Wakehurst/Kew, West Sussex

Cyclamen hederafolium, Wakehurst, West-Sussex

Kew – NT – Kew Millennium Seed Bank – Fünf nationale Pflanzensammlungen

Wakehurst in West Sussex (ursprünglich Wakehurst Place) gehört zwar dem National Trust, wird aber als Außenstelle der Royal Botanic Gardens, Kew, in London verwaltet und ausschließlich genutzt. Die alte Villa kann ebenso besichtigt werden, wie die ‘Kew Millennium Seed Bank’, die, wie auch der Eintrittsbereich und der riesige Verkaufsshop, in mehreren modernen Gebäuden untergebracht ist.

Wakehurst, West-Sussex

Ein Ziel der im Jahre 2000 eröffneten internationalen Samenbank ist es, nicht nur das komplette Saatgut aus Großbritannien zu konservieren, sondern auch bis zum Ende dieses Jahres 2020 ca. 25 % der Weltflora aufzubewahren, in der Hoffnung, das Artensterben in der freien Natur damit zumindest zu verlangsamen.

Um Wakehurst richtig kennenzulernen, reicht ein Aufenthalt von wenigen Stunden sicher nicht, denn der Garten umfasst heutzutage rund 500 Acres (2 Quadratkilometer) mit ummauerten Gärten, weitläufigen Wasser-Landschaften und einem umfangreichen Gürtel von geografischen Schutzgebieten für Wälder und Feuchtgebiete der gemäßigten Zone.

Pinetum, Wakehurst West-Sussex

In den Wäldern von Wakehurst finden sich Exemplare von Bäumen aus aller Welt, die hauptsächlich in der gemäßigten Zone vorkommen. Entsprechende Unterpflanzungen mit Stauden, die immer wieder neue Farben ins Spiel bringen, vermitteln einen guten Eindruck der natürlichen Habitate. So ist es möglich, dank diesem phytogeografischen Pflanzsystem in relativ kurzer Zeit zu Fuß vom Himalaya bis Australien und weiter nach Chile zu gelangen.

Hypericum kouytchense, Wakehurst West-Sussex

Es gibt auf dem großen Gelände gleich fünf nationale Sammlungen von Skimmia, Eucryphia, Nothofagus (Buchen der südlichen Hemisphäre), Hypericum (androsaemum und ascyreia)  und Betula. Da ich den Gehölzgürtel um die großflächige ‘Coronation Meadow’ aus Zeitgründen nicht besuchen konnte, sah ich auch die dort befindlichen Sammlungen der Birken und Scheinbuchen nicht. Die Sammlungen der Johanniskräuter, Skimmia und einen Teil von Eucryphia sah ich dagegen im östlichen Gartenteil, auf den ich mich konzentrierte und über den ich jetzt gerne berichten möchte.

Die Villa und die Mauergärten

Cyclamen hederifolium, Wakehurst, West-Sussex

Ich entscheide mich für die linke Seite des Parks, denn dort finde ich einige zentrale Punkte wie die Villa und die Mauergärten. Der Weg mäandert mit leichter Neigung tiefer, überhaupt ist das Gelände auf dieser Seite sehr interessant strukturiert. Ich komme an ersten Baumriesen vorbei, aber Ende August interessiert mich der weiß-lila Teppich aus Cyclamen hederifolium noch viel mehr, als der Baum-Veteran.

Die Hauswand der Villa gehört den Exoten. Cannas, Bananen und Dahlien ‘Bishop of Dover’ und ‘Bishop of Llandaff’ gedeihen hier üppig in der Wärme der schützenden Hauswand. Nahe der Villa führt ein Eingang in die Mauergärten. Die ‘Walled Gardens’ und die ‘Mansion Borders’ sind der Teil des Parks, die am formellsten angelegt wurden.

Ich bin überrascht, wie groß der Mauer-Garten ist. Schnell sehe ich, wie geschickt er angelegt wurde. Auf einer Seite schützen die Fronten der Wirtschaftsgebäude und gegenüber gibt es sogar zwei Mauern mit einem schmalen weiteren Beet-Verlauf.

Gleich im Eingangsbereich ist der ‘Henry Price Memorial Garden’, der Teil des Mauergartens, der wie ein Cottage Garden wirkt. Wenn man sich die bepflanzte Steinschale in beide Längsrichtungen anschaut, dann ahnt man schon die ungefähre Größe dieses ummauerten Areals.

Das ist auch der Grund, warum ich erst einmal quer durch den Mauergarten, bis zum Küchengarten gehe. Dort ist schon das meiste abgeerntet. Aber es gibt viele Aktionen für Ferienkinder, wie dieses geniale Weiden-Tipi in Kürbisform.

Dann schlendere ich in aller Ruhe durch den Mauergarten. Das Ganze in der Gewissheit, dass ich sowieso nur einen Bruchteil des ganzen Parks sehen kann. Hier gibt es doch tatsächlich am Ende des Hochsommers noch ein unwahrscheinliches Blütenmeer zu sehen.

Immer neue Stauden-Kombinationen in harmonischen Farbzusammenstellungen, die mit besonderen Gehölzen noch aufgewertet werden, bekomme ich vor die Kameralinse. Aber natürlich sehe ich auch die alten Bleibrunnen, die heutzutage als Pflanztrog genutzt werden.

Ich nähere mich dem Durchgang des Walled Gartens in die Unendlichkeit des Parks. Es ist jedes Mal etwas besonderes, wenn ich aus einem schützenden Mauergarten hinaustrete. Die Luft wird jedesmal einen Tick kühler und frischer, das Gefühl der Geborgenheit wird abgelöst durch Freiheit – ich habe jetzt die Freiheit zu entscheiden, welche Gartenteile ich noch sehen möchte.

Vom ‘Southern Hemisphere Garden’ zum Pinetum

Die Entscheidung nimmt mir die interessante Bepflanzung gleich außerhalb des Mauergartens ab. Ich bin im ‘Southern Hemisphere Garden’ und das möchte ich mir auch genauer ansehen, bevor ich in die Richtung der hohen Nadelbäume des  Pinetums weiterflaniere.

Schon die Eucalyptus-Bäume verbreiten hier ein ganz  anderes Flair. Aber auch Gehölze wie Buddleja x weyeriana ‘Sungold’ oder die Agapanthus, Kap-Fuchsien und Eucomis pole-evansii spielen auf dem exotischen Klavier mit.

Das Pinetum streife ich eigentlich nur am Rande, bewundere die exotischen Nadelbäume und noch mehr den Baum, der in aller Ruhe und größter Würde die Reste seiner Hülle für Millionen Insekten und Kleinstlebewesen bis zum letzten Moment zur Verfügung stellt.

Der Wassergarten und der Tony Schilling Asia Heath Garden

Am Pinetum-Rand gehe ich quer über die große Wiese, um zu den Wassergärten zu gelangen. Schnell bin ich beim ‘Black Pond’ angelangt und folge von da dem stattlichen Bachlauf leicht abwärts in Richtung ‘Westwood Lake’. So schön die Bepflanzung auch ist, durch viele Moose und Farne wirkt der Bachlauf nie gekünstelt und es ist immer wieder ein angenehmes Wasser-Geräusch zu hören, das mich begleitet.

Schöne alte Steinbrücken unterstreichen die Natürlichkeit des Westwood Valley’s. Einige Male ist der Bach angestaut und verbreitert sich zu ansehnlicher Größe. Dann eilt er wieder geschwind weiter nach unten. Immer aber ist er von interessanter Bepflanzung umrahmt.

Neben dem Bach begegnen mir mehrfach kleine stehende Tümpel. Gelbe Rudbeckia und rote Kardinalslobelien nehmen den Gräsern und Farnen viel Platz weg, um weithin zu leuchten.

Leider ist es Zeit umzukehren, aber in den ‘Tony Schilling Asian Heath Garden’, da muss ich unbedingt noch hineinschauen. Ich bin nicht enttäuscht, alleine der Habitus dieses Prachtexemplars von japanischem Fächer-Ahorn ist den kleinen Umweg wert. Noch ein Blick über die Balustrade zurück zur ‘Mansion Lawn’ und ich strebe dem Ausgang zu.

Cornus controversa 'Variegata', Wakehurst, West-Sussex

Mein letzter Eindruck ist ein Etagen-Hartriegel, Cornus controversa ‘Variegata’, der mir wie eine lebhaft wehende Fahne nachwinkt. Ich glaube ein Besuch in Wakehurst lohnt zu jeder Jahreszeit, wenn ich an die Schilder “The Oaks”, “Rock Walk”, “Bloomers Valley”, “Iris Dell”, “Himalayan Glade” und viele andere denke, die ich so gerne alle noch erkunden möchte. Und dann ist da ja noch ein Problem, genießt man die Blühteppiche unter den Bäumen im Frühling, oder möchte man sich von der Herbstfärbung der Gehölze verzaubern lassen?

West-Sussex, Selsfield Rd, Haywards Heath RH17 6TN, 2 qkm (500 Acres), “Außenstelle des Bot.Gartens Kew mit Mauergarten, Küchengarten, Wassergarten-Landschaften, Wäldern und Feuchtgebieten, 5 nationale Sammlungen und internationale Samen Bank” Wakehurst, Kontakt: 01444894107, Website: https://www.nationaltrust.org.uk/wakehurst

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