Dina Defermes Garten-Paradies

Garten Dina Deferme, Belgien

Der reale Traum einer belgischen Gartenarchitektin.

Auf nach Belgien

Als Münchnerin habe ich natürlich ein Vorstellung von Gärten in Österreich, der Schweiz oder Italien. Aber Deutschland hat ja auch Nachbarn im Westen, Norden und Osten. Gut, den Norden kenne ich etwas, aber hauptsächlich die nördlichen deutschen Bundesländer. Auch über den Ärmelkanal bin ich schon oft geschippert, die Gärten Großbritanniens haben ja sogar eine eigene Sparte auf meiner Website.

Nun, aus Grübeleien werden bei mir schnell reale Pläne,  also besuche ich  doch einfach einmal unsere nördlich angrenzenden Nachbarn in Belgien. Wie man gleich sehen kann, war die Idee nicht schlecht!

Garten Dina Deferme, Belgien

Dina Deferme hat ihre Vorstellung vom Paradies auf Erden verwirklicht. Romantisch, verspielt und meisterhaft gekonnt hat sich die Gartenarchitektin mit ihrem Werk beschäftigt und damit versucht ihr persönliches Schicksal zu verarbeiten.

Nach einem schweren Verbrennungs-Unfall musste die Gartenarchitektin 30 Operationen durchmachen und lebte lange Zeit sehr zurückgezogen. In dieser schweren Zeit, zwischen den einzelnen Eingriffen plante sie das Paradies für ihre Seele, das sie selber “Balsam für die Wunden” nennt.

Nichts kann die wohltuende Ruhe, aber auch anregende Schönheit dieses harmonischen Gartens besser wiedergeben, als ein realer Besuch in Dina Defermes Paradies. Aber als Anregung, belgische Gärten zu besuchen, mag mein virtueller Spaziergang ersatzweise dienen.

Rund um das Haus

Lang zieht sich der Zugangs-Bereich zum Haus hin. Das nützte Dina Deferme, um auf der rechten Seite eine große Rasenfläche zu planen mit einer Insel-Ronde und einigen schönen Gehölzsolitären, die trotzdem den Blick auf ein großzügiges Hausbeet gestatten, das sich nach der Hausecke weiter als Rahmen um den makellosen Rasen legt.

Auf der linken Seite wiederholt sich der Rasen und es gibt auch wieder einen inselartigen Eye-Catcher als Topiary geschnitten. Die Umrandung wirkt auch hier harmonisch und überzeugend. Ja, mit der langgezogenen Nadelholz-Einfassung, der akkurat geschnittenen Hecke davor und dem relativ schmalen Beet mit Lilien, Stachys und Rosen als Abschluss zur Rasenfläche hin, ist die Wirkung selbst auf dem Foto sehr dreidimensional.  Diese große Fläche dient als Besucher-Garten, hier werden Erfrischungen vorbereitet, wenn Reise-Busse zur Garten-Besichtigung kommen.

Endlich bin ich am Haus angekommen. Wenn ich die Fensterläden in den Bildern wieder sehe, in denen sich die Farbe des Rasens spiegelt, muss ich schmunzeln. Dina erzählte sehr temperamentvoll von verschiedenen Malern, die versuchten, die Holzteile am Haus in dem Grün anzustreichen, das ihr vorschwebte. Schließlich fuhr sie genervt in einen Laden und mixte sich den gewünschten grünen Farbton selbst. Ich finde, es sieht sehr stimmig aus, auch zu den roten und grünen Blattfarben im Beet, die sich direkt an das Haus anzuschmiegen scheinen.

Geht man um das Gebäude herum, so erkennt man deutlich, wie sehr es in eine unmittelbare Bepflanzung einschließlich der höheren Dimension von Spalier-Birnen und blühenden Kletterern wie Clematis, direkt an der Hauswand eingebettet ist. An manchen Stellen tritt es völlig in den Hintergrund und wird von der gut strukturierten Bepflanzung fast aufgesogen. Dina hat offensichtlich das perfekte Grün gemischt. Auf der Terrasse herrscht die Hausfarbe weiß vor, sehr einladend ist der helle Sitzplatz in einer offenen Wein-Pergola untergebracht.

Die Mixed Border rund um das Haus überzeugen wirklich in ihrer harmonischen Geschlossenheit. Der Terrassen-Garten wirkt durch ein weiteres Nebengebäude sehr intim und heimelig. Der Eingang des Nebenhauses ist mit alten Tonflaschen und panaschiertem Giersch, Aegopodium podagraria ‘Variegata’, auffällig geschmückt und wenn man einen Blick ins Allerheiligste, den Arbeitsraum von Dina wirft, dann versteht man gut, dass ihr da die guten Gestaltungs-Ideen nur so zufliegen.

Ich schlendere noch einmal ganz um das Haus herum, weil es mir so gut gefällt mit seiner blumigen Hülle. Dann gehe ich über die kleine Brücke in Richtung großer Garten.

Der Küchengarten

Nach diesem furiosen Auftakt freue ich mich über den hohen alten Baumbestand, ruhige, grüne Hecken und die Möglichkeit, in diesem harmonischen Halbschatten-Bereich bereit für neue Eindrücke zu werden.

Eingang Küchengarten, Dina Deferme, Belgien

Dann öffnet sich die Buchen-Hecke zum Eingang in den Küchen- und Kräutergarten. Dieses klassische Quadrat liegt den Großteil des Tages über in der Sonne.

Der Küchengarten ist mit der quadratischen Form und dem klassischen Wegkreuz sehr authentisch gestaltet. Seine Einteilung führt die Ruhe und Stimmigkeit des Schattenweges mitten in die sonnige, duftende Kräuterbepflanzung hinein.

Das Mixed Border neben der Pferdekoppel

Der Weg unter den alten schattigen Bäumen führt mich weiter auf einen breit gezogenen Wall zu. Was ich vor mir sehe entzückt mich total, was für ein toller planerischer Kniff! Am höchsten Punkt mündet der gepflasterte Weg in ein großes Rondell, das mit Sand gestaltet ist, damit das Regenwasser nicht davonläuft, sondern direkt an den Wurzelbereich der umgebenden Bäume gelangen kann. Dort ist ein schlichter, schattiger Sitzplatz entstanden, von dem aus man zurück in den wohltuenden Schatten-Bereich schauen kann, oder nach vorne, wo bereits die Pferdekoppel zu erkennen ist und die hohen Bäume dahinter einfach als Kulisse in den Garten eingeladen werden. Die runde Form des Sandplatzes wird von Gehölz-Halbkugeln an den Weg-Eingängen wieder aufgenommen.

Als ich auf der anderen Hang-Seite hinuntergehe und mich umdrehe, sehe ich die ganze Pracht eines langen Mixed Borders vor mir. Durch die Schräglage erzielt Dina mit etwa gleich hohen Stauden eine perfekte Staffelung, denn die Höhe steigt steil an. Gleiche Stauden-Sorten durchziehen wie Wellen die lange Fläche, alles kleinflächig Gepflanzte würde bei dieser Dimension das Auge ermüden. So aber wirkt das Beet harmonisch und großzügig.

Sitzplatz bei der Pferdekoppel, Dina Deferme, Belgien

Etwa in der Mitte wird das Border durch ein Holzdeck unterbrochen. Auch hier wiederholen sich die mächtigen Halbkugeln am Treppenende und in das ruhige dunkle Eibengrün ist erneut eine sehr hell gehaltene Sitzgruppe integriert. Interessant ist, es gibt an keinem Sitzplatz eine Überdachung, egal wo man sich im Garten setzen möchte. So kann man hier die kletternden Rosen und Clematis betrachten, die Stauden-Wogen im zweigeteilten langen Beet oder das grasende Pferd auf der Koppel sehen, oder einfach in den Himmel schauen.

Der Teichgarten

Nach einem letzten Blick auf das Pferd laufe ich den Grasweg in den hintersten, letzten Gartenbereich, zum großen Teich. Links ist die Pferdekoppel, rechts vom Weg begleiten mich Kopfweiden in den Teichgarten. Unmittelbar hinter den Weiden ist ein schmaler Streifen mit Hostas, Farnen und Mädesüß gepflanzt. Am Wegende münden diese Stauden übergangslos in das erste Randborder des Teichgartens ein. Es ist alles so rund, harmonisch und gut durchdacht, ohne Ecken und Kanten, einfach nur eine Freude, hier sein zu dürfen. Ich laufe ein Stück weit in den Teichgarten hinein und drehe mich um. Über die Astilben hinweg sehe ich jetzt im Hintergrund die Koppel mit dem grasenden Pferd und rechts ein riesiges ewig langgezogenes Mixed Border. Auch hier wurde sehr klug geplant, mit der niedrigen wogenden immergrünen Teilabgrenzung ist hier eine unübersehbare Struktur entstanden.

Das letzte Bild hier zeigt einen Blick vom anderen Gartenende zurück auf dieses riesige Mixed Border, das sich an dieser Stelle stark verschmälert, um weitere interessante Vistas zu bieten. Generell gilt für den ganzen Garten, Dekorationen und Gartenkunst sind nur Stilmittel, um die Lebendigkeit und Schönheit der Pflanzen noch zu erhöhen. Sie drängen sich niemals in den Vordergrund.

Ich komme kaum von der Stelle, es gibt so vieles zu entdecken. Ein paar Schritte in den Wald und ich werde von einem Vogelkonzert begrüßt. Die weichen Linien der farblich harmonischen Staudenbeete dringen tief in meine Seele. Ein großes Wohlbehagen überkommt mich und so übersehe ich beinahe den netten kleinen Faun mit seiner Moos-Frisur vor den Hortensien.

Teichgarten, Dina Deferme, Belgien

Als ich auf den Teichsteg gehen möchte, um die große Wasserfläche und ihre Umgebung besser fotografieren zu können, muss ich feststellen, dass der Platz bereits besetzt ist.

Nun gut, also Fotos aus der zweiten Reihe, ich muss lachen. Denn bei diesen Ausmaßen macht es ja gar keinen Sinn, dem Teich oder den Beeten zu nahe zu kommen. Auf jeden Fall wirken auch die Beete, die den Teich unmittelbar einrahmen, farblich und von der abwechslungsreichen Textur her, zu allen anderen Beeten im Teichgarten sehr harmonisch abgestimmt. Es geht mir gut, ich fühle mich so wohl, dass ich noch hierbleiben möchte.

Ich kann jedenfalls Dina Deferme sehr gut verstehen, wenn sie ihren Garten als “Balsam für ihre Seele” bezeichnet. Einen Besuch des Gartens und auch den Kauf ihres Buches: “Gartenträume” Dina Deferme/Johan De Meester ISBN: 9789401403252 kann ich aus zwei Überzeugungen heraus empfehlen. Beides ist gut und Beides hilft!

Die Erlöse durch Gartenbesucher und Buchkäufer gehen nämlich in ihre Stiftung zur Hilfe für Kinder mit starken Verbrennungen. Eine tolle Frau mit einem wunderschönen Garten und einem großen Herzen freut sich im Juni, Juli und August  jeden Sonntag auf Besucher.

Garten Dina Deferme, België-Belgien, Beuzestraat 64, B –  3511Stokrooie-Hasselt,

Tel. ++  3211256458, www.deferme.be, weitere Infos: www.deferme.de.tuinenroute

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20 Kommentare

  • Ein herrlicher Bericht über einen wundervollen Garten.

  • “Balsam für die Seele”
    Hier kann ich nur zustimmen !
    Dieser private Garten war für mich einer der schönsten Gärten die ich je besucht habe.
    Ich träume immer noch davon.
    Herrlich dass du diesen Garten hier vorgestellt hast und alle Hochachtung und ein riesengroßes Kompliment an die Gärtnerin.

    • Das Wurzerl sagt:

      In Zeiten wie diesen sind wir doch Alle heilfroh, wenn wir einen eigenen Garten besitzen. Wer braucht jetzt nicht ein wenig “Balsam” außerhalb seiner “Vier Wände”? Liebe Grüße an Jürgen und passt bitte auf Euch auf. Wurzerl

  • Malte sagt:

    Ein sehr schöner Garten – man kann merken das er mit sehr viel liebe gestaltet worden ist .

    • Das Wurzerl sagt:

      Ja lieber Malte, das stimmt, diese Liebe zieht mit offenbarer Harmonie bis in den letzten Gartenwinkel. Liebe Grüße an Torsten und haltet die Ohren steif. Wurzerl

  • Ulrike sagt:

    Wahnsinn, was für ein Garten, da braucht es nichts anderes mehr. Ich bin grade etwas geflasht. Vielen Dank liebes Wurzerl für den tollen Bericht und die traumhaften Bilder

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Ulrike, Du und GG, Ihr habt mit Eurer Art auf kleinerem Terrain auch etwas sehr aussagekräftiges geschafft. Wenn ich an Dinas Lieblings-Pferd denke, das so bedächtig auf der Koppel graste, das erinnert mich dann auch an die meditative Wirkung, wenn Eure Kois im Wasser ihre Bahnen ziehen. Der Rest darf ja gerne ganz anders und lebhafter und sprunghafter sein, so wie eben unsere Leben unterschiedlich verlaufen, unser Empfinden stetig wechselt, so spiegeln das auch unsere Gärten wider. Passt bitte gut auf Euch auf. Wurzerl

  • Marianne Reichmann sagt:

    Ein superschöner Garten, ach wäre man nochmal jung, jetzt gibt es so viele Möglichkeiten…

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Marianne, Möglichkeiten hat man immer, sie unterscheiden sich natürlich je nach Alter. Aber vergiss bitte nie, eines der kostbarsten Dinge, wenn man nicht mehr ganz jung ist, ist die Möglichkeit, dank Erfahrung zu erkennen, was einem wichtig ist. Das hat man in jungen, unerfahrenen Jahren nicht, man läuft an vielen Möglichkeiten und Chancen vorbei. Man sieht sie nicht, oder es ist einem auch nicht wichtig, weil man es erst später als kostbar erkennt. Mir ging es übrigens so mit der Berufswahl, ich würde heute nie mehr in einer Bank arbeiten wollen! Und… wir sind doch inzwischen klug genug, dass wir wissen, welche Möglichkeiten wir realisieren können und welche wir einfach virtuell genießen. Ich wünsche Dir eine gute restliche Woche. Pass bitte gut auf Dich auf. Wurzerl

  • Danke für den wunderbaren Ausflug in einen Paradies

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Erna, ich denke, jeder Garten, der mit Liebe angelegt und gepflegt wird ist ein kleines Paradies auf Erden. Pass bitte gut auf Dich auf liebe Erna. Wurzerl

  • Brigitte Niemela sagt:

    Liebe Renate,
    die Gartenszene rund ums Haus mit den herrlichen grünen Fensterläden habe ich schon oftmals in Gartenzeitschriften bewundert. Die Bilder wurden ausgeschnitten und in meinem “Inspirationsordner” aufgehoben. Darum finde ich es besonders spannend den Garten in seiner Gesamtheit zu sehen. Vielen Dank dafür und meine größte Hochachtung für die Gärtnerin!
    Liebe Grüße, Brigitte

    • Das Wurzerl sagt:

      Ja liebe Brigitte, dieses Border, die praktisch mit dem Haus verschmelzen, sind schon ein wichtiger Faktor für die Gesamtharmonie des eigentlich sehr großen Gartens. Ich wünsche Dir einen schönen Abend. Wurzerl

  • Barbara sagt:

    Mit deinen wunderschönen Fotos tauchen auch wieder Erinnerungen auf 🙂 ! Der Garten ist mir immer noch so präsent, als wären wir erst vor kurzem dort gewesen. Vielleicht hat auch das Buch von Dina Deferme, das ich mehrmals angeschaut und gelesen habe, dazu beigetragen, dass ich diesen speziellen Garten (eben weil da eine Seele sozusagen sichtbar wird() nie vergessen werde.
    Einen ganz lieben Gruss zu dir!

  • Irmgard Hantelmann sagt:

    Ein toller Garten mit einer liebenswerten Gastgeberin.
    Wir waren auch schon da und sehr begeistert. Hatten aber einfach zu wenig Aufenthalt. Deshalb genieße ich deinen Bericht jetzt doppelt
    Danke dafür!!

  • Grete Arbesleitner sagt:

    Eine wunderbare Vorstellung eines umwerfend schönen Gartens. Deine Gartenbilder tun der Seele gut.

    • Das Wurzerl sagt:

      Vielen Dank liebe Grete, vor allem tut dieser Garten (wie viele Gärten) der Seele gut, wenn ich das in meinem Bericht vermitteln kann, macht es mich glücklich. Ich wünsche Dir eine schöne Adventzeit. LG Wurzerl