Anfang Juli im Nepal Himalaya Park in Wiesent

Nepal-Himalaya-Park in Wiesent, der Buddha am Großen Teich.

Ankommen im Schaugarten Nepal Himalaya Park

Es war ein Zufall, dass ich bei einem Besuch in Regensburg einen Hinweis auf den Nepal Himalaya Park bekam. Sollte, oder sollte ich nicht? Was macht ein nepalesischer Tempel in einem ehemaligen oberpfälzischen Steinbruch bei Wiesent? Ich bin auf dem Weg zur Walhalla, die stolz über der Donau thront, komme spätmittags aus dem Gebäude heraus und sehe, dass es nur knapp 20 Minuten Fahrt bis Wiesent sind und der Park gerade erst öffnet. Also muss ich hin.

ACHTUNG: Es gibt so viele unterschiedliche Informationen, die für ein erstes Kennenlernen des Parks wichtig sind, dass ich zwar in der herkömmlichen Form meinen persönlichen Spaziergang durch den Park beschreibe, aber wer mehr zu allgemeinen Daten und Fakten lesen möchte, für den sind die Texte mit dem grünen Hintergrund gedacht. Entnommen habe ich die Informationen in den grün unterlegten Textkästchen der Website und der Broschüre des Parks. Ich werde den Park gegen Ende Mai erneut besuchen und danach nicht nur eine andere Vegetationszeit vorstellen, sondern auch neue Parkteile. Viel Spaß beim heutigen Juli-Spaziergang.

Voilà, eben stand ich noch neben der “Walhalla”, nun befinde ich mich am Fuß des Bayerischen Waldes, am Eingang des Nepal Himalaya Parks. Aufwendige, traditionelle Holzschnitzereien im nepalesischen Stil, aus dem dunklen Holz des Salbaumes, Shorea robusta gefertigt, verzieren das kleine Kassenhäuschen und den Eingang zum großen Park. Nach diesem Willkommensgruß tauche ich in die interessante und faszinierende Kultur und Botanik dieses besonderen Gartens ein.

Vor mir liegt der Weg, der in einem großen Bogen dafür sorgt, dass es nicht allzu steil bergab geht. Ich betrachte die Bepflanzung auf der Böschung links und achte nicht wirklich auf den Gehölzstreifen, der den abwärts gleitenden Hang rechts abschirmt. Doch schon nach wenigen Metern treten die Bäume erstmals zurück und geben die Sicht nach unten frei. Der große Teich und darüber hinweg ein grüner Schutzgürtel auf der anderen Teichseite, der das Wasser behütet, ziehen mich magisch an. Ich habe das Glück, dass sich die meisten Besucher in Schattenbereiche zurückgezogen haben, und genieße den ungestörten Blick auf diese heitere, dabei durchaus mystische Szenerie. In bescheidener Meditationshaltung wirkt der Buddha am gegenüberliegenden Ufer wie ein souveräner Freund auf mich. Ich erlebe einige berührende Momente, dann kommen neue Gäste vom Kassenbereich her auf mich zu.

Der Garten öffnet erst relativ spät, in der zweiten April-Hälfte, Mitte Oktober schließt er für den Publikumsverkehr. Das wirkt sich auch auf die Pflanzenauswahl aus. Gerade am eingangsnahen großen Hang sind für eine bessere Fernwirkung exquisite Gehölze mit hellen, oft weißen Blüten ausgesucht worden. x Chitalpa tashkentensis ‘Pink Dawn’, der Baum-Oleander, Calycanthus chinensis, der Chinesische Gewürzstrauch und Catalpa bignonioides, der Gewöhnliche Trompetenbaum flankieren, im Juli blühend, den Weg.

Der ältere Gartenteil mit Heidegarten, Großem Teich, Shangri La, Japangarten, Himalaya-Pflanzensammlung, Koi-Teich, Glocken aus Myanmar und der Nepal Pagode

Ich schlendere den Weg weiter abwärts und gehe, unten angekommen, am Uferweg des Teichs entlang, bis ich zur Abzweigung nach “Shangri La” und dem “Japangarten” komme. Während ich auf den Seitenweg zulaufe, staune ich über die Vielfalt der Gattungen, Arten und Sorten von Pflanzen, die ich hier auf jedem neuen Quadratmeter entdecke. Herr Grabner, der Chefgärtner sagt mir, es wären sicher immer weit über 5000 verschiedene Pflanzen, die aktuell im Park gedeihen. Dem Parkbesitzer Heribert Wirth, der diesen Garten ins Leben gerufen hat, ist eine hohe Pflanzenvielfalt sehr wichtig. Bemerkenswert finde ich die Ausführung der natürlich wirkenden, unterschiedlichen Lebensbereiche, die sich durch die starke Hanglage des ehemaligen Steinbruchs angeboten haben. Souverän umgesetzt, geben sie dem Park ein spezielles individuelles Flair. Dank den Pflanzenkenntnissen des Besitzers und seines Chefgärtners wird hier auf höchstem botanischem Niveau gegärtnert.

In den ältesten Teilen des Nepal-Himalaya-Parks finden sich unterschiedliche Lebensbereiche. Der Heidegarten, trockene Hänge, feuchte wiesenhafte Flächen, trockene und feuchte Schattenlagen, dazu zwei große Teiche. Diese Auswahl der verschiedenartigen Biotope ermöglicht es, zu dieser für einen Privatgarten unwahrscheinlich hohen Pflanzenvielfalt zu kommen. Das Klima ist, dank der Donaunähe, im Sommer kontinental heiß und trocken, im Winter dagegen meist schneereich und kalt.

Immer wieder ist unterschiedliche buddhistische Sakralkunst in den Pflanzungen präsent. Der kleine Stupa, typisch für den tibetischen Buddhismus, im unteren Bereich am großen Hang gelegen, interessiert mich sehr. Er ist eine verkleinerte Darstellung der großen, kuppelförmigen Monumente des Buddhismus. Der Aufbau des kleinen Stupas ist die quadratische Basis, mit einem kurzen, säulenartig aufgesetzten Körper, der oben in einer ringförmig angeordneten Kuppel und der abschließenden Spitze endet. In einer Stunde werde ich den großen Stupa des Nepal Himalaya Pavillons kennenlernen. Doch zuerst entdecke ich noch einen liegenden Buddha am Gehölzrand, der von einem Blütensaum umspielt wird.

Die ursprüngliche Bodenbeschaffenheit resultiert aus dem ehemaligen Steinbruch. Der Boden besteht hauptsächlich aus verwittertem Granit und ist leicht sauer. Mit gezielt durchgeführten Bodenverbesserungen wurden die Voraussetzungen für die speziellen Lebensräume geschaffen, um diese enorm große Pflanzenvielfalt erreichen zu können. Lehmige Erde und spezielle Mischungen, z.B. für die empfindlichen Himalaya-Pflanzen, ermöglichen es, die unterschiedlichen Bedürfnisse der Pflanzen, zumindest annähernd, zufriedenzustellen.

Es ist gar nicht so einfach, sich auf die raffinierten Pflanzenkombinationen zu konzentrieren, denn die wunderschönen Kunstexponate, die wie zufällig eingestreut sind, ziehen immer wieder den Blick auf sich. Eigentlich könnte man erwarten, dass in einem Park mit diesem Namen vor allem Pflanzen aus Südasien zu finden sind. Doch das greift zu kurz. Die Authentizität der Bepflanzung wird hier nicht geografisch definiert, sondern daran, ob die Arten in den dargestellten Lebensräumen des Nepal-Himalaya-Parks gedeihen. Deshalb setzt man bewusst auf eine Mischung aus asiatischen und mitteleuropäischen Pflanzen. Das reduziert Ausfälle und verringert den Pflegeaufwand.

Der Juli gilt im Park als blüharme Zeit. Wer kennt das nicht, die Frühblüher sind verschwunden, die Remontierer fangen an, sich erneut aufzubauen und die Hoch- und Spätsommer-Blüher brauchen noch einige Zeit, bis sie den Park mit ihrem Blütenmeer aufleuchten lassen. Langweilig ist es aber auch jetzt keineswegs. Immer wieder erfreuen sommerblühende Pflanzen das Auge und die Stauden sind so geschickt gewählt, dass allein die verschiedenen Blatt-Texturen und -Farben lebendige, ja spannende Bilder zeigen.

Lilium ‘Navona’ – der erhabene Buddha im Shangri La Tempel – Lilium ‘Rosella’s Dream’

Im südöstlichsten Teil des Parks spaziere ich schon seit geraumer Zeit durch die abwechslungsreiche Pflanzenwelt von “Shangri La”. Die Schattenflächen rund um den Gehölzsaum sind artenreich mit besonderen Stauden bepflanzt. Im Norden wird der Bereich durch ein Staudenbeet abgeschlossen. Auf einer großen Lichtung stehen drei kleine Tempel. Besonders ansprechend finde ich den “Shangri La Tempel”.

Die Verbindung der buddhistischen Kunstexponate mit den dazu passenden Pflanzungen entwickelten den Park immer weiter und machten ihn immer noch attraktiver. Bei so viel Harmonie zwischen diesen völlig unterschiedlichen Gestaltungselementen stellt sich die Frage: “Sucht ein neues Kunstobjekt den passenden botanischen Rahmen, oder soll eine gelungene Pflanzung noch mit einem kulturellen Exponat herausgehoben werden?” Vielleicht stimmen einfach beide Möglichkeiten.

Der meditative Japangarten im Nepal Himalaya Park

Nachdem ich “Shangri La” einmal umrundet habe, gehe ich nun weiter in Richtung des “Nepal Himalaya Pavillons” und betrete den Japangarten. Dieser authentische Gartenteil gefällt mir sehr gut. Der Weg führt an einer makellosen, kurz geschnittenen Rasenfläche vorbei und leitet mich an den Rand einer der legendären “Inseln der Glückseligen”. Ich sehe die Insel im japanischen Meditationsgarten als “Schildkröteninsel” an. Die sattgrüne Kiefer ist wie ein Großbonsai gezogen und zieht meinen Blick über den blühenden niedrigen gelben Sedum- und altrosa Thymian-Teppich hinweg, magisch an. Der abschließende Gehölzsaum gegenüber nimmt den ruhigen Grünton der Kiefer wieder auf.

Der Park trägt den Beinamen “Garten der Glückseligkeit”. So ist diese Erweiterung des nepalesischen Parkthemas mit ostasiatischer Gartenkultur und Elementen des Zen naheliegend. Die weiße Sandfläche des ‘Karesansui’ genannten Steingartens, wird meditativ zu Wellenmustern geharkt, um das Element des fließenden Wassers zu symbolisieren. Im Sand sind wenige Steine platziert, deren Form auf die mythologischen Inseln hinweist, die in der Philosophie des Fernen Ostens als Orte der “Unsterblichkeit und des ewigen Friedens” angesehen werden. Die Steinformen werden oft flach gewählt, was einen Schildkrötenpanzer (Schildkröteninsel) symbolisiert oder steil aufrecht, was entweder einen Berg verkörpert oder einen aufrecht stehenden Kranich (Kranichinsel) zeigt. Mehrere Steine stellen eventuell die Insel “Horai” dar, die ein mythologischer Ort für ewige Jugend und Unsterblichkeit ist.

Bletilla striata, Japanorchidee – Trittsteinweg durch den Koiteich – Trollius sinensis, Chinesische Trollblume vor Schachtelhalm

Auch den Japangarten kann ich umrunden und so den ‘Karesansui’ aus vielen Perspektiven bewundern. Aber der Weg scheint am Koi-Teich zu enden? Es dauert eine kleine Weile, bis ich begreife, dass ich eingeladen bin, über den Trittpflasterweg, quasi direkt über das Wasser weiterzugehen. Ob die Kois darauf warten, dass ich mich blamiere und ein unfreiwilliges Bad nehme? Ich könnte den Weg wieder zurückgehen und an der Grenze zu “Shangri La” auf den Parallelweg wechseln. Aber gut, ich nehme meinen Mut zusammen und überquere vorsichtig den Weg durch den Koi-Teich.

Der Teich im Japangarten ist speziell für die Haltung der farbenprächtigen Kois konzipiert worden. Sie sind sehr anspruchsvoll und benötigen sauerstoffreiches, sauberes Wasser. Ursprünglich wurden einfarbige Karpfen schon seit fast 2000 Jahren in japanischen Reisfeldern als Winternahrung gezüchtet. Anfang des 19. Jahrhunderts entdeckten Bauern in der Region Yamakoshi zufällige Farbänderungen bei ihren Karpfen in Form weißer oder roter Flecken. Seit 1870 begannen dann japanische Adlige Fische mit Farbmutationen gezielt zu züchten und als Statussymbole zu halten. Nach der Taisho-Ausstellung 1915 in Tokio begannen sich die Kois, auch Brokatkarpfen genannt, langsam weltweit zu verbreiten.

Lilium regale – abwechslungsreiche Wegbepflanzung– Arisaema candidissimum

Hinter dem Japangarten wird das Gelände wieder etwas bewegter. Der Weg führt mich zur Himalaya-Pflanzen-Sammlung des Parks, die an einem Hang mit einer umfangreichen Azaleensammlung endet. Was für ein spannender Gartenteil, ich bin überwältigt. Hier fasse ich den Entschluss, dass ich unbedingt Ende Mai wiederkommen muss. Natürlich sehe ich fantastische Blüten, wie einige unterschiedliche Feuerkolben-Arten (Arisaema) und die beeindruckenden Riesenexemplare von Cardiocrinum giganteum, der Himalaya Riesenlilie. Aber die Wildrhododendren sind genauso verblüht wie Mannsschild oder die berühmten Scheinmohnarten der sino-himalayischen Region.

Für den Parkgründer Heribert Wirth, der sich viel Pflanzenwissen angelesen und Reisen in die Landschaften der entsprechenden asiatischen Länder gemacht hat, ist eine große Pflanzenvielfalt ein Bedürfnis. So begann er schon früh damit, Pflanzen aus der sino-himalayischen Region zu sammeln, die als eine der artenreichsten Gebirgsregionen der Welt gilt. Dieses phytogeographische Florengebiet ist als Biotop selbst für einen so erfahrenen Gärtner wie Olaf Grabner schwer nachzustellen. Viele Pflanzen von dort brauchen zum Gedeihen ein kühles luftfeuchtes Klima, manche auch eine bestimmte Höhenlage zum Gedeihen. Dazu kommt die Anzahl der Endemiten innerhalb dieser vielfältigen Flora, so dass auch das Beschaffen von Samen neuer Arten ein Problem ist. Hier in der Sammlung der Himalaya Pflanzen spielen Herkunft und Wildarten eine besondere Rolle. Ein Hochgebirge kann in Wiesent nicht simuliert werden, aber mit speziellen Bodenmischungen, großen Steinen, Wasserläufen, Beschattungen und Sprühnebeln wird alles getan, um die kostbaren exotischen Wildarten, die Herrn Wirth besonders am Herzen liegen, nicht zu verlieren.

Ich habe den Anstieg fast überwunden und stehe vor den Glocken aus Myanmar. Sie sind symbolische Botschafter im Park und stehen wie der Pavillon für “Frieden, Harmonie und Toleranz”. Der Park selbst versteht sich nicht als religiöse Stätte, sondern als Ort der Begegnung und des kulturellen Austauschs. Nach wenigen weiteren Metern öffnet sich der Gehölzvorhang und gibt den Blick frei auf den Nepal Himalaya Pavillon. Ich bin sprachlos.

Tatsächlich liegt der Ursprung des Nepal Himalaya Parks in Wiesent in Hannover! Dort wurde seinerzeit der nepalesische Pavillon auf der “EXPO 2000” aufgebaut. 800 Handwerkerfamilien arbeiteten drei Jahre lang an den traditionellen Kunstwerken dieses Gebäudes. 450 Tonnen Salholz, das schwerer und härter ist als Teakholz, wurden dafür verarbeitet. Als dem auf der Expo vielbeachteten Pavillon nach dem Schließen der Tore der Abriss drohte, erwarb ihn dankenswerterweise der Unternehmer Heribert Wirth.

Ich war noch nie in Nepal und werde wohl in diesem Leben dieses Land auch nicht mehr besuchen. Aber ich kenne die Qualitätsunterschiede der Kultur des Fernen Ostens durch mehrere Chinareisen ganz gut und kann beurteilen, was für ein exzellentes, gesammeltes Kulturgut sich hier im Park befindet. Zu meiner Überraschung besteht der nepalesische Pavillon aus zwei unterschiedlichen Elementen, die so auch schon auf der EXPO 2000 in Hannover aufgebaut waren. Die weiße durchgeschnittene Halbkugel mit der typischen, oben aufgesetzten Stupa-Spitze steht für den buddhistischen Glauben. Der Stupa verbindet sich in harmonischer Weise mit einem hinduistischen Tempel. Dem Architekten Amrit Shakya ist damit eine Verbindung der beiden religiösen Symbole in diesem Bauwerk gelungen, das Frieden und Toleranz ausstrahlt. Zahlreiche Handschnitzereien werten den Pavillon zusätzlich auf. Die Bezeichnung “Pavillon” finde ich gut gewählt, da der Tempel keine aktive religiöse Stätte darstellt, sondern eine interkulturelle und religionsübergreifende Aufgabe hat.

Der Tempel wurde zerlegt und in 14 Containern zum Hafen von Regensburg transportiert. Rund 30 Spezialisten aus Nepal bauten den Tempel dann in Wiesent originalgetreu wieder auf. Seit der feierlichen Neueröffnung im Juli 2003 bildet der Pavillon das Herzstück des Nepal-Himalaya-Parks.

Der neue Parkbereich seit 2015, Kräutergarten, Steinbrücke, chinesischer Teepavillon, chinesisches Ehrentor, Steppenhang und das Thema “Brücken verbinden”.

Nach dem Genuss eines landestypischen Tees, den ich mir im Teehaus hole, betrete ich jetzt den chinesischen Parkteil, der 2012 eröffnet wurde. Er bildet einen in sich geschlossenen Kreislauf, auf teilweise abschüssigem Gelände. Integriert sind im vorderen Teil ein Kräutergarten, der hintere Steilhang ist als Steppenpflanzung angelegt worden, in dem sich auch ein Teil unterschiedlicher Übergänge zum Thema “Brücken verbinden” befindet.

Die “kulturellen Zutaten”, die ich hier vorfinde, sind mir von China her vertraut. Schmale Steinstelen entpuppen sich als ehemalige Pferdehalter-Stellen. Der Weg geht bergab und aus kurzer Entfernung erhasche ich einen ersten Blick auf die Drachenmauer und das zentral platzierte dunkelrot gestrichene chinesische Tor. Ein Ort, der das Glück festhält mit der Farbe Rot, aber auch mit den Drachen und Löwen. Stärke, Macht und Glück beinhalten die Symbole, die zu diesem südchinesischen Ehrentor gehören. Sehr besonders und archaisch wirken die sechs chinesischen Glocken auf mich. Es sind Nachbildungen aus dem Glockenmuseum im Dazhong-Tempel von Peking. Dort befindet sich eine der wichtigsten Sammlungen von historischen, chinesischen Glocken.

Die sieben hier befindlichen Glocken sind in Dalian angefertigt worden, vier davon sind Nachbildungen der ältesten Glocken der Welt. Die Glocke der Qing-Dynastie in Schirmform trägt buddhistische Glückszeichen. Eine weitere aus der Tang-Dynastie wurde auf Wunsch des 5. Kaisers angefertigt. Die Glocke aus der Ming-Dynastie ist mit Sutren (Lehrversen) der 35 Buddhas beschriftet. Die Muster der nächsten Glocke, sie ist die erste buddhistische Glocke der chinesischen Geschichte, stellen eine Mönchskutte dar. Die Glocke des Friedens wünscht allen Menschen Frieden, Toleranz und Freiheit. Der ältesten Palastglocke nachgebildet ist die Glocke von Qingongbo. Die Letzte, die Olympiaglocke von Beijing 2008 trägt die Inschrift “one world one dream” und “Om mani padme hum”.

Über die steinerne Brücke erreiche ich den chinesischen Pavillon, der wie das südchinesische Ehrentor ein Nachbau ist. Von seinem leicht erhöhten Standort aus betrachte ich den natürlich angelegten Teich mit einem kleinen Wasserfall im Hintergrund. Dann orientiere ich mich kurz anhand meines praktischen Wegeplans, wie ich zum Kräutergarten, dem Wasserbüffel und weiter zur Baumstammbrücke komme.

Die lebensgroß dargestellte Skulptur des “Wasserbüffels” ist ein typisches Element für Anlagen, die im Stil der Gärten von Suzhou angelegt sind. In den Randbereichen finden sich der Duft- und Kräutergarten mit einem großen, teilweise selten gezeigten Sortiment an Duft-, Heil- und Kräuterpflanzen. Auch ein eher naturnah belassener Gartenteil befindet sich hier. Heimische Waldpflanzen dürfen hier verwildern, um einen Eindruck davon zu geben, wie mitteleuropäische Wälder aussehen könnten! In zwei kleineren Teilen des Waldgartens gibt es japanische und amerikanische Vegetation zu sehen.

Im Kräutergarten und Biotopen, wie dem Kleintümpel am Weg, begegnen mir Stauden, die nicht häufig in Gärten zu finden sind. Campanula punctata ‘Pink Octopus’, mit den interessanten, etwas bizarren Blüten finde ich sehr schön. Aber genauso begeistert bin ich, als die Bäume zurücktreten und ich plötzlich am Fuß des Steilhangs stehe. Auch hier entdecke ich eine Glockenblume, allerdings ragt sie zartlila blühend hoch gewachsen auf und betrachtet mit ihren Blütenbüscheln den gelben Sedum-Teppich zu ihren Füßen. Im Vordergrund stiehlt sich eine Berkheya (purpurea?) ins Bild und nimmt die Campanula-Farbe wieder auf.

Im unteren Teil des Parks wurde ein Steppengarten angelegt, der ohne künstliche Bewässerung auskommt. Hier werden gezielt Pflanzen gesetzt, die mit extrem wenig Wasser und den kargen Bedingungen zurechtkommen.

Ich liebe die Dynamik und Veränderung des Steppenhangs und bin dankbar, dass der Chefgärtner Olaf Grabner sich so sehr der Betonung von Pflanzenästhetik verpflichtet fühlt. Das schenkt jedem Besucher, also auch mir, immer neue Gartenbilder. In so einer Situation bemühe ich zum besseren Verständnis immer zwei bedeutende südenglische Gärten. Sissinghurst, seinerzeit von Vita Sackville-West geplant und angelegt, wurde auch nach ihrem Tod, bis vor wenigen Jahren, vom ‘National Trust’ streng nach ihren Pflanzplänen, wie zu ihren Lebzeiten, gepflegt. Da gab es nie eine Überraschung. Sogar die Annuellen und Kübelpflanzen waren immer die Gleichen und am selben Platz. Nach zwei Besuchen empfand ich Sissinghurst nicht mehr als interessanten Garten, sondern eher als lebendes Garten-Museum. Great Dixter dagegen, von Christopher Lloyd gestaltet ist das genaue Gegenteil. Der Head Gardener, Fergus Garrett, gewöhnte sich schnell daran, dass nichts in Stein gemeißelt war und es außer der Dackelrasse bei Lloyd keine verhandelbare Konstante im Garten gab. Einige Gartenteile wurden bewusst jährlich neugestaltet und genau das macht der Chefgärtner Garrett noch heute, nach dem Tod von Christopher Lloyd. Schön, dass es mit Olaf Grabner in Wiesent auch so einen wandelbaren Gärtner gibt, der sich um Pflanzenschönheit bemüht, die er, wo möglich, immer weiter optimiert und sich nicht einfach als Flächen-Begrüner betrachtet, was ihm bei der insgesamten Parkgröße eigentlich niemand übelnehmen könnte.

Der Chefgärtner Olaf Grabner arbeitet sich mit seinen drei Helfern nur dreimal im Jahr durch die große Fläche. Dabei sieht er sich in seiner These bestätigt, dass eine große Artenvielfalt keineswegs mehr Arbeit bedeutet als eine Bestückung mit wenigen großflächigen Pflanzen. Sein Ziel, eine dynamische, naturnahe Pflanzung zu schaffen, die sich innerhalb der natürlichen Sukzession verändert und sich damit jedes Vegetationsjahr in neuer Form präsentiert, ist erreicht. Statt langweiliger durchgestylter Beete, langweilig darum, weil so ein Garten keinerlei Überraschungen bietet, betritt man hier jedes Jahr zur gleichen Zeit einen, staudenmäßig gesehen, anderen Park. Was die Pflanzenvielfalt betrifft, ziehen Herr Wirth und Herr Grabner eindeutig am gleichen Strang.

Eine Gemeinsamkeit haben die Pflanzen im Steppengarten. Sie ertragen sowohl Hitze als auch große Trockenheit. Im Mai und Juni findet hier die Hauptblüte statt. Besonders gut gefallen mir die Eremurus, die unterschiedlichen Steppenkerzen, die mit ihrem besonderen Charakter die Fläche zu etwas besonderem machen. Viele Gräser und Halbsträucher verleihen dem Hang trotz seiner Größe eine verspielte, natürliche Leichtigkeit.

Brücken verbinden Gräben, überwinden Hindernisse und führen zusammen. Was für ein friedliches und tolerantes Zusammenleben unabdinglich ist, wird hier in diesem Teil mit hoher Gartenkunst versinnbildlicht. Die Gräben waren bereits in der Landschaft vorhanden. Es sind alte Hohlwege, entstanden vom steten Befahren der Fuhrwerke der hiesigen Bauern. Brücken unterschiedlichster Arten ließ Heribert Wirth hier aufstellen. Allen gemein ist die große Handwerkskunst, mit der die Bauwerke entstanden sind. Einmalig in Europa und von Chinesen in traditioneller Bauweise ihres Heimatlandes gefertigt, ist im hinteren Bereich eine gewebte Bogenbrücke zu finden. Von der UNESCO wurde diese Bautechnik in die Liste des “Immateriellen Kulturerbes” aufgenommen.

Es ist in einem so großen Hang nicht leicht, die Raffinesse der Pflanzkombinationen auszumachen. Darum genieße ich den Gesamtüberblick und kann mich kaum sattsehen. Wie gut, dass ich am Ende noch einmal in Ruhe die Wege entlanglaufe und mein Augenmerk direkt auf den Wegrand gerichtet ist. Denn am Gehölzrand, nahe des Weges finde ich die Feinheiten: Kombinationen mit unterschiedlichsten Blattfarben, völlig natürlich belassene Sichtachsen und mir unbekannte Stauden wie Clematis potaninii, die Anemonen-Waldrebe, deren leuchtend weiße Sternchen mit frischgrünen Blättern sich aus einem “Präsentierteller” von panaschierten Hostablättern herausheben, welche die gleiche Farbgebung haben, wie die Clematis. So etwas kann mich restlos begeistern und ich freue mich mit jedem Foto und jeder Zeile, die ich schreibe, noch mehr auf meinen neuerlichen Besuch im Nepal Himalaya Park.

Das Ziel des Gartens ist es, Besuchern Anregungen und Schönheit auf kultureller und botanischer Basis zu bieten. Der Versuch, in der eher rauen Oberpfalz, ungewöhnliche Stauden und Gehölze in möglichst naturnaher Zusammenstellung zu präsentieren, bleibt stets spannend. Eine wichtige Rolle im Konzept übernehmen nicht nur zahlreiche Wildstauden aus der ganzen Welt, sondern auch gute Züchtungen, die hier erprobt und propagiert werden. Das kleine Team, bestehend aus zwei Gärtnern und zwei tüchtigen Saisonkräften ist ständig herausgefordert. Vorbilder, mit vielen Arten zu gestalten, sind u. a. der Garten von Beth Chatto in Ostengland und Pflanzenverwendungen von Dr. Simon, Marktheidenfeld.

Der Weg zurück führt durch einen landschaftlich wunderbar natürlichen Gehölzgürtel im Randbereich des Großen Parks. Das Grüne Blätterdach der Bäume, die mit Efeu, Gräsern und Farnen malerisch umspielt werden, ein kleiner Stupa, eine Konstruktion mit Gebetsmühlen, das leise Plätschern eines Bächleins, das abwärts strebt und letztlich ein altes moosbewachsenes Wagenrad bringen mich langsam aus meiner Traumwelt zurück und begleiten mich gedanklich wohlwollend zum Parkplatz.

Auf meine Bitte an Olaf Grabner, mir doch noch etwas persönliches über den Park zu erzählen, kam folgende kleine Geschichte, die zeigt, dass sich die Gärtner des Parks besonders über echt interessierte Besucher freuen:

“Jedes Jahr im Herbst liegen einige der markanten Früchte des Osagedorns an einem kleinen Ganesha-Schrein. Die wenigsten Besucher kennen diese großen, ungewöhnlichen Früchte und sind erstaunt. Eines Tages fragte ein Besucher, ein älterer Herr, sehr interessiert nach diesen Früchten und ruhte nicht, bis er jemand fand, der ihm Auskunft geben konnte. Er hatte diese Früchte vor langer Zeit mal in der Steiermark gesehen, wo sie als Weihnachtsschmuck verwendet wurden. Seitdem hatte er sie nie wieder gesehen. Nun, dem Besucher konnte geholfen werden, ihm wurde ein kleiner, aber reichtragender Osagedorn, Maclura pomifera, im Park gezeigt – und da es immer erfreulich ist, wenn jemand wirkliches Interesse zeigt, bekam er sogar noch ein paar Früchte zum Mitnehmen.”

Ab dem 19. April 2026 ist der Nepal Himalaya Park wieder bis zum 11.Oktober 2026 für Besucher geöffnet.

Montag, Samstag, Sonntag und Feiertage: 13:00 bis 18:00 Uhr

Donnerstag und Freitag: Ebenfalls von 13:00 bis 18:00 Uhr geöffnet

NEPAL HIMALAYA PARK WIESENT

Adresse: PLZ 93109 Wiesent

Martiniplatte

Kontakt: Telefon 0049/9482959686

Email-Adresse: info@nepal-himalaya-park.de

Website: www.nepal-himalaya-pavillon.de

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