WILDSTAUDEN von JOCHEN WEGNER

Buchcover zu: Naturnahe Gartengestaltung WILDSTAUDEN

– Buchrezension –

Naturnahe Gartengestaltung WILDSTAUDEN

Schriftenreihe der Gesellschaft der Staudenfreunde e.V.

Jochen Wegner gärtnert in Groß Potrems, LK Rostock, in Mecklenburg-Vorpommern. Seine Vorliebe für Wildstauden zieht sich durch den kompletten Garten und jeden Sommer öffnet sich täglich nach Anmeldung die Gartentüre für Besucher, damit sie seinen Wildstaudenzauber mitträumen können.

Was liegt näher, als über seine bevorzugten Pflanzen – die Wildstauden – ein Buch zu schreiben?

Als ich das Buch kaufte, da wusste ich nicht so recht, was auf mich zukommen würde. Seitdem ich immer wieder die Forderungen vernehme, alle Pflanzen, die nicht bei uns heimisch sind, aus den Gärten zu verbannen, was ich persönlich für einen großen Unsinn halte, bin ich da sehr hellhörig geworden.

Nach dem Vorwort erzählt Herr Wegner im 1. Kapitel “Wie alles begann” auf sympathische Art, wie seine Pflanzenliebe aufkeimte und sein Garten sich vom Refugium und Lebensmittelpunkt für die junge Familie nach Jahrzehnten zu einem naturnahen und dabei doch sehr ästhetischen Garten mit Wildstauden wandelte.

Schon im 2. Kapitel erfährt der Leser “Was sind Wildstauden?” und schon jetzt bin ich sehr interessiert. Denn im Grunde geht es um natürliche Arten, oder Naturhybriden, die vom Naturstandort her robust und für unsere Gärten gut geeignet sind. Aus dem Buch “Wildstauden” (Kaiser 1989), zitiert Jochen Wegner eine perfekte Definition: “Als Wildstauden werden alle nicht züchterisch bearbeiteten Stauden bezeichnet, die aus den gemäßigten Klimazonen der ganzen Welt kommen.”

Prompt lese ich im nächsten Kapitel die Antwort auf die Frage: “Warum Wildstauden?” Die Entscheidung, aus 1000 qm Obst- und Gemüsegarten, mit permanenten Verlusten von anspruchsvollen Prachtstauden, einen naturnahen, pflegeleichteren Garten umzugestalten fiel Jochen Wegner nicht schwer. Mit Hilfe von jahrzehntelang angelesenem Bücherwissen und einschlägigen Reise-Erfahrungen, die bis zu den Silbergräsern im Kuju-Hochland Japans führten, ging es beherzt zur Sache.

Bevor ich nun endlich in den Stauden-Garten von Groß-Potrems eingelassen werde, gibt es noch die interessanten Überlegungen Wegners zu “Der Naturalistische Gartenstil” und “Was ist nun heute vom naturalistischen Gartenstil geblieben?” Sehr gut recherchiert, informativ, nachvollziehbar und was mir sehr entgegenkommt, ein gelungener naturnaher Garten kommt den Sehnsüchten der Menschen in der heutigen Zeit sehr entgegen.

Jetzt ist es soweit: “Unser Wildstaudengarten” öffnet mir die Pforte und ich lese mit Begeisterung über Pflanzen, ihre Verwendung, ihre Partner und immer wieder, dass diese züchterisch unveränderten, robusten Stauden, wenn sie standortgerecht gepflanzt sind, fast unkaputtbar sind. Wer, warum auch immer nicht überlebt, wird nicht neu gepflanzt, sondern aus dem Füllhorn der Natur eine neue Staude probiert, ob sie sich in Augenhöhe mit der Konkurrenz halten kann. Jochen Wegner komponiert eine sich selbst erhaltende, dicht bepflanzte Staudenwiese, die lediglich im Frühling abgeschnitten wird. Die Gartenführung beginnt im “Vorfrühling am Gehölzsaum”  und folgt den “Wildtulpen in den Staudenwiesen”. Mich begeistert, dass das Buch ausgewogenes Bildmaterial zeigt, Garten-Teile, oder -Ausschnitte und Fotos von besonders empfehlenswerten Pflanzen. Es wird auch nicht auf verbesserte Selektionen von Arten mit einem Sortennamen verzichtet, wenn sie robuster und schöner als die Arten sind.

Oh, wie gut, dass ich das Buch lese, “Frühaufsteher am Teich” klingt zwar verlockend, aber ich komme am Morgen nicht so schnell aus dem Bett. “April im Schattenreich”, das Kapitel klingt nicht nur einladend, es bekennt auch Farbe mit wunderbaren Schattenstauden. Das nächste Kapitel spricht ebenfalls für sich “Der Mai ist gekommen”.

Jochen Wegner wandert weiter durch sein Staudenreich. Im Frühsommer heißt es auch vielversprechend “Regenbogen um den  Teich” und anschließend “Im Juni wird die Wiese bunt”. Das Foto zum Kapitel “Kerzenparade im Juli” zeigt beeindruckende Kerzenligularien, hoch aufstrebende Veronicastrum und Blutweiderich, es ist die Zeit der Himmelsstürmer. “Am und im Teich” beleuchtet die Sommerblüher, die das nasse Habitat schätzen. “Im Schatten stehen die Pauken”, dieses Kapitel zeigt, wie üppig es auch in diesem Bereich im Hochsommer sein kann. Der Kontrast “Tausend Sonnen im August” folgt sogleich, wie jedes Kapitel mit wunderbaren Stimmungsbildern, aber auch informativen Pflanzenporträts und guten Beschreibungen.

Das Gartenbuch ist langsam im Herbst angekommen mit dem Kapitel “Der große Auftritt der Gräser”, gefolgt von “Es wird noch einmal blau im Herbst”. Jede Seite des Buches ist so ästhetisch bebildert, dass ich eigentlich nach jedem Foto oder Satz sofort losfahren möchte, um das alles live zu erleben. Es ist unglaublich, wie Jochen Wegner seinen Garten nach der Natur “gemalt” hat. Ich bin überzeugt davon, würde ich darin stehen, fühlte ich mich befreit und wie in einer Traumlandschaft ohne Zaun oder Mauergrenzen.

Gräser, Samenstände und vor allem die Laubfärbung im Herbst sind in den meisten Gärten der zweite Höhepunkt im Gartenjahr. Aber was kommt dann, wie ist das nun in Groß Potrems? Ich erfahre es in “Wenn die Blätter fallen”. Und ich muss gestehen, die Fotos sprechen mich genauso positiv an, wie die Frühlingsbilder, oder die Üppigkeit des Sommers im Garten.

Ich möchte und kann dieses Buch wirklich uneingeschränkt Allen empfehlen, die sich mehr mit unkomplizierten, schönen Wildstauden befassen möchten. Gartenästheten werden in diesen herrlichen Bildband eintauchen und eigentlich wie ich nur einen schnellen Besuchstermin vereinbaren wollen, um diese “gepflanzte Natur” in ihrem Gleichgewicht und ihrer Harmonie vor Ort erleben zu können. Auch das wäre nun kein Problem, denn nach einem ausführlichen Pflanzenregister folgen im Impressum alle nötigen Hinweise. 

Herausgeber: Gesellschaft der Staudenfreunde e.V., Autor: Jochen Wegner, 275 Fotos: Jochen Wegner, Herstellung: Kullmann & Partner GbR, handlicher Bildband, 144 S., erschienen 2014, ISBN 978-3-9808902-6-7

Eine Bestellung ist bitte direkt an die Geschäftsstelle der GdS an die Email: info@gds-staudenfreunde.de zu richten. Das Buch kann gegen Vorauskasse von 15,– Euro auf das Konto der GdS:  IBAN: DE36 5455 0010 0001 8011 33      BIC: LUHSDE6AXXX erworben werden. Bitte Buchtitel, Empfängername und Postanschrift dringend in der Überweisung angeben, damit das Buch zugestellt werden kann.

Für zusätzliche Infos empfehle ich auch die Website des Autors:      https://www.wildstaudenzauber.de

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21 Kommentare

  • Oh das hört sich aber gut an… Das ist was für mich… Danke für die Vorstellung… Jetzt kann man sich schon mal ein Bild machen…
    Vielleicht habe ich ja Glück und gewinne es.. Sonst kaufe ich es mir auf jeden Fall
    …. Liebe Grüße Karin

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Karin, ich musste sogar einige Male an Deinen Garten denken, auch wenn er das Gegenteil in der optischen Wirkung ist. Wenn bei Dir Licht und Sonnenflecken Platz zum Tanzen haben, so ist im Garten von Jochen Wegner eine dichte Bepflanzung bevorzugt, die sich am liebsten in einem lauen Lüftchen im Wind wiegt. Ein Vergleich ist jedenfalls sehr interessant und Du wirst Dich auch an den herrlichen Bildern nicht sattsehen können. LG Wurzerl

  • Ulla Ashika Haug sagt:

    Das ist so eine super wunderbare Rezension, liebe Renate, die sofort und total Lust macht, das Buch zu besitzen, wie auch dahinzufahren! und die Sache mit den heimischen Wildstauden ist ja so, dass die Eiszeiten alle solchen bei uns ausgelöscht haben, weil sie nicht nach Süden ab- und auswandern konnten, wie sie das in China zB konnten, deshalb sind rund 60 % aller unserer Gartenstauden von dort mitgebracht und so gut wie alle Herbstblüher von den Prärien Nordamerikas. Eine kluge Definition Herrn Wegners, alle nicht züchterisch veränderten Pflanzen unserer Klimazone als unsere Wildstauden anzusehen. Herr Wegner ist schon lange mit seinem Garten intensiv beschäftigt, sind sie doch in diesem Buch „Gärten in Berlin und Brandenburg“ abgebildet. Und fast wäre ich vor über 10 Jahren mit ihm in die Gebirge Chinas gefahren! Also auf nach Groß- Potrems!

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Ashika, ja, auf nach Groß Potrems und wenn Du das Buch in der Hand hältst, bist Du schneller da, als Du denken kannst, lach. Ich habe dieses Jahr ziemlich auf Sparflamme geplant und werde ganz sicher diese Adresse auf meine Reise-Wunschliste setzen.
      Aber, ein Wort sei erlaubt, die kluge Definition stammt nicht von Herrn Wegner, aber die weise praktische Umsetzung derselben.
      LG Wurzerl

  • Christiane sagt:

    Das ist für mich die Nummer 1 unter Deinen Vorstellungen 💚

    • Das Wurzerl sagt:

      Das ist nicht schwer zu erraten, wir lieben Alle die wunderbaren natürlichen Blumenbilder. Da führen Pflanzen-Monographien tatsächlich, wie in den beiden Fällen hier, im wahrsten Sinne des Wortes ein Schattendasein. LG Wurzerl

  • Susanna sagt:

    Das passt ja perfekt zur Zertifizierung der naturnahen Gärten. Die Vorstellung macht mich neugierig: sowohl auf das Buch als auch auf den Garten! Vielen Dank dafür.

    • Das Wurzerl sagt:

      Ja, stimmt, ist aber nun tatsächlich ein Zufall, auch wenn ich gerne auf meiner Website verschiedene Sichtweisen auf ein Thema beleuchte.
      Dann muss ich Dir ja schon mal die Daumen für die Verlosung drücken, lach. LG Wurzerl

  • Barbara Kramer sagt:

    Warum habe ich das noch nicht? Danke für die, wie immer so umfangreiche und detaillierte, Rezi. Gefällt mir sehr, wäre ganz klar mein Wunsch und wie auch Karin, kauf ichs mir sonst halt selber 🙂

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Barbara, der Werbe-Umfang für die Schriftenreihe der GdS ist leider sehr begrenzt. Wenn wir die Tagung haben, komme ich auch kaum an einen Infotisch, dann tagt man halt…. Also, ich glaube, meine Werbung auf meiner Seite, die ja auch über den Tellerrand der GdS hinausreicht, kann zumindest nicht schaden. Zumal ich von der Qualität der Schriftenreihe überzeugt bin, was für mich ja das einzige Kriterium für eine Empfehlung von Gärten, Gärtnereien oder Büchern ist. Ich wünsche Dir einen schönen Abend. LG Wurzerl

      • Barbara sagt:

        Genau so! Die anderen beiden Büxher habe ich tatsächlich schon und die sind für interessierte Pflanzenfreunde auf jeden Fall ein Gewinn 🙂

  • Wolfgang sagt:

    Wir haben uns das Buch gleich nach dem Erscheinen (2014) besorgt – und wirklich davon profitiert.
    Deine einfühlsame Besprechung, liebe Renate, zeigt, wie aktuell es ist.

    • Das Wurzerl sagt:

      Es ist eben ein Vorteil meiner (unhonorierten) Unabhängigkeit, dass ich entscheiden kann, was ich gut finde. Es freut mich,dass Du in so einer kurz- schnelllebigen, ja änderungswütigen Meinungs-Zeit dieses Buch nach wie vor aktuell findest. Das bestärkt mich in der Meinung, dass “gut” und “wichtig” nichts mit Trends und Moden zu tun haben darf, sondern einfach nur individuell erarbeitet “gut” und “wichtig” zu sein hat. Viel Spaß am Brunnen und pass auf die Äpfel auf – die fliegen gerade besonders heftig. LG Wurzerl

  • Christa schroth sagt:

    Ich wünsch mir das Wildstauden Buch
    Vielleicht hab ich ja Glück. Sonst jemand anders, der beglückt wird.
    Danke für diese tolle Aktion wieder liebe Renate

    • Das Wurzerl sagt:

      Sehr gerne liebe Christa, mir hat das Buch sehr gut gefallen, es ist ein Seelenstreichler – wie mag erst der Garten sein?
      LG Wurzerl

  • Erika Elferink sagt:

    wie du es beschreibst, liebe Renate, ist es ein sehr schönes Buch. Wenn mein Garten größer wäre hätte ich bestimmt auch eine schöne große Blumenwiese mit sehr vielen Wildkräutern darauf.

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Erika, gut Jochen Wegners Garten ist sehr viel größer als unsere Areale, aber das ist nicht das entscheidende. Wichtig ist tatsächlich die Entscheidung in den Beeten von pflegeaufwendigen, empfindlichen Pracht-Hybriden wegzukommen und sich an die doch nicht minder schönen Arten zu halten. Die gibt es dann genauso für alle Habitate von trocken – feucht und von schattig – sonnig. Vielleicht ist doch genau dieses Buch das richtige für Dich. Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende. LG Wurzerl

  • Barbara Albert sagt:

    damit liebäugel ich schon eine Weile… jetzt ist das zu einem klaren “Habenwill” geworden. Wild und robust ist ja genau mein Ding.

    • Das Wurzerl sagt:

      Oh ja, das Buch passt zu Dir, also nicht vergessen, im Jubelpost wünschen und am Montag Abend mehr wissen. Schönes Wochenende für Dich liebe Barbara. LG Wurzerl

  • Die Rezension macht richtig neugierig aufs Buch. Ich finde es toll, dass Sie ein älteres Gartenbuch hier vorstellen. Denn nur weil es schon ein paar Jahre existiert, heißt es nicht, dass es nicht aktuell wäre.

    • Das Wurzerl sagt:

      Genau so sehe ich das auch. Nach wie vor sind für mich auch Antiquariate Fundgruben. Nur leider machen solche Rezensionen meist keinen Sinn, weil ein Interessent das Buch dann auch nicht bekommen kann. Aber bei allem, was noch zu kriegen ist, zählt bei mir nur, ob es mir gefällt und ich es darum guten Gewissens weiterempfehlen kann. Ich wünsche noch wunderschöne Oktober-Tage. LG Wurzerl