Rosen- und Clematis-Garten Halwax

Rosen- und Clematisgarten Halwax, Niederbayern

Ein Besuch zur Rosenblüte

Der Garten von Gerlinde und Jürgen Halwax in Niederbayern ist von einer Brise britischem Flair angehaucht. Als leidenschaftliche Garten-Reisende und -Besucher hatten sie viele Möglichkeiten, individuelle Gärten in Europa kennenzulernen und das was gefiel, durfte in die eigene Gartenplanung Einfluss nehmen.

Rosa ‘Lichtkönigin Lucia’   – Clematis viticella ‘Signe’ – Rosa ‘Aloha’

Kennengelernt habe ich das Ehepaar auf einer Reise durch einige Grafschaften Südenglands und wenn man die Leidenschaft von Gerlinde und Jürgen für Reisen, Großbritannien und Gärten zusammennimmt, dann verwundert es gar nicht zu hören, dass die Beiden selber diese Reise organisiert hatten.

Da ich selten eine Englandreise so genossen habe wie diese, auch dank unserer engagierten, charmanten Reiseführerin vor Ort, Renate Davie und dem exzellenten Programm des Ehepaares Halwax, war ich natürlich neugierig auf ihren eigenen Garten und kündigte meinen Besuch zur Rosenblüte 2020 an. Was ich da alles entdeckte, möchte ich jetzt gerne zeigen.

Der Zugangsbereich und Vorgarten

Bereits im Eingangsbereich erkennt man unschwer, da sind absolute Ästhetik-Profis am Werk. Niemals hätte ich die großzügige Einfahrt genutzt. Brav parke ich oben auf der Straße. So genieße ich “blechlos” vom ersten Moment an einen Garten, den ich einfach nur als perfekt gelungen bezeichnen kann.

Dabei waren die Vorgaben für die Gartenplanung für Gerlinde und Jürgen alles andere als einfach. Das 800 qm große Grundstück liegt nämlich ziemlich verzwickt an einem Hang. Das Haus ist im oberen Drittel platziert, aber doch so weit unten, dass es eine architektonisch und visuell logische Verbindung zum jeweiligen Gartenteil und den beiden Hausterrassen-Bereichen gibt. Das ehemals als Kinder-Spielhaus genutzte Holzhäuschen unterbricht das große Halbschatten-Beet der Einfahrt, das so abwechslungsreich bepflanzt ist, dass man sich über die kleine Sicht-Achse zum Häuschen nur freut.

Eingang zum großen Garten und Teichgarten rechts vom Haus

Das Ende des Halbschatten-Beetes, das ich zusammen mit der gepflasterten Einfahrt als Vorgarten-Bereich betrachte, ist als Abgrenzung und Zugang zum großen Garten gestaltet, der sich im Großteil der Fläche leicht abschüssig rundum an das Haus anschmiegt. Der komplette Gartenbereich ist durchgehend abwechslungsreich bepflanzt. Als Gegensatz zur Hausform gibt es kaum Ecken oder geraden Kanten im Grünen, die weichen Rundungen nehmen den Hang in sich auf. Akkurate grüne Rasenteppiche unterbrechen die mäandernden Beete mit ihren züngelnden Ausläufern und blühenden Inseln. Das makellose Grün läuft souverän wie ein “roter Teppich” durch den Garten, mal breiter mal schmäler, jedoch immer den herrlichen Vistas und Sicht-Achsen des Gartens dienend. Gerade das aber macht ihn irgendwie selbst “Oscar-Preis verdächtig”.

Rosen- und Clematisgarten Halwax

Beim Bepflanzen der Schrägen wurden auch die nötigen Staffelungen für den Lichteinfall in den Garten geschaffen. Irgendwann haben Gerlinde und Jürgen angefangen, neben den ausgesuchten Gehölzen auch Kletter-Rosen und Clematis in die höhere Gartenetage wachsen zu lassen. So wurden auch die Sicht-Achsen im Laufe der Zeit immer beeindruckender und abwechslungsreicher, je nach Licht- und Schattenspiel.

Nach einem ersten Blick in den Garten, mit kleinen rosa Röschen, blauem Veronicastrum und einem rot leuchtenden Ahorn im Hintergrund, weiß ich, was mich erwartet. An der geschmackvollen Dekoration neben der Eingangspforte vorbei trete ich endlich ein, aber die Rosen und Clematisblüten, die sich schon hier vor mir aufbauen, lassen mich bereits nach einem Meter Garten minutenlang verweilen.

Links am Haus direkt gegenüber des Teiches befindet sich eine Seitenterrasse in Holzoptik. Das Material korrespondiert harmonisch mit dem Wasser, genauso passend ist der Wetterschutz der Teich-Technik als Badehäuschen am Teich gebaut.

Das große Herzstück des Gartens

Am seitlichen Teich-Ende beginnt schon der erste gestalterische Kniff mit einer “Beet-Zunge”. So erhält der Teich eine natürliche “Wand”, die seine Lage sofort intimer und das Augenmerk darauf intensiver gestaltet. Mit einem Fagus sylvatica ‘Pendula’, einer Hänge-Blutbuche wurde nicht nur ein optisch stark wirksames vorderes Ende des Beetes markiert, nein, es gibt noch einen exzellenten Kontrapunkt, wenn die Rose ‘Pink Ghislaine de Feligonde’ ungeniert den Baum erobert und ihre rosafarbenen Blütentrauben den dunkelroten Blättern als Rouge zugesellt. Wer beachtet da schon die Hausecke gegenüber? Ich will ja nicht übertreiben, aber bei so einem Anblick vergesse ich ganz, dass da überhaupt ein Haus zum Garten gehört.

Vor allem scheint sich nach dieser Beet-Zunge, in deren hinterem Rasen-Bereich zwei ideale Chillstühle stehen, dieser Teil noch einmal in die Tiefe, besser gesagt Höhe, denn hier steigt der Garten auch seitlich an, zu erweitern. Der akkurate Rasen, eine weitere kürzere Beet-Zunge und ein erstes Insel-Beet unterstützen diese visuelle Vorstellung. Leider habe ich einige Übersichtsfotos erst gemacht, als die Sonne schon tiefer stand, um Schlagschatten zu vermeiden, aber ein Garten und seine Fotos leben nun mal von Licht und Schatten, mea culpa!

Nur gut, dass als ich mich umdrehe, gerade Licht auf eine Rosen-Insel fällt und der Amorputto mit seinem Pfeil zwar auf eine Edenrose deutet, aber meinen Blick (ganz harmlos guck!!!) trotzdem eindeutig auf die Hauptterrasse lenkt, wo ein wunderbarer Kaffeetisch wartet. Spätestens bei diesem Anblick ist das Haus wieder in mein Bewusstsein zurückgekehrt. Von der Terrasse aus sieht man als Fortsetzung der Rosen-Insel den gemauerten Raumteiler mit wunderschöner Sukkulenten-Dekoration, der auch der Terrasse eine geschützte intime Raumwirkung verleiht. Auf der anderen Seite gibt es schon die nächste Rosen- und Clematis-Insel zu sehen, ich muss nicht einmal aufstehen zum Fotografieren, das ist praktisch, da verliere ich den Überblick über den Kuchen nicht!

Nun ja, ich schrieb ja schon “die harten Schlagschatten von oben”! Ich dachte echt, ich hätte mir ein Päuschen verdient und klar, Ihr könnt gerne mit am Tisch Platz nehmen, Gerlinde ist eine wunderbare Gastgeberin und der Kuchen reicht für uns Alle.

Aber zurück zum Fotografieren, ich hatte Glück im Unglück, auch wenn ich einige eher leblose Übersichtsbilder später in Kauf nehmen muss, so ist die Sonne durch die Schräg-Stellung nun imstande, auch die Schatten-Ecken vor dem Zaun auszuleuchten. Das hintere Garten-Stück erwartet mich sogar mit einer milden Abendsonne zur blauen Stunde. Aber zuerst muss ich jetzt einfach über den Rasen an die Grundstücks-Grenze, wo mich Licht und Schatten, Blüten und interessante Blatt-Texturen erwarten. Ich behaupte ja immer, gerade im Schatten zeigt sich die Qualität einer Gartengestaltung. Was ich hier sehe, entzückt mein Stauden-Herz uneingeschränkt.

Es findet sich alles zusammen, was Rang und Namen im Schattenbereich hat, egal ob Hostas, Farne, Gräser, Pulmonaria, Epimedium, Actea und vieles mehr. Das Beet ist interessant und lebhaft und so manche Blütendolde vom aufhellenden Frauenmantel sagt: “Na ja, ich gehöre dazu, aber ich weiß, das Beet braucht eigentlich keine Blüten”.

Ich erwähnte schon, wie wichtig Höhenstaffelung und Pflanzenauswahl gerade in unebenem Gelände sind. Hier steht mitten im Peripherie-Schattenbeet ein Acer negundo ‘Aureo-Variegatum’, der Goldbunte Eschen-Ahorn und beschirmt einen Großteil des mittleren Gartens. Hach, noch mehr Schatten? Ja, und was für einen! Bei diesen Blättern wartet man schon darauf, dass sie im Ernstfall selbst anfangen golden zu leuchten. Aber egal, der Baum ist Vormittags und Nachmittags tatsächlich der Beleuchtungsmeister im Garten. Wie man oben sieht, beschirmt er die Bodendecker und höheren Stauden, aber schenkt ihnen durchaus die Lichtreize, die sie brauchen. Und wenn man sich wieder mit der Sicht-Achse beschäftigt, so lenkt sein Laubdach uneigennützig den verzückten Blick des Betrachters auf den grüngoldenen Fluss des makellosen Rasens. Sollte sich jetzt jemand von den Blättern auf dem Rasen gestört fühlen, den möchte ich an die große Trockenheit im Sommer 2020 erinnern, wo viele Bäume schon im Juli angefangen haben Laub abzuwerfen, um sich zu entlasten.

Das Gartenende auf der linken Seite des Hauptgarten-Stückes ist leider auch schon beschattet, aber zumindest gewinnt man einen Eindruck, wie völlig anders es drei Meter von der Baumscheibe des panaschierten Eschenahorns entfernt aussieht. Und ich liebe ja Bambus und Wasserspiele und überhaupt!

Vom Gartenhäuschen im linken Gartenteil bis ans Gartenende vorne am Ende der Einfahrt.

Ich möchte jetzt auch den linken Seiten-Garten kennenlernen und perfekt vorbereitet durch ein weiteres Rosen- und Clematis-Beet, lande ich beim Gartenhäuschen. Wenn man den Garten vom Eingang vorne diagonal bis in die entgegengesetzte Ecke anschaut, ist das Gartenhäuschen links das gleiche, was der Teich diagonal gesehen, rechts ist. Beides dominante Mittelpunkte im jeweiligen Garten-Areal.  

Um die Bank im Vorraum des Gartenhäuschens zu testen, bin ich wieder nicht ausgeschlafen genug. Gerlinde und Jürgen Halwax haben bereits Platz genommen. Nun gut, das gibt einen schönen Schnappschuss und Ihr wisst ja inzwischen, am Ende des Spazierganges wartet, wie immer ein persönliches Video von den Beiden auf Euch. Ich liebe dieses Gartenhäuschen und ich liebe die Hauswand. Schaut Euch doch einfach nur die fantastischen Topfgärten im Garten an. Das Gartenhäuschen und die komplette rückwärtige Hausseite sind mit Blumen und Dekorationen geschmückt, alles wunderschön aufeinander farblich und vom Material her abgestimmt. Ich könnte gerade anfangen zu singen: “Immer an der Wand lang…”.

Und hier sieht man deutlich, sehr deutlich, den englischen Einfluss. Egal ob am Haus, an der Terrasse oder am Gartenhäuschen. Überall sind Pflastersteine ausgespart oder in weiterem Abstand verlegt, so dass sich Campanula poscharskyana, die kriechende Glockenblume, oder kleine Storchschnäbel und Waldmohn überall in den Fugen oder freien Stellen aussamen können. Sie fangen einfach übermütig zu wandern an und tanzen den Hostas auf den Köpfen herum.

Ich bin auch übermütig, weiß gar nicht wo ich zuerst hinschauen soll, auf die geschmückte Hauswand, die wie ein langes schmales Beet vor mir liegt, oder gegenüber die Clematis, die hier ihre Himmelsstürmer-Übungen absolvieren und bis ich schaue, bin ich schon vorne an der Ecke angekommen und sehe durch den schmalen mäandernden Weg das Garten-Ende mit der gepflasterten Einfahrt.

Die Rose ‘Eden’ winkt mir noch einmal bedeutungsvoll zu. Die Schlüssel sind bereit das Tor dieses Rosen- und Clematis-Paradieses zu schließen. Und als ich sehe, dass die Mieze, die mich beim Kommen begrüßt hat, ihren Posten längst verlassen hat, gehe ich nach einem letzten kleinen dankbaren Small-Talk mit meinen Reise- und Garten-Freunden zum Auto und nehme die Eindrücke mit, die ich erst heute für Euch niedergeschrieben habe.

Liebe Gerlinde und Jürgen, auch hier noch einmal herzlichen Dank für Eure Gastfreundschaft und nicht böse sein, wenn ich nach fast einem Jahr eine Eurer Rosen virtuell ins falsche Beet gepflanzt habe.

Auch Dir liebe Wilma Kloiber herzlichen Dank, dass Du mir an diesem wunderbaren Tag Gesellschaft geleistet hast.

Und hier kommt das Video vom Herbst 2020 von Familie Halwax, bitte nicht vergessen, den Ton laut zu stellen und schön dass Ihr wieder dabei wart.

PLZ 84100 Oberaichbach, Oberskirchnerstr. 5, 800 qm, “GdS-Staudengarten mit romantischen Rosen und Clematis, perfekte Stauden-Unterpflanzung und Hostatöpfe” Gerlindes Gartenreich, Kontakt: Gerlinde Halwax, Mail: gartenreisen-halwax@web.de

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10 Kommentare

  • Wirklich sehr, sehr schön! Und das alles am Hang, aber wenn das erst Mal gebändigt ist, freut man sich bestimmt über einen Hanggarten.
    Die Farbe haben es mir ja angetan!
    Viele Grüße
    Elke

    • Das Wurzerl sagt:

      Stimmt, es herrscht eine tolle Farbharmonie, obwohl, oder gerade weil auch die Farbe des Zentrums “Gelb” gezielt eingesetzt wird. LG Wurzerl

  • Liebe Renate.
    Oh wie wir uns freuen den Garten mit deinem Blick zu betrachten und mit deiner Beschreibung wahrzunehmen.
    Solch eine schöne Erinnerung an deinen und Wilmas Gartenbesuch bei uns.
    Diese schönen Stunden nochmals Revue passieren zu zulassen, in der Hoffnung auf eine baldige Wiederholung.
    Herzlichen Dank dir für die wunderschönen Bilder und dem wunderbaren Text zu unserem Garten.
    Herzlichst
    Gerlinde und Jürgen

  • Mary Mayer sagt:

    Einfach Wunderschöne! Viel Arbeit und Viel liebe ist versteckt in den Garten, es ist ein Sanctuary, ein Platz wo man sitzen kann und die tumultuous Welt vergessen… simply beautiful!
    Liebe Grüße
    Mary

    • Das Wurzerl sagt:

      Du hast völlig recht liebe Mary, es gibt Gärten, die betritt man, um sie wieder zu verlassen. Aber es gibt Paradiese, die einen sofort umarmen und nicht mehr loslassen. Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende. LG Wurzerl

  • Susanna sagt:

    Ein wirklich schöner und vielseitiger Garten! Ich liebe es, wenn so gekonnt und detailverliebt dekoriert wird, aber dennoch kein wildes Sammelsurium entsteht. Vielen Dank für die schönen Fotos und den toll geschriebenen Text,
    liebe Grüße,
    Susanna

    • Das Wurzerl sagt:

      Genau liebe Susanna, Gerlinde hat ein gutes und sehr geschmackvolles Händchen für Dekorationen, die die Blüten im Garten begleitend umrahmen, aber dabei immer natürlich wirken und den tatsächlichen Hauptdarstellern nie die Schau stehlen. Ein schönes Wochenende für Dich. LG Wurzerl

  • Erika Elferink sagt:

    ein wunderschöner Garten und sehr liebevoll gestalltet und dekoriert. Natürlich auch wieder ein ganz tolle Beschreibung von Dir liebe Renate.

    • Das Wurzerl sagt:

      Mein Besuch ist ja nun fast ein Jahr her. Trotzdem war ich wieder hin und weg, als ich die Fotos zusammenstellte und der Text floss mir so zu, als wäre ich letzte Woche erst da gewesen. Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende liebe Erika. LG Wurzerl