The Lost Gardens of Heligan, Cornwall

Rhododendronwald in Heligan in Cornwall

Ankommen in ‘The Lost Gardens of Heligan’ in Cornwall

Texte in Schwarz betreffen Allgemeines, sowie die Historie von Heligan, ich entnahm die inhaltlichen Informationen, die mir wichtig sind, mehreren unterschiedlichen Buch- und Zeitschriften-Textquellen und der sehr informativen Website Heligans.

Als der Erste Weltkrieg begann, versank Heligan in einen Dornröschenschlaf. 1990 mutierte das Areal zu Europas größtem Gartenrestaurierungsprojekt. Tim Smit, ein erfolgreicher Komponist und Musikunternehmer suchte mit zwei Bekannten in Cornwall nach einem Grundstück, das für die Zucht seltener Tierrassen geeignet war. 1990 stießen sie zufällig auf das verlassene Gelände nahe Mevagissey. Die alten Schutzwälle waren bei den heftigen Stürmen von 1987 und 1990 zusammengestürzt und hatten alles begraben und mitgerissen. Von den ursprünglichen 400 Hektar Grund sind heute 81 Hektar für Besucher wieder zugänglich. Es entstand ein Paradies für Kinder, Entdecker, Tierfreunde, Pflanzenliebhaber und hoffnungslose Gartenromantiker.

‘The Flora’s Green’, der nördliche Gartenbereich

Über 400 Jahre lang war das riesige Areal ausschließlich im Besitz der Familie Tremayne. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts steigerte sich die Attraktivität des Gartens kontinuierlich. Die Tremaynes interessierten sich mit wachsender Begeisterung für die Botanik und sammelten Pflanzen in großem Stil. Die Rhododendren rund um ‘Flora’s Green’ sind hauptsächlich aus Samen gezogen worden, die John Hooker, ein Pflanzenforscher, in den 1850er Jahren aus Indien und dem Himalaya-Gebiet mitgebracht hatte. Hooker verwendete dabei, vielleicht als erster Pflanzensammler, den berühmten Wardschen Kasten. Der Botaniker Ward entdeckte zufällig, dass Pflanzen in einem luftdicht verschlossenen Glasbehälter lange Zeit ohne zusätzliches Wasser überleben können. Seit dem 18. Jahrhundert wurden exotische Pflanzen aus Asien, Amerika und Australien in Europa eingeführt, wo sie als Statussymbole der Reichen fungierten. Vor der einfachen, revolutionierenden Idee mit dem Wardschen Kasten überlebte nur eine von 100 Pflanzen die weiten Seereisen. Wäre der Kasten früher erfunden worden, hätte es keine Meuterei auf der Bounty gegeben, als das Süßwasser knapp wurde und der Kapitän lieber die Brotbäume versorgen ließ, anstatt seiner Mannschaft das lebensnotwendige Trinkwasser zuzugestehen. Ich erinnere mich noch genau daran, wie berührt ich war, als ich vor Jahrzehnten im altehrwürdigen Londoner ‘Chelsea Physic Garden’ vor einem originalen Exemplar des historischen Wardschen Kastens stand.

Vom Küchengarten, ‘Kitchen Garden’ bis zum Blumengarten, ‘Flower Garden’

Der perfekt restaurierte Küchengarten gilt allgemein als das Herzstück des Anwesens. Die Ziegel- und Steinmauern wurden wiederhergestellt. Die Glashäuser und Frühbeete entstanden neu auf den Originalprofilen. Bei der Auswahl der Pflanzen wurden alte Sorten gewählt und damit auch deren Erhalt gefördert. Die Wände im Küchengarten wurden mit Spalierobstbäumen bepflanzt. Im Gemüsegarten und dem Melonenhof, ‘Melon Yard’, sind Pflanzen angebaut, die evtl. schon im Jahr 1910 hier existierten. Im 19. Jahrhundert arbeitete der Obergärtner mit 22 Leuten in den Nutzgärten und Feldern. Tatsächlich arbeiten die Gärtner heutzutage mit den gleichen Gartenmethoden, die schon im 19. Jahrhundert angewandt wurden. Das bedeutet im Umkehrschluss auch, mehr Personal als bei einer modern bewirtschafteten Anlage. Dabei ist es gar nicht so einfach, eine typische Kornische Schaufel richtig zu verwenden. Besonders kompliziert war es, hinter das Geheimnis des alten Ananaskerns, ‘The Pineapple Pit’ zu kommen und mit alten Sorten wiederzubeleben. Der Ananaskern wird dabei mit frisch verrottendem Pferdemist erhitzt. Seinerzeit war das sicher eine revolutionäre Anbaumethode für diese Exoten. Zur ersten Berührung mit dem ehemaligen Küchengarten und ‘The Pineapple Pit’ schreibt Tim Smit folgendes:

Heligan wirkte bei der Wiederentdeckung wie beim Erwachen aus einem Dornröschenschlaf, so als hätten die Gärtner ihre Arbeit nur unterbrochen, um sie baldmöglichst wieder aufzunehmen. Fakt ist, dass nicht nur sie, sondern auch viele weitere Landarbeiter und Gärtner der Region, 1914 über Nacht wegen des ausgebrochenen Ersten Weltkrieges als Soldaten eingezogen wurden. In der Thunderbox-Mauer wurden von Tim Smit die Namen derer entdeckt, die ihre Arbeit aus diesem Grund verlassen hatten und zum Großteil nie zurückgekehrt waren. Auf den Denkmälern aus dem Ersten Weltkrieg in den benachbarten Friedhöfen fanden sich die Namen vieler Heligan-Gärtner später wieder.

Ebenfalls im Jahr 1914, nach 400 Jahren Familiengeschichte der Tremaynes, starb der Gutsherr John Tremayne kinderlos und Heligan begann zu verfallen, dem Vergessen preisgegeben. Im Gegensatz zu vielen anderen Anwesen, die das Schicksal Heligans teilten und in denen das Leben in ähnlicher oder neuer Form ab 1918 weiterging, wurde dieses Anwesen damals nicht verkauft. Das geschah erst in den 1970er Jahren, da wurde das verkaufte Haus in Privatwohnungen umgewandelt. Die Gärten verschwanden weiter unter Brombeer- und Efeuranken. 1990 als John Willis und seine Schwester, als Nachkommen der Familie Tremayne das Grundstück (ohne Haus) erbten und sie nach dem Hurrikan, ebenfalls 1990 Tim Smit kennenlernten, wendete sich das Blatt grundlegend.

Als Tim Smit sich mit John Willis zum ersten Mal durch die Trümmer und das Dornengestrüpp in die Ruinen des Melonenhofes vorgearbeitet hatte, war ihm noch nicht bewusst, dass er hier an einer historischen Schlüsselstelle angelangt war, die nicht nur den Verfall von Heligan, sondern auch das Stagnieren, ja das völlige Aufgeben weiterer Landgüter, belegte.

Für das Wiederaufbauprojekt der Gärten Heligans waren die in Fragmenten vorhandenen und sicher rekonstruierbaren Teile des Küchengartens und Melonenhofes unerlässlich. Die Entscheidung, nicht nur alles möglichst 1 zu 1 zu rekonstruieren, sondern auch, vor allem im Herzstück, den ‘Produktive Gardens’, die alten Obst- und Gemüsesorten wiederzufinden und wie im viktorianischen Zeitalter Schnittblumen- Gemüse- und Obstgarten nach den alten traditionellen Anbaumethoden wiederzubeleben, drängte sich im Fall Heligans auf. Die Gärten werden wieder so bewirtschaftet, wie vor über 100 Jahren, als sie fast den Gesamtbedarf der Familie Tremayne deckten. Giftige Spritzmittel und ähnliche schädliche Vorgehensweisen von damals wurden durch behutsame naturschonende Methoden ersetzt. So entstand ein “lebendes Denkmal” für Heligans verlorene Gärtner.

Italienischer Garten, Blumengarten, Sonnenuhrengarten und der Bauernhof

Italian Garden

Der ‘Italian Garden’ im Westen vom ‘Melon Yard’ ist ein für die Familie Tremayne typischer Lustgarten. Sie schätzten Italien und legten darum diesen Gartenteil an. Inwieweit der “Italienische Garten” den letzten Tremayne-Eigentümer von Heligan, Jack Tremayne, beeinflusste, seinen Lebensabend in Italien zu verbringen, ist mir nicht bekannt. Er war jedenfalls geschockt, dass die meisten seiner Gärtner im Krieg gefallen waren und die Gärten von Heligan so vernachlässigt werden mussten, dass sie zuwuchsen. Daraufhin überließ er den Besitz vorläufig dem Militär.

Der Sonnenuhrengarten

Im Osten befinden sich die ‘Bee boles’. Das ist eine Nischenmauer mit traditionellen Bienenkörben darin, deren Vertiefungen nach Süden hin ausgerichtet sind. Die Honigbienen leben hier wie im Paradies. Fliegen sie nach Norden, sind sie im Gemüsegarten und beim Spalierobst, im Süden wartet der ‘Flowergarden’, ein ausgedehnter Schnittblumengarten, auf die Bienen.

Der Bauernhof

1989 rief der Zoodirektor von Newquay bei Tim Smit an und suchte nach einem Pflegeplatz für vietnamesische Hängebauchschweine. Die beiden blieben in Verbindung und gefielen sich immer mehr bei dem gemeinsamen Gedanken, einen Hof für seltene Nutztiere zu eröffnen. Als die Suche begann, lernten sie John Willis kennen. Auch John begeisterte sich für den Gedanken und meinte nach einer weitschweifenden Unterhaltung: “Ich würde Ihnen gerne etwas zeigen. Meine Schwester und ich haben vor kurzem Land geerbt.” Am 16. Februar 1990 war es dann so weit, dass Tim Smit und John Willis auf der Suche nach einem Bauernhof für seltene Rassen zum ersten Mal den völlig zugewucherten Garten Heligans betraten.

Inzwischen ist eine stattliche Anzahl einheimischer Viehrassen in Heligan beheimatet. Unter anderem helfen sie, die Graslandschaften durch eine regenerative Weide-Rotation schonend zu bewirtschaften. Die aktive Teilnahme am Erhaltungszuchtprogramm des “Rare Breeds Survival Trust” kommt dabei vielen seltenen Rassen zugute.

Der versunkene Weg, ‘Sunken Lane’ und das verlorene Tal, ‘Lost Valley’

Die alten Waldwege wurden ursprünglich vor mehr als 200 Jahren für die Familie Tremayne angelegt. Uralte Baumriesen behaupten sich neben einer lockeren Wiederaufforstung dort, wo der Wald Schaden genommen hatte. Wildblumen rahmen im Tal die Teiche ein und säumen das Bachufer. Wie der Bauernhof, wird auch der Wald nachhaltig bewirtschaftet. Es war kein leichtes Unterfangen, die alten Wege wiederzuentdecken und zu sichern und die Teiche wieder sichtbar zu machen. Jetzt liegt das Tal da, als hätte es nie einen Dornröschenschlaf gegeben und die Vegetation ist vor allem im Frühling atemberaubend.

Der Dschungelgarten und die Burmesische Brücke

Ende des 19. Jahrhunderts entstand der Dschungelgarten in diesem steilen Tal, das im oberen Bereich mehrere Teiche aufweist, die aufgereiht wie an einer Perlenschnur, bis in die Nähe der Burmesischen Brücke angeordnet sind. Fließendes Wasser springt im unteren Bereich über die Felsen und verliert sich dann im Wasserlauf des “Lost Valley”.

Die geschützte Lage im steilen Tal sorgt für ein etwa fünf Grad wärmeres Mikroklima als oben in den Northern Gardens und bietet den exotischen Pflanzen der viktorianischen Pflanzenjäger und späteren Pflanzensammlern ideale Voraussetzungen. Während im Blumengarten, in “Flora’s Green”, im Küchengarten, dem Italienischen Garten, Neuseeland, dem Sonnenuhrengarten und anderen nördlichen Bereichen sehr darauf geachtet wurde, auch mit Hilfe von Metalldetektoren, die alten Namensschilder aus Metall wiederzufinden, es gelang wohl fast 250-mal, so dass viele verlorene Gehölze und Stauden wieder neu gepflanzt werden konnten, arbeitet das Dschungelteam ganz anders. Ungebunden entwickeln sie den Dschungel genauso weiter, wie ihre Vorgänger und wenn sie Pflanzen finden, die ihr “Dschungelfeeling” bestärken, so dürfen sie hier einziehen.

Dank der “Freiheit”, welche die Gärtner von Heligan im Dschungelbereich haben, kamen auch die Wollemi-Kiefern, die erst 1994 in einer uralten Schlucht in Australien entdeckt worden waren, hierher. 2012 trafen sie ein und mit ihnen wurde entlang des “Gardener’s Walk”, den man am einfachsten erreicht, wenn man vom Ende der Hängebrücke aus, ein Stückchen gerade weitergeht, ein kleines Wäldchen gepflanzt. Nicht weit davon entfernt, am zweiten Teich, gedeiht das größte Exemplar einer immergrünen, Neuseeländischen Eibe auf britischem Boden.

Das pflanzliche Grundgerüst des Dschungels zeigt, bedingt durch die Wasserflächen, eine enorme Vielfalt, die bereits von Jack Tremayne so geplant und angelegt worden war. Dank der erhöhten Holzstege ergibt sich ein beeindruckendes Bild auf riesige Rhabarber-Gunnera-Bananen- und Gehölz-Pflanzungen, die an diesem geschützten, warmfeuchten Ort beste Bedingungen vorfinden. Palmenalleen bieten sich als vornehme Begleitung an. Die größte Baumfarnsammlung Großbritanniens findet hier ideale Bedingungen. Einst kamen sie als Ballast im Schiffsrumpf aus Australien an. Die ausgetrockneten Wurzelstümpfe wurden in den Fluss geworfen, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Sie überlebten nicht nur die lange Trockenzeit der Reise, sondern auch die Stürme und das verwaiste Existieren im Garten nach dem 1. Weltkrieg.

Von der ‘West Lawn’ über den ‘Woodland Walk’ zurück zum Ausgang

Im lichten Schatten der Bäume in der Nähe des Ausgangs finde ich eine symbolträchtige schlafende Lady.

Keinem anderen Garten wurde so viel Aufmerksamkeit bei der Wiederherstellung zuteil, wie Heligan. Die Ausstrahlung der Channel Four-Fernsehserie dokumentierte den Fortschritt der Renovierung genauso akribisch, wie das Buch von Tim Smit: “The Lost Gardens of Heligan”, das den ersten Platz der Sunday Times-Bestsellerliste erreichte. Am Dienstag habe ich Euch die Rezension zu diesem Buch zur Verfügung gestellt. Hier ist noch einmal der Link für Euch:

https://www.wurzerlsgarten.de/buecher-schatzkiste/buchrezension-lost-gardens-of-heligan-tim-smit/

Die Times urteilte über Heligan:

“The Garden Restoration of the Century” – “Die Gartenrestaurierung des Jahrhunderts”.

The Lost Gardens of Heligan

Adresse: Pentewan, St. Austell, Cornwall, PL26 6EN

Kontakt Tel:  +44(0)1726 845100 Mail: info@heligan.com

Website: www.heligan.com

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6 Kommentare

  • Ulrike sagt:

    Guten Morgen liebe Renate, ich fahre im April 26 mit meinem Englisch Kurs nach Cornwall. Dieser Garten steht tatsächlich mit im Reiseprogramm. Nach diesem tollen Beitrag freue ich mich jetzt sehr auf diesen Garten 😍
    liebe Grüße

    • Wurzerl sagt:

      Wow, das ist ja großartig, wir hatten ungewöhnlicherweise für GB eine nicht gartenaffine Reiseleitung. Darum habe ich zwar viele Details gespürt, aber kennengelernt habe ich sie erst hinterher, als ich mit dem Buch und dann weiter mit allem was ich in die Hand bekommen habe, recherchierte. Ich denke, das beste Erlebnis hat man mit guter Vorbereitung, den Northern Part würde ich auf jeden Fall zusammen mit der Gruppe machen und das verlorene Tal und den Dschungel alleine genossen zu haben, hat mir viel gegeben. Ich hoffe Ihr fahrt erst Ende April, da ist die Vegetation in Cornwall auf dem Höhepunkt und die vielen grünen, haushohen Rhododendrongebirge blühen Dir dann entgegen. Ich freu mich für Dich. LG Wurzerl

  • Jörg Diebel sagt:

    Vielen Dank für diese ausführliche Reisebeschreibung. Wir waren ja ziemlich genau eine Woche vor dir in Heligan, ich leider mit Krücken und konnte mir daher nicht alles anschauen.
    Schön, das alles jetzt noch einmal mit diesen ganzen Informationen zu lesen

    • Wurzerl sagt:

      Vielleicht gönnst Du Dir irgendwann mal zur Hauptblüte der haushohen Rhododendren einen weiteren Besuch da. Ich möchte auf jeden Fall noch einmal hin und dann gezielt, die Ecken besuchen, die ich das erste Mal zeitlich nicht geschafft habe, aber gerne möchte ich auch mal ein Stück das verlorene Tal entlanglaufen. LG Wurzerl

  • Susanna sagt:

    Vielen Dank für diese Vorstellung der Gärten durch deine Augen gesehen, liebe Renate. Bilder von dort machen immer wieder neugierig und sie stehen schon lange auf der Liste meiner Wunschziele.
    Viele Grüße und frohe Weihnachten
    Susanna

  • Hallo Renate,
    hihi, ich habe “Zucht seltener Terrassen” gelesen… Braucht ja auch Patz. 😉
    Wir haben in Bielefeld auch so einen lost garden, aber die Villa, die zerbombt wurde, ist nicht wieder aufgebaut worden, deshalb wird das Ambiente nie so sein wie damals, aber der Garten ist wieder da.
    VG
    Elke

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