Dominikanische Republik – Stadt

1. Teil – Millionenstadt Santo Domingo – Das Leben heute  

Souvenier-Gemälde mit Lokalkolorit der Dominikanischen Republik

Ankunft auf einem neuen Kontinent

Nie zuvor in meinem Leben hatte ich amerikanischen Boden betreten! Ja, ein wenig fühlte ich mich schon wie Kolumbus, auch wenn ich mit dem Flugzeug direkt in Santo Domingo gelandet bin.

Denn es war ein Flug vorausgegangen, der mich ganz schön ins Schwitzen gebracht hat. Nein, der Flug selber war es gar nicht, der war nur ewig lang, schuld war die Zwischenlandung in Paris! Der Flughafen war nämlich eine Riesen-Baustelle, ein Riesen-Provisorium, eine Riesen-Katastrophe:

Aussteigen 1 ganze Std. Zeit – Suche nach dem Umsteige-Terminal – Behinderung durch zugehängte Richtungs-Weiser noch 45 Min. Zeit – erneut Zoll-Sperre anstatt Umsteige-Terminal, noch 30 Min. Zeit – eine nervöse Menschentraube vor mir, noch 15 Min. – immer noch keine Pass-Kontrolle in Sicht, noch 10 Min. – ich fange an mich vorzubetteln, stehe hilflos ausgeknockt vor einem Absperrband noch 5 Min. – ich wedle einen Sicherheitsmann mit dem Flugticket an, er grinst, hält galant das Band nach oben, lässt mich durch und nur 15 m weiter… “Geschafft, mein Terminal!!!” noch 2 Minuten. Ich bin die Letzte am Schalter, der gleich nach mir schließt – uff – patschnass, aber jetzt geht es auf nach Übersee!!!”

"Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein..."

Also ich denke, Kolumbus, der seinerzeit auch hier das erste Mal amerikanischen Boden betreten hat, konnte sicher nicht aufgeregter gewesen sein, als ich es nach diesem Vorspiel bin. Ich bin in Santo Domingo gelandet und mein Koffer ist da! Ganz im Gegensatz zu den drei Koffern meiner beiden Begleiter, die über Venezuela geflogen waren. Gut, dann lieber der Flughafen “Charles de Gaulle” in Paris! 

Innenhof "Hostal Nicolas de Ovando"
Innenhof – Hostal Nicolas de Ofando, Santo Domingo

Wir fahren in die Innenstadt, genauer gesagt in die “Zona Colonial”, die von einer speziellen Touristen-Sicherheitspolizei rund um die Uhr bewacht wird. Der Empfang im Hotel “Hostal Nicolas de Ovando” ist sehr freundlich, die Zimmer für dominikanische Verhältnisse luxuriös und sauber. 14 Tage lang habe ich jetzt Zeit, einen kleinen Teil der Dominikanischen Republik kennenzulernen.

Larimar in der Zona Colonial

Straßenschild auf 'Azulejos' gemalt in der Zona Colonial in Santo Domingo
Straßenschild auf ‘Azulejos’ gemalt in der Zona Colonial in Santo Domingo

Der erste Tag dient der Orientierung, wir prägen uns das Straßenschild unseres Hotels ein und gehen einkaufen – die drei Koffer meiner Begleiter werden lange auf sich warten lassen!

Die “Zona Colonial” ist der zentrale Teil der Altstadt. Protzige Häuser im typischen, plateresken Kolonialstil stehen neben bunten kleinen Holzhäusern. Vielen Gebäuden ist es gemeinsam, dass sie vergittert sind, manche wirken wie überdimensionale Vogelkäfige. Viele historische Stein-Häuser werden heute als Museen, Hotels oder Gedenkstätten genutzt. Aber auch Ruinen, wie die ehemalige Kirche “San Francisco” gehören ganz selbstverständlich zum Stadtbild dazu.

Wir bummeln durch die Straßen und ich betrachte interessiert, wie die Dominikaner teilweise im Schaufenster sitzend ihren Tätigkeiten nachgehen. Hier werden Zigarren gedreht, geformt und getrocknet. Dann kaufen wir ein; an einem Obst- und Gemüsestand gibt es getrocknete Luffa-Gurken, die wir anstatt eines Badeschwamms beim Duschen verwenden. Außerdem kaufen wir Bananenblätter für die Weihnachts-Nationalspeise. Schnell gehen wir weiter, denn das kleine Auto, das als Verkaufsstand dient, sieht so aus, als würde es jeden Moment auseinanderbrechen.

Unterwegs drücken mir mehrere “Präsidenten” (Ladeninhaber) ihre Visitenkarten in die Hand, damit ich auf einen Blick sehen kann, was das Geschäft für Schätze anbietet. Da die Läden wie in einem orientalischen Basar vollgestopft sind, ist das teilweise ganz praktisch. Denn ich nütze die Zeit, in der meine Begleiter sich eine Grundausstattung an Kleidung zulegen, um gleich mal nach Andenken zu schauen. Die finde ich in einem alten Gemäuer, aufgereiht wie im großen Istanbuler Bazar und ich ertrinke fast auf der Suche nach Schönem in der Unmasse von Kitsch. “La Presidente Ana” posiert stolz in ihrem Reich. Als ich sie frage, ob ich das Foto im Internet zeigen darf, strahlt sie mich begeistert an. Ich bin auf der Suche nach Larimar- und Bernsteinschmuck. Es wird auch Schmuck aus roten und schwarzen Korallen angeboten, aber den kaufe ich nicht. Der Bernstein interessiert mich mehr vom Aussehen, als zum Kaufen, da ich Bernstein bisher nur von der Ostsee-Küste her kenne. Da Bernstein in der Dom. Rep. nicht an der Küste gesammelt, sondern in Höhlen abgebaut wird, möchte ich die Unterschiede sehen – es gibt keine!

Das Angebot an blauem Larimar ist groß. Er wurde erst 1974 entdeckt und sein einziges Vorkommen weltweit ist hier auf der Insel. Von diesem besonderen Stein der auch eine ziemliche Bedeutung als Heilstein hat, möchte ich mir gerne ein paar Stücke kaufen.  Als erstes besuche ich das Larimar-Museum. Es ist interessant – oben ein wenig Ausstellungsraum, aber mit schönen Exponaten – dafür platzt der große Verkaufsraum unten aus allen Nähten. Da die Angestellte muffig ist und keinen Cent handeln will, gehe ich wieder in den Laden von Ana. Ich suche mir Ohrclips, ein Armband und einen Ring aus und marschiere dann mit einem Leibwächter zur Bank zum Geld umtauschen. Ich bin mit US-Dollar eingereist.

Natur mitten in der Stadt – die Höhle “Los tres Ojos”

Am zweiten Tag erwartet mich schon ein erster kleiner Höhepunkt der Reise, direkt in der Stadt. Wir fahren nicht sehr weit und treffen unterwegs auf einen Zuckerrohr-Saft-Verkäufer. Ich schaue mir sein Fahrrad an. Auf dem Hänger liegen ausgepresste und frische Zuckerrohr-Stangen. Mit einem Stück Seil wirft er einen kleinen Hilfsmotor an, der die Presse betreibt und im Nu sind drei köstliche Becher mit dem süßen Erfrischungsgetränk gefüllt. Die Stängel sind sehr ergiebig. Gleich hält auch noch ein Kokosnuss-Verkäufer, aber die Palm-Früchte kennen wir bereits. Auch von dem Taucher mit der Harpune, der einen Klumpen glänzender Fische und Langusten vor unseren Augen hin und her schwingt, kaufen wir nichts.

Wir laufen ein paar hundert Meter und sind plötzlich… an einem Park? Nein, eigentlich unsinnig, das so zu schreiben, aber wir sind tatsächlich an einem “Stück kleinstem Urwald” angekommen. Schon entdecke ich auch den ersten Termiten-Bau in einem der hohen Bäume. Immerhin ist der Name mit “Parque Mirador del Este” stadtfein. Für mich ist es unwahrscheinlich faszinierend, was ich gleich sehen werde. Eine Laune der Natur? Auf jeden Fall ein Kleinod – wir sind in einer Höhle, den “Los Tres Ojos” (3 Augen) angekommen, nur 5 km vom Zentrum Santo Domingos entfernt.

Ich ahne eingangs nicht, was mich da für eine wunderbare Symbiose aus Tropfsteinhöhlen, vier unterirdischen Seen und der tropischen Urwald-Vegetation, die an vielen Stellen unmittelbar gewaltig in das Höhlensystem eindringt, erwarten würde. Kaum haben wir den Eingang hinter uns gelassen, tauchen wir in eine bizarre Traumlandschaft ein und vergessen, dass wir ja mitten in einer Millionen-Metropole sind. “Los Tres Ojos” war durch den Zusammenbruch einiger Höhlensysteme entstanden. Schon die Taíno, die Ureinwohner Hispaniolas, kannten diesen Platz. Er diente als Kultstätte, später als Zufluchtsort vor den Spaniern. Erst 1916 wurden die Höhlen wiederentdeckt, 1972 wurde sie erschlossen und für die Allgemeinheit zugänglich gemacht. Darum können auch wir diesen magischen Ort jetzt kennenlernen.

Als erstes geht es bergab zum “Lago de Azufre” (Schwefelsee). Es stinkt jedoch keineswegs nach Schwefel, hier ist nur eine Menge Kalziumkarbonat vorhanden. Kleine Schildkröten, die wie rosafarbige Tupfen aussehen, Fische und kleine Krebse schwimmen im türkisblauen Wasser. Die Luftfeuchtigkeit ist bis zu 95 % angereichert. Aber das vergisst man komplett beim Anblick des schimmernden Sees mit seinen Sonnen-Fenstern. Lianen bohren sich durch die Tropfsteine und helfen Stalaktiten und Stalagmiten bei der Raumgestaltung. Das durchdringende Urwaldgrün, das sich in den verschiedensten Tönen im türkisen See spiegelt, führt mir vor Augen, wie dumm es war, nur mit einer kleinen Pocket-Kamera auf diese Reise zu gehen. Natürlich ist es mir nicht möglich diese traumhaften Farben aus den schlecht ausgeleuchteten Höhlen auch nur annähernd wiederzugeben  – ich muss also leider sehr ausführlich erzählen.  Die üppige Vegetation dringt von oben mehrmals bis auf den Grund. Die Höhle ist selten völlig dunkel. Das poröse Gestein bildet mit den Exoten-Pflanzen eine wundersame Gemeinschaft. Immer neue grüne Licht-Fenster ermöglichen herrliche Ausblicke nach draußen.

Auf der kleinen Fähre von "La Nevera", dem 2. See der "Los Tres Ojos" in Santo Domingo
La Nevera, der “Kühlschrank” von der Fähre aus gesehen

Der zweite See liegt dann doch ziemlich im Dunkeln. Im Vorbeigehen sehe ich einen Mann, der gegen Geld auf die Tropfsteine steigt und sich in das hier etwa 6 m tiefe Wasser stürzt. Heute ist ein ruhiger Tag, er wird nicht viel Geschäft machen. Mit einer sehr kleinen Fähre, die per Handkraft an einem Seil an das andere Ufer gezogen wird, überqueren wir den “La Nevera”, den “Kühlschrank”. Ich denke gerade so bei mir: “Es ist halt alles relativ”. Wenn der Fährmann  seine Mini-Konstruktion als “Dominikanische Titanic” bezeichnen darf, dann kann man 20 Grad warmes Wasser auch als “Kühlschrank” deklarieren.

"Lago de las Damas", 3.See der "Los tres Ojos" in Santo Domingo
Lago de las Damas, der Damensee

Etwas abseits liegt der dritte See “Lago de las Damas”. Dieser See ist nur bis zu 2 m tief und diente in früheren Zeiten, als die Seen noch oberirdisch gelagert waren, den Damen als Badeanstalt. Wieder lässt Licht von oben den Wasserspiegel türkis aufblitzen.

Unterwegs zum 4. See der Höhle "Los Tres Ojos" in Santo Domingo

Zwischen Stalaktiten, Stalagmiten und herunterhängenden Lianen hindurch gehe ich dem Lichtschein nach, der sich mit jedem Schritt verheißungsvoll vergrößert. Über uns ist ein leises Zwitschern zu vernehmen, wir gehen unter einer Fledermaus-Wochenstube hindurch, die Alttiere begleiten uns ein Stück. Plötzlich stehe ich vor einer so atemberaubenden Naturkulisse, dass ich vor Glück Tränen in die Augen bekomme. Sieht so das Paradies aus?    

"Los Zaramaguyones", der 4. See von "Los tres Ojos" in Santo Domingo
“Los Zaramaguyones”

“Los Zaramaguyones” ist eindeutig der schönste und größte der vier Seen der “Los Tres Ojos”. Da man ihn erst lange nach der Namensgebung der Höhle entdeckt hatte, fehlt ausgerechnet dieser See, der nach einer hier lebenden Enten-Art benannt wurde, in der Aufzählung und auch heute bleibt der Name “Drei Augen” bestehen. Ich habe das Gefühl, ich schaue in das irisierende Perlmutt einer Riesenmuschel, aus der Wasserpflanzen herausperlen. Die Farben changieren in Tönen, die es so eigentlich gar nicht gibt und die leider die Fotos auch nicht annähernd wiedergeben können.

Ich gehe vor, soweit es möglich ist und sehe wie sich der Wasserspiegel farblich – mit jedem Schritt – verändert. Von ganz nahe gesehen sieht die Wasser-Oberfläche jetzt smaragdgrün aus, als wären gerade alle Blätter rund herum in das Wasser gestürzt. Alles ist hier anders – alles, sogar die Fische – sie sind türkisfarben wie der Larimar. Es gibt eine ganze Menge davon, genauso wie übergroße Schmetterlinge und Vögel, die über dem schillernden Wasser dahingleiten. Eisvögel, deren Gefieder die Umgebung spiegelt, stürzen sich ins Wasser und tauchen schnell mit Beute auf, die genauso bunt ist, wie sie selbst.

Es wird Zeit zu gehen, aber immer wieder drehe ich mich entzückt um, auch wenn die Höhlen-Ränder wieder mit jedem Schritt den Blick auf das aquarellige Grünblau verengen. Kurz darauf frage ich mich, ob ich diese üppige Pracht, den See, die vielen bunten Vögel, Schmetterlinge und Fische nur geträumt habe? Denn in ziemlicher Dunkelheit bringt uns die kleine Fähre wieder über “La Nevera”, den Kühlschrank, zurück zum Ausgang.

Im Urwald der "Los tres Ojos" in Santo Domingo

Ich möchte nun auch von außen einen Blick auf den größten der Seen erhaschen. Viele interessante Pflanzen und Tiere gibt es zu entdecken. Hier begegnen mir auch das erste Mal eine Unmenge Sanseveria-Schwerter unter den Bäumen. Später werde ich sie im riesigen Urwald wiedersehen, wo sie große Flächen unter den Gehölzen einnehmen, ähnlich unseren Wald-Gräsern oder -Moos.

Blick von oben auf "Los Zaramaguyones", 4. See der "Los tres Ojos" in Santo Domingo
“Los Zaramaguyones”, 4. See der “Los tres Ojos” in Santo Domingo Blick von oben

Dann öffnet sich tatsächlich der grüne Vorhang und gibt einen neuen Blick auf “Los Zaramaguyones” frei. Jetzt kann ich den vulkanischen Ursprung erkennen, es ist ein Kratersee. Hier im oberen Park, der zu den “Tres Ojos” gehört, die ja in Wahrheit “vier Augen” sind, blühen tatsächlich nicht mehr viele Pflanzen. Es spricht einiges dafür, dass Weihnachten doch nicht mehr weit ist!

Es wird tierisch, aber nicht ernst!

Der Zoo ist auch unmittelbar vor Weihnachten geöffnet – also nichts wie hin! Als wir uns kurz verfahren, landen wir in einem ziemlich üblen Slum-Viertel, ohne Wasser, ohne Strom, einfache Behelfshütten, die aneinanderkleben und sich so gegenseitig vor dem Umfallen bewahren. Eine Straßenreinigung oder Müllabfuhr kennen diese Ecken augenscheinlich nicht. Es wirkt bedrückend, ja, sogar Furcht einflößend und wir sind heilfroh, als wir zur Hauptstraße zurückfinden, denn hier gibt es keine Touristen-Polizei!

Wasserlandschaft im Zoo von Santo Domingo
Wasserlandschaft im Zoo

Der Zoo hat ähnlich große Ausmaße wie der Botanische Garten in der Nähe. Dieser großen grünen Lunge im Norden und dem Meer im Süden hat Santo Domingo zu verdanken, dass es keinen Smog gibt. Dichten Verkehr gibt es in der Stadt nämlich zu jeder Zeit. Auch hier im Zoo gibt es, wie im Botanischen Garten, große Wasser-Landschaften, demgemäß auch Unmengen an Flamingos, Enten, Schwänen und anderen Wasservögeln. Offensichtlich sind wir nicht die Einzigen, die mit “Flamingo-Sightseeing” beschäftigt sind. Wir müssen über die beiden Enten herzlich lachen, ihr Interesse an den großen orangefarbenen Vögeln scheint offensichtlich.

Enten und Flamingos im Zoo von Santo Domingo

Auch im Zoo hilft ein kleiner Touristen-Zug, die großen Distanzen schneller zu überwinden. Es ist wieder heiß, so fahren wir gerne ein Stück mit. Die Sammlung an großen Laufvögeln ist beeindruckend, Kasuare, Strauße und Emus sind zu sehen. Bei Familie Strauß menschelt es gewaltig. Während das Männchen sich mit Macho-Gehabe aufplustert und stolz vor uns steht, ist seine Madame doch ziemlich neugierig und dreht den Spieß einfach um. Interessiert verfolgt sie jede unserer Bewegungen. Sie nimmt auch entzückt zur Kenntnis, dass meine Begleiter ein kleines Video von ihr drehen – schon verbiegt sie sich noch mehr.

Viele Säugetiere, wie dieses Impala, eine große Antilopen-Art, haben enorm viel Platz. Grund steht dem Staat hier unendlich zur Verfügung. Alles was darüber hinausgeht, ist oft nicht machbar. Darum bin traurig, dass der Zoo nicht einfach auf die Haltung von Raubkatzen und Affen verzichtet, deren Gehege, sicher aus Kostengründen, doch relativ klein sind. Eine einzige Elefantendame, der einstige große Stolz des Zoos, ist längst gestorben. Vielleicht ist jetzt die wirklich neue Attraktion für die Dominikaner eine einsame aber echte Milchkuh aus Europa?!

Die Leguane und Papageien zwischen den afrikanischen Tulpenbäumen, die zu dieser Jahreszeit in voller Blüte sind, gefallen mir dagegen sehr. Bei Señor “Tukan” ist Essens-Pause, da wollen wir nicht stören. Im Gegenteil, wir bekommen langsam selber Hunger und gehen zurück zum Eingangsbereich. In der späten Nachmittagssonne sind die Farben noch viel intensiver geworden. Die Flamingos leuchten jetzt knallorange aus intensiv türkisem Wasser. Die Enten sind längst verschwunden und das tun wir jetzt auch. Noch ein Blick zurück, über die Wasserlandschaft des Zoos, dann meldet sich ausdrücklich der Magen mit einem deutlichen Knurren.

Wasserlandschaft im Zoo von Santo Domingo

Landestypische Küche am Malecón

Nicht zum ersten Mal fahren wir direkt zum Paseo Presidente Billini # 7 in das Restaurant “Malecón 7”, wo wir stets einen Platz direkt am Wasser bekommen und zwischen internationaler und landestypischer Küche wählen können. Wer in diesem Kontinent unterwegs ist, muss sich die Restaurants gut aussuchen. Denn, so wie man in den Hotels ausschließlich mit Trinkwasser aus der Flasche Zähne putzt, so ist es auch wichtig auf gute saubere Restaurants zum Essen zu achten, die sich strikt an diese wichtigste Regel mit sauberem Wasser halten. Wenn wir unsicher sind, essen wir ausschließlich Gekochtes oder Gebratenes, kein Obst (ohne Schale), keinen Salat, kein Eis. Im “Malecón 7” können wir unbedenklich alles genießen.

Landestypisches Gericht in Santo Domingo

Sonne, Meer und diese Landschaft, das ist der Reichtum der Dominikaner. So verwundert es nicht, dass man immer und überall eine heitere Grundstimmung wahrnehmen kann. Immer wieder ist laute Musik-Beschallung aus den Häusern und Autos zu hören. Niemanden scheint die Lautstärke der lateinamerikanischen Rhythmen zu stören. Im Gegenteil, es wird gelacht, mitgesungen und auch schnell mal ein Tänzchen gewagt. So nehme ich das “normale” Leben in der Hauptstadt wahr. Und ich bin täglich gespannter auf den Weihnachts-Abend.

Und wie ist Weihnachten?

Fahrt zur Cueva de las Maravillas

Der Weihnachts-Vormittag ist angebrochen. Wir wollen die Cueva de las Maravillas (Höhle der Wunder) besuchen. Auf der zweispurigen Schnellstraße erreichen wir bald die Abzweigung nach Nord-Westen. Aber schon mehrere Meter nach der Kreuzung werden wir von einer Polizeistreife angehalten. Das Maschinengewehr lässig auf den linken Vorderreifen gerichtet, teilt der Polizist bedeutsam mit, dass “El Commandante” uns sprechen will. Ich öffne mein Fenster und höre zu, wie sich eine süffisante, freundliche Unterhaltung mit einigen Spitzen und Kanten zwischen meinem chauffierenden Begleiter und dem Commandante  entwickelt. “Es ist Weihnachten, der Dienst ist hart und gefährlich, die Bezahlung ist miserabel und die Polizisten würden doch an Weihnachten auch gerne mal ein Hühnchen essen.” So die Quintessenz der charmant vorgetragenen Begründung, warum wir angehalten wurden. Während mein Begleiter sein tiefes Bedauern über die schlechte Bezahlung der Polizei ausdrückt und die Tapferkeit des Commandante und seiner Männer heraushebt, sehe ich, dass meine schwarze Handtasche so gut wie unsichtbar unter dem Handschuhfach hinter meinen Füßen liegt. Ich greife daher geistesgegenwärtig in das offene Fach, wo ein 50 Peso-Schein (etwa 1 Euro) Wechselgeld, der Straßengebühr liegt und reiche ihn dem Polizisten mit einem bedauernden Achselzucken. Der Commandante ist enttäuscht und schaut etwas unschlüssig auf meine “Weihnachts-Spende”, aber hinter uns steht bereits der nächste angehaltene Wagen. Auf ihn ist jetzt das Maschinengewehr gerichtet, darum  muss sich der Polizist auf das Ausnehmen der nächsten “Weihnachtsgans” konzentrieren. Nach diesem kleinen Abenteuer fahren wir beschwingt zur Höhle weiter, das hätte auch viel teurer für uns enden können!

In der Höhle der Wunder

Mit einem Guide betreten wir dann die gut erschlossene Höhle. Bewegungs-Melder leuchten einzelne Tropfstein-Gebilde punktuell an. Als wir den kleinen See erreichen, wechselt das weiße Licht zu einem bläulichen Ton, als Symbol für das Wasser. Mir ist das alles zu inszeniert, zu gewollt und die wirklich wunderschöne Tropfstein-Höhle wird etwas “disneymäßig” vermarktet. Am besten finde ich die etwa 250 Felsmalereien der Taíno, die zwar im Laufe der Jahrhunderte verwittert sind, aber immer wieder, mit der roten Farbe, mit der ich in der Fun Fun Höhle noch direkt Bekanntschaft machen werde, nachgemalt wird. Vielleicht sind ja diese Zeugen der Vergangenheit der Grund dafür, dass ich hier nicht fotografieren darf. Natürlich durfte ich auch den Commandante nicht ablichten, also gibt es in diesem letzten Abschnitt keine Fotos zu sehen. Interessanter finde ich dann im Außenbereich das große, weitläufige Leguan-Gehege und die exotischen Pflanzen darin. Doch, die Höhle ist groß und wunderbar, aber weder das Ereignis mit dem Commandante, noch die Höhle Maravilla selbst, können an den Tag in der Fun Fun Höhle und die Rückfahrt von dort, heranreichen, mit dem vielleicht aufregendsten Tag meines Lebens.  Davon erzählt dann allerdings ab dem 25.09.20 der II.Teil:

Dominikanische Republik  II.Teil  

Abenteuer über und unter der Erde 

Die Fun Fun Höhle und eine gefährliche Rückfahrt.

In der Zona Colonial in Santo Domingo

Aber nun beginnt erst einmal ein fröhlicher Weihnachtsabend mit viel Essen, Alkohol, Musik und Tanz – andere Länder, andere Sitten!

Bougainvillea
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2 Kommentare

  • Christa Schroth sagt:

    Wunderbare Morgenlektüre bei draußen Blitz und Donner und ☔️ Regen . Bin eingetaucht in den Wundersee und sehe die Farben vor mir .

    • Das Wurzerl sagt:

      Guten Morgen liebe Christa, bei uns war das Wetter mitten in der Nacht. Der Regen prasselte so stark, dass ich nicht schlafen konnte. Jetzt hat es sich beruhigt.
      Ich wünsche Dir einen guten Tag
      Wurzerl