Spätfrühling im Landidyll Tjarks

Spätfrühling im Landidyll Tjarks

Ich bin gerade von meiner Reise zwischen Würzburg und Bamberg zurück. Da ich nach der Ostfriesland-Reise noch keine Möglichkeit hatte, Euch die dortigen Mai-Gärten 2022 vorzustellen, zeige ich Euch heute erst einmal einen der ostfriesischen Gärten, bevor ich dann mit den Gärten der Regionen Wein- und Bier-Frankens abwechsle.

Nach dem Herbstaspekt meines ersten Berichts über das Landidyll  stelle ich Euch heute den Frühlings-Ausklang im Garten mit der zu Ende gehenden Rhododendron-Blüte, dem Tanz der (Allium)-‘Gladiatoren’ und dem Erwachen der Rosen und Sommerstauden vor. Ich wünsche Euch dabei viel Spaß, schenkt Euch noch etwas zum Trinken ein und kaffeesiert mit mir durch den inzwischen naturzertifizierten Garten. Genießt das vielfältige Gartenreich, dessen Stauden einen Luxus von 2500 qm ihr eigen nennen, das die Familie Tjarks und Malte Schoon geschaffen haben.

Betritt man den Garten, so führt eine ewig lange Sichtachse geradeaus bis in den hintersten, sonnigen Staudenbereich. Links befindet sich der ursprüngliche Hausgarten, der durch den alten Baumbestand viele Schattenpartien aufweist. Christa Schroth und ich wenden uns aber prompt nach rechts in den kleinen, fast atriumsartig wirkenden Visitengarten, in welchem sich nicht nur die Allium-Bälle sanft im frischen Mai-Lüftchen wiegen, sondern vor allem eine leckere Torte auf das Geburtstagskind und mich wartet.

Frisch gestärkt gehe ich in den Schattengarten, um bereits vertrautes wiederzusehen, aber auch natürlich wieder viel neues zu entdecken. Ja, das ist eines der Geheimnisse des Landidylls, das ich bereits 5 x besuchte! Aber das wissen ja alle Gärtner/innen, man betritt niemals zweimal den gleichen Garten.

Wenigstens sind wir, die wir uns da vor der wunderbar blühenden Wisteria aufstellen, die Gleichen geblieben. Von rechts seht Ihr Hans Günter Tjarks, Malte Schoon, davor Christa Schroth, Torsten Tjarks, Hedwig Tjarks und ja, tatsächlich, mich, das Wurzerl. Hach, wer hat denn da fotografiert, ein Selbstauslöser war es nicht? Geduldet Euch bitte, Ihr werdet staunen, wenn ich später im Sonnengarten das Geheimnis lüfte.    

Zwischen der Hausfront und den Gehölzen des Schattengartens gibt es einen breiten bunten Streifen mit Blauregen, Wisteria, und verschiedenfarbigem Rhododendron dahinter. Ich hatte Glück, hier waren die Rhododendren noch in Höchstform, vielerorts in Ostfriesland waren sie Ende Mai schon am Verblühen.  

Um die Farbigkeit der Wisteria-Rhododendron-Front für sich wirken zu lassen, schließt sich eine raffinierte Pflanzung von Allium ‘Gladiator’ und einem weiß blühenden zarten Doldenblütler, dem Anthriscus sylvestris (Wiesenkerbel) an. Ich finde diese Zusammenstellung sehr gelungen.

Natürlich könnte ich auch gleich von hinten in den Schattenbereich eintreten, aber nein, heute mache ich das schon standesgemäß für Euch durch das Löwentor. Unter den Gehölzen finden sich ausgepflanzte Sammlungen von Hosta, Helleborus und zu dieser Jahreszeit natürlich nicht mehr zu sehen, Galanthus. In der alten Zink-Badewanne haben Torsten und Malte vorsichtshalber Sonne pur gepflanzt, damit genug Licht in die umliegenden Beete fällt.

Die kleinen Katzengesichter von Viola cornuta blühen unermüdlich bis in den Sommer hinein, dank Schatten sind sie noch schön kompakt. Filigrane Farne ziehen die schräger werdende Nachmittagssonne in ihre Wedel und locken mich auf sie zuzugehen. Aber halt, da stehe ich noch gerade vor dem Helleborus-Beet und denke mir: Respekt, Ende Mai und viele der Lenzrosen sehen immer noch sehr ansehnlich aus!

Wer mich und meine Leidenschaft für Akeleien kennt, der wundert sich nicht, dass ich in jedem Garten, so die Jahreszeit passt, auf die Suche nach diesen zauberhaften Blüten gehe. Natürlich werde ich auch im Landidyll fündig. Ich entdecke Aquilegia vulgaris Sämlinge und Aquilegia caerulea Hybriden, auch eine herrliche gelbe Aquilegia chrysantha ‘Yellow Queen’ steht im Schattengarten.

Wie man sieht blüht es auch im Schattenbereich üppig. Die kleinen Stauden und Annuellen lassen sich von den dominanten Rhododendron-Blüten keinesfalls die Butter vom Brot nehmen. Immer wieder sind ganz natürlich gestaltet mit Tontöpfen, oder Dachschindeln, Holz- oder Stein-Häufchen, Unterkünfte für die tierischen Gartenbewohner verteilt.

In der Ostkurve gibt es eine kleine Lichtschneise, das nützen Geum chiloense ‘Goldball’ und Erysimum cheiri ‘Constant Cheer’ natürlich weidlich aus. Der Distelfalter widerum hat sich Erysimum cheiri  ‘Ivory White’ für ein kleines Tête-à-Tête ausgesucht.

Anmutig senkt die Frauenbüste neben den bunten Schöterichen den Blick, sie hat sich mit einer “Stola” von weißblühendem Beinwell, Symphytum officinale ‘Alba’ umgeben. Dazu schmeicheln ihr hier im Schatten auch etwas dezentere Rhododendronfarben. Ein dekorativer Aufbau voller Solenostemon scutellarioides, verschiedenfarbig panaschierten Buntnesseln, markiert an der vorderen Ecke das Ende des Schattengartens.

Natürlich gehe ich jetzt mit Euch unmittelbar in den lichtdurchfluteten Sonnengarten. Es ist eine Freude dem Tanz der ‘Gladiatoren’ zuzusehen. Überall ragen Gruppen dieses schönen Alliums aus den noch in der Entwicklung befindlichen Gräsern, Hochsommer- und Herbst-Stauden heraus.  

Die Stiefmütterchen auf dem Deko-Tisch nehmen flieder- und violettfarbig die Farben der Lauch-Bälle auf. Als ich mich dem Teich nähere, blühen mir Kuckucks-Lichtnelken (Silene flos-cuculi) und weiße Wiesenmargeriten (Leucanthemum vulgare) fröhlich entgegen. Unmittelbar am Teich sorgen die Wiesen-Knöteriche (Bistorta officinalis ‘Superba’) für etwas Ordnung. Im Hintergrund umspielt das Ruprechtskraut (Geranium robertianum) die großen Steine am Teichufer.

Als ich mich gerade beim Fotografieren einer Seerose über die rosa “Wölkchen” der Kuckuckslichtnelke im Sucher amüsiere, entdecke ich hinter mir eine weitere Fotografin. Wie groß ist die Überraschung, als ich die Garten- und Pflanzen-Fotografin Marion Nickig erkenne, die man sicher mit Fug und Recht als Pionierin einfühlsamer Garten-Fotografie und seelenvoller Blumen-Bilder bezeichnen darf. Wie viele Garten-Bücher und -Zeitschriften hat sie schon mit ihren Illustrationen bereichert?!

Nach einer netten kleinen Plauderei bitte ich sie, doch ein Foto mit Torsten Tjarks und Malte Schoon zusammen, für Wurzerlsgarten machen zu dürfen, was mir auch spontan erlaubt wird. Natürlich, das Bild weit vorne, unter der Wisteria, in welchem wir Alle zu sehen sind, hat Marion Nickig gemacht und für diesen Bericht hier spendiert. Ich glaube, es ist das erste Foto in Wurzerlsgarten, das ich nicht selbst gemacht habe und dann gleich von so prominenter Seite, schon stolz guck! 

Mir fällt spontan “Das große Buch der Gärtnerinnen und Gärtner” ein, das Marion Nickig zusammen mit Anja Birne im Callway Verlag veröffentlicht hat und das ich in meiner Bücherschatzkiste auch rezensierte, weil es für mich zu einem unentbehrlichen Nachschlagewerk geworden ist.

Aber ich bin ja wegen des Landidylls Tjarks hier vor Ort und darum wende ich mich auch wieder konzentriert diesem zu. Mein Augenmerk gilt für einen Moment den Dekorationen des Gartens. Sowohl im Sonnen- als auch im vorderen Haus-Schatten-Garten befinden sich Dekorationen, aber es ist nie zu viel und vor allem, es passt immer zum Stil eines bäuerlichen Landhaus-Gartens, was ich als sehr harmonisch und angenehm empfinde.

Auch wenn der Sonnengarten seine großen Blüten-Explosionen noch vor sich hat, so beeindrucken schon jetzt nicht nur die unzähligen Allium-Bälle. Auch die Rosen setzen erste Akzente und kraftvolle, farbauffällige Solitärstauden wie Papaver orientale, der Türkische Mohn, gefallen sich in ihren Sonderstellungen.  

Letzer Tanz der Allium-Bälle – Immenblatt, Melittis melissophyllum – von links vorne: Gartenfotografin Marion Nickig, Hedwig Tjarks, Christa Schroth, dahinter: Torsten Tjarks, Malte Schoon, Hans Günter Tjarks

Noch einmal streift mein Blick über den Sonnengarten und erneut entdecke ich mit dem Immenblatt, Melittis melissophyllum, wieder eine neue Staude zwischen altbekannten Blüten. Und… na klar, ein letztes Foto mit meinen Gartenfreund/innen, zusammen mit Marion Nickig, kann ich mir natürlich auch nicht verkneifen.

Ihr möchtet diesen Garten auch gerne live erleben? Dann nichts wie hin! Schon an diesem Sonntag wartet das Landidyll Tjarks auf Euren Besuch. Seid spontan, es lohnt sich.

(Am 26.6.22, 17.7.22, 31.7.22, 28.8.22, 18.9.22 und am 2.10.22 ist das Landidyll jeweils von 10 Uhr bis 18 Uhr geöffnet.)

Wer sich für Naturgarten-Zertifizierungen interessiert, der kommt hier übrigens ebenfalls voll auf seine Kosten. Ich sah selten so dekorative Behausungen und Verstecke für die tierischen Mitbewohner, wie hier. Das Landidyll Tjarks ist inzwischen nicht nur naturzertifiziert, Malte Schoon gehört jetzt auch zur Riege der Naturgarten-Zertifizierer. Herzlichen Glückwunsch lieber Malte und willkommen im Club.

Er ist zu Recht stolz auf die Auszeichnung und sein neues Ehrenamt. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass das unvermeidliche Video, das alle vom Wurzerl vorgestellten Gärten abliefern müssen, um auf die Website zu kommen, über eben diese Naturgarten-Zertifizierungen handelt. Klickt Euch bitte einfach in das Bild, stellt den Ton laut und genießt. Es ist jedes Mal wieder eine Überraschung für mich, dass jeder Gärtner, jeder Garten, aber auch jedes Video unverwechselbar einmalig ist.

PLZ 26446 Friedeburg, Westweg 8, GdS- und naturzertifizierter Garten, Kontakt: Tel. 015141816838

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16 Kommentare

  • Christa Schroth sagt:

    Liebe Renata. Ein detaillierter wunderbarer Bericht über das Landidyll , ich könnt schon wieder hinfahren , denn er ist immer schön – wild und romantisch -poetisch und vielfältig. Und das lieb ich an diesem zauberhaften Garten

    • Das Wurzerl sagt:

      Danke liebe Christa, ja, das hast Du schön beschrieben, genauso ist es. Schon allein die moderateren Temperaturen sagen aus, wann man im Sommer gut aufgehoben ist, anstatt bei 37 Grad im Süden zu schwitzen. LG Wurzerl

  • Malte und Torsten sagt:

    Liebe Renate,
    Es war uns wieder eine sehr große Freude euch 2 in unserem Paradies begrüßen zu dürfen.
    3x ist Ostfriesenrecht heißt es so schön, doch mit eurem 5. Besuch seit ihr schon lange Ehrenbürger geworden in unserem Paradies. Gerne erinnern wir uns an diese schöne Zeit, an dein unverwechselbares Lachen und eure Freude an der Natur, die uns alle doch so sehr verbindet. -Danke-

    • Das Wurzerl sagt:

      Oh, wie Klasse, Ehrenbürger in einem ostfriesischen Garten zu sein, gibt’s was besseres? Gerne komme ich mit Christa wieder, damit wir erneut eine oder auch zwei Runden zusammen lachen. Ich wünsche Euch viele nette Gäste am Sonntag. LG Wurzerl

  • Ulla Rameil sagt:

    Danke für diesen freundlichen Bericht aus einem wunderschönen Garten

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Ulla, ich hoffe doch, dass Du nur freundliche Berichte von mir zu lesen bekommst. Denn, Gärten, Bücher, Pflanzen, usw. die mir nicht gefallen, die zeige ich nicht. Ich möchte gerne Anregungen geben über das, was mir gefällt und wo ich mir wünsche, dass es die Leser in Wurzerlsgarten kennenlernen. Was mir nicht gefällt, muss ich nicht zeigen und nicht darüber schreiben, denn die Geschmäcker sind bekanntlich unterschiedlich und es kann sich ja jeder sein eigenes Bild machen. LG und schönes Wochenende. Wurzerl

  • Susanna sagt:

    Liebe Renate,
    schaaade, an diesem Wochenende, das ist jetzt aber doch ein bisschen plötzlich! Von dem Garten habe ich schon öfter gehört und deine Bilder machen solche Lust, ihn zu besuchen.
    Das Wetter schlägt Kapriolen und die Stauden, so glaube ich, kommen ganz durcheinander: die Lenzrosen waren auch bei uns unglaublich lange schön und am Wochenende standen im Berggarten in Hannover einige Akeleien, unter anderem die ‘Yellow Queen’noch in voller Blüte.
    Liebe Grüße
    Susanna

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Susanna, die Kinder von Aquilegia chrysantha können bis zum September auftauchen. Und klar, der Sonntag kommt ein wenig plötzlich, aber ich habe Dir doch noch eine ganze Menge offene Sonntage mehr in den Post geschrieben, der Sonnengarten wird dann erst zur Höchstform auflaufen. LG und schönes Wochenende Wurzerl

  • Erika Elferink sagt:

    ein wundervoller Bericht von Dir aus einem wunderschönen Garten.

  • Das ist ja was, dass du Marion Nickig getroffen hast. Gesehen habe ich sie auch schon, aber nicht gesprochen.
    VG
    Elke

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Elke, ich glaube, Dich erkenne ich auch auf Anhieb. Ich suche einfach nach einem Obermakro-Objektiv, das mit dazugehöriger Frau in einer offenen Rosenblüte nach einer neuen Zwerg-Schwebfliege fahndet. Das könnte passen. LG Wurzerl

  • Margit sagt:

    Ich werfe ja so gerne einen Blick über Gartenzäune! Hier lohnt sich das wieder besonders.. auch wenn es nur virtuell klappt! Ein wundervoller Garten!
    Viele Grüße von
    Margit

    • Das Wurzerl sagt:

      Nun, vielleicht schaffst Du es ja mal nach Ostfriesland, gibt doch schon eine schöne Auswahl interessanter Gärten. LG Wurzerl

  • Christa Schroth sagt:

    Ach was war das schön mit den Tjarks und Malte. Ich hab das sehr genossen . Dieser Garten inspiriert und beruhigt zugleich und ich könnte schon wieder hin und genießen. Danke für den schönen Bericht liebe Renate. Weckt schöne Erinnerungen