Altes Wissen aus dem Klostergarten

Coverfoto des Bildbandes "Altes Wissen aus dem Klostergarten" von Matthias Alter und Bärbel Oftring

Buch-Rezension

Bruder Hilarius und seine Pflanzengeheimnisse

Hrsg.: Heike Boomgaarden  – Autoren: Matthias Alter, Bärbel Oftring- Fotos: Ferdinand Graf von Luckner u.a. – Verlag: BLV Buchverlag – ISBN 978-3-8354-1214-9 – gebundener Bildband mit zahlreichen Fotos – 170 Seiten – Erscheinungsjahr 2014

Dieses Buch sprang mich förmlich an, als ich der Gärtnerei von Maria Laach einen Besuch abstattete. Klöster sind ja die Ur-Quelle der europäischen Gartenkultur. So war ich gespannt, was „Bruder Hilarius und seine Pflanzengeheimnisse“, so der Untertitel des Buches, mir vermitteln würden.

Geschickt verweben die beiden Autoren den gärtnerischen und klösterlichen Lebenslauf von Bruder Hilarius mit seinem botanischen Wissen und seiner Lebenserfahrung. Die Historie und der Jetzt-Stand der Klostergärtnerei sind verständlich beschrieben. Der Arbeits-Alltag der Mönche damals, als Bruder Hilarius ins Kloster eintrat und die heutige Situation vor allem im Gärtnerei-Bereich ist im Buch gut erklärt. Die tägliche Routine des Klosterlebens gehört auch dazu und ein Besuch des Kreuzgang-Gartens, der normalerweise den Mönchen vorbehalten ist, rundet das Buch mit atmosphärisch dichten Fotos harmonisch ab.

Das Buch gliedert sich in drei Sparten auf:

„Die frühen Jahre“ beschreiben den Weg von Bruder Hilarius vom „Weltenkind zum Klosterbruder“. Damals war die Nahrungsproduktion für die Klostergärtnerei noch von immenser Wichtigkeit. Die damalige Selbstversorgung des Klosters Maria Laach und die Mitversorgung der umliegenden Bevölkerung sind gut dargestellt. Geschickt sind hier dann auch die wichtigsten Nahrungsmittel wie Kartoffeln, Zwiebeln, Bohnen, Tomaten, Kohl und Wintergemüse mit erfolgreichem Anbau als Porträts herausgearbeitet und mit Tipps oder kleinen Rezepten von Bruder Hilarius als Randnotiz vervollständigt. Gerade weil sich die Autoren mit der Auswahl der beschriebenen Pflanzen beschränken, liest man das so klug systematisch Beschriebene ohne zu ermüden, aber vielleicht schon mit einem leckeren Eintopf im Kopf. Vielleicht entstehen auch schon Ideen, in einem reinen Ziergarten doch einen Teil als Naschgarten anzulegen, denn nach guten Tipps für Erde, Düngung und Kompost wird noch vom Brauen, Brennen, Keltern und den Beerensträuchern und Obstbäumen berichtet.

Der 2. Teil nennt sich: „Die blühenden Jahre“ in denen Bruder Hilarius „ganz Gärtner und ganz Mönch sein darf“. Die Wandlung der Gärtnerei auf neue Bedürfnisse, das Wirken von Bruder Hilarius in der Klostergärtnerei wird hier nicht mit weiterem Essbaren verwoben. Die Wildstauden um das Kloster sind jetzt Thema; die Nieswurz, der Olivenbaum und Blüten-Hartriegel – all das sind nicht nur für das Kloster wichtige Pflanzen. Nachdem der Leser einen kleinen Blick in den Kloster-Alltag werfen darf, erfährt er im Anschluss Wissenswertes über die Festtage in Maria Laach und den verwendeten Blumenschmuck. Es folgen wieder interessante Porträts über Passionsblumen, Pelargonien, Dahlien und die Rosen. Auch über die Pflanzenvermehrung wird berichtet, denn inzwischen spielt der Zierpflanzen-Bereich eine größere Rolle, als der Anbau von Gemüse und Obst.

Zuletzt wird über die „Reifen Jahre“ erzählt mit „Begegnungen auf vielerlei Art“. Der Leser macht nun Bekanntschaft mit Kräutern wie Minze, Basilikum, Ringelblume, mediterranen Kräutern und der Duftnessel. Da alles Essbare einen „naturgemäßen Pflanzenschutz“ braucht, ist auch diesem ein Absatz gewidmet. Abgerundet wird das „alte Wissen aus dem Klostergarten“ mit Kapiteln über die „Heilkraft aus dem Klostergarten“ und einem abschließenden Spaziergang im „Kreuzgarten“.

Wer sich auf das „Tempo“ eines Klosters einlassen will und lieber weniger sehr gute Pflanzenporträts, denn eine unübersichtliche Vielfalt möchte, der wird auf eine eigene meditative Art in dieses Buch eintauchen können, das sehr liebevoll mit Fotos bestückt ist. Vielleicht könnte bei einer Neuauflage der Text stellenweise ein wenig geschmeidiger formuliert werden. Aber was macht das schon, es ist die Sprache kluger, souveräner Gärtner, die jeder Gartenliebhaber versteht. Sicher findet das Buch auch 2021 Freunde, denn die Selbstversorger-Gärten nehmen unaufhaltsam zu. Wer googelt findet es inzwischen zum Sonderpreis.

Teile als erste*r diesen Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.