Kwekerij en Kijktuin, Aan de Dijk

Gärtnerei und Schaugarten Jan Dijkstra am Deich

Endlich war ich das erste Mal in einer Gärtnerei in den Niederlanden! Erna de Wolff, (auf Website: Garten und Kunst Erna de Wolff) brachte mich im September 2021 das erste Mal zu Jan und ich war so begeistert von dieser Gärtnerei und dem Schaugarten, dass ich meinen Besuch Ende Mai dieses Jahres unbedingt wiederholen wollte.

Es klappt und ich stehe tatsächlich erneut zwischen den Verkaufstischen der Gärtnerei, die in aller Gemütlichkeit von einem Staketenzaun umrahmt werden. Jan arbeitet hier oft alleine, denn seine Frau Janneke ist nur zur Hälfte in den Betrieb involviert.

Wenn Ihr die Zeit und Gelegenheit habt, dann hebt Euch den Aufenthalt in der Gärtnerei bis zu Schluss auf und besucht erst einmal zum Entschleunigen, zur Anregung und Freude, den Schaugarten. Meldet Ihr Euch vorher an, dann könnt Ihr vielleicht auch eine Führung von Jan zu den Staudenschätzen im Bambuswald bekommen. Natürlich nur, wenn er Zeit hat, denn klar, mit eineinhalb Personen so ein 3000 qm großes Gelände, samt dem Verkauf, zu stemmen, das ist schon eine Wahnsinns-Leistung, noch dazu, wenn man bedenkt, dass Jan bis zu 80 % der Pflanzen, die er verkauft, selbst produziert.

Schon im ersten Beet, es gibt nicht viele klassische Beete in diesem besonderen Areal, entdecke ich mit Chionochloa rubra, Achnatherum calamagrostis und Fargesia ‘Volcano’ die ersten Gräser. Jan liebt ihre Vielfalt.

Dieses Mal kenne ich mich schon ein wenig aus und marschiere alleine in Richtung Buchen-Kathedrale und Bambus-Wäldchen. Sträucher wie Physocarpus ‘Diabolo’, der sich mit einer rosa schimmernden Perlenkette aus Akeleienblüten umgibt, begleiten mich am Weg. Auf dem großen Holztisch sitzt Teigertje. Das Tigerchen macht sich doch gut als Head Gardener, schaut mir aber etwas skeptisch nach, ob ich auch imstande sei, alleine die botanischen Schätze im Wäldchen zu finden. Als ich den Duft der Schwalbenwurz, Cynanchum ascyrifolium, in die Nase bekomme, steht schon die erste Wunschpflanze auf meinem geistigen Bestellzettel. Sie blüht so lange, duftet so fein und ist so attraktiv, dass ich mich wundere, wie unbekannt diese Staude bei uns noch ist.

Melittis melissophyllum, Immenblatt – Calycanthus x raulstonii ‘Hartlage Wine’, Gewürzstrauch – Aconitum ‘ Purple Sparrow’, Eisenhut

Mit der Akelei habe ich ja das Riesenglück, dass ich sie gut kenne, denn ich stehe immer öfter ratlos vor Pflanzen, die ich nicht sofort namentlich einordnen kann und froh bin, wenn ich wenigstens die Gattung kenne. Es ist wirklich spannend in der Gärtnerei am Deich!

Und es wird auch immer noch interessanter. Hier stehe ich vor der sogenannten Buchenkathedrale. Sie ist von Jan aus Fagus sylvatica gepflanzt worden. Eigentlich sollte man hier einen Drohnenflug präsentieren können, anders wird man diesem Gelände nicht wirklich gerecht. Aber immerhin kann ich Euch ein Video zeigen. Klickt Euch bitte hinein, stellt den Ton laut und Ihr könnt Jan direkt in seiner Buchenkathedrale kennenlernen:

Freundlicherweise hat Erna de Wolff das Video mit Jan und seiner Buchenkathedrale gemacht. Vielen Dank liebe Erna, dass Du das für mich vorbereitet hast, während ich staunend durch den Schaugarten streife.

Convallaria majalis ‘Fernwood’s Golden Slippers’, Maiglöckchen – Polygonatum ‘Golden Gift’, Salomonssiegel – Dysosma ‘Kaleidoscope’, Maiapfel

Normalerweise schaut man in einer Kathedrale ja nach oben, nicht so ich. Schnell habe ich gemerkt, dass in diesem Bereich und außen herum viele goldgelblaubige Stauden stehen. Auch die Euphorbienblüten spielen hier mit und begleiten mich gelb verbändert bis zum Bambus.

Als ich im Bambuswäldchen ankomme, ändert sich meine Stimmung völlig. Das Erhabenheitsgefühl innerhalb der Buchenkathedrale weicht purer Neugier und kribbelnder Spannung; gleichsam, als hätte ich erneut das Huáng Shān Gebirge im Süden Chinas betreten. Fünf verschiedene Bambusarten gedeihen im Schaugarten. In diesem Bereich, wo ich mich gerade aufhalte, sind es Semiarundinaria fastuosa, der Säulenbambus und Phyllostachys vivax ‘Huangwenzhu’, der Gelbe Furchen-Bambus. Der letztere ist wahrscheinlich der winterhärteste Bambus der Gattung Phyllostachys. Auch wenn die Igelkraftwurz, Oplopanax horridus, ursprünglich in Nordamerika beheimatet ist, so passt ihr Charakter gut in die vorhandene Bambuswald-Stimmung. Perfekt wirkt natürlich der Chinesische Maiapfel, Dysosma pleiantha (vormals Podophyllum), den ich hier auch vorfinde.

Phyllostachys vivax ‘Aureocaulis’, eine Mutation von Ph. v. ‘Huangwenzhu’, Phyllostachys aureosulcata ‘Spectabilis’, der Rauhe Gelbrinden-Bambus und Phyllostachys aureosulcata ‘Aureocaulis’, bekannt als Goldener Peking Bambus, ebenfalls sehr gut winterhart, sind weitere Bambussorten im Schaugarten am Deich. Viele schattenliebende Stauden fühlen sich in diesem Habitat wohl. So zum Beispiel die Gattung Disporum; auf dem Foto ist ein Sämling von Disporum ‘Night Heron’ zu sehen.

Dysosma versipellis, Maiapfel, Polystichum setiferum ‘Proliferum Herrenhausen’ Sämling – Maianthemum racemosum, Schattenblümchen – Boehmeria tricuspis, Boehmeria platanifolia, Persicaria ‘Red Dragon’,Pulmonaria Sämling

Vor 21 Jahren eröffnete Jan gleichzeitig die Gärtnerei und den Schaugarten. Damals frönte er hauptsächlich seiner Vorliebe für die Gräser. Mit dem Wachsen und Gedeihen des Bambuswäldchens kam mehr und mehr Schatten auf das Gelände und nachdem Jan dann etwa 7 Jahre später begonnen hatte die Buchenkathedrale zu pflanzen, war viel geeigneter Platz für Jans nächste botanische Leidenschaft geboren worden – für die Schattenstauden, zwischen denen ich gerade total fasziniert hindurch schlendere.

In der Pflanzenverkaufs-Auflistung der Gärtnerei findet sich inzwischen bei Bambus fast nur noch die Gattung Fargesia. Diese Bambus-Arten und -Sorten wachsen horstig, so dass die Kunden keine aufwendigen Rhizom-Sperren, wie bei Phyllostachys benötigen, was den meisten viel zu aufwendig wäre. Wie schade, ich habe leider einen sehr kleinen Garten, sonst gäbe es bei mir sicher ein Bambus-Wäldchen mit dem Goldenen Peking Bambus. Aber alleine, dass ich das hier bewundern darf, tut  mir gut. Ich betrachte immer wieder abwechselnd die Bambusspitzen, die sich im Deich-Lüftchen wiegen und am Boden die zahlreichen grünen Edelsteine, von denen ich immer noch mehr entdecke.

Alles ist am richtigen Platz und hat sich in den beiden letzten Jahrzehnten mit einem großen Selbstverständnis hier entwickelt. Aus der anfänglichen Liebe zu den Gräsern und der Pflanzung des Bambuswäldchens, sowie der nachfolgenden Buchenkathedrale, war der Platz für die vielen besonderen Schattenstauden entstanden. Nicht zuletzt aus seiner Liebe zur Natur legte Jan noch ein weiteres Habitat im Schaugarten an – eine Stumpery. Die dort eingebrachten Hölzer wirken alles andere als tot. Man spürt förmlich, wie viele Insekten und Mikroorganismen sich in diesen kostbaren alten Weidepfählen und Gehölz-Resten einquartiert haben.  

Asplenium undulatum – Polystichum setiferum ‘Plumosum Densum’, Flaumfeder-Filigranfarn – Dysosma ‘Spotty Dotty’

Viele Farne haben neben anderen Stauden in der Stumpery ihr Zuhause gefunden. Farne produziert Jan kaum selbst. Sie gehören zu dem Fünftel an Pflanzen, die er dazukauft. 

Während ich langsam durch die sonnigeren Bereiche zurück zur Verkaufs-Gärtnerei schlendere, denke ich wieder an die Stumpery, die Hoffnung auf eine Zukunft macht; an die erhabene Wirkung der Buchenkathedrale; aber doch vor allem sehr konzentriert an die starke Wirkung des Bambuswäldchens.

Bambus hatte vor allem im Alten China eine große Bedeutung. Urplötzlich sehe ich Parallelen vor mir, von der Persönlichkeit des niederländischen Deichgärtners Jan zu den Eigenschaften, die dem Bambus in China zugeschrieben werden. Mit großer Ausdauer begann Jan vor 21 Jahren seine ersten Bambusse zu setzen. Nach und nach wurde mit der zunehmenden Beschattung seine Flexibilität bei der Auswahl der Stauden gefordert. Die Beständigkeit im Schaugarten Aan de Dijk und das Gärtner-Glück von Jan sind hier stets spürbar. Auch ich merke hier meine große Zufriedenheit und ein Stück Gartenglück.

Am Ende meines Rundganges frage ich Jan: “Warum strahlt Dein Garten so eine ungeahnte Kraft auf mich aus?” Seine Antwort kommt spontan: “Renate, das ist so, weil Du diesen Garten nicht einfach betrachtest, sondern ein Teil von ihm geworden bist.” Gibt es ein schöneres Schlusswort?

Doch etwas fällt mir noch ein! Wenn Ihr aus diesem Kraftort gerne Stauden haben möchtet, so müsst Ihr vorbeikommen. Wie die meisten Einzelkämpfer und Individualisten besitzt Jan keine Zeit für einen Internetshop.

Gärtnerei und Schaugarten am Deich, Kwekerij en Kijktuin, Aan de Dijk, Jan Dijkstra, Dijkweg 99, 9984 NX Oudeschip, Provinz Groningen, Niederlande

Kontakt: kwekerijaandedijk@outlook.com oder Handy 0031623279369

Website: www.kwekerijaandedijk.nl

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6 Kommentare

  • Liebe Renate

    Wau 🙂
    und ich war dabei und bin auch häufiger bei Jan, um dort Pflanzen zu holen. Du hast es so schön erfasst. Danke für den Bericht.

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Erna, ohne Dich hätte ich diese wunderbare Gärtnerei in den Niederlanden nie kennengelernt – darum danke ich Dir! Wenn man bedenkt, dass es von Ostfriesland gerade mal eine Stunde Fahrt ist, wünscht man sich, dass noch viel mehr Gartenmenschen dieses grüne Juwel entdecken. LG Wurzerl

  • Susanna sagt:

    Liebe Renate,
    dieser Garten ist ja ein wahres Juwel! Ich liebe schattige Gärten und die hier gezeigte Pflanzenvielfalt ist wunderbar. Herrlich, wie mit den Laubfarben gespielt wird!
    Liebe Grüße
    Susanna

  • Hallo Renate,
    so schön so ein Bambuswald auch ist, aber ich hätte Angst, dass er trotz Wurzelsperre Amok läuft. Für Bienen ist er ja auch nichts, der sieht nur gut aus.
    Viele Grüße
    Elke

    • Das Wurzerl sagt:

      Lach, da sind Pandas sicher ganz anderer Ansicht, aber klar, wann verläuft sich schon mal einer zu uns. Und klar… so ein Luxus ist etwas für Großgrund-Besitzer hierzulande. Einige Quadratmeter einfach nur Grün zum Luftfiltern sind doch auch nicht schlecht. LG Wurzerl