflor von Anemone sylvestris, dem Großen Windröschen, begonnen. Viele Insekten freuen sich über die markanten, offenen Schalenblüten und der Große Wollschweber, Bombylius major, sitzt schon auf seiner höchstpersönlichen “Tankstelle”.
Für Reptilien ist Barbaras Garten perfekt. Trockenmauern und Totholzhaufen locken auch immer wieder Blindschleichen, Ringelnattern und Schlingnattern an. Nach Eidechsen hat sie allerdings lange vergebens Ausschau gehalten. Als kurze Zeit nach meinem Besuch in Wirmsthal eine Gartenfreundin zu Barbara kommt und von ihrer Eidechse erzählt, die ihr jede Gartensaison beim Garteln zusieht, da kommen Barbara das erste Mal Zweifel, ob es sein kann, dass es in Wirmsthal einfach keine Eidechsen gibt. Just in dem Moment läuft den Beiden eine Eidechse vor die Füße. Es gibt sie also doch und ich bin mir sicher, irgendwann wird auch eine bei Barbara fest einziehen.
Viele solche kleinen Begebenheiten und überhaupt der blühende Garten, bringen die sympathische Barbara oft zum Lachen. Das Video hat sie allerdings nicht in ihrem Garten gedreht, sondern ist dazu später zu ihrem geliebten Weinberg marschiert und erzählt, was sie alles auf dem Weg dorthin entdeckt hat. Macht also bitte gerne Euren Ton laut, klickt auf das Bild und schaut Euch an, wie naturverbunden Barbara ist. Vielen Dank, dass Du mir das Video zur Verfügung gestellt hast, liebe Barbara.
Es ist spät geworden und ich habe noch ein ganzes Stück Heimweg vor mir. Trotzdem setze ich mich ein letztes Mal auf einen der Stühle und lasse meinen Blick den Hanggarten hinunter bis zum Haus gleiten. Dann schaue ich noch einmal hinaus auf die sanften Hügel um den Garten herum, auf die Wiesen und Obstbäume und natürlich auch auf den Weinberg. Als letztes fixiere ich die Blattschwerter der vielen hohen Bart-Iriden. Vor meinem geistigen Auge taucht ein Blütenmeer in allen Regenbogenfarben auf. Schon bald wird das unbeschreibliche Farbspektakel beginnen, wenn die Hohen Bartiris ihren Blüh-Höhepunkt erreichen werden. Dann erheben sie sich stolz aus den Sandbeeten heraus, als wäre jede einzelne Irisblüte eine Blumenkönigin.
Der Garten scheint mich nicht loslassen zu wollen, denn kaum bin ich 10 m gefahren, lande ich in einer Sperre und fahre, entgegen dem Wunsch meines Navis geradeaus weiter. Erst vier Kreuzungen weiter kann ich abbiegen und lande auf der Hauptstraße, die erst kurz vor dem Ortsende wieder in den Ort hineinführt. Ach ja, klar, hinter mir sehe ich in der Parallelstraße ein Fuhrwerk mit einem langen glatten Baumstamm auf den Marktplatz zufahren. Morgen ist der 1. Mai und jetzt, wo der Maibaum die letzte Fahrt antritt, sind wohl viele froh, dass sich die Maibaumwachen gelohnt haben und der Baum morgen mit großem “Humptata” aufgestellt werden kann.
Dir liebe Barbara Albert vielen herzlichen Dank, dass ich Dich endlich persönlich kennenlernen konnte und Deinen Garten in Wurzerlsgarten vorstellen darf.
Sonnengarten Barbara Albert
Adresse: PLZ 97717 Wirmsthal, Sonnenleite 15
Kontakt: E-Mail-Adresse: albert-barbara@gmx.de
