Gärten von Schloss Trauttmansdorff

Gärten Schloss Trauttmansdorff

Der Botanische Garten der Kurstadt Meran

Zweimal konnte ich bisher die Gärten von Schloss Trauttmansdorff am östlichen Stadtrand von Meran in Südtirol besuchen. Der botanische Garten ist nach dem alten Schloss Trauttmansdorff benannt und breitet sich über 12 ha Bergland mit einem Höhenunterschied von etwa 100 m aus. Seit 2001 kann man innerhalb einer atemberaubenden Gebirgs-Kulisse Natur- und Kultur-Landschaften aus aller Welt, botanische Raritäten, Themengärten und die natürliche Vegetation Südtirols genießen.

Der Botanische Garten Merans liegt im Etschtal und ist eingerahmt nordseitig von der Texelgruppe, die zu den Ötztaler Alpen gehört, ostseitig von den Sarntaler Alpen und im Südwesten von Ausläufern der Ortler-Alpen.

Die Ursprünge des Schlosses, das heutzutage das Südtiroler Landesmuseum beherbergt, gehen bis ins Mittelalter zurück. Als 1989 eine umfassende Erneuerung im Schloss anstand, beschloss man, die besonderen klimatischen Bedingungen Merans zu nutzen und hier einen botanischen Garten zu planen.

Die Lage des Schlosses ist extraordinär, Terrassen und Sonnenhänge mit unterschiedlichen Vegetationsbildern begleiten den Besucher hinunter zur Wasserlandschaft.

Sechs Jahre später begann man den Garten zu modulieren und anzulegen. Nach weiteren 7 Jahren, in denen ca. 24 Millionen Euro verbaut und bepflanzt worden waren, konnte 2001 der botanische Garten eröffnet werden. Bereits im ersten Jahr überzeugte er die Besucher, denn es wurde mit zahlreichen “erwachsenen” Pflanzen ein präsentabler Garten schon zur Eröffnung gezeigt. Darunter befindet sich ein 700 Jahre alter Olivenbaum, der ursprünglich aus Sardinien stammt. Für seinen Transport in den Park wurde ein eigener Wagen gebaut, da er beim Umzug 5.8 Tonnen wog. Der Stammumfang dieses uralten Baumes, der als langlebigste Kulturpflanze der Erde gilt, beträgt 3 m.

700 Jahre alt ist dieser Olivenbaum, Olea europaea, der das Ende des großzügigen Olivenhains unter dem Schloss markiert. Die Wildblumenwiesen im Hain erzeugen Sehnsucht nach der Toskana.

Das große Areal gliedert sich in vier Zonen: Wald- Sonnen- Wasser- und Terrassen-Gärten. Da diese vier Zonen in allen Bereichen fließend ineinander übergehen und es viele kleine Besonderheiten, wie Ausstellungen, Themen-Gärten, oder Highlights wie die Aussichtsplattform “mit Meran unten und der Berg-Kulisse oben” zu sehen gibt, verzichte ich auf einen herkömmlichen Garten-Spaziergang und springe einfach von einem Lieblingsplatz zum anderen. Die Fotos vom Oliven-Hain sind schon einer dieser Plätze, die man am liebsten nie mehr verlässt, wenn man sie entdeckt hat.

Rosa banksiae lutea legt sich über einige Pergola-Schattengänge, oder hängt weit über die Mauer-Brüstung und blüht sich mit meterlangen Ranken in einem vanillegelben Wasserfall bis in die Wildblumenwiese des Olivenhains.

Es ist Mittagszeit und durch die knallende Sonne am Hang und den krassen Schlagschatten kann ich nicht so leicht digifieren. Ich entscheide mich, bevor ich das botanische Amphitheater in die Wasserlandschaft hinabsteige, mich zuerst durch die öfter eingestreuten beschattenden Pergolas, die mit Rosa banksiae lutea oder schneeweißen Wisterias bepflanzt sind, nach oben zu bewegen. Die Aussichts-Plattform winkt schon von weitem, aber ich gewinne kaum Höhenmeter, weil ich immer wieder stehenbleibe. Ok, ich schnaufe auch wie ein Nilpferd bei der Mittagshitze, aber der eigentliche Grund sind die herrlichen Pflanzenbilder, die mich immer wieder zum Halten veranlassen.

Die Sonnenhänge lachen mit fröhlichen Blumengesichtern auf die Wege, hier Anemone coronaria ‘De Caen’ und Iris x hollandica.

Das natürliche Amphitheater bekam eine weitere gestalterische Dimension, als nach einem Hang-Rutsch, die “Blühenden Lehmwände” (sehr steil angelegte Staudenbeete) realisiert wurden.

In den blühenden Lehmwänden gedeihen Steingartenpflanzen (Euphorbien und Helianthemum) neben Schmuckstauden und Annuellen (Levkojen). Beeindruckend mäandert ein blühender Gebirgsbach den Steilhang hinunter.

Meine Begeisterung ist nicht zu bremsen. Aber meine Entscheidungsfreude, wohin zuerst schauen? Der Hang bietet mir immer neue senkrechte Blütengemälde, aber wende ich mich vom Hang ab, schweifen die Augen automatisch auf die schneebedeckten Gipfel der Bergwelt rundum.

Blühende Gemälde im Steilhang begleiten mich nach oben, wo die Aussicht über das Etschtal, die Gärten und die Berg-Kulisse beeindruckend ist. Weiter unten angekommen, erfreuen die unterschiedlichsten Blühpolster der Mauerkronen auf Augenhöhe.

Ganz oben angekommen genieße ich den herrlichen Blick und halte alles, was möglich ist, mit der Kamera fest. Dabei weiß ich genau Palmen, exotische Blüten und Schneegipfel dazu – wie soll das jemals wieder aus meinem Kopf hinausfinden? Meiner ist jetzt jedenfalls so frei, dass ich den Abstieg zum Wald- und Wasser-Garten nütze um weitere Details über die Gärten zu erzählen.

Camellia reticulata x japonica ‘Dr. Clifford Park’s’, Spartium junceum und Hibiscus rosa-sinensis blühen verschwenderisch an den Wegrändern in den flacher werdenden Gartenteilen.

Das Experimentieren mit exotischen Gehölzen hat in Meran bereits eine mehr als 150 Jahre andauernde Tradition. Palmen, Ginkgos, Kamelien oder Magnolien prägten schon vor langer Zeit das Stadtbild.

Diese Wiesen- und Bauerngärtchen-Szenen könnte man sicher auch bei Wanderungen im Etschtal finden. Besonders begeistert die Kombination in der Blumenwiese von rotem Klee, blauem Natternkopf und weißen Dichternarzissen.

Neben den über 80 Gartenlandschaften aus aller Welt, die sich auf die vier unterschiedlichen Gartenwelten verteilen, findet sich hier eine große Biodiversität und ein besonderes Augenmerk ist auf den Erhalt und die Pflege alter und seltener Arten und Sorten gelegt. So ist man nicht verwundert, wenn man plötzlich in einem Südtiroler Bauerngärtchen steht oder eine herrliche hiesige Wildblumenwiese antrifft.

Der Spannungsbogen an Themen ist groß – hier ein asiatischer Meditationsgarten – er geht nahtlos in den Waldgarten über.

In den Waldgärten, vom Schloss aus nördlich, wurden Naturlandschaften aus Gebieten unserer Erde, mit ähnlich klimatischen Bedingungen, wie sie Meran hat, angelegt. Auch Themengärten wie der Japangarten, als Meditationsgarten eingefügt, sind hier zu finden. Damit nicht genug gibt es auch Kulturlandschaften mit Reis- und Teefeldern, ein “Urzeittal” mit lebenden Fossilien und Gärten zum Thema: Rhododendren, Paeonien und Prunus.

Pinus pinaster, Strandkiefer und Quercus suber, Korkeiche und Pinus wallichiana, Tränen-Kiefer

Einen Schwerpunkt der Sonnengärten bilden die mediterranen Natur- und Kulturlandschaften. Neben den Olivenbäumen wachsen auch Kork- und Steineichen auf dem sonnigen Südhang, als Beispiele für die ursprüngliche mediterrane Vegetation am Mittelmeer.

Ceanothus thyrsiflorus var. repens, kriechende Säckelblume und Citrus limon, Zitronenbaum und Rosa glauca

Heutzutage sind es gestrüppartige Landschaften, die als Macchia oder Garigue bezeichnet werden. Als Beispiel für eine südliche Kulturlandschaft gibt es einen Hain mit Zitrusgewächsen zu sehen, eine sogenannte Limonaia. Der nördlichste Olivenhain gehört aber genauso zu den Kulturgewächsen, wie die aromatischen Zwergsträucher mit Oregano, Rosmarin oder Salbei (eine Salbeisammlung ist mit mehr als 150 Arten und Sorten hier vertreten). Auch Granatapfel- Maulbeer- und Feigenbäume gedeihen im Sonnenhang und auch die Sukkulenten-Sammlung mit Kakteen, Aloen und Agaven ist hier angesiedelt.

Weiß, weiß, weiß sind alle meine Kleider” – aber auch der Schnee auf den Gipfeln, die Kirschblüten und der Vorhang der weißen Wisteria, der von der Pergola dekorativ herunterfällt.

Als ich wieder im Bereich der Pergolas ankomme, weiß ich, dass sich gleich der Blick auf den Wassergarten öffnen wird. Diesen Bereich habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben.

Der Wildcharakter von Paeonia lutea und Narcissus poeticus ist sehr charmant. Wasser ist Leben, Wasserdost, Goldraute und Gräser nehmen das wörtlich und scheinen gar in das Nass hineinspringen zu wollen.

Die Wasser- und Terrassengärten sind der europäischen Gartenarchitektur gewidmet. Es finden sich Elemente eines italienischen Renaissance-Gartens genauso wie ein englischer Staudengarten, oder ein Irrgarten. Ein “Garten für die Sinne” mit aromatischen Zwergsträuchern in Hochbeeten ist hier genauso vertreten, wie geometrisch angelegte Teiche und Gärten, die mit einem Palmenwald als Kulisse am anderen Ende gesäumt sind. Manchmal scheint es ein heilloses Durcheinander zu sein, wenn man darüber liest. Ein Seerosen- Lotosblumenteich, gesäumt von Palmen, davor in den Themengärten Duftrosen, Paeonien, Passiflora und Clematis. Wer kann sich das vorstellen? Ich helfe einfach einmal mit einer Bilderläuterung aus:

Impressionen aus dem Wassergarten, große Teile der Uferbepflanzung bestehen aus Beet-Prachtstauden, was sofort ein völlig anderes Uferbild ergibt.

Schloss Trauttmansdorff thront an exponierter Stelle, unübersehbar! Es geht weit und steil nach unten, die Mauer ist so breit wie das Gebäude und es geht einige Meter nach unten zu den waagrecht gepflanzten Olivenhainen, die senkrecht von Mittelmeerzypressen “eingezäunt” sind. Dieser streng gegliederte Bereich löst sich nun in der großzügig angelegten See-Fläche auf. Verschiedene grüntonige Gehölze schaffen mit ihren Strukturen in diesem bewegten Gelände ganzjährig ein interessantes Gartenbild. Aber es ist Frühling – die Sonne scheint und sie tut das auch auf dem Südhang, den Terrassengärten und am Ufer. Stolz ragen darum die Trichter der gelben Taglilienblüten in das Azurblau des Himmels. Auf den gegenüberliegenden Terrassen schmücken sich mehrere Chamaerops humilis mit einem gigantischen Blütenflor in der gleichen Farbe gelb. Wie Sonnenflecken leuchten die Blüten über das Wasser und korrespondieren mit den Hemerocallisblüten. Auch die Farbe des Schlosses ist gelblich, zurückhaltend, es kennt seine Pracht und muss den Blüten nicht die Schau stehlen. Aber habt Ihr schon das I-Tüpfelchen des Ganzen gesehen? Von der Mauer hängen die ewig langen Ranken der Rosa banksiae lutea, wie ein gelber Wasserfall eilen sie nach unten. Auf der anderen Hälfte der Mauer blüht eine weiße Rose, die wohl die Gischt des Wasserfalls darstellt und einen Verbindungs-Dreiklang mit einer Schloss-Wandfarbe und zweier Rosenfarben bildet. Und mit genau diesem Fingerspitzengefühl funktionieren die Gärten von Schloss Trauttmansdorff so perfekt, dass es letztlich eben doch ein einziger stimmiger, wunderbarer Garten mit tausend Puzzle-Angeboten ist.

Auch die vielen Exoten rund um den Wassergarten, wie der Blütenstand von Chamaerops humilis, prägen ganz besondere Bilder. Inzwischen ist die blaue Stunde angebrochen, Zeit zu gehen. Die Palmen unter dem Azur-Himmel vor den schneebedeckten Gipfeln werde ich niemals vergessen.

Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff sind mehrfach ausgezeichnet worden, es folgen einige der bedeutendsten:

Als die Gärten 2005 zum schönsten Garten Italiens gekürt wurden, hieß die Begründung: “Die Gärten stellen eine gelungene Verbindung zwischen Natur, Kultur und Kunst dar, dank einem unermüdlichen Innovationsgeist. Im Frühling 2013 wurden die Gärten schließlich auf der International Garden Tourism Conference im kanadischen Toronto zum “Internationalen Garten des Jahres 2013” gewählt.

Italien, Südtirol, I-39012 Meran, Naifdammweg, Gärten Schloss Trauttmansdorff, 12 ha, Botanischer Garten der Kurstadt Meran

Wenn es keine kurzfristige Änderung gibt, öffnet der Park wieder am 01.04.2021 mit 350000 Frühlingsboten

https://www.trauttmansdorff.it/die-gaerten-von-schloss-trauttmansdorff.html

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2 Kommentare

  • Karin sagt:

    Ich war total hingerissen von diesen Gärten. Sie sind so wunderschön. Man könnte sich tagelang dort aufhalten.

    • Das Wurzerl sagt:

      Genau so ist es und, wenn man das geschafft hat, wird man feststellen, dass man immer noch nicht den Großteil des Parks kennt. Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag. Wurzerl