Zwerg-Iris, Juwelen im Spätwinter-Steingarten.

Iris reticulata in Wurzerlsgarten
Iris reticulata

Gemessen an der 263 Spezies umfassenden Gattung Iris gehen die Netziris,  Syn. Iridodictyum, mit 11 Arten beinahe unter – wären sie nicht so zart, wunderschön und früh blühend. Aus diesen drei Gründen kann man sie auch kaum mit den kurz darauf blühenden frühen, niedrig bleibenden Bart-Iris verwechseln, denn diese tragen schon ganz schön mächtige Blüten für ihre Größe. Die mittleren und hohen Bart-Iriden dagegen blühen dann auch erst ab Mai und Juni.

Iris histroides ‘Frank Elder’, sogar nach dem ersten Hagel 2021 standen diese zarten Netziris-Blüten noch nahezu unversehrt im Steingarten-Beet.

Die für unsere Gärten wichtigsten Netz-Schwertlilien, auch Zwergiris  genannt, dürften neben Iris reticulata und histrioides noch I. danfordiae, I. hyrcana und winogradowii sein. Allen gemeinsam ist die netzartige Haut, die die kleinen Zwiebeln umgibt.

Iris histroides ‘Halkis’ und ‘George’

Einige Arten dieser Zwergiris fand ich vor Jahren im Taurus-Gebirge der Türkei, nämlich I.reticulata und I. histrioides. Am Naturstandort habe ich gelernt, was ich in meinem Garten bis dahin falsch gemacht habe. Denn ich liebte diese Zwerge schon lange, verlor sie aber immer wieder bereits nach dem ersten Vegetations-Jahr. Da in meinen Beeten lehmhaltiger schwerer, winternasser Boden vorherrscht, habe ich nach meiner Taurus-Exkursion die Netziris-Zwiebeln dann nur noch in den Steingarten gepflanzt, wo sie sich endlich etwas dauerhafter etablieren konnten.

Iris histrioides x winogradowii ‘Katherine Hodgkin’, Orchideeniris

So kann ich Euch heute meine persönlichen Vorfrühlings-Lieblinge vorstellen. Sie sind für mich immer das erste Highlight im Steingarten-Vegetations-Jahr. Neben einigen botanischen Krokussen und Cyclamen coum, die sich, wohl mit Ameisenhilfe, dahin verlaufen haben, sind die kleinen Iris-Schätze meine Vorfrühlings-Juwelen. Oft schon Ende Februar, aber ganz sicher Anfang März sind sie für leider nur kurze Zeit präsent. Auch wenn die Stückzahlen in keinerlei Verhältnis zur Elfenkrokus-Wiese stehen, so sind sie als Blickfang trotzdem eine ernstzunehmende Konkurrenz für die Elfen.

Iris reticulata ‘Eye Catcher’ – Iris reticulata ‘Eye catcher’ und Iris reticulata ‘Spot On’ – Iris reticulata ‘Spot On’

Meine Zwerg-Iris-Sorten gehören zu den Arten reticulata, histrioides und histrioides x winogradowii .

Wie schon erwähnt, kann man sie leicht von den Zwergen der Iris-Barbata-Gruppe unterscheiden, welche etwas später blühen und die ja richtige Rhizome besitzen, die man auch gar nicht ganz unter die Erde setzen darf, da sie genauso Nässe empfindlich sind, wie die hier gezeigten Verwandten, die ja mit ihren kleinen Netz-Zwiebeln unter der Erde stecken.

Iris reticulata ‘Gordon’ – Iris reticulata ‘Clairette’ – Iris reticulata ‘Harmony’

Die Netz-Iris macht sich zwar auch sehr gut in Schalen, die man dann bitte mit wasserdurchlässigem Substrat und Wasser-Abzugsloch versehen muss, dass sie nicht faulen, aber ich persönlich habe sie lieber im Beet. Denn die Freude an diesen wunderhübschen, zarten Blüten ist so begrenzt, dass ich es als zu aufwendig betrachte, sie aus Dekorations-Gründen in Gefäße zu setzen. Selbst wenn man frühe und späte Arten mischt, ist das kleine Steingarten-Wunder nach 3 Wochen vorbei. Das wiederum garantiert ihnen die volle Aufmerksamkeit, sobald die Blühzeit dann endlich beginnt.

Eigentlich war dieser Post schon vor einer Woche fertig. Da blühten kurz hintereinander noch Iris reticulata ‘Pauline’ und lris histrioides major x I. winogradowii ‘Katherines Gold’ auf, streckten mir ihre koketten Zungen heraus und meinten, ohne uns geht das aber nicht! Sie haben recht, ohne diese Beiden wäre meine Aufzählung unvollständig.

Habt Ihr momentan auch kleine Iris-Juwelen im Garten? Wenn ja, welche? Und wie kultiviert Ihr Eure Iris-Schätze?

Iris pumila subsp. attica (Boiss. & Heldr.) K.Richt., im April, am Naturstandort im Taurusgebirge, Türkei fotografiert und eine Iris barbata Hybride, eine im April in meinem Steingarten blühende Zwerg-Bartiris – beide können nicht mit den Netziris verwechselt werden.

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13 Kommentare

  • Christa Schroth sagt:

    Schöne Schätzchen. Bin gespannt ob sie sich bei mir wieder zeigen.

  • Sven sagt:

    Hallo Renate,

    leider habe ich fast keine dieser Schönheiten in meinem Garten. Ich habe lehmige, schwere Böden und für einen Steingarten keinen Platz mehr. Ich müsste die Häuser drum herum sprengen, damit mein Garten erweitert werden könnte. Aber ich fürchte, meine Nachbarn hätten etwas dagegen. So ist das in der Stadt… 😉

    Trotzdem haben sich dieses Jahr wieder zwei Tuffs im Senkgarten blicken lassen, die ich letztes Jahr vom Topf in das Beet gesetzt habe. Vielleicht bleiben sie ja und blühen wieder.

    Für den Fall, dass nicht, kann ich wieder in Deinem schönen Beitrag schwelgen. Dort blühen sie jetzt Jahr ein, Jahr aus. Wunderbar!

    Liebe Grüße,

    Sven.

    • Das Wurzerl sagt:

      Wenn Dir die Arbeit nicht zuviel ist, dann kannst Du sie auch eigentlich sicher in einem sandig, kiesigen, wasserdurchlässigen Gemisch im Topf lassen und immer wieder nach dem Winter in Deine erste schöne Vorfrühlings-Dekoration mit einbringen. Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende lieber Sven. LG Wurzerl

  • Liebe Renate
    vielen Dank für deinen wunderbaren Bericht zum Frühstück. Ich habe noch die Iris x barbata-nana ‘Cats Ey , sie blüht ebenfalls im Frühling, allerdings etwas später.Eigentlich hat man ja nie genug Irise, hast du eine gute Bezugsquelle? LG aus dem Norden

    • Das Wurzerl sagt:

      Ja liebe Erna, das habe ich unbedingt. Sowohl Iris barbata in allen Höhen, als auch alle anderen von kleinen Steingarten-Netziris bis zu großen japanischen Juwelen für den Sumpf bestelle ich ausschließlich bei der Versandgärtnerei Albrecht Hoch in Berlin. Alle Pflanzen sind bisher immer in wunderbarer Qualität angekommen. Es gibt eigene Kataloge für die Frühlingsgeophyten und Begleitstauden, für Paeonien, Hemerocallis und Lilien und natürlich für besondere Stauden, die man nicht immer bekommt. Ich wünsche Dir ein gutes Wochenende. LG Wurzerl

  • Edith sagt:

    Liebe Renate,
    die sehen aber wirklich hübsch aus und durch das frühe Blühen richtige “Herzerquiker”. Noch habe ich hier im neuen Garten keine, sie stehen aber schon auf der Liste. Dass es so eine Anzahl an Arten gibt, lässt mich staunen.
    Liebe Frühlingsgrüße
    Edith

  • Susanna sagt:

    Liebe Renate,
    deine Iris sind ganz zauberhaft! Ich habe bisher nur Iris reticulata, aber wenn ich deine Schätze sehe, könnten bei mir gern noch weitere einziehen. In unserem Garten sind die Netzblatt-Iris schon verblüht, dafür sind jetzt die Narzissen am Start. Ich wünsche dir ein schönes Wochenende, liebe Grüße,
    Susanna

    • Das Wurzerl sagt:

      Ich bin jetzt doch froh, dass Du mich überredet hast, den Post doch noch 2022 zu zeigen. So kannst Du Dir vielleicht im Herbst gleich noch ein paar Juwelen dazukaufen. Hab ein schönes Wochenende liebe Susanna. LG Wurzerl

  • Sabine Pecoraro-Schneider sagt:

    Oh, wie schön!! Wir haben nicht so viele, aber sie schmücken bestimmte Beete. Ach, es ist richtig schön jetzt, täglich Neues zu entdecken!

    • Das Wurzerl sagt:

      Genau, das finde ich auch, ab Mitte März geht es wirklich täglich Schlag auf Schlag. Ich liebe es. Wünsche Euch ein schönes WoE, lg Wurzerl

  • Inmitten des Hagels sieht die weiße Iris jetzt ganz passend und gespenstig aus, es passt hervorragend, nur gut, dass sie keinen Schaden genommen hat.
    VG
    Elke