Schnitt 4 Jetzt beginnt der Frühjahrsputz

Galanthusblüte auf Birkenast in Wurzerlsgarten

CHELSEA CHOP” und andere Friseurbesuche mit Stauden durch das Gartenjahr!

4. und letzter Teil “Jetzt beginnt der Frühjahrsputz”

Wann geht es los?

Mitte Februar bis Mitte März ist in Oberbayern eine gute Zeit, um den Frühjahrsputz anzugehen. In milden Weinbaugegenden wird sich das sicher um ca. 1 Monat vorverschieben, während es in Gebirgs- und Mittelgebirgslagen vielleicht sogar noch Restschnee gibt, so dass vor Mitte März gar keine Möglichkeit besteht, anzufangen.

Aber, wie diese drei Fotos vom jeweiligen 11. Februar 2019 / 2020 und 2021 zeigen, kann sich ein Beet in drei Jahren doch völlig unterschiedlich zeigen. Das ist meine Ahornecke, die 2019 frühzeitig explodierte, 2020 sich durchschnittlich relativ normal zeigte und dieses Jahr am 11.2.21 noch nicht wirklich nach Frühling aussah.

Was ist zu tun?

Terrasse und Garage

In der Garage kontrolliere ich auf Schädlinge und schneide die Pelargonien halb zurück. Den Rest mache ich vor dem Ausräumen, wenn ich langsam erste kleine Wassergaben gebe.

Im überdachten Teil der Terrasse reicht es, wenn ich die Tröge und Immergrünen langsam wieder angieße, wichtig es muss frostfrei sein.

Der nicht überdachte Teil wartet dagegen auf Schönheitspflege. Die Töpfe werden von Moos und Unkraut befreit, alte Blütenstiele und Blattreste abgeschnitten.

Wichtig an allen Gartenstellen ist, dass man den Efeu im Griff behält. Während er in der Peripherie als Bodendecker willkommen ist, ihm am Birkenstamm immerhin 3 m Höhe zugestanden werden und er sich am Holzzaun so richtig verlustieren darf, was Amseln sofort mit Nestbau quittieren, ist an der Hauswand eine regelmäßige Kontrolle angesagt. Der Ausbreitungs-Drang ist so enorm, dass die Übergänge Wand zu Dach und Regenrinnen immer kontrolliert werden müssen. Denn der Efeu ist ein Herkules, der durchaus imstande ist, ein Hausdach undicht zu machen.

Die Wisteria-Ecke

Der Blauregen braucht  jetzt dringend einen Schnitt. Nach der Blüte wurden die Äste bereits auf ca. 7 Augen zurückgenommen. Jetzt, ohne Blätter sieht man alles genauer und es kommt der Feinschliff. Damit es im Mai einen blauen Wasserfall geben kann, muss jetzt ein 2. starker Rückschnitt auf jeweils nur noch 2 Augen erfolgen. Die Strauch-Paeonien im Garten zeigen schon frischen Saft in den großen Knospen und bekommen jetzt einen Formschnitt. Je weiter unten ich die Schere ansetze, umso kompakter wird der Strauch. Möchte ich die Blüten höher haben, für eine bessere Fernwirkung, dann muss am besten schon jetzt eine gute Stütze an den halbverholzten Strauch.

Die Wisteria zeigt ca. 7 Augen vom Sommerschnitt und wartet auf den endgültigen Final-Schnitt auf 2 Augen. Die Strauchpaeonien haben schon Knospen angesetzt, da warte ich noch ein wenig mit dem Schnitt, es kann noch Frost geben. Schön wäre es, wenn es im Mai wieder so wie auf dem mittleren Bild aussähe.

Der Steingarten

Hier gibt es jetzt die meiste Arbeit, habe ich im Herbst nur das Laub über den Immergrünen wie dem Sempervivum entfernt, so muss ich jetzt den Rest akribisch wegsammeln, damit nicht so viel Humus zwischen dem Kies entsteht. Es gibt auch Stiele zum Zurückschneiden, aber die wichtigste Arbeit ist jetzt bei den flachen Bodendeckern. Ich kontrolliere alles, was sich expansiv ausbreitet. Einige überrollen jedes Jahr feinere Polster oder Zwiebelpflanzen und sie müssen dringend zurückgenommen und in ihre Schranken gewiesen werden. Zu flächig gewordene Bodendecker im Steingarten nehme ich auf ein Fünftel zurück. Extensive Stauden wie Euphorbien und Geranium nehme ich bis auf ein oder zwei Prototypen ganz heraus.

Im Steingarten ist jetzt die meiste Arbeit, damit die Schätzchen ungehindert blühen können.

Das Mixed Border um den Teich und der Bachhügel

Auch wenn es hier nicht so eine filigrane Feinarbeit ist wie am Steingarten, so ist es doch die relativ große Fläche, die mich hier viel Zeit kostet. Ich fange gerne mit dem Rückschnitt der Gräser an, da der frische Austrieb immer etwas plötzlich beginnt und man dann nicht mehr so sauber ganz unten schneiden kann. So gehen Weichgräser wie das Plattährengras oft in einem Ruck mit der Handsichel weg, während ich für die Miscanthus aus mehreren Gründen länger brauche. Die verholzenden harten Stiele kann ich nicht sicheln, sondern schneide sie mit einer guten Schere. Ich versuche dabei Stücke in verschiedenen Höhen so abzuschneiden, dass es für Insekten als Wohnung oder Platz für die Eiablage dienen kann.

Im Mixed Border beginne ich mit dem Gräserschnitt, Chasmanthium latifolium, das Plattährengras wird gesichelt, Miscanthus sinsensis ‘Variegatus’ 5 – 10 cm über dem Boden einzeln abgeschnitten, als Kinderstube für Insekten bleibt der Rest stehen.

Dann geht es langsam den Stauden “an den Kragen”! Blutweiderich (Lythrum), Iris, Brandkraut (Phlomis), Astern, Seifenkraut (Saponaria), Storchschnäbel (Geranium) und vieles mehr wird geschnitten oder gesichelt.

Auch auf diesen Fotos vom Gartenteich ist nur eine Woche Unterschied (2. Februar Woche und 3. Februar Woche). Die Beete sind noch voll mit den Samenständen der Stauden.

Das Zurückschneiden, abräumen und erstes Zupfen unerwünschter Pflanzen beginne ich immer in der Ahorn-Ecke, die eigentlich zum Mixed Border gehört und meistens als Frühlings-Beet die Initial-Zündung zur Vorfrühlings-Blüte darstellt.

Ich schneide bei den Helleborus alle alten und kranken Blätter ab, wenn es insgesamt zu viele in einem Horst sind, dann auch einige gesunde, damit die Blüten der Lenzrosen gut zur Geltung kommen.

Bei den wintergrünen Storchschnäbeln (Geranium), Elfenblumen (Epimedium) und Frauenmänteln (Alchemilla) schneide ich alles ab. Da der Frauenmantel dicht am Teich steht und dort zwischen den Steinen immer Bergmolche überwintern, kommt er immer zum Schluss dran, wenn ich das Gefühl habe, die Molche sind wieder in den Teich zurückgekehrt.

Galanthus-Blüten im Frühlingsbeet von Wurzerlsgarten.

Groß ist dann immer meine Freude, wenn sich in der Blumenwiese und den Beeten der Vorfrühlings-Flor ungehindert präsentieren und weithin leuchten kann, denn dann ist die Zeit, wo sich schon die Hummel-Königinnen auf den Weg machen. Eine zusätzliche Belohnung für mich, zum Abschluss des “Frühjahrsputzes” ist das Wiederanstellen des Bachlaufs,  dann ist der Frühling in meinem Garten angekommen!

Der Bachlauf in Wurzerlsgarten
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6 Kommentare

  • Uwe Greßmann sagt:

    Danke für den Tipp mit dem Blauregen. Wir haben gerade überlegt ob wir schneiden sollen, oder ob nicht. Meine Frau krabbelt jetzt auch auf allen Vieren durch die Kiesbeete um Laub usw aufzusuchen um damit, wie von dir erwähnt, den Humuseintrag zu verringern.

    • Das Wurzerl sagt:

      Hast Du auch schon das Problem mit Spätfrösten gehabt Uwe? Mir ist tatsächlich schon 2 x die komplette erste Blüte abgefroren und die Knospen sind, teilweise schon zu einem Zehntel vergrößert steckengeblieben. Da tröstet dann auch die Nachblüte, die etwas stärker ausfällt, als in normalen Jahren, nicht wirklich. Hoffen wir, dass es dieses Jahr wieder klappt. LG Wurzerl

  • Mit dem Blauregen haben wir so unsere Probleme.Hier im Moor friert es im Mai fast immer noch -5 Grad und somit sind immer die Blüten erfroren,obwohl sie noch garnicht blühten.Jedes Jahr das Gleiche.100 meter weiter ist Geest,also Sandrücken,da erfriert nichts.Darum schneiden wir den Blauregen im Frühjahr nicht mehr.Alles Andere machen wir genauso,wie du es beschreibst.

    • Das Wurzerl sagt:

      Ich habe die Blauregen-Hauptblüte im Mai auch schon mehrmals verloren, aber was gewinne ich, wenn ich jetzt nicht schneide. Es erfrieren ja nur die Knospen, egal wie viele Augen dran sind? Ja,ja,es ist schon interessant, wie die Natur mit uns spielt. Wünsche Euch noch eine schöne Woche. LG Wurzerl

  • Günther, Barbara sagt:

    im Herbst habe ich nur meine Rosen im Vorgarten eingepackt und sonst nichts im Garten gemacht. Nun schreit es in allen Ecken nach der Scheere, alle wollen zum Frisör um für den Neustart schön zu sein. Wie gut wir das verstehen können. 🙂 Heute habe ich mit dem Schneiden angefangen. Das Wetter ist ein Traum. Mein Mann, die Schwiegermama und ich haben heute Nachmittag im Garten Kaffee getrunken, im Februar!!!!! Es war herrlich.

    • Das Wurzerl sagt:

      Ja liebe Barbara, herrlich bei 20 Grad habe ich auch draußen Kaffee getrunken, aber ich fürchte die Pflanzen müssen es im April oder Mai büßen. Dir eine gute Nacht. LG Wurzerl