Impressionen in den Rauhnächten

Weihnachtsdeko in Wurzerlsgarten

Gute Wünsche kann man immer brauchen !

Liebe Freund/innen von Wurzerlsgarten – der Jahreswechsel ist ein guter Zeitpunkt, um danke zu sagen! Heute, am 29.12.2020 ist Wurzerls Website gerade einmal 4 Monate alt geworden. In dieser kurzen Zeitspanne ist bereits 13.540 mal auf die Seite zugegriffen worden. Das hätte ich mir niemals erträumt. Ich bin total überwältigt und dankbar und freue mich vor allem für Diejenigen, die mir ihre Gärten, oder ihre Bücher zum Vorstellen anvertraut haben. Gerne mache ich in diesem Sinne weiter.

Sempervivum in Wurzerls weihnachtlichem Garten

Bevor ich einen Fotospaziergang zwischen den Jahren durch den winterlichen “Wurzerlgarten” mache und dabei von meinen Gedanken zu Corona, dem Klimawechsel und den vielfältigen Bräuchen zum Advent, Weihnachten, Silvester und Heilig-Drei-König erzähle, möchte ich Euch Allen

“ein gesundes und glückliches Neues Jahr”

wünschen und Euch nebenbei für ein Thema sensibilisieren, das durch Covid 2020 völlig auf der Strecke blieb!

Ist Corona tatsächlich unser Hauptproblem ?

Der Garten ist seit einigen Wochen im Winterschlaf. In Eis und Schnee versinkt er seit ein paar Jahren vielerorts kaum noch. Im “Weihnachts-Tauwetter” gab es dieses Jahr nichts zum Abtauen, dafür schaukelten sich die Temperaturen in der Weihnachts-Woche in Oberbayern bis zu 15 Grad hoch. Man fühlt sich langsam unwohl und fehl am Platz mit gefütterten Winterstiefeln auf die Straße zu gehen und manchmal überlege ich, ob die Kleinkinder von heute, wenn sie in etwa 20 Jahren ihr erstes Auto kaufen, dann noch einen Satz Winterreifen brauchen werden?

Wurzerlküche im weihnachtlichen Garten

Christian Kress, der Inhaber  von “Sarastro-Stauden”, erklärte mir kürzlich in einem Interview unumwunden:

“Die Klimaveränderung ist die Pandemie des Globus. Es ist nicht entscheidend, ob die ‘Monokultur Mensch’ eine oder mehrere neue Viren im Jahr zu verkraften hat! Der Klimawandel ist das eigentliche Problem!”

Da ich exakt der gleichen Meinung bin, zitiere ich trotzdem lieber Christian, der schon berufsmäßig sicher noch sehr viel näher an diesem Thema ist, wie ich als Laie. Auf jeden Fall habe ich das Thema Klimawandel für 2021 auf meine Liste der “guten Vorsätze” geschrieben. Eigentlich ist es keine Liste – es ist das einzige Stichwort, das da zu finden ist. Aber gibt es heutzutage ein wichtigeres? Der Impfstoff gegen Covid wurde in nicht einmal einem Jahr aus dem Boden gestampft. Die Maßnahmen, um die Klimaerwärmung zu stoppen, zumindest zu verlangsamen, wurden nach vielen Jahren des Bekanntwerdens dieses globalen Problems erst im Dezember 2015 auf der Pariser Klimakonferenz (COP21) beschlossen. Was ist seither geschehen?

????????????????????????????????????????????????????????????????? Umsetzung? Verbesserung? Wandel? Änderung? Erleichterung? Wo? ?????????????????????????????????????????????????????????????????

Rosa 'New Dawn' Dezember-Blüte. Werden Rosen bald ohne Ruhephasen durchblühen? Wurzerls Garten

Der Advent und die Weihnachtsfeiertage sind vorbei .

Der Advent, die Zeit der Erwartung, früher eine Fastenzeit, ist zu Ende. Viele Rituale, die wir uns in den letzten Jahrhunderten anlässlich der Geburt Jesu angeeignet haben, werden uns erst wieder in 11 Monaten beschäftigen.

Geburtstag und -jahr von Jesus sind nicht eindeutig überliefert. Bekannt ist aber, dass Weihnachten in den ersten Jahrhunderten des Christentums gar nicht gefeiert wurde. Die Christliche Kirche zelebrierte lediglich das Osterfest mit der Wieder-Auferstehung von Jesus. Erst ab dem 4. Jh. war es soweit, dass am 25.Dezember der Geburt Jesu gedacht wurde.

Erst weit über tausend Jahre später, nämlich im Jahre 1611 schmückte die Herzogin Dorothea Sibylle von Schlesien den ersten Weihnachtsbaum mit Kerzen. Im 18. Jahrhundert begann sich dieser Brauch langsam auszubreiten. Tannenbäume waren in Mitteleuropa knapp und ein Luxusgut. Nur hohe Beamte und sehr wohlhabende Städter konnten sich diesen Weihnachtsschmuck über eine lange Zeit hinweg leisten.

Noch ein Jahrhundert jünger ist der Ursprung des Adventskranzes. Er geht nur bis ins 19. Jh. zurück. Im “Rauhen Haus” in Hamburg, einer 1833 von Johann Hinrich Wichern gegründeten, evangelisch geprägten Stiftung für Kinder-Betreuung hing dieser Kranz erstmals an einem 1. Adventsonntag unter der Decke. Es war ein Wagenrad mit 4 große Kerzen für die vier Adventsonntage und so vielen kleinen Kerzen, wie es eben noch bis Weihnachten Tage des Wartens gab. Täglich wurde eine Kerze mehr entzündet und die Kinder lernten, wie lange sie noch auf das Fest warten mussten. Ab etwa 1860 wurde dem Rad dann auch Tannengrün beigefügt. Erst im 20. Jahrhundert setzte sich der Adventkranz in seiner heutigen Form, mit den 4 Kerzen als Symbol für die 4 Adventsonntage durch.

Das 20. Jhdt. ist auch der Zeitpunkt für die ersten gedruckten Adventskalender. Man weiß nicht eindeutig, wer diesen Kalender erfunden hat. Aber zwischen 1902 und 1908 entstanden in Deutschland die ersten Adventskalender, ursprünglich „Weihnachtskalender“ genannt. Im Gegensatz zu den ersten Adventskränzen, mit der unterschiedlichen Anzahl Kerzen, gibt es bei den Kalendern ausschließlich 24 Türchen, jedes Jahr vom 1.12. – 24.12. .

Die Rauhnächte haben begonnen.

Glückstor in Wurzerls Vorgarten

Die Bräuche der Rauhnächte existieren schon seit einer gefühlten Ewigkeit.  Auch wenn der Alltag der Menschen sich mehrheitlich seit langem im Rhythmus des Sonnenjahres  (365 Tage) abspielt, so gibt es auch heute noch Völker wie die Chinesen, die sich nach dem Mondjahr (354 Tage) richten. Die Praxis des Sonnenjahres führt gemessen an der Mondrechnung zu elf verlorenen Nächten. In vielen alten Mythologien wird davon ausgegangen, dass die Naturgesetze in diesen mystischen Zeiten außer Kraft gesetzt sind.

Viele heidnische Bräuche der “Frühlings-Tag- und Nachtgleiche” haben sich nach Jesus Geburt langsam auf die Zeit zwischen den Jahren und vor allem zwischen Weihnachten und Heilig-Drei-König verlagert.

alte Silvesterbräuche

Die Rauhnächte, die 12 heiligen Nächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag, gelten als heilige Zeit. Die zwölf Nächte stehen symbolisch für die zwölf Monate des Neuen Jahres. Sie verkünden die Ereignisse im zugeordneten Monat (hatte vor allem für den Bauernstand Bedeutung). Je nach Region unterscheiden sich Zeitraum und Anzahl der Rauhnächte zwischen drei und zwölf Nächten. Der frühest mögliche Beginn ist der 20./21.Dezember die Thomasnacht, mit dem kürzesten Tag des Jahres, der Winter-Sonnenwende. Meistens aber konzentriert sich diese Zeit zwischen dem 24./25. Dezember, der Heiligen Nacht, über den 31.12./1.1. die Silvesternacht ins Neue Jahr bis zur Dreikönigs-Nacht am 5./6. Januar.

Silvester-Feuerwerk

Ich glaube, es gibt hier keinen Leser, der nicht auf persönliche Erfahrungen mit Rauhnacht-Ritualen zurückblicken kann? Egal ob man darauf achtet, dass keine Wäsche auf der Leine hängt, ob man in der Silvester-Nacht Blei gießt, oder anders einen Blick in die Zukunft wagt, ob man räuchert oder eine Feuerwerk entzündet. Es sind alles Rituale, auf die man lange zurückblicken kann. Das heutige von Haus zu Haus gehen der kleinen Nachkommen der “Heiligen Drei Könige” war früher ein üblicher Brauch der sogenannten “Glöckler” und geräuchert wurde hauptsächlich, um sich und das Nutzvieh vor Dämonen zu schützen. Es tut gut, die alten Bräuche vom 1. Advent mit dem Adventkranz bis zum Kreide-Schreiben und Räuchern an Heilig-Drei-König am 6.1. zu pflegen. Für uns sind es in der Regel Familientraditionen, die von Generation zu Generation weiter gepflegt werden, ohne dass wir groß hinterfragen, warum wir dergleichen tun.

So einiges Brauchtum wird es dieses Jahr leider nicht geben. Weder große Geselligkeiten, noch Feuerwerk oder viel Schnee zum Jahreswechsel hat es gegeben und wird es geben. Nicht alles müssen wir bei genauem Nachdenken vermissen. Aber wenn wir jetzt vorsichtig bleiben, dann können wir umso früher unsere Lieben wieder gefahrlos in den Arm nehmen.

Silvesterfeier

Der Garten zwischen den Jahren

Wurzerls Garten im Winter

Bräuche sind ein Zeichen innezuhalten, zurückzuschauen, einen kurzen Stillstand zu genießen, bevor man sich mit dem jungfräulichen Neuen Jahr auseinandersetzt. Das gilt auch für unsere Gärten im Winter. Und so möchte ich diesen Post und meine guten Wünsche für das Jahr 2021 mit Bildern aus einem vereisten oder verschneiten Wurzerlgarten beenden. Wer weiß, ob es überhaupt noch oft solche Bilder zwischen den Jahren geben wird.

Wurzerlsgarten im Winter, der Spiegel

Auch wenn der Spiegel im Winter geschlossen bleibt, so darf man sich nicht davon täuschen lassen, dass das Leben im Garten auch im Winter weitergeht. Allein schon meine vielen Immergrünen, sie brauchen auch im Winter Aufmerksamkeit und bei Tauwetter Wasser.

Ich hatte schon immer ein Schwäche für das Weihnachtslied mit der Textzeile: “Still und starr ruht der See..” Aber natürlich darf der Teich nicht zu 100 % zufrieren, sonst wird es zu still. Die Vögel kommen dann nicht an Trink-Wasser und die Lebewesen, die im Teich überwintern vertrauen darauf, dass die Binsen und andere Wasserpflanzen für etwas Sauerstoffzufuhr sorgen.

Das Paradiestor am Teich, der Uferbereich des Mixedborders, der Übergang des Bachlaufs und das Rosenrondell zeigen jetzt deutlich ihre Strukturen, sie sind fast konkurrenzlos.

Mein Liebespaar wartet schon darauf, dass ich den alten Plattenspieler aktiviere und endlich den “Schneewalzer” abspielen lassen. “Darf ich bitten”? Lasst uns in unseren Gärten ein Tänzchen wagen und in ein Jahr 2021 tanzen, das hoffentlich nicht nur Corona besiegen wird, sondern uns erlaubt, wieder näher, zumindest in der 2. Jahreshälfte, zusammenzurücken. Das gibt hoffentlich Raum, dann endlich der Natur Gehör zu verschaffen, die immer mehr unter langen trockenen Hitzephasen leidet – kümmern wir uns endlich um die “eigentliche Pandemie des Globus, um die Klimaveränderung”.

Wurzerlsgarten im Winter
Teile als erste*r diesen Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

6 Kommentare

  • Martina Henne sagt:

    Moin Wurzerl, der Begriff Rauhnächte war mir bis dato reichlich unbekannt, obwohl ich zwischen Weihnachten und Neujahr nicht wasche, da es Unglück bringen soll und auch das Silvester-Feuerwerk kenne ich, aber nicht in Zusammenhang mit Rauhnacht. Nun gut wir böllern seit vielen Jahren nicht mehr und auch der Weihnachtsbaum wurde vor 3 Jahren das letzte Mal aufgestellt und er fehlt nicht. Ich wünsche dir alles Gute für 2021 und freue mich auf ein Wiedersehen.

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Martina, ich wasche sogar zwischen Weihnachten und Heilig-Drei-König nicht. Hatte sich einfach so eingebürgert, als wir noch ziemlich computerlose Bank-Jahres-Abschlüsse mit Urlaubssperren hatte. Ich freue mich, denn wir kriegen das sicher 2021 hin mit einem Wiedersehen, haben es ja 2020 auch geschafft, lach. Alles Liebe für Dich und Deine Angehörigen. Wurzerl

  • Marie Christine Wyrsch sagt:

    Liebe Renate, herzlichen Glückwunsch zu diesem Erfolg mit Deiner neuen Website. Kaum zu glauben, dass sie erst vier Monate im Netz ist. Dass sie so erfolgreich ist wundert mich indessen nicht. Bietet sie doch ein reiches Spektrum an Schönem, Unterhaltsamen und Lehrreichem. Ich besuche Deine Seiten immer wieder gerne und danke Dir herzlich für Deine persönlichen und phantasievollen Gedanken und Geschichten, die sehr schönen Fotos und Deine kluge ubnd liebevolle Vorstellung von Gärten und Büchern. Ein gutes, erfolgreiches und natürlich vor allem gesundes Jahr 2021 wünsche ich Dir von Herzen .

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Marie Christine, ich danke Dir sehr herzlich für Deine anerkennenden Worte und Deine guten Wünsche für 2021, die ich gerne erwidere. Wurzerl

  • Vielen Dank für deine Worte und Taten… Mir persönlich ist die Natur auch zu einem Anker geworden und so mit werde ich was mir möglich ist tun, um etwas bei zu tragen… Wir sind im Wandel… Die Welt, das Klima und wir Menschen… Ich habe grosse Hoffnung in uns… Nur so kann ich leben… Liebe Grüße Karin