Mehr Natur im Garten Rezension

"Mehr Natur im Garten" Ulmer Verlag, Buchrezension zu Markus Gastls neuem Buch aus der Ulmer-Reihe: #machsnachhaltig

“MEHR NATUR IM GARTEN” – Einfache Projekte mit großer Wirkung für lebendige Vielfalt; von Markus Gastl; ISBN 978-3-8186-1346-4; Sachbuch mit Klappenbroschur, 128 S., 92 Farbfotos, 14.– Euro

Erschienen ist das Buch im Ulmer Verlag in der Reihe:

http://www.ulmer.de/machsnachhaltig

Buchrezension

“Mehr Natur im Garten” ist das inzwischen 4. Buch von Markus Gastl. Auch wenn das Buch für sich selbst spricht, habe ich vor einigen Tagen den Hortus Insectorum unter: “deutsche Gärten” vorgestellt, damit noch verständlicher wird, wie sehr dieses Thema dem Autor am Herzen liegt. So liest man auch gleich eingangs, was dafür spricht sich im Garten wieder mehr an der Natur zu orientieren. Wer Zusammenhänge versteht, entscheidet sich leichter für die eine oder andere Möglichkeit, den eigenen Garten naturnaher zu gestalten. Wo und wie man etwas verändern kann, das wird in den sechs umfangreichen Kapiteln beschrieben. Zahlreiche aussagekräftige Fotos unterstützen die verständlich geschriebenen Texte. Die überschäumende Begeisterung des Autors darf angesichts der Wichtigkeit seines Themas gerne ansteckend wirken.

Beetflächen nutzen

Das Standardbeet kennt jeder und die meisten von uns haben es auch. Aber es geht auch anders. Vielleicht möchte sich der eine oder andere an einem Ruderalbeet oder Magerbeet ausprobieren?  Ein herkömmliches Schattenbeet kann sicher auch vielfältiger und nutzbringender angelegt werden! Für alle Flächen werden geeignete Pflanzen mit vorgestellt. Auch Saum- und Sumpfbeete, oder die Nutzbeete werden angesprochen und der Sinn von Beet-Begrenzungen. So kann man sich einfach punktuell Schwachstellen im eigenen Garten heraussuchen und dort etwas völlig Neues naturbezogenes gestalten.

Aus Rasen wird Wiese

Nicht nur ich bin weit entfernt von einem englischen Rasen, ich möchte auch keinen. Diese gepflegten Konstrukte kosten mich zu viel Zeit und Geld, ohne Nutzen.  Wer eine makellose Rasenfläche für ästhetisches Gartenempfinden dringend braucht, der überspringt dieses Kapitel einfach. Wer aber einen Teil oder alles verwildern lassen möchte oder eine Blumenwiese einsäen will, der bekommt hier viele gute Gedanken frei Haus.

Hecken: trennen und vernetzen

Das Gejammere um einige Heckengehölze wird immer deutlicher hörbar. Fichten-Einfriedungen, Thuja-Hecken, Buchs-Mauern, vieles beginnt zu schwächeln, die Trockenperioden in unseren Sommergärten werden einfach zu lange. Was hindert uns daran, diese Chance für eine lebendige, vielfältige, blühende Hecke mit Nutzen für Vögel und Insekten und uns zur Freude anzulegen? Ist der Garten zu klein für eine umfangreiche Hecke so empfiehlt Markus  Gastl einen “Lebenden Weidenzaun” zu pflanzen. Auch Flechtzäune aus Ästen sind ein guter Beitrag für natürliche Gartengestaltung.

Tote Flächen beleben

Die schlimmste Umweltsünde der letzten 10 Jahre war sicher das sinnlose Aufbringen von tonnenweise Schotter als Ersatz für Garten. Es wurde auch sehr viel, oft nicht wirklich hilfreiches gegen dieses Thema geschrieben. Markus Gastl dreht den Spieß um, denn erstens ist ein “echter Kiesgarten” etwas sehr sinnvolles und außerdem kann man das Aufheizen der Steine in der Sonne auch sehr clever zum Nutzen für anspruchsvollere Pflanzen ausnützen. Wie man das hinbekommt, Schotterwüsten und überflüssige Pflaster verschwinden und wie scheinbar hoffnungslose Flächen mit Trog-Gestaltungen oder Vertikal-Bepflanzungen belebt werden können, das wird in diesem Kapitel besprochen.

Wasser zurückhalten

Wasser wird ein immer drängenderes Thema. Nur ein Teil der GärtnerInnen ist darauf vorbereitet, das kostbare Regenwasser aufzufangen. Wie wichtig das ist, sehe ich an meinem relativ großen Teich. Obwohl das Wasser der Veranda-Überdachung komplett in den Teich geleitet wird, muss ich im Sommer mehrmals den zu niedrigen Wasserpegel mit dem Schlauch auffüllen. Da führt der Punkt Flachwasserteich erst einmal zu meinem Unverständnis – das wäre dann ja wohl die meiste Zeit trocken, oder? Dann sehe ich ein Foto, ein paar Lochziegel und Paletten, alte Dachziegel zur Wasserfläche leicht geneigt -voila, jede Menge geschützter Wohnraum, nicht nur für Amphibien und dazu auch gleich ein eleganter Wassereinleiter in den Teich. Natürlich wird das Für und Wider unterschiedlicher Teichhöhen erklärt und eine Bau-Anleitung dazu geliefert.

Wildnis-Wohnraum

Oft ist ja die Entdeckung eines seltenen Tieres im eigenen Garten der Auslöser dafür, sich Gedanken zu machen, wie denn so ein Tier überhaupt lebt und was es zum Überleben braucht? Ich sehe meinen ersten Schwalbenschwanz und stelle beschämt fest, dass ich nicht einen Fenchel im Garten habe. Ich finde den ersten Bergmolch im Teich, habe aber keinen sicheren Unterschlupf im Uferbereich. Ich glaube, so beginnt es in der Regel, dass man sagt, für dieses oder jenes Tier möchte ich in meinem Garten etwas tun. Markus Gastl nennt das ein Naturmodul – ein kleines Projekt, das ein Lieblingstier unterstützt, oder generell mehr Natur im Garten ermöglicht. Begriffe wie Igeltopia, Amphi-Festung, Dinohausen, Batmansbar oder Dschungeltipi klingen für mich wie Einladungen an Eltern, doch ihre Nachwuchsgärtner in diesen Dingen mit einzubeziehen, denn alles was in diesem Buch steht, macht Kindern jetzt Spaß, als Erwachsene können sie dann vielleicht stolz erzählen, dass es diese oder jene Tierpopulation, ohne den Eltern-Garten gar nicht mehr geben würde – oder vielleicht darum nicht, weil die Eltern dieses Buch, prall mit Ideen und Vorschlägen für “Lebensvielfalt” nicht kannten!

#machsnachhaltig Infos und Fazit

Wie alle Bücher dieser Reihe gibt es am Ende Bezugsquellen, Tipps zum Weiterlesen, hilfreiche Links ins Netz und ein Register. Dieses Buch stellt noch peripher das “Hortus-Netzwerk” von Markus Gastl und seine drei weiteren Bücher vor.

Die größte Stärke des Buches ist, dass es überquillt mit Angeboten für alle Ecken und Enden des Gartens, ohne dass man sich in einem Zugzwang fühlt. Gute Argumentationen für ökologisch wertvolles Grün machen neugierig, das eine oder andere einfach einmal auszuprobieren.

Wer gerne nachhaltiger und naturnaher gärtnern möchte, für den ist dieses Buch eine Schatz-Grube an Ideen.

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7 Kommentare

  • Danke… Wunderbar gemacht

    • Das Wurzerl sagt:

      Eine Rezension kann nur den Inhalt eines Buches subjektiv vermitteln. Wenn etwas wunderbar ist, dann Dein Buch Markus. Wünsche Dir einen schönen Sonntag-Abend.

  • Erika Elferink sagt:

    das hört sich mal wieder sehr interessant an, vor allem , die Sache mit dem Teich, da auch ich immer sehr viel Wasser nachfüllen muss.Außerdem muss ich ihn sowieso erneuern, und ich überlegt hatte, in zu verkleinern, was die Tiefe anbelangt.

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Erika, zur nötigen Wassertiefe und den Möglichkeiten der Wasserzufuhr und dem Bau von intelligenten Verstecken für Amphibien, erfährst Du in dem Buch einiges interessante. Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag-Abend. LG Wurzerl

      • Erika Elferink sagt:

        vielen Dank, liebe Renate, ich habe mir das uch schon bestellt. Ich wünsche Dir eine schöne Woche, vor allem bei diesem Wetter.

        • Das Wurzerl sagt:

          Ich bin gespannt, was Du für Anregungen im Buch finden wirst. Es ist für mich immer sehr interessant, was ich mir bei so einem Sachbuch für Mosaiksteine herauspicke, um meinen Garten weiter naturgemäß zu optimieren, ohne aber seinen Charakter dabei zu verändern. Ein Garten verändert sich ja sowieso permanent. Auch ich wünsche Dir eine schöne Woche. Vielen Dank für Deine Rückmeldung. LG Wurzerl

  • Erika Elferink sagt:

    sorry, soll natürlich Buch heißen