Park der Gärten – Bad Zwischenahn

Blumenband im Park der Gärten, Bad Zwischenahn
Frühling lässt sein blaues Band,
wieder flattern durch die Lüfte;
süße, wohlbekannte Düfte
streifen ahnungsvoll das Land.

– Eduard Mörike –

Ein Park der Superlative – 44 Gärten an einem halben Tag !

Schafstall im Park der Gärten mit dem Blumenband

Ich glaube jeder Park und jeder Privatgarten hat im Corona-Jahr darunter gelitten, dass es nur wenige oder manchmal auch gar keine Besucher derselben gab. Wir privat können unsere Bewunderung für unsere Kleinode ja einfach täglich übermitteln und glaubt mir, das ist für die Gehölze und Stauden in unseren Gärten ein besserer Dünger, als alles andere.

Blumenband im Park der Gärten

Aber nun gibt es ja öffentliche Parks, die nun schon über ein Jahr lang mit dem Problem zu kämpfen haben, entweder nicht öffnen zu dürfen, oder dabei solche Sicherheitsauflagen betreiben zu müssen, dass es in der Tat schwierig ist, dabei das gewohnt hohe Niveau zu halten. Anfang Oktober 2020 war ich zum zweiten Mal im Park der Gärten, der mich bei meinem ersten Besuch 2019 sehr beeindruckt hatte. Und ich war tatsächlich platt, überwältigend schön war das Blumenband, von einer herbstlich opulenten Schönheit, als wollte es sagen: “Schaut mich an, jetzt erst recht!” Die Riesengröße des Parks und die vielen Ruhezonen und die platzmäßige Großzügigkeit der Restaurant-Anlage am See machten es nicht nur einfach, sich an die Sicherheitsbestimmungen zu halten, nein, man vergaß sie einfach. Ich werde Mitte September die Fotos dieses großartigen Parks im Herbstaspekt zeigen.

Blumenband im Park der Gärten, Bad Zwischenahn

Jetzt im Video von Christian Wandscher, dem Geschäftsführer des Parks der Gärten könnt Ihr den Sommeraspekt bewundern und gleich nach dem Video lade ich Euch zum gewohnten Fotorundgang mit dem Wurzerl mit Bildern von Ende Mai ein, so wie ich den Park bei meinem allerersten Besuch erleben durfte.

Das Blumenband !

Bevor ich mit Euch losmarschiere ein kurzer Hinweis: 37 Pflanzen-Sortimente, Pflanzensammlungen und 44 Muster-Gärten auf 140 000 qm, das ist natürlich nicht alles darstellbar! Ich laufe jetzt einfach mit Euch durch das Gelände mit dem Blumenband an meiner Seite und schau in die Gärten genauer hinein, die mich am 1. Juni 2019 am meisten beeindruckt haben. Das große Blumenband ist rund 1700 qm groß und erstreckt sich über 24 Beete vom Eingangsbereich bis zum Taglilien-Rondell. Rund 30000 Blumenzwiebeln und 26000 Frühlingsblüher habe ich gerade noch sehen können, bevor dann ab Anfang Juni die ca. 12000 Sommerblüher im Blumenband den Ton angeben.

Am Ende öffne ich dann eine geheime Tür, die noch für Besucher geschlossen bleiben muss und zeige Euch etwas ganz besonderes, was die Leitung des “Parks der Gärten” momentan noch schwer beschäftigt, wie das Areal in “Abstands-Zeiten” für Besucher zugänglich gemacht werden könnte. Aber immerhin, bei mir dürft Ihr schon einen virtuellen Blick in das Allerheiligste am Ende meines Beitrages werfen.

Mustergärten und Parklandschaft !

Ich laufe einfach einen großen Kreis, der auch nach ganz hinten ins Arboretum zu den Gehölz-Sortimenten führt. Zwischen den einzelnen Mustergärten werfe ich auch immer wieder einen Blick auf die gelungenen, weitläufigen Gewässer- Schatten- und Sonnen-Habitate des Parks. Es wird sicher nicht langweilig werden.

Die Stärke der Mustergärten liegt nicht zuletzt darin, dass sie nicht statisch nach einem immer gleichen Schema angelegt sind. Einige sind von Hecken umgeben, andere von Mauern, wieder andere bleiben offen, um von den vielfach vorhandenen Sitzplätzen Blicke in die Landschaft oder die nächsten Mustergärten ermöglichen zu können. Schilder am Eingang beschreiben Intension und Thema des Gartenarchitekten, aber es bleibt auch Raum, selbst weiterzudenken und sich einfach am angebotenen Stil zu orientieren, um eigene Vorlieben herauszufinden.

So wie die ersten Mustergärten liegt auch der Aussichtsturm mit stattlichen 19.75 m im vorderen Parkbereich. 20 Tonnen Stahl führen bis zu 17 m Höhe. “Drohnenflüge” sind ja “in”, ich bin ja leider nicht ganz schwindelfrei und bevorzuge deshalb “Drohnenstehen”.

Nach diesem beeindruckenden Rundum-Blick von oben zieht es mich wieder in die Mustergarten-Anlage auf der linken Seite. Der Japan-Garten sticht sofort heraus, drei Seiten sind immergrün eingefasst, aber die Vorderseite liegt offen wie eine Bühne vor mir. Die Fotos zeigen den 19 Jahre alten Garten. Inzwischen ist er nach hinten geöffnet und flächenmäßig erweitert worden, so dass man auch hier eintreten und in einem neuen Pavillon verweilen kann.

Ein “Immergrüner Garten” ist ohne Rhododendron nicht vorstellbar. Und da rosa – pink die wichtigsten Farben der Rhodos sind, nehmen Zierhölzer und spätere Blühgehölze wie Rosen diesen Farbton wieder auf. Derweilen spielt sich ein anderer Gartenarchitekt gegenüber auf einer der vielen Picknickwiesen mit Allium anbetenden Kühen und Abgrenzungen mit Stachys byzantina und Cortenstahl.

Sehr gut gefällt mir auch der buddhistische Koi-Zengarten. Prachtexemplare japanischer Koi-Karpfen “schweben” durch ihr Reich. Ich genieße auch die zu Wolken-Bäumen geschnittenen Großbonsais und die Kiesfläche, die mit wenigen auserlesenen Steinen bestückt ist.

Der Koi-Garten reizt mich zu einem Vergleich mit der Landschaft schräg gegenüber. Hier beginnt die Wasserlandschaft die ihren Höhepunkt im großen See vor der einladenden Restaurant-Terrasse findet. Mir gefällt dieser verhaltene Beginn, mit einer sehr schönen Ufer-Bepflanzung gut. Solange die gelben Sumpf-Schwertlilien, Iris pseudacorus blühen hält sich die Gunnera noch zurück. Kommt sie gut durch den Winter kann sie sich mit 3 – 4 m Höhe ab August schön im Wasser spiegeln.

Inzwischen habe ich das Restaurant und den See hinter mir gelassen und bin auf dem Areal “RosenZeiten im Garten” gelandet. Gleich zwei Gärten vereinigen sich harmonisch unter dem Motto Rose zu einem. Der mit Rosen und Clematis bestückte Metallpavillon ist der erste große Eye-Catcher, vier mit Stammrosen umrandete Rosenbeete sind strukturgebend eingepasst. Natürlich wild wird es im zweiten Teil mit dem Holzpavillon, wo Duftrosen, Stauden und Kleingehölze zusammenspielen.

Unterwegs im Arboretum und erneut Mustergärten und Landschaftspark am Blumenband entlang zurück zum Ausgang.

Links begleitet mich schon eine Weile die Absperrung in das Areal der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Da es inzwischen ganz schön heiß geworden ist, freue ich mich auf das Arboretum, das vor mir liegt und Abkühlung verspricht.

Eigentlich ist ja die Zeit der Rhododendronblüte fast vorbei. Aber unter lichten alten Bäumen gibt es auf 3.5 ha Fläche mit rund 2000 Arten immer noch genügend Foto-Futter. Der Park besitzt eine der umfangreichsten Sammlungen  an Freiland-Rhododendren in Europa. Das Sortiment gibt einen Überblick über die Sortenentwicklung seit etwa 1830.

Besonders angetan bin ich vom Service des Parks, der wichtige Gattungen in Schildern vorstellt. Auf dem großen Areal der Rhododendren sind es sogar sehr große Tafeln, die nicht nur allgemein über die Pflanzen des Parks erzählen, sondern auch speziell über die Rhododendron-Zucht im Ammerland schreiben. Wer Probleme mit Dickmaulrüsslern hat, bekommt hier genauso professionelle Hilfe, wie der Zauderer, der sein Gehölz schon lange zurückschneiden möchte, sich aber bisher nicht traute. Diese Rundum-Versorgung mit Tipps gefällt mir gut.

Man kann nun denken, wer so viel Platz hat, der könnte damit auch sehr großzügig umgehen. Nicht so im Park der Gärten! Das Arboretum bietet sich doch förmlich an, um neben den Rhodos auch andere seltenere Sträucher, wie Acer palmatum ‘Orange Dream’ und eine Reihe Kalmias (auf dem Foto Kalmia latifolia ‘Ostbo Red’) zu präsentieren. Die Gattung Kalmia hatte ich nie bewusst auf dem Schirm, ich bin beeindruckt. Natürlich findet sich hier auch eine präsentable Auswahl an Schattenstauden. Hosta ‘Devon Green’ finde ich besonders ansprechend, aber auch meine geliebten Farne gedeihen hier. Die ersten Etagenprimeln blitzen mit ihren Blüten auf, wie schön. Aber es gibt noch so viel zu sehen. Also trete ich nun, wieder in einem Halbkreis gehend, diesmal aber auf der anderen Parkseite, den Rückweg an.

Am Gehölzrand schaue ich mir noch die erlesene Gräsersammlung an, komme am Heidebeet vorbei, aus dem mir ein blühender Ginster suggeriert, mir das Heide-Farbspektakel doch unbedingt im Herbst nicht entgehen zu lassen und immer wieder drehe ich mich zum Arboretum-Rand um, um die herrlich blühenden Blumenhartriegel und andere besondere Blüh-Gehölze zu bewundern. In der Sonne begleiten mich schon wieder Iris und Katzenminze-Stauden und kaum denke ich beim Anblick der Allium ‘White Giant’ an das Blumenband, taucht es auch schon wieder vor mir auf, um mir bis zum Eingangsbereich erneut Gesellschaft zu leisten.

Ein unbestrittener Höhepunkt der Mustergärten ist für mich der Ernst-Pagels-Garten, dem Staudengärtner und -züchter aus Leer (also aus der Region des “Parks der Gärten” stammend) gewidmet. Etwa 130 Gräser- und Stauden-Züchtungen verdanken wir dem Meister, der die Sortimente um wertvolle Gartensorten bereichert hat. Interessant ist für mich besonders, dass seine Selektionen zwar immer eine Verbesserung der Garten-Eigenschaften darstellten, jedoch dabei ihren Wildpflanzen-Charakter weitgehend behalten haben.

Nachdem ich mir die gesammelten Staudensorten von Ernst Pagels Züchtungen angesehen habe gehe ich zum “Bäuerlichen Nutzgarten” weiter.

Auch wenn in meinem kleinen Garten höchstens einmal Schnittlauch “Beet-Karriere” machen darf, so interessieren mich Nutzgärten trotzdem, weil ich finde, wer die Kunst beherrscht, etwas Leckeres anzubauen, der kann das auch so im Beet präsentieren, dass das Auge quasi schon im voraus “mitisst”. Das ist wohl der Grund, warum man “bäuerliche Nutzgärten” heutzutage zu Recht lieber “dekorative Küchengärten” nennt.

“Fisherman’s Friends” ist eigentlich die Geschichte eines vergessenen Kräutergartens. Minzen, Mentha, Calamintha und Pycnanthemum  sind hier zuhause. Aber auch die Spornblume spinnt das Seemannsgarn mit. Ich liebe diesen schlichten, ehrlichen Garten besonders.

Dieser Weg führt mich sicher durch das weitläufige Ahorntal. Der Acer palmatum ‘Sherwood Flame’, ein japanischer Fächerahorn, neigt sich mir huldvoll entgegen. Hier ist eine meiner Lieblingsecken im Park.

Langsam nähert sich mein Rundgang dem Ende, aber immer wieder bleibe ich stehen, um neue Details festzuhalten. Die blau blühende Gruppe der Iris ‘Caesar’ am vorderen See wirkt sehr erfrischend. Auch die früh blühenden Hemerocallis zwischen Schafstall und Kopfweiden wollen fototechnisch mitgenommen werden. Beim letzten Foto fällt mir nur ein: Wer den “Park der Gärten” besuchen kann, egal zu welcher Jahreszeit, der hat echt Schwein gehabt.

Vorne wieder in Eingangsnähe angekommen, muss ich schmunzeln. Hier finden sich eine Reihe unterschiedlicher Gartenstil-Angebote unter der Bezeichnung: “Gartenträume auf kleinem Raum”, na ja! Immerhin habe ich versucht, einen Großteil der 140000 qm zu sehen, zeigen kann ich hier tatsächlich nur, was ich in vielen kleinen Räumen hier geträumt habe und ich hoffe, es hat gefallen.

Die neue Vogelausstellung “Piepmatz & Co.”

In der fertig aufgebauten neuen Vogelausstellung wird im Park der Gärten die heimische Vogelwelt vorgestellt. Es ist die Sammlung des Tierpräparators Wilts, die hier ein würdiges Zuhause gefunden hat.

Die Sammlung zeigt nicht nur seltene Vogelarten, es wird auch der schwindende Lebensraum vieler Vögel gezeigt und Tipps gegeben, was man im eigenen Garten für die Piepmätze tun kann. Über 670 Vogel-Exponate gibt es zu sehen, dazu kleinste und größte Eier.

Das Hauptproblem ist momentan wohl, dass es nur einen Ein- und Ausgang gibt. Dazu kommt die didaktisch geniale Möglichkeit für die Besucher, Gegenstände anzufassen und dabei einiges Wissen über Vögel zu bekommen. Diese beiden Probleme haben bisher eine Eröffnung dieser für mich einmaligen Ausstellung verhindert und ich wünsche uns Allen, dass sich die Lage bald so entspannt, dass die Ausstellung eröffnet und den Besuchern zugänglich gemacht werden kann.

PLZ 26160 Bad Zwischenahn, Elmendorfer Str. 40, 140.000 qm, “Dauergartenschau mit 44 Mustergärten, 37 Pflanzensortimenten, u. a.: Rhododendron-, Heide-, Geranium- und Hostasammlungen. Große Blumenbänder, Gewässer- Schatten- und Sonnenhabitate. Gastronomie, Spielplätze sowie Ausstellungen und Aussichtsturm.” Park der Gärten, Kontakt: Tel.04403/81960 Email-Adr.: info@park-der-gaerten.de Website: www.park-der-gaerten.de

Teile als erste*r diesen Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

16 Kommentare

  • Liebe Renate
    In fesselnder Beschreibung mit wunderschönen Worten habe ich den Park neu entdeckt. Danke für deine unglaubliche Energie.

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Erna, die ist mir bei einem Blick nach draußen gerade abhanden gekommen. Schneeräumen – oder nicht – aussitzen oder schaufeln. Hamlet sagt nix dazu. Liebe Grüße Wurzerl

  • Elke Becker sagt:

    Hach, dein Bericht ist so ein richtiger Appetitanreger! Ich muss da hin!!
    Vielen Dank für deine schönen, informativen Schilderungen und wunderbaren Fotos..
    Liebe Grüße
    Elke Becker

    • Das Wurzerl sagt:

      Ja, ich möchte auch gerne wieder hin, das ist genau so ein Ort, wo man 50 x hin kann und findet trotzdem wieder Neues unbekanntes. Wünsche einen schönen Schnee? -Tag. Wurzerl

      • Elke Becker sagt:

        Hier im Münsterland sind wir glücklicherweise schneefrei :-), wünsche einen schönen Schneetag nach Bayern

        • Das Wurzerl sagt:

          Wenn die Temperaturen in den Keller rasseln, bin ich um jeden Millimeter Schnee froh. Aber er bleibt inzwischen nicht mehr liegen, weil die Tagestemperaturen zu warm sind. Wünsche Dir einen guten Tag liebe Elke. Wurzerl

  • Maria Heiß sagt:

    Inspirierende Vorstellung eines großartigen und überaus vielfältigen Parks.
    Vielen herzlichen Dank dafür!!!

  • Erika Elferink sagt:

    wieder mal ganz toll beschrieben. Man hat dadurch große Lust es selber zu besuchen.

    • Das Wurzerl sagt:

      Am 17.4.21 geht es los, das läßt der Frühling sein Blaues Band, wieder flattern durch des Parkes Lüfte….
      Wünsche Dir ein schönes Wochenende, Wurzerl

  • Marie Christine Wyrsch sagt:

    Liebe Renate, das ist ein toller Artikel über den “Park der Gärten” und mir bleibt jetzt nur, zu hoffen dass wir bald wieder uneingeschränkt reisen und einen Tag dort genießen können.
    Ich freue mich sehr über die beim Adventsrätsel gewonnenen Eintritt Tickets in diesen interessanten Park und danke Dir für Dein enormes Engagement.

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Marie Christine, ich drücke Dir fest die Daumen, dass Du zur gewünschten Zeit reisen kannst, schön ist der Park immer, darum werde ich im September noch den reizvollen Herbstaspekt zeigen. Schönen Sonntag für Euch. Wurzerl

  • Bettina de Vries sagt:

    Hallo, einen ganz tollen Bericht haben Sie hier erstellt, ich bin begeistert!
    Lg

    • Das Wurzerl sagt:

      Danke, das freut mich, hoffe sehr, dass es dann auch bald einen Realbesuch gibt, ich kann in diesem Park immer wunderbar entspannen. Was gibt es momentan besseres. Alles Liebe. Wurzerl

  • Danke für diesen wunderbaren Ausflug, den ich fast in Endlosschleife wiederholen möchte. Danke für die Mühe, denn ich weiß, wieviel ARbeit in so einer Präsentation steckt.

    • Das Wurzerl sagt:

      Sehr gerne liebe Karin, ich hoffe ja sehr, dass sich im Sommer die Lage so entspannt, dass ich den “Park der Gärten” wieder besuchen kann. Wünsche Dir eine gute Woche. Wurzerl