Eurybia divaricata – die Waldaster

Eurybia divaricata, Waldaster, im Moorjuwel bei Hedwig Weerts.

Eine reizende Wildstaude, die ich (nicht nur) für Schattenpartien wärmstens empfehle.

Eine Menge Grund-Informationen über eine Pflanze bekomme ich in der Regel, wenn ich mir die Herkunft derselben anschaue. Eurybia divaricata, welche viele GärtnerInnen sicher noch unter der alten Synonym-Bezeichnung Aster divaricatus kennen, stammt aus dem Osten Nordamerikas. In den bewaldeten Gebirgen der Appalachen fühlt sich die Weiße Waldaster, wie sie mit dem deutschen Trivialnamen heißt, besonders wohl. Es gibt auch einige Vorkommen in Kanada. Sie gedeiht an den Ursprungsorten an trockenen, offenen Stellen auf Waldlichtungen und an Gehölz-Rändern. Schon diese Herkunft empfiehlt sie gerade für unsere heiklen Garten-Situationen, wie sie sich im trockenen Schatten, an Haus- und Hecken-Wänden, unter Gehölzen und direkt auf Baumscheiben darstellen.

Die kleinen weißen Blüten sind bei den Insekten beliebt und selbstverständlich passt diese sehr natürlich anmutende Staude mit der frischen weißen Blütenfarbe nicht nur in naturnahe Gärten. Sie wirkt in ländlichen Gärten genauso gut, wie in Prärie-Gärten und kann auch das ruhige Grün eines Parks, oder Waldgartens begleitend aufhellen.

Eurybia divaricata im Waldgarten Amanda Peters – Moorjuwel Hedwig Weerts – Schaugarten van Diemen

Von meiner diesjährigen Gartenreise habe ich nicht nur ein paar wunderschöne neue Gärten und Gärtnereien für meine Website mitgebracht, sondern in vielen Gärten bemerkte ich diese Staude, die wie weiße Gischt aus einem Gehölz herausbricht, sich üppig neben dem Waldweg räkelt oder eine Dekoration noch einmal total aufhübscht – einfach durch  ihre Präsenz.

Das brachte mich auf die Idee, die vielseitig verwendbare Eurybia als Pflanzenporträt hier vorzustellen und ihre Wandlungsfähigkeit in der Verwendung im Garten zu zeigen. Mit einer Wuchshöhe von 50 – 70 cm, die zwar aufrecht ist, aber nicht so steif wirkt, wie z.B. bei den Rauhblattastern, sucht sie sich, erst einmal etabliert, mit Ausläufern und Samenbildung weitere Plätze. Trotzdem kann man sie gut in Schach halten und einfach in weitere Schattenecken verteilen, wo sie sich auch gerne von ihrem aufrechten Wuchs verabschiedet, um sich relativ flach bleibend danach umzusehen, wie sie ihre Wirkung am besten entfalten kann.

Gelber Lerchensporn (Pseudofumaria lutea) oder Fadenknöterich (Persicaria filiformis) sind in der Gärtnerei Picker mit der Eurybia vergesellschaftet. Im Waldgarten von Amanda Peters gibt es für viele Stauden Hostas als Begleitung.

Die Blütezeit ist von August bis September. Die Samenstände zieren die Pflanze auch nach der Blüte. Dabei ist sie nicht auf Schatten fixiert, sie kann auch sonniger stehen, braucht dann aber etwas frischeren Boden. Als Waldpflanze möchte sie nur schwach alkalischen, bis schwach sauren Boden. Sie ist aber kalktolerant  und  freut sich über humusreiche, etwas nährstoffhaltige Erde. Wenn es ihr gefällt, dann hat man uneingeschränkt Freude am strahlenden Herbst-Blütenschmuck, der Bienenweide und den attraktiven Samenständen, die auch im Winter zierend sind. Dieser hübsche Tausendsassa ist bei uns winterhart, nicht Schnecken gefährdet und ungiftig.

Ich pflanze Astern und Eurybias bevorzugt im Frühjahr. Damit die Waldaster ihre malerische Wuchsform ausleben kann, setze ich sie gerne auf Baumscheiben, da Wurzeldruck sie nicht stört, ihr aber dadurch andere Stauden auch nicht zu nahe kommen.

So, genug geplaudert, jetzt nehme ich Euch einfach mit zu einer September-Zeitraffer-Reise nach Nordrhein-Westfalen und Ostfriesland, wo mich die weiße Waldaster in fast allen Gärten vielgestaltig anstrahlte.

Teilweise wirklich wegweisend wird die Waldaster von Amanda Peters in ihrem Waldgarten eingesetzt. Zusammen mit der weißen Rinde der Birken durchflutet sie den Schatten-Bereich. Wer braucht da noch künstliches Licht im Waldgarten? Das waagrechte Bild stammt aus dem Landidyll der Familie Tjarks und Malte Schoons. Hier lässt sich die markante Staude im Schatten noch nicht einmal von der attraktiven Rostdeko-Eule die Schau stehlen.

Der stumpfe Farbton der Zinkwanne, die mit Zwerghostas und Heucheras hübsch bepflanzt ist, bekommt im Waldgarten Peters noch einen “Lichtspot” aus Birkenstamm und Eurybia divaricata zugesellt. Im Schaugarten der Gärtnerei Picker kann die Rostoptik-Blüte dank der Waldaster erst so richtig zur Geltung kommen. In der Deko im Garten Ulbrich spielt die Eurybia dieses Mal eindeutig die Hauptrolle. Der Blauschwingel, Festuca glauca, grenzt den Weg nach vorne ab und weist mit vornehmer Zurückhaltung zum Sedum- und Astern-Hintergrund.         

Hier sieht man deutlich, wie vielseitig Eurybia eingesetzt werden kann. Die Verbindung mit Dekorationselementen zeigte ich schon oben. Hier stelle ich nun drei verschiedene Pflanz-Situationen mit völlig unterschiedlicher Wirkung vor. Im Waldgarten Peters wird diese Staude nicht nur als Waldpflanze vor Farnen oder hinter Hostas eingesetzt, sondern, wie im nächsten Bild, auch als Beet-Staude verwendet. Dabei harmoniert die Eurybia nicht nur mit den aufrecht stehenden Astern, nein sie schmeichelt dem mäandernden Weg und verleiht ihm damit noch eine lebhaftere Fließ-Wirkung. Im Sonnengarten von Garten Ulbrich hat man sie aus ihrem Schattendasein in die Sonne gelockt. Sofort bekommt sie einen Wiesencharakter und nichts erinnert doch auf diesem Bild an eine Waldstaude?

Im Schaugarten Picker hat man ebenfalls die Vielseitigkeit der Eurybia schätzen gelernt. Ihre Anschmiegsamkeit, wenn sie nicht zu sonnig steht, ist gut geeignet, sie auch polsterartig an markante Stellen zu setzen. Völlig respektlos tanzt sie hier dem vornehmen weißen Agapanthus vor die Füße. Im senkrechten Bild hat sie bei Amanda Peters nun einfach nur die Aufgabe schön zu sein, was ihr nicht schwerfällt. Das letzte Foto zeigt deutlich, wie belastbar und unkaputtbar die Waldaster ist. Berthold Picker hat sie hier auf einen trockenen Hang direkt auf eine Baumscheibe gepflanzt. Die Staude wirkt etwas überrascht, dass es der Storchschnabel und der Efeu auch geschafft haben, hier zu überleben, aber sicher ist sicher, da hat sie sich auf den Weg gemacht und untersucht gerade unmittelbar vor den Wegplatten den Efeu. Ja, ein wenig neugierig ist sie auch!

Vielleicht gibt es ja in dem einen oder anderen Garten bei Euch Situationen, wo immer wieder Pflanzen aus Licht- oder Wasser-Mangel aufgeben müssen? Versucht es doch dann einfach einmal mit der Eurybia divaricata – ich persönlich finde sie hinreißend!

Eurybia divaricata, Waldaster mit Brunnera, Wurzerlsgarten

Natürlich gibt es in der Gattung Eurybia mehr kulturwürdige Arten und nicht nur von Eurybia divaricata auch schöne Sorten. Aber dafür fehlen mir die Erfahrungswerte, darum, wer gerne experimentiert, gockelt doch einfach, was die Gattung noch alles zu bieten hat.

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22 Kommentare

  • Emily Fuchs sagt:

    Da hast du wieder tolle Fotos von sehr schönen Pflanzungen mitgebracht! Ich hatte gleich zwei geeignete Stellen für diese Staude in meinem Garten vor Augen. Ist notiert fürs Frühjahr. Danke und liebe Grüße!

  • Helma Willand sagt:

    Danke für die hinreissenden Bilder bzw Informationen. In unserem Garten fallen mir spontan auch zwei, drei Ecken ein, die diese herrliche Staude aufhübschen könnte! 😊😊😊

  • Erika Elferink sagt:

    wieder ganz tolle Bilder und eine super Beschreibung. Ich glaube, diese Pflanze findet in meinem Garten auch noch einen oder zwei sehr schöne Plätze. Liebe Grüße Erika
    Liebe Renate, hast Du eigendlich eine empfehlenswerte Gärtnerei, wo man die, von Dir beschriebenen Pflanzen, gut bestellen kann? Mit den anderen Lieferungen war ich nicht sehr zufrieden.

    • Das Wurzerl sagt:

      Wichtig ist, dass Du nicht bei einem Kraut- und Rüben-Anbieter kaufst, sondern schaust was Du brauchst. Gehölze kaufe ich nur – MIT Ansicht direkt in einer Baumschule, zur Zeit was wichtig ist. Also entweder Blühzeit, oder z.B. Amberbäume in der Herbstfärbung.
      Und claro que si – Stauden holt man sich vom Staudengärtner. Wenn Du im Internet unter Staudengärtnereien guckst, dann sollte da nicht nur eine Auflistung von Pflanzen dastehen, sondern, ein guter Anbieter schreibt Dir heute schon zu jeder Pflanze das Habitat und Klima dazu. Also die ganz Guten haben schon Angebotssparten von bestimmten Bereichen. Gehölzrand, Steingarten, Rabatten usw.. Ich persönlich kenne das von der Seite von Sarastro Stauden (keine Angst, sitzt zwar in Österreich, aber grenznah, w/Porto!). Ebenso ist das so meines Wissens bei Gräfin Zeppelin im Westen geregelt. Aber ich denke auch Stauden Stade im Norden macht das so und einige andere. Schau einfach in die Seiten, was für Einteilungen und Infos Du zu Pflanzen findest, dann kannst Du Dich auch darauf verlassen, dass die Stauden gut sind. Denn eine Seite so innovativ und informativ zu gestalten erfordert viel Liebe und Sorgfalt von einer Gärtnerei – die lieben also ihre Stauden und versenden keinen Müll. LG Wurzerl

      • Emily Fuchs sagt:

        Ihr müsst euch auch mal im Onlineshop von der kleinen Gärtnerei Staudenfan (Düsseldorf) umschauen – die Lieferung im Frühsommer war toll, alle Pflanzen kräftig und gesund und wirklich sorgsam und regelrecht liebevoll verpackt und beschriftet – haben sich übers Jahr auch alle sehr gut entwickelt!
        LG Emily

        • Das Wurzerl sagt:

          Vielen Dank liebe Emily für Deine Empfehlung, die ich sehr gerne hier für Interessierte freischalte. Wünsche Dir ein schönes Wochenende. LG Wurzerl

  • Amanda Peters sagt:

    Liebe Renate, wieder mal wunderbar beschrieben. Für mich ist es eine richtige Zauberstaude.

    • Das Wurzerl sagt:

      Du warst ja mein erster Ostfrieslandgarten dieses Jahr, lach! Kein Wunder, dass ich von da an richtig Eurybia süchtig wurde. Wünsche Dir und GG ein schönes WoE. LG Wurzerl

  • Susanna sagt:

    Ich kannte sie zwar schon, aber du hast mich da auf eine Idee gebracht: ich möchte einen Bereich unter einem Baum umgestalten und dafür hatte ich sie nicht auf dem Schirm, aber sie wird super passen!
    Vielen Dank für die Anregung und liebe Grüße aus meinem Garten,
    Susanna

  • Luise Wolff-Boresch sagt:

    Sehr informativer Beitrag. Finde die Aster toll.
    Muss mich wirklich mal darum kümmern, wo ich sie bekomme. Nun ist das Paket von Gaissmayer schon unterwegs.

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Luise, freue mich sehr, wenn der Beitrag und vor allem die Waldaster Deine Zustimmung gefunden hat. Ich wünsche Dir ein gutes Wochenende. LG Wurzerl

  • Amanda Peters sagt:

    Das hast du super beschrieben. Die Waldaster passt in fast allen Gartenbereichen . Halt eine Zauberstaude.

    • Das Wurzerl sagt:

      Vielen Dank liebe Amanda, ich glaube, die Fotos aus Deinem Garten waren für mich der Anstoß, genauer auf diese Art zu achten und ihr letztlich dieses Porträt zu widmen. Ich wünsche Euch ein schönes WoE. Wurzerl

  • Ich bin total begeistert von diesem Bericht. Die genaue und liebevolle Beschreibung der Pflanze und die schönen und passenden Bilder dazu haben mich fasziniert. Ich habe mir vor einer Woche bei der Staudengärtnerei Mühring in Westovereledingen 5 Pflanzen davon gekauft. Jetzt freue ich mich noch mehr auf den September 2022. Vielen Dank dafür.

    • Das Wurzerl sagt:

      Oh, das ist ja toll. Mühring kenne sogar ich als Münchnerin, richtig gut! Und die Stauden sowieso, ich bin gespannt, wie Du sie in Szene setzt liebe Renate. Übrigens, schön Dich zu lesen, denke gerne an den Besuch in Deinem Garten, auch wenn es der Tag war, an dem ich zum einzigen Mal in meinem Leben meine Kamera im Hotel vergessen habe. Grüße an GG und Euch ein schönes WoE. LG Wurzerl

  • Margit sagt:

    Eine ganz zauberhafte Staude! Ich mag diese einfachen Blüten sehr gerne!
    Viele Grüße von
    Margit

    • Das Wurzerl sagt:

      Ich bin sehr froh, dass ich sie dieses Jahr im September so oft in den Gärten die ich besuchte, gesehen habe, dass ich nicht umhin konnte, sie endlich in meinem Garten zu integrieren. LG Wurzerl

  • Renate Stengel sagt:

    Hallo, ich bin erst vor kurzem auf diese informative Seite gestoßen und kann es kaum erwarten bis ein neuer Beitrag kommt. Habe mich heute endlich entschlossen mich anzumelden, damit ich keinen Beitrag verpasse.
    Der Beitrag über die Aster divaricata ist wieder sehr informativ und wunderbar auch mit den Bildern kommentiert.
    Ich habe sie selbst vor 4Jahren als Gebüschaster gekauft und sie haben sich wunderbar vermehrt und kann auch nur gutes berichten. Leider ist sie bei mir schon verblüht.
    Ganz lieben Dank für die schönen Beiträge und tollen Fotos und ganz liebe Grüße Renate St.

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Namensgenossin, es freut mich sehr, dass Du nicht nur an der Waldaster Gefallen gefunden hast, sondern auch an Wurzerlsgarten. Ab November werde ich dann auch wieder versuchen 2 x die Woche zu posten. Aber sicher findest Du auch in den alten Beiträgen interessantes. Die findest Du am einfachsten, wenn Du direkt auf die Eingangsseite gehst ( https://www.wurzerlsgarten.de/ ) und dann eines der drei Wurzerl anklickst. Die Eurybia findest Du z.B. bei “Wurzerl als Gärtnerin” unter Pflanzen und Tiere. Da siehst Du dann allerdings im Index unter den neuesten Beiträgen auch anderes was Dich evtl. interessiert. Es gibt da auch noch weitere Angebote bei der Gärtnerin z.B. die Bücherschatzkiste, die ich vor Weihnachten weiter mit Rezensionen füllen werde, oder wichtige Arbeiten mit schneckenresistenten Pflanzen, oder schattengeeigneten Pflanzen usw.. In jeder Gruppe gibt es einen eigenen Index. Bei Wurzerl auf Reisen kannst Du zwischen deutschen Gärten (dieser Index ist auch nach PLZ aufrufbar), internationalen und britischen wählen, dazu noch eine allgemeine Kulturseite. Nun ja, für meine Märchenfreunde gibt es eine letzte große Sparte. Surfe Dich einfach durch Deine Interessen und wenn Du etwas nicht findest, dann gib Dein Stichwort bei der Suchlupe ein. Wirst Du dann nicht fündig, dann schreib mir einfach, worüber Du gerne etwas lesen würdest. Viel Spaß wünsche ich Dir weiterhin liebe Renate. LG Wurzerl alias auch Renate