LATÜT – und die Leichtigkeit des Seins – Herbst II. Teil

Tag-Pfauenauge im LATÜT-Garten

Ich sitze erneut im Wintergarten und überlege, wie ich mit dem 2. Teil des LATÜT-Gartens beginne. Dabei ist es doch so leicht – ich schalte einfach wieder die Tischlampe von Karin ein und beobachte, wie die Blumen, Schmetterlinge und Libellen erneut in meiner Fantasie zum Leben erwachen.

Wintergarten in Wurzerlsgarten, mit LATÜT-Design

Heute bin ich nicht in Haus-Nähe! “Unter den Eichen” träumt in der Nachmittagssonne, die gerade herzerwärmend auf mich herunter scheint und meine Fantasie beflügelt.

Im Sonnengarten

Wir waren zuletzt im Rosengarten unterwegs, der sich optisch schon ziemlich von der Geborgenheit der Garten-Bereiche in unmittelbarer Haus-Nähe absetzt. Die Dominanz der würdevoll thronenden Eichen um das Haus herum tritt immer weiter in den Hintergrund, während mein Blick-Kontakt jetzt häufiger die Gelegenheit findet in die Weite der ostfriesischen Landschaft abzuschweifen.

Ich durchschreite einen weiteren Rosenbogen, der mich in das irisierende, vom Herbst weich gezeichnete Licht des Sonnengartens führt. Jetzt bin ich vollends in der Atmosphäre – der Leichtigkeit des Seins von LATÜT – angekommen.  

Die Weite und Helligkeit der Landschaft bekommt im Sonnengarten eine eindringliche Präsenz, welche die Stauden und Gehölze gleichsam aufsaugen und filigraner wirken lassen. Mein Blick wandert immer öfter hinaus in ein “draußen”, das da irgendwo am Horizont stattfindet, wo sich die kleinen Federwolken am Himmel verlieren.

Die Schmetterlinge oder Libellen, die Karin in ihren kleinen Kunstwerken festhält, hier gaukeln oder schwirren sie voller Lebensfreude durch die Luft. Die kleinen Kobolde naschen am reich gedeckten Tisch des Gartens oder sonnen sich einfach auf einem Stück Holz.

Der Sichtschutz aus Strohmatten ist nicht so schwer wie es eine Mauer oder grüne Hecke wäre. Kleine Details im hellen Shabby-Look, in ganz speziellen besonderen LATÜT-Farbtönen gehalten, lockern zusätzlich auf. An der gegenüberliegenden Längsseite, wo die Landschaft vehement in den Garten eindringt, gibt es nur leichte Maschendraht-Zäune.

Karin würde am liebsten auf jede Art Barriere verzichten, aber sie hat eine Menge Gourmet-Rehe in der unmittelbaren Nachbarschaft, die sich ungeniert an den Rosenknospen oder Stauden bedienen würden, wenn man sie denn ließe! Bevor ich hinten einen großen Bogen schlage, um den mäandernden, langgezogenen Wiesen-Weg des Poetischen Gartens zu erreichen, muss ich Euch noch Karins Lieblings-Schmetterling zeigen. Es ist der kleine Feuerfalter – ich kenne ihn nur aus diesem Garten.

Im Poetischen Garten

Inzwischen bin ich in den neuen, parallelen Garten-Teilen angelangt. Der Poetische Garten reicht bis in den Bereich Unter den Eichen, auf dessen Höhe am Ende der blaue LATÜT-Bibliotheks-Wagen herausfordernd um sich blickend seine Präsenz zeigt.

Die Gefahr, sich in der Leichtigkeit des Seins völlig zu verlieren wird in diesem Gartenbereich sehr groß. Denn der Blick zurück in den Sonnen- und Rosengarten ist hier genauso möglich, wie ein Abschweifen in die gegenüberliegende Parallele des Wiesen-Gartens, der mich in seiner Schlichtheit fasziniert.

Aber ich will mich jetzt von keiner Seite ablenken lassen, sondern konzentriere mich auf den Poetischen Garten, den ich gerade vorstelle. Diejenigen von Euch, die sich im Teil 1 vom LATÜT-Garten das Video angesehen haben, konnten bei den Drohnen-Aufnahmen gut die riesengroße Blüte erkennen, die Karin in diesem Gartenteil zentral mit schmalen, dynamisch geschwungenen Beeten modelliert hat.

Ein herkömmlicher Weg würde das Bild nicht nur von oben stören, darum hat sich Karin auch in den neuen Gartenteilen ausschließlich für Wiesenwege entschieden.

Stauden und Annuelle dürfen sich in einer bunten, lockeren Gemeinschaft entwickeln. Um diese leichte, filigrane Wirkung vor allem im Poetischen Garten zu erzielen verzichtete Karin in diesem langgezogenen Areal fast völlig auf Gehölze. Dominante Leitstauden sind nur sehr sparsam eingesetzt. Viele Gräser lockern immer wieder die Pflanzungen auf. Blackbox Gardening bringt immer neue Überraschungen mit sich.

Ich ertappe mich dabei, dass ich anfange meine Augen als Weitwinkel- oder Makro-Objektiv einzusetzen. Ja auch dazu lädt dieser Garten ein. Oft seziere ich Beete ja in die einzelnen Farb- Staffelungs- und Formenbereiche. In diese Versuchung komme ich in LATÜT keine Sekunde. Entweder ich gleite mit meinem Blick über die Leichtigkeit des Seins der Beete hinweg in die Landschaft hinaus, oder mein Fokus landet in einem einzelnen Blütenwunder, das von einem benachbarten Gras gestreichelt oder von einem der unzähligen fliegenden Gartenbewohner umschwärmt wird.

Im Wiesengarten

Langsam nähere ich mich dem blauen LATÜT-Bibliothekswagen. Aber nein, ich möchte doch noch meine Freundin, die 300 Jahre alte Eiche am Ende des Wiesengartens besuchen.

Auch Karin bedeutet der alte Baum eine Menge. Man erkennt das schon an der Art ihrer Inszenierung – aber was soll ich da viel darüber schwätzen – klickt doch einfach das nachfolgende kurze Video an und denkt daran, den Ton laut zu stellen, dann bekommt Ihr alle wichtigen Infos zu den alten Eichen direkt von Karin. 

Während ich noch das Lied von Alexandra “Mein Freund der Baum” auf den Lippen habe, wende ich mich wieder dem Poetischen Garten zu. Ich laufe jetzt endgültig ganz nach vorne zum Bibliotheks-Wagen und schaue mir als letztes den Gemüsegarten an.  

Im Gemüsegarten

Auch dieser öffnet sich dem Besucher und der Landschaft. Allerdings gibt es in der Richtung Unter den Eichen mehrere Gehölze, die einen sanften Übergang zu den geschlossener wirkenden Gartenteilen rund um das Haus bilden.

Der Gemüsegarten zeichnet sich durch die gleiche Lockerheit aus, wie alles andere in LATÜT. Keine klassischen Bauerngarten-Wegkreuze, keine separaten Staketenzaun-Einrahmungen und keine Vorschriften von Fruchtfolgen – nein, die Blumen sollen den tierischen Besuchern gefallen und das Gemüse den Bewohnern schmecken. Auch hier hat Karin die Beete mehr gemalt als gepflanzt und so eine ganz neue Art Küchen-Ästhetik kreiert.

Auch hier überfällt mich wieder mein Makro-Blick, als ich mir den Palmkohl und die feisten Kohlrabi-Knollen ansehe, wie sie mit dem Salbei ‘Hot Lips’ Küsschen austauschen. Aber – da meldet sich mein Magen und mir fällt ein, im Haus wartet schon eine heiße Tasse Kaffee auf mich! Jetzt heißt es schnell die Kurve zu kriegen – ich verkneife mir einen letzten Blick in den LATÜT-Wagen – denn irgendwann muss schließlich Schluss sein. Ich schaue noch einmal zurück über die Blütenwellen hinaus in den Wiesengarten und weiter zum Horizont. Dabei denke ich mir: das ist Karins gelungene, individuelle ostfriesische Antwort auf die nordamerikanische Prärie.

Der Bericht über den Herbstgarten von Karin neigt sich dem Ende zu. Ich gehe zurück in den Wintergarten, wo ich mich von Karins Kunst habe inspirieren lassen, um mein Verständnis von LATÜT besser zeigen zu können. Dann fällt mein Blick durch die Scheiben in meinen Garten und es zieht mich hinaus. Nein, eine “Leichtigkeit des Seins” gibt es bei mir nicht. Mein kleiner Garten ist prall gefüllt mit meinen vielen unterschiedlichen Ideen. Es fehlen die Weite der Landschaft, die besonderen Licht- und Luftverhältnisse Ostfrieslands, die Großzügigkeit von Karins Gartens…. LATÜT halt!

PLZ 26817 Rhauderfehn, Bargkamp 35, 2500 qm, “LATÜT”-Garten + “LATÜT” Kunstladen, Kontakt: Karin Berends-Lüürßen E-Mail: latuet@freenet.de  Website: www.latüt.de

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10 Kommentare

  • Christa Schroth sagt:

    Oh was für ein schöner und poetischer Bericht über Karins herrlichen Garten. Bin ganz eingetaucht in ihn und in die Erinnerungen. Danke. Toll

    • Das Wurzerl sagt:

      Vielen Dank liebe Christa, ja der neuere Garten ist noch lichtdurchfluteter und leichter gestaltet, da Karin sehr feinfühlig an die neuen Bereiche herangegangen ist. LG Wurzerl

  • Das ist dir aber sehr gelungen… Der zweite Teil steht dem Ersten in nichts nach… Du schreibst so wunderbar und die vielen schönen Bilder haben mir die sonnigen Herbsttage zurück gebracht… Danke dafür und ich freue mich schon auf die nächsten sonnigen Gartentage. Danke für diesen schönen Gartenrundgang.. Liebe Grüße Karin

    • Das Wurzerl sagt:

      Ist doch praktisch liebe Karin, wenn es draußen nur noch kalt, duster, neblig und nass ist, dann hast Du nun schon drei Spaziergänge durch Deinen Garten ganz im gemütlich Trockenen! LG Wurzerl

  • Erika Elferink sagt:

    wieder ein ganz toller Bericht mit fantastischen Bilder aus einem wunderschönen Garten.

  • Ob der Kleine Feuerfalter denn auch im Garten als Raupe lebt? Könnte ja sein, wenn es so schöne Wiesen und Wildkräuter gibt.
    Viele Grüße
    Elke

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Elke, ich gehe davon aus, denn in den Wiesen gibt es auch verschiedene Ampferarten, wie Rumex acetosella, den kleinen Sauerampfer. Gerade der Feuerfalter liegt Karin auch am Herzen. Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag. LG Wurzerl

  • Helma Willand sagt:

    Bei dem heutigen usseligen Wetter bei uns an der Oberweser war Deine Latüt-Gartenführung genau richtig. Danke dafür, liebe Renate, vielleicht erlebe ich dieses so besondere Refugium eines Tages persönlich! Mein Kompliment geht auch an Karin!

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Helma, ja bei gruseligem Novemberwetter kann die “Leichtigkeit des Seins im LATÜT-Garten” nicht schaden. Wenn Du es noch wärmer brauchst, da gibt es 5 Post über die Dominikanische Republik, bei den Internationalen Gärten und Kultur und Natur. Ob Du den besser im Badeanzug liest, kann ich gerade nicht beurteilen, ist doch schon eine Weile her. Liebe Grüße auch an GG Wurzerl