Margrets Bauerngarten, ganz ohne Gedöns…

Im Garten Margaret Tensfeld

…aber dafür wunderschön .

Ankommen

Ausschlaggebend für meinen Besuch in diesem Garten ist mein jährlicher Advent- und Silvester-Rätselmarathon, den ich seit Jahren in meiner FB-Gruppe: “Traumgärten erleben” veranstalte. Einen wichtigen Anteil an den Preisen bildet die Auflistung von Traumgärtner*innen, die Rätsel-Gewinner in ihren Garten einladen. 2020 kam ich auf die Idee, den Spieß einfach umzudrehen und ich bot in der “Gartenbesuchs-Liste” meinen Besuch im Gewinner-Garten, eingeschlossen eines Berichtes in Wurzerlsgarten, an.   

Margret und Detlef Tensfeldt haben als Erste diesen Website-Beitrag über ihren Garten gewonnen. Nun ist Schleswig-Holstein von München aus nicht gerade der nächste Weg, darum ist es erst ein Jahr später möglich gewesen, einen Besuch in Tarbek einzuplanen – und jetzt stehen wir schon im Innenhof und der Terrasse des Bauerngartens und ich bin begeistert.

Ende Mai 22 hatte ich mit Christa Schroth wieder einen Besuch bei unseren Garten-Freunden in Ostfriesland vorbereitet und immer wieder betont, ich muss aber unbedingt einen Tag nach Tarbek einplanen! Ulrike Koska, eine unserer ostfriesischen Gartenfreundinnen, beschloss daraufhin kurzerhand, Christa und mich die 500 km hin und zurück zu Margret zu fahren, damit ich ausgeruht den Garten fotografieren kann. Für mich war das Jackpot und ich bin Ulrike bis heute sehr dankbar. 

Der Garten empfängt mich mit Wolken von weißen Nachtviolen, langen Säumen von Porzellanblümchen, die ihren Blühhöhepunkt noch vor sich haben, tanzenden Akeleien-Blüten und mit hoch über allem schwebenden lila und weißen Pompons des Kugel-Zierlauchs.

Wer mich kennt, wundert sich vielleicht, dass ich heute nur die deutschen Trivialnamen niederschreibe. Der Grund dafür ist ganz einfach. Margret hat den Garten, der heute ca. 2000 qm misst, von ihrer Schwiegermutter übernommen. Damals bestand er zu 90 %  aus einem Selbstversorger-Gemüsegarten. Natürlich hat Margret die vorhandenen Gehölze und Stauden in ihren späteren eigenen, um zwei Stücke vergrößerten Garten, integriert. Da sich viele Stauden inzwischen vermendelt haben und im Tausch mit Gartenfreundinnen weitere Pflanzen in den Garten eingewandert sind, wäre es schlicht eine Spekulation, nach den genauen Sortennamen zu suchen. Die deutschen Gattungsbezeichnungen passen perfekt zu diesem in sich so stimmigen Garten.

Inzwischen ist hier ein blühendes Paradies entstanden. Salatköpfe und Gemüse sucht man vergeblich. Als die Schwiegermutter an Demenz erkrankte, pflegte  Margret sie fünf Jahre lang zu Hause. In dieser Zeit entdeckte sie ihre Liebe für den Garten, die Arbeit darin tat ihr in dieser schweren Zeit sehr gut. Nach und nach gestaltete Margret ihren Garten allein zu ihrer Freude um, in einen reinen Blumengarten. Winters fing sie zusätzlich zu nähen an und beschäftigt sich kreativ mit diesem Hobby, sobald der Garten ruht.

“Vergnügen und Freude”, diese Worte Margrets treffen voll ins Schwarze, genau das bereitet dieser Garten und das strahlt er auch auf die Besucher aus. Sobald die Hündin Flora mir am Hosenbein klebt, die Katzen Pippi und Lotta aus dem Nichts auftauchen, oder die Pferde auf der Koppel neugierig auf mich zulaufen, fühle ich mich fröhlich, unbeschwert, ja kindlich, als wäre ich in Ferien in “Bullerbü”.

Schaue ich mir die Historie des Hofes an, so grenzt es fast an ein Wunder, was für eine Wohlfühl-Oase Margret hier in den letzten Jahren geschaffen hat. Bereits seit 1780 ist dieser Platz von der Sippe Tensfeldt besiedelt und an den jeweils ältesten Sohn nach dem lange herrschenden bäuerlichen Allein-Erbrecht weitergegeben worden. 1945 wurde der Hof schließlich gedrittelt.

Einen heftigen Einschnitt für die Familie Tensfeldt bedeutete das Feuer, welches 1962 das Haus zerstörte. So ein Verlust ist schwer zu verwinden, die historischen Erinnerungen, Authenzität, Mobiliar, Kleidung, Fotos, Papiere, alles nur ein Rest von Asche.

Als wir durch das Haus in den Garten gehen, fällt der Blick Margrets in der Küche auf den alten Steinboden und sie bemerkt: “Das ist noch der alte Boden, das ist alles, was nach dem Brand noch da war”. Mit Mut wurde damals angepackt und das Haus wieder genau da errichtet, wo es war und der Küchenboden blieb natürlich der Alte.

Margret Tensfeldt, Christa Schroth, Ulrike Koska – orientalischer Mohn – die Hündin Flora und Katze Lotta

Detlef und  Margret Tensfeldt übernahmen den Hof 1980. Mit 35 ha fingen sie an und vergrößerten ihn kontinuierlich auf 55 ha. Bis zum März war der Hof ein reiner Milchwirtschaftsbetrieb. Inzwischen sind die Kühe verkauft und ein Großteil des Grundes ist verpachtet worden. Das gibt Margret jetzt die Muse, im Garten zu pflanzen oder zu gestalten und mit Gartenbesuchern auf der Bank zu klönen. Detlef kümmert sich um seine geliebten Pferde und unterstützt Margret im Garten mit dem Anfertigen von Durchgängen, Steine verlegen oder auch mal Rasen mähen.  

Während uns die Hündin Flora nicht von der Pelle weicht, um uns zum Spielen zu animieren, schaut sich Lotta den Besuch erst einmal vorsichtig aus einer kleinen Hecke heraus an. Irgendwann werden wir als harmlos eingestuft und sie geht zu ihrem Stammplatz um ihre Yoga-Übungen, streng beäugt vom Raben, zu absolvieren.

Margret liebt Stauden mit einfachen ungefüllten Blüten. Wenn sie dann noch in weiß blühen und gar duften, dann bekommen sie im Garten Narrenfreiheit. Die Wildbienen und Schmetterlinge freuen sich über diesen guten Blumengeschmack von Margret.

Einfassung aus Porzellanblümchen – Margret und Detlef Tensfeldt – Akeleien Sämlinge

Ein besonderes Erkennungsmerkmal des Gartens sind die Porzellanblümchen. Viele Rand- und Insel-Beete sind mit Saxifraga urbium eingefasst. Das wirkt wie ein besonderer Rahmen und fasst den Garten in seiner großzügigen Dimension doch wieder harmonisch zu einer einheitlichen Wirkung zusammen.

Mein Besuch findet in einer vegetativen Übergangszeit statt. Die Frühlingsblüher sind gerade weg, die Sommerblumen stehen in den Startlöchern und so können die Porzellanblümchen schon zu Beginn des Aufblühens ihren hellen Rahmen vor dem Grün der Gehölze entfalten. Sobald sie in voller Blüte sind, wird es schwierig, sich gegen den eilig entfaltenden Sommerflor optisch zu behaupten. Dann beginnt die Blühzeit der Alten Rosen, der Rispenhortensien, Wiesenrauten und vieler anderer Lieblings-Pflanzen von Margret, die sich dann von den Porzellanblümchen noch eine Weile umkuscheln und anhimmeln lassen.

“Jetzt ist es aber genug!” denkt sich Flora: “Die sitzen da ewig auf der Bank und rühren sich nicht und Wurzerl rennt dauernd mit dem Foto vor meiner Nase herum und fotografiert jedes einzelne Gänseblümchen, als ob sie so etwas noch nie gesehen hätte!” Au weia, Flora hat recht, also marschieren wir Alle brav hinter ihr her auf die Pferdekoppel, begrüßen dort die zwei großen Vierbeiner und gehen weiter den Wiesenhang hinauf.

Nein, das gefällt Flora nun auch nicht, dass ich nach zweimal “Stöckchen werfen” nur noch auf eine kleine Baumgruppe schaue, auf die wir langsam zugehen und der man das ehrwürdige Alter ansieht. Ich bin überzeugt davon, diese Bäume standen schon längst da, als Margret seinerzeit im Anwesen Tensfeldt eingezogen war.  

Hinter den Bäumen, die wir bald erreichen, erwartet uns eine Überraschung – der hauseigene Weiher! Völlig natürlich, eingebettet in ein Ufer mit verschiedenen Gehölzen, durch die sich manchmal auch die ungemähte Wiese bis zum Wasser hindurchschlängelt, beeindruckt der Wasserspiegel, je nach Lichteinfall, mit einem tiefdunklen Blaugrün, oder einem schimmernden Gelbgrün.

Einen Moment verstummen wir, die meditative Wirkung der besonnten Wasserfläche ist zu verspüren. Von der Koppel zurück im Garten, gehen die drei “Grazien” zu einer neuen Ratsch-Runde nach vorne, während ich in die entgegengesetzte Garten-Ecke möchte, um mir die mit vermeintlichen “Mistelbuschen” übersäte große Birke genauer zu betrachten. Als ich noch einmal den Blick zu den alten Bäumen hinaus richte, gleitet er nach rechts ab und plötzlich merke ich erst, dass inzwischen ein Storchenpaar auf seinem “Hochsitz” angekommen ist und sich dort nach allen Regeln der Storchenkunst umgarnt. Erst Minuten später kann ich mich von dem herrlichen Schauspiel der Beiden losreißen, um mich endlich auf die Birke mit den Misteln zu konzentrieren.

Dann bin ich erneut hin und weg. Was für ein Tag! Was für eine wunderbare Stimmung! Was für ein herrlich natürlicher, berührender Garten! Und…, das alles mit meinen Gartenfreundinnen zusammen erleben zu dürfen, bei so liebenswerten Gastgebern!

Was ist denn jetzt schon wieder, denkt Ihr? Tja, ich habe soeben gemerkt, dass auf der Birke gar keine Misteln sitzen. Der Baum ist über und über von Hexenbesen besiedelt. Und natürlich – zu seinen Füßen fühlen sich wieder alle kleinen, weißen Lieblingsblumen von Margret, wie Porzellanblümchen, Milchsterne oder Gänseblümchen,  wohl.  

Als ich über den akkuraten Rasen, an den Pflanzinseln und weißen Blütenwolken vorbei zum Haus zurückkehre, kommt mir eine Erinnerung Margrets in den Sinn. Als Margret gerade angefangen hatte den Garten umzugestalten bekam sie eines Nachts, unvermutet “Hilfe”. Eine der Kühe war besonders neugierig und öffnete für einen Kontrollgang durch den Garten die Melkstandtür. Hüstel, jaaaa, die Spuren waren noch sehr lange zu sehen!

Schnell noch ein paar Fotos vom Schattenbereich mit den Rhododendren gemacht und ich stehe auf der Terrasse. Aber es geht gleich noch einmal nach hinten, Detlef möchte doch gerne wissen, was ich in seinem Garten für “Hexen” und dann gleich noch mit “Besen”, entdeckt habe. In der Zwischenzeit beschäftigte sich Ulrike Koska mit dem Video und da könnt Ihr nun auch gerne den Ton lauter stellen, und draufklicken und Margret Tensfeldt persönlich kennenlernen.

Ich mag diese beiden Menschen sehr, sie sind herzlich, bodenständig und ihr natürlicher Bauernstolz steht den Beiden sehr gut – ja, ich glaube, den strahlen sogar die Porzellanblümchen im Garten aus, von denen ich prompt geträumt habe.

Liebe Margret, lieber Detlef, ich danke Euch ganz herzlich für Eure Einladung in Euer unbeschwertes, ländlich schönes Paradies.  

Dir liebe Ulrike Koska danke ich für Deinen für mich sehr wertvollen Chauffeur-Dienst und Deine und Christa Schroths immerwährende gute Laune.

PLZ 24619 Tarbek, Dorfstr. 11, Margrets Bauernhof-Garten

Kontakt: Margret Tensfeldt, Email: margret.tensfeldt@gmx.de  

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14 Kommentare

  • Ulrike sagt:

    Da hat sich das frühe Aufstehen doch gelohnt. So ein toller, lebendiger Bericht aus Schleswig-Holstein. Es war ein wundervoller Tag mit wundervollen Menschen. Ich habe inzwischen einen guten Kontakt zu Margret, ist sie doch auch künstlerisch unterwegs…deine Fotos sind wie immer klasse, danke fürs mitnehmen. Ich sende dir ganz liebe Grüße 💖

    • Das Wurzerl sagt:

      Ich danke Dir liebe Ulrike, Du bist eine sehr gute Autofahrerin, das war für mich dann ein doppelt entspannter Genuss. Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende. LG Wurzerl

  • Liebe Renate
    Ein wunderschöner Bericht von 2 bodenständigen lieben Menschen und der nordischen Natur. Wunderbar und Dankeschön.

  • Andrea Kratz sagt:

    Ein schöner Bericht über einen tollen Garten. Mir gefällt die Natürlichkeit total gut. Trotzdem wirkt alles sehr gepflegt, sehr einladend.

  • Susanna sagt:

    Das ist ein wirklich liebevoll angelegter Garten, liebe Renate! Hut ab vor der Gärtnerin: einen Milchviehbetrieb und die Pflege der Schwiegermutter zu meistern, das ist eine Leistung! Eins davon reicht eigentlich schon aus … Da kann ich mir gut vorstellen, dass dieser zauberhafte Garten ihr als Ausgleich Kraft gegeben hat. Sooo schön mit dem Weiher und den Störchen – richtig idyllisch.
    Liebe Grüße
    Susanna

  • Christa Schroth sagt:

    Das war ein sehr schönes Erlebnis diesen schönen Gartenstuhl erkunden. Ich habe es sehr genossen und konnte auch ein wenig „platt snacked •. Tut mir als Nordlicht ab und zu gut.
    Ich könnt schon wieder hin zu den liebenswerten Gastgebern

  • Christa Schroth sagt:

    Oh da hat sich ein lustiger Schreibfehler in meinem Kommentar eingeschlichen 😜

  • Gertrud Diekmann sagt:

    Danke fürs mitnehmen durch diesen wunderschönen Garten.

  • So viele Nachtviolen hätte ich auch mal gerne. Lunaria annua hat mal wieder eine Sämlingswelle gestartet, vielleicht klappt es bald wieder mit so einem Blütenmeer wie in dem schönen Garten.
    VG
    Elke

  • Margit sagt:

    Ja, das ist ein toller Garten. So ganz nach meinem Geschmack. Tragisch, dass 1962 durch einen Brand alles vernichtet wurde!
    Viele Grüße von
    Margit

  • Was für ein Kleinod! Soviel Platz zum gestalten. Hätte ich auch gern, doch ich muss mich mit meinem Stadtgarten zufrieden geben.
    LG…Stephanie