Papaveraceae – im Reich des verführerischen Mohn!

Seidenmohn, Papaver rhoeas

“Mohn”, was für ein Zauberwort! Egal, ob wir in einer Blumenwiese die fröhlichen, orangegelben Schlafmützchen (Eschscholzia) herausleuchten sehen, ob wir plötzlich am Rande einer Rhododendronpflanzung vor einem blauen Meer aus herrlichem Scheinmohn (Meconopsis) stehen, oder uns ein knallroter Blütenklecks des Klatschmohns (Papaver) am Feldrain verführerisch anlacht, jedes dieser Bilder macht etwas mit uns. Jede einzelne Mohnblüte vermag uns zu faszinieren.

“Mohn”, ausgerechnet jetzt im September? Ja, warum nicht, Mohn geht doch immer! Als dieses Jahr der erste Staudenmohn (Papaver orientale) aufblühte, da begannen unsere Gärten zu strahlen und uns in ihrer verlockenden Buntheit anzulachen, die schelmischen Schlafmützchen und der leuchtend rote Klatschmohn leisteten ihm bald Gesellschaft. Da ahnten wir Alle noch nicht, was uns für ein schwieriger, zu heißer und zu trockener Garten-Sommer bevorsteht. Darum stelle ich Euch heute wichtige Vertreter der Familie der Papaveraceaen, Mohngewächse vor, in der Hoffnung, dass sie uns im nächsten Frühjahr und Sommer mit ihrer unkomplizierten Fröhlichkeit begleiten werden.

Stachelmohn (Argemone), Tulpenmohn (Hunnemannia) und Schlafmützchen (Eschscholzia)

 Argemone mexicana  – Argemone grandiflora, großblütiger Stachelmohn – Hunnemannia fumariifolia, Mexikanischer Tulpenmohn

Argemone klingt sicher netter als Stachelmohn, den Trivialnamen hat dieser weit gereiste Mohn, der in ungefähr 32 Arten in der Neuen Welt verbreitet ist, eine davon sogar in Hawai, von seinen stacheligen, aber attraktiven Blättern die ihn vor Fressfeinden und Trockenheit schützen. Eine für uns wichtige Art ist Argemone mexicana, aber es ist auch möglich zumindest Samen von A. polyanthemos oder A. platyceras zu kaufen. Wer eine Möglichkeit der frostfreien Überwinterung hat, der kann den Stachelmohn mehrjährig halten, oder versuchen, eigene Samen ziehen. Ich empfehle bei annuellem Mohn keine adulten Pflanzen, sondern Samen zu kaufen. Argemonen sind gut geeignet für sonnige Sand- und Kies-Beete, oder größere Steingärten, die nicht den typischen alpinen Charakter haben. In Gruppen mit südafrikanischen Geophyten und winterharten Kakteen ergibt sich schnell ein exotisch besonderes Bild. Generell ziehe ich keine Papaveraceaen vor, sondern säe sie direkt in die Beete. Pfahlwurzler wollen sich in Ruhe nach unten schieben und gerade mit der vermehrten Trockenheit in unseren Gärten, die gut etablierter Mohn in der Regel verträgt, ist es wichtig, dass das ohne pikieren und späterem Auspflanzen geschehen kann (Ausnahme: mehrjähriger Staudenmohn). 

Die  monotypische Gattung Hunnemannia besteht aus lediglich einer Einzelart, nämlich Hunnemannia fumariifolia. Ursprünglich im Hochland von Mexiko beheimatet, macht der mexikanische Tulpenmohn auch in unseren Gärten eine gute Figur. Er gedeiht in jedem normalen Gartenboden ohne Staunässe, der gut wasserdurchlässig ist. Ursprünglich war er der Gattung Eschscholzia zugeordnet, hat auch einen sehr ähnlichen Lebenszyklus und darum lest bitte einfach den Rest, der Euch zum Tulpenmohn interessiert im nächsten Abschnitt über die Schlafmützchen nach.

Eschscholzia californica ‘Alba’ – gelbe Eschscholzia californica subsp. mexicana – orange Eschscholzia californica subsp. mexicana

Während wahrscheinlich die wenigsten von Euch mit den zuerst beschriebenen Gattungen und Arten bereits in Berührung kamen, erreichen wir doch hoffentlich jetzt bekannteres Terrain – Schlafmützchen – habt Ihr sie auch im Garten?

Bereits im Jahre 1820 wurde die Gattung Eschscholzia erstmals in einer Berliner Fachzeitung vorgestellt. Den Trivialnamen Schlafmützchen finde ich total gelungen. Nicht nur, dass die Knospen von einer schmalen “Mütze” beschützt werden, bis sich die Blüten öffnen. Sobald der Himmel dunkel wird, oder die Nacht hereinbricht, schließen sich die Blüten erneut, um geschützt in einen neuen Tag starten zu können. Für uns ist die wichtigste Art der Kalifornische Goldmohn, Eschscholzia californica. Er kommt aus dem Westen der USA und dem Nordwesten Mexikos und bevorzugt offenes Grasland, Wüsten und steinige, oder felsige Steppen. Das zeigt schon, dass auch diese Mohngattung unbedingt einen wasserdurchlässigen Boden braucht. Den Goldmohn gibt es keineswegs nur in Goldgelb. Wer ihn lieber in rot, orange, hellem apricot, rosa, creme- oder pfirsichfarben, zweifarbig, einfach, gefüllt oder mit gewellten Blüten möchte, der kann inzwischen auf eine schöne Sortenvielfalt zurückgreifen, die bei uns annuelle kultiviert wird. Am häufigsten wird bei uns Eschscholzia californica subsp. mexicana, die wohl einzige inzwischen akzeptierte Unterart des Goldmohns, ausgesät, sie wächst auch in Mexiko annuelle. Da auch bei den Farb-Mischungen in Eschscholzia-Samentüten immer wieder neue Namen auftauchen, nenne ich hier keine, sondern schaut einfach nach den Farbzusammenstellungen auf den Bildern, welche Euch gefallen. Der Goldmohn kann in milden Gegenden bereits im Herbst ausgesät werden. Ich säe ihn bevorzugt im Frühling zwischen April und Mai an eine sonnige Stelle im Steingarten.

Aber auch wenn Schlafmützchen keine Sucht erzeugen, verzichte ich trotzdem darauf, die Indianer Kaliforniens zu imitieren um mir einen Beruhigungs- oder Schlaftee zu machen.

Hornmohn (Glaucium), Waldmohn (Hylomecon) und Scheinmohn (Meconopsis)

Glaucium flavum var.aurantiacum Blüte – Glaucium flavum var.aurantiacum Blatt – Glaucium leiocarpum

Wir sind bei der Gattung Glaucium angekommen, die rund 20 Arten umfasst. Fast alle besitzen behaarte graugrüne Blätter, die namensgebend waren. Schon Plinius (24 – 79 n.Chr.) benannte die Pflanzen nach ihrer Blatt-Färbung  mit dem altgriechischen Wort “Glaucos”. Die Blätter zeigen schon mit der Farbe, dass auch der Hornmohn, wie wir ihn oft nennen, einen wasserdurchlässigen, kalkhaltigen Platz an der Sonne braucht. Auch hier empfiehlt sich eine Direkt-Aussaat. Behagt ihm die Pflanzstelle, wird er sich, wie Eschscholzia, selbst aussäen. Die meisten Arten stammen aus der Türkei, so auch Glaucium leiocarpum, den ich in Karacaören Barajı  nahe Isparta gefunden habe. Die Bilder von Blüte und Blatt von Glaucium flavum var.aurantiacum stammen dagegen aus meinem Garten.

Diese Gattung ist leicht von anderen Mohnarten zu unterscheiden, da sie lange, schmale, hornähnlich gebogene Samenkapseln bildet. Untereinander sind die Arten jedoch schwer auseinanderzuhalten, weil sie farblich sehr varieren zwischen gelb, orange und rot. Besonders attraktiv finde ich die dreifarbigen unterschiedlich ausfallenden Varianten des Glaucium corniculatum. Auch wenn der Hornmohn nur etwa 2 Tage lang eine Einzel-Blüte zeigt, so kann eine adulte Pflanze doch immer Neue nachschieben, so dass sich insgesamt eine passable Blühdauer ergibt.

Hylomecon japonica, Japanischer Waldmohn – Meconopsis grandis, Scheinmohn – Meconopsis cambrica Wald-Scheinmohn (ist wieder in die echten Mohne zurückbeordert worden, Papaver cambricum)

Hylomecon japonicum, der Japanische Waldmohn, hellt im Frühling Gehölz-Partien auf und geizt nicht mit seinen goldgelben Schalen-Blüten. Er gedeiht am besten auf frischen Böden im Halbschatten und Schatten. Die Staude wächst horstig mit gefiederten, breitlanzettlichen Blättern in die Breite, zieht aber bald nach der Blüte ein. Endlich habe ich einen Mohn für Euch gefunden, der kein Sonnenanbeter ist!

Selten bekommt man Hylomecon vernale, dieser Waldmohn stammt aus Ostsibirien. Seine Blätter sind etwas tiefer eingeschnitten und der Horst ist gedrungener im Erscheinungsbild.

Zur Gattung Meconopsis habe ich schon vorab einen eigenen Post geschrieben. Da es nicht so ganz einfach ist, zumindest die blauen Arten im Garten erfolgreich zu kultivieren, empfehle ich Euch, diese Gattung:

Meconopsis, das blaue Wunder

einfach hier in der Mono-Beschreibung anzuklicken und da alle Details genau nachzulesen.

Die Gattung Mohn (Papaver)

Papaver alpinum, Steingartenkultur – Papaver alpinum subsp. rhaeticum, Syn. Papaver aurantiacum, Rhätischer Alpen-Mohn, Schachen – Papaver alpinum subsp. corona-sancti-stephani, Syn. Papaver corona-sancti-stephani, Heiliger Stephan Alpen-Mohn, Schachen

In den unwirtlichen Regionen der europäischen Alpen, gedeiht Papaver alpinum, der Alpen-Mohn. Es werden zehn Unterarten unterschieden, die vom Kenner anhand der Blütenfarbe, der Gliederung der Blattzipfel und der Anzahl der Narbenstrahlen mühsam zugeordnet werden können. Am sichersten ist die Bestimmung am Naturstandort, da viele Unterarten sich auf kleinere Regionen (Endemiten) beschränken. Verwirrung stiftete die nachträgliche Typisierung des linnéschen Namens Papaver alpinum, dazu kommen die Bestimmungs-Probleme der Unterarten.

So war ich nicht verwundert, als ich mit einem Filmteam des BR zu Aufnahmen für eine Sendung über Sempervivum zum Alpengarten, oben auf den Schachen hinauffuhr und dort kein Papaver alpinum vor die Kameralinse bekam, sondern einen Papaver aurantiacum und einen Papaver corona-sancti-stephani.

Der rhätische Alpenmohn ist sicher der am meisten verbreitetste. In Kultur finden sich häufiger Natur-Hybriden des Alpenmohns. Wer ihn kultivieren möchte, sollte ihm schon ein Alpinum oder einen Steingarten mit durchlässigem, kalkhaltigen Boden anbieten. Er mag es zwar sonnig, aber bevorzugt kühlere Standorte, wie die Alpen sie ihm auch in der Sonne bieten können. Bereits ab Januar erfolgt die Aussaat, Samen nur andrücken, nicht mit Erde bedecken, die Jungpflanzen nicht zu dicht zusammen wachsen lassen. Der Vorteil in einer Steingarten-Kultur liegt auf der Hand. Im Gebirge blüht der Alpenmohn von Juli bis August. Sind die Samen schon ab Januar in Kultur, dann können sie schon im Mai in unseren Steingärten blühen und treiben immer wieder einzelne neue Blüten nach, bis zum ersten Frost.

Papaver bracteatum, Armenischer Mohn – Papaver commutatum, Marienkäfer-Mohn – Papaver dubium, Kisildag Milli Parkı, Türkei

Der Armenische Mohn, Papaver bracteatum, ist als ausdauernde Staude ein bis zu 1.20 m hoch werdender Hingucker in der typischen roten Mohnfarbe. Oft haben wir ihn gar nicht als Art im Garten, sondern eingekreuzt mit Papaver orientale. Da die Art im Milchsaft der Kapsel Alkaloide beinhaltet, aus denen die Pharmaindustrie das gegen Reizhusten so effektive Codein gewinnt, nennt man ihn auch Arznei-Mohn. Gute durchlässige Erde schätzt dieser hohe Staudenmohn.

Papaver commutatum, der Marienkäfer-Mohn ist mit seinen schwarzen Flecken auf den Blütenblättern so auffällig, dass man ihn gar nicht verwechseln kann. Besonders farbintensiv ist die Sorte Papaver commutatum ‘Lady Bird’, sie wird wie die Art kaum 50 cm hoch, darum nennt man diesen Einjährigen auch gerne Zwergmohn.

Noch viel kleiner waren die wenigen Exemplare von Papaver dubium, die ich mit unterschiedlichen rotschwarzen  Verfärbungen auf den steinigen Böden des Taurus-Gebirges fand. Vergesellschaftet ist er dort mit dem etwas höher werdenden Klatschmohn. Die beiden Annuellen kommen allerdings nicht in großen Höhen vor, sondern besiedeln Ruderal-Flächen im unteren Bereich.

Papaver miyabeanum ‘Pacino’, Zwerg-Islandmohn – Papaver nudicaule Sämlinge – Papaver nudicaule weißgelber Sämling

Der Island-Mohn, Papaver nudicaule kann sowohl in der zweiten April-Hälfte ausgesät werden, dann blüht er bereits im Spätsommer, oder es wird im Spätsommer ausgesät, dann blüht dieser etwas niedriger wachsende Mohn im nächsten Frühling. Wer mohnsüchtig ist, kann auch einfach beides machen! Nach der Blüte stirbt dieser Mohn ab, kann sich aber, wenn das Habitat passt, versamen. Die hier beschriebenen Aussaat-Zeiten kann man übrigens bei fast allen einjährigen Mohnarten ausprobieren.

Papaver miyabeanum ist dem Island-Mohn sehr ähnlich, aber bleibt klein, darum der Trivialname Zwerg-Islandmohn. Die Sorte ‘Pacino’ wird sehr gerne in den Gärtnereien in Frühlings-Schalen dazu gepflanzt.  

Der Staudenmohn Papaver orientale ist mit großem Abstand der wichtigste winterharte, langlebige Mohn. Seine Farbpalette geht von schneeweiß P. ‘Perry’s White’ bis zu P. ‘Harlem’s tiefstem Weinrot. Die Blühzeit der verschiedenen Sorten zieht sich von Ende Mai bis in den Juli hinein. Mit einem nährstoffreichen, kalkhaltigen, durchlässigen Boden in voller Sonne ist der orientalische Staudenmohn zufrieden. Bekommt er einmal Dünger im Frühling und setzt man die hohen Sorten etwas windgeschützt, dann ist die Freude an diesen Stauden von Dauer. Wichtig ist, dass man den idealen Pflanz-Platz gleich beim ersten Versuch herausfindet, denn die langen Pfahlwurzeln wollen nicht verpflanzt werden. Ist der Horst entsprechend groß, kann ein Rand-Stück abgestochen werden, um Wurzel-Stecklinge zu gewinnen.

Papaver orientale ‘Beauty of Livermere’ – Papaver orientale ‘Patty’s Plum’ – Papaver orientale ‘Türkenlouis’

Wichtig bei der Platzsuche ist auch der Aspekt, dass der Staudenmohn unmittelbar nach der Blüte unansehnliche Blätter bekommt und dann schnell einzieht. Die vergilbenden Blätter geben noch Nährstoffe an die Wurzeln ab, darum bitte nicht zu früh entfernen, sondern eine passende Staude davor pflanzen, die das Einziehen kaschiert. Im Herbst kommt der frische Blattaustrieb. Ist der Winter mild, bleiben diese Blätter auch in der kalten Jahreszeit grün. Normalerweise nenne ich keine Gärtnereien für bestimmte Pflanzen, aber da die Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin eine beachtliche züchterische Leistung nachweisen kann, z.B. hat sie den berühmten ‘Türkenlouis’ (oben im Bild) auf den Markt gebracht und dadurch eine wirklich ansprechende farblich variierende Sortenvielfalt im Shop anbietet, mache ich heute mal eine Ausnahme.

Papaver rupifragum – Papaver rupifragum ‘Orange Feathers’ – Papaver somniferum, lila Sämling

Papaver rupifragum, der Spanische Mohn, stammt ursprünglich aus Spanien und Marokko. Er ist eine Staude, die leicht aus Samen gezogen werden kann. Das intensive Orange ist kennzeichnend auch für die teilweise gefüllten Sorten, wie ‘Orange Feathers’. Ich mag sowohl den feinen Orange-Ton, als auch das immer wie leicht zerknittertes Seidenpapier wirkende Aussehen der Blüten.

Mit dem lila Sämling von Papaver somniferum kommen wir erneut zu einem besonderen Mohn, den ich auch bereits als Mono-Vorstellung im folgenden Post:

Papaver – gute Nacht Schlafmohn

gezeigt habe. Hier ist nicht die schwierige Aussaat oder Ansiedlung im Garten der Grund, es geht einfach um das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) und was es dazu alles zu beachten gilt.

Also ich bin jedes Mal wieder Feuer und Flamme, wenn ich irgendwo den knalligen Klatschmohn sehe. Wie ist es bei Euch, könnt Ihr widerstehen, wenn sich ein Exemplar mitten in Euer harmonisch, romantisches Beet verirrt? Papaver rhoeas kommt in der Natur mit den typischen schwarzen Flecken am Grund des Blütenblattes vor, meist bildet es ein Kreuz mit schmalem weißem Abschluss, aber es gibt auch seltener weiße Flecken.

So sehr wir uns für die knallroten Klatschmohne am Ackerrain begeistern können, so passt diese Signalfarbe jedoch nicht in alle Gärten. Für etwas romantischere Farbkonzepte gibt es aber wunderbare Alternativen. Schaut einfach nach Samentüten mit Papaver rhoeas in weiß, rosé, hellem mauve, apricot, uni- oder mehrfarbig, mit schlichten Schalen- oder auch gefüllten Blüten. Nur diese Farb-Auslesen verdienen in meinen Augen den deutschen Trivialnamen Seidenmohn. Samen kann man z.B. unter der Sammelbezeichnung ‘Angels Choir Mixed’ kaufen. ‘Cedric Morris’ beschränkt sich sogar nur auf weiß mit unterschiedlich starken Sprenkelungen in rosa. Etwas lebhafter gemischt ist die Sorten-Mischung ‘Chorus’. Wie bei vielen Annuellen ändern sich die Sortennamen auch beim einjährigen Mohn häufig.

Egal in welche Richtung unser Geschmack geht, Papaver rhoeas ist einjährig und die Einzelblüte hält nur ein bis zwei Tage. Am besten genießt man die Blüten in den Morgenstunden, da sie oft die Mittagszeit nicht überleben. Wichtig bei der Aussaat ist der Wunsch nach einem sehr wasserdurchlässigen Boden. Ansonsten zeigten Untersuchungen an hundertjährigen Mohnsamen, die nach dem Entfernen einer Straßen-Versiegelung zum Vorschein kamen, dass tatsächlich auch nach dieser langen Zeit unter dem Asphalt ein Großteil dieser Samen noch keimfähig war. Also lasst Euch nicht abschrecken von der kurzen Blütezeit, schätzen wir nicht den Augenblick oft mehr, als Beständigkeit?

Papaver rhoeas ‘Mother of Pearl’- Papaver rhoes, leicht gefüllter Seidenmohn Sämling – Papaver rhoeas ‘Supreme’

Allgemeines zu den Mohngewächsen (Papaveraceae)

Nachdem wir uns nun typische und wichtige Vertreter dieser Familie angeschaut haben, möchte ich noch einige allgemeine Daten zu den Mohngewächsen loswerden, bevor ich mit einigen untypischeren, trotzdem wichtigen Pflanzen schließe.

Mit etwa 240 Arten, die hauptsächlich auf der nördlichen Erdhalbkugel vorkommen, stellen die Papaveraceae insgesamt gesehen, viele geeignete Kandidaten für unsere Gärten. Gehölze sind rar vertreten, meist wachsen die Pflanzen krautig, oft annuell. Alle Arten enthalten einen alkaloidreichen Milchsaft. Die Blätter sind meist wechselständig, gefiedert oder tief gekerbt. Die regelmäßigen, zwittrigen Blüten sind in der Regel aus zwei Kelchblättern, 4 Kronblättern und zahlreichen Staubblättern und einer unterschiedlichen Zahl Fruchtblätter zusammengesetzt. Die Fruchtkapsel öffnet sich nach der Reife mit Poren oder Klappen. Die Samen besitzen einen ölhaltigen Nährstoff, meist in häutigen, oder fleischigen Anhängseln, welche die Ameisen zur Verbreitung der Samen herbeilocken.

Natürlich gelten diese Beschreibungen von Habitus und Kultur nicht für alle Gattungen der Familie und deshalb schauen wir uns nun noch kurz ein paar weitere wichtige Papaveraceaen an.

Baummohn (Romneya) und Federmohn (Macleaya) – Solitäre

Romneya coulteri, kalifornischer Strauchmohn, mit weißer Krabbenspinne – Macleaya cordata, Federmohn

Vor allem fehlen in meiner Aufzählung noch die Vertreter der Mohngewächse, die ganz hoch hinaus wollen. Mein absoluter Favorit wäre dabei Romneya coulteri, der kalifornische Strauchmohn, bei dem sich die Meinungen, ob es sich dabei um eine Staude oder einen Strauch handelt, nicht ganz einig scheinen. Ich denke, wenn er die klimatischen Bedingungen seiner Heimat Südkalifornien und Mexiko vorfindet, etwa in Wein-Anbaugebieten, oder unter dem Einfluss des Golfstroms, dann kann er sich auch in Europa gut über viele Jahre halten. Ja, dann muss man sogar aufpassen, dass die unterirdischen Ausläufer nicht meterweit weglaufen. Ich kann ihn leider nicht kultivieren und freue mich darum, wenn ich ihn in der Rheinschiene, oder in Südengland in einem Garten entdecke. Die großen weißen Blüten von Romneya coulteri und seiner Sorte ‘White Cloud’ haben zu Recht den “Award of Garden Merit” der Royal Horticultural Society gewonnen.

Macleaya cordata, der Federmohn, hat für uns Laien kaum mehr eine Ähnlichkeit zur gewohnten Form der Mohnblüten. Er wächst in vielen Böden problemlos, fühlt er sich wohl, wuchert er auch schnell und man muss ihn dringend in seine Schranken weisen. Wer keine Lust hat, bei der Gartenarbeit mit orangeroter Kriegsbemalung herumzulaufen, der sollte sich davor hüten, mit dem beim Schneiden, oder Brechen auslaufenden Saft in Berührung zu kommen. Zweieinhalb Meter Höhe sind bei dieser weißlich blühenden, winterharten Staude keine Seltenheit.

Corydalis und Pseudofumaria, die Lerchensporne

Pseudofumaria alba subsp.acaulis – Corydalis blauer Sämling – Corydalis solida subsp.  transsylvanica

Schon beim Federmohn war deutlich zu sehen, dass die Mohngewächse auch anders können. Das gilt umso mehr für die Lerchensporne, die ich gerne als Ergänzung hier aufführe, einfach weil sie schon im zeitigen Frühling aufblühen und uns somit die Wartezeit auf unsere Mohn-Lieblinge verkürzen.

Pseudofumaria alba  und Pseudofumaria lutea, der weißliche Schein-Erdrauch und der gelbe Lerchensporn, sind uns eigentlich aus der Gattung Corydalis bekannt. Sie gilt heute als Synonym für die beiden Arten. Dagegen werden die blaublütigen Arten des Lerchensporns weiterhin in der Gattung Corydalis aufgelistet. Auch der pinkfarbige, auffällige Gefingerte Lerchensporn behielt seinen ursprünglichen Namen Corydalis solida subsp. transsylvanica. Nett finde ich die Tatsache, dass der blaue Lerchensporn, wenn nicht alles optimal ist, genauso zickig sein kann, wie der blaue Scheinmohn (Meconopsis), vielleicht sind die beiden gerade darum so begehrte Stauden für uns?

Da im Moment mit den Lerchenspornen und Scheinlerchenspornen viel gezüchtet wird, möchte ich keine großen Kultur-Anweisungen und Empfehlungen für die beiden Gattungen geben. Da bin ich selbst noch in einer Dauer-Versuchsphase. Darum denke ich, jetzt waren wir lange genug bei der Familie der Papaveraceaen zu Besuch, vielleicht hat Euch ja die eine oder andere Gattung oder Art interessiert? Oder habe ich etwas wichtiges vergessen, dann bitte ergänzt das gerne in Eurer Antwort.

Teile als erste*r diesen Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

7 Kommentare

  • Ulrike sagt:

    Immer wieder interessant und lehrreich, deine Beiträge zu lesen. Auch ich habe die verschiedensten Mohnsorten im Garten. Immer auf der Suche nach neuen Farben sähe ich jedes Jahr neu. Auch wenn vieles nicht klappt, die Freude über die Pflanzen, die es dann doch tun,ist immer groß…
    Danke für die schönen Fotos.
    Liebe Grüße von Ulrike

  • Bina sagt:

    Liebe Renate,
    was für ein wunderbarer und informativer Beitrag über den von mir so geliebten Mohn!
    Auf Schlafmohn verzichte ich seit einigen Jahren und trotzdem finde ich jedes Jahr noch den einen oder anderen Sämling. Klatschmohn habe ich in rauen Mengen und muss ihn leider auch dezimieren, während der kalifornische Mohn sich mittlerweile zurückgezogen hat, da werde ich mal nach säen, denn das leuchtende Gelb und Orange mag ich sehr. Nach mehreren Versuchen hat sich nun endlich auch der gelbe und orangefarbene Wald-Scheinmohn etabliert. Der teure Blaue, den ich mir vor vielen Jahren mal geleistet hatte, hatte sich nach einem Jahr verabschiedet und nachdem ich deinen Meconopsis-Beitrag gelesen hatte, wusste ich dann auch endlich warum.
    Besonders beeindruckt es mich, dass du die bei uns so seltene Hunnemania erwähnst, die ich als die große Schwester des kalifornischen Mohns empfinde, obgleich sie einer anderen Gattung angehört. Sie hatte ich vor vielen Jahren mal im Garten. Leider hat sie nicht überlebt und sich auch nicht ausgesamt.
    Dein Beitrag hat nun auch das Interesse am Papaver miyabeanum und Papaver rupifragum (wieder) geweckt, besonders das helle und trotzdem leuchtende Gelb des erstgenannten gefällt mir unglaublich gut.
    LG Bina

  • Susanna sagt:

    Liebe Renate,
    so eine Vielfalt gibt es bei den Mohnen – das wurde mir erst jetzt bewusst, wo ich sie hier alle versammelt gesehen habe. Nachdem die Wühlmaus mir den geliebten Orientalischen Mohn immer wieder aufgefressen hat, gibt es bei uns im Garten nur noch den Kalifornischen Mohn, der sich gut behauptet und die hübschen Sämlinge von Papaver rhoeas aus den umliegenden Wiesen dürfen auch gern bleiben. Der Wald-Scheinmohn, der inzwischen doch ein Mohn (Papaver cambricum) ist, steht schon länger auf meiner Wunschliste. Und ich muss zugeben, ich beneide die Engländer um ihre tollen Schlafmohnsorten und die attraktiven Kapseln! Aber ich will ja keinen Ärger …
    Liebe Grüße
    Susanna

  • Eine tolle Zusammenstellung!
    Ein paar Häuser weiter hat jahrelang Escholzia in einer Fuge an der Hauswand überwintert und geblüht. Jetzt wird er von ordnungsliebenden Menschen immer rausgerissen. Was für ein Frevel.
    Viele Grüße
    Elke

  • Margit sagt:

    Ich habe gar keinen Mohn in meinen Gärten. Vielleicht ändert sich das nächstes Jahr. Ich habe nämlich eine Blumenwiese angelegt. Mal sehen, wie sie sich entwickeln wird. Bin schon sehr gespannt.
    Viele Grüße von
    Margit