Gräser sind das Haar der Mutter Erde

Hakonechloa macra 'Aureola',  Immen un Blomen

…fand der berühmte Staudenzüchter und Garten-Philosoph Karl Förster (1874-1970) in einem poetischen Vergleich heraus. Die Blätter sind grün, blaugrün, gelb, orange, braun, rot oder panaschiert. Die Ähren und Samenstände bieten in Form und Färbung ebenfalls eine große Vielfalt. So betrachte ich sie, unabhängig der Verwendung auch als naturgegebene Basispflanzen für so ziemlich alle Gartensituationen, die wir kennen.

Bitte tretet durch Miscanthus- und Bambuspforten ein in das Reich der Gräser, in das ich Euch heute gerne entführen möchte.

In diesem Beitrag weise ich auf die vielen verschiedenen Verwendungs-Möglichkeiten von Gräsern hin. Ich stelle keine Arten mit den jeweiligen Kulturbedingungen vor, ich möchte einfach nur Euren Appetit anregen und für die vielseitig verwendbaren Gräser werben, mit denen man so wunderbar gestalten kann. Ihr kennt sie bisher nur als Teil Eures englischen Rasens, oder Eurer Streu-Obstwiese? Dann lasst Euch überraschen! Es gibt Gräser als Hecke, im Eingangsbereich, in Kübeln und Ampeln, am Gehölzrand, im Wasser, am Ufer, im Moor, im Kies, im Sand, im Präriebeet, im Schattengarten, auf der Wildblumenwiese und erstaunlicherweise auch immer öfter in den Prachtstauden-Beeten unserer Gärten.

Natürlich werde ich passend vor der Pflanzzeit einen weiteren Gräser-Beitrag schreiben, in welchem ich Euch dann dankbare, attraktive Gattungen, Arten und Sorten für die verschiedensten Gartensituationen empfehle. Gerne könnt Ihr mir schon hier in den Antworten zu bestimmten Gattungen oder Arten, oder auch abgestimmt auf Eure speziellen Habitate Fragen stellen.

Jetzt aber geht es einfach nur um das Genießen und Ideen sammeln. Ich wünsche Euch viel Freude beim Spaziergang durch das unendliche “Gräserreich”.

Der Wind beugt die Gräser, aber er bricht sie nicht – asiatische Weisheit –

Es gibt weltweit über 10.000 verschiedene Gräser-Arten. Wahrscheinlich sind sie der Hauptgrund dafür, dass die Menschheit, ursprünglich Jäger und Sammler, sesshaft geworden ist. Tatsächlich gehören Gräser noch heute zu den unentbehrlichsten Nahrungsmitteln weltweit.

Vom Zwerg zum Riesen

Es ist kein Wunder, dass sich bei dieser Auswahl verschiedener Gräser für jeden Garten, für jede Habitat-Situation, etwas passendes vom kleinen Deko-Gras im Topf, bis zum beeindruckenden Solitär-Riesen findet.

Mibora minima, das Zwerggras, ist mit etwa drei Zentimetern Höhe das vielleicht kleinste Gras der Welt. Diese Annuelle blüht schon im zeitigen Frühjahr und ist in Deutschland nur in den wärmsten, wintermilden Ecken zuhause. Ihr habt es noch nicht gesehen? Nein, das liegt wohl gar nicht an der Kleinheit, das Zwerggras ist in Deutschland äußerst selten und hoch gefährdet.

Mit Holcus mollis ‘Variegatus’, dem attraktiven, weißgrünen Honiggras, seht Ihr im Bild eines der vielen dekorativen, kleiner bleibenden Gräser, das sich, wie hier im Schaugarten Picker gezeigt, zusammen mit dem Silberregen als wunderbare Dekoration zeigt.

Bleiben wir doch gleich bei der möglichen Größe! So wie das Zwerggras, ist auch der Riesenbambus nicht für unsere Gärten geeignet. Den Rekord im Wachstum hat momentan ein Dendrocalamus giganteus, Riesenbambus, der laut Angabe chinesischer Biologen auf 46 m herangewachsen ist (das Rohr wird auf 450 kg Gewicht geschätzt). Bei einem Zuwachs von täglich 70 cm ist das auch für uns Laien durchaus vorstellbar. Weniger leicht geht wohl in unseren Kopf, dass Bambus auch zu den Gräsern gehört.

Natürlich gibt es auch gartenwürdige Bambusse. Dabei wachsen Gattungen wie Fargesia unkompliziert horstig. Die vielleicht attraktiveren, stark Ausläufer bildenden Gattungen wie Phyllostachys müssen dagegen in der Regel mit starken Rhizomsperren in ihre Schranken gewiesen werden, damit man dauerhaft Freude an ihnen hat. In Througham Court ist die Freude an Bambus so groß, dass mit Phyllostachys nigra, dem schwarzen Bambus, gleich ein Wäldchen gepflanzt wurde.

Zwischen diesen extremen Größen-Verhältnissen finden sich natürlich für alle Situationen unterschiedliche passende Gräser. Auf dem Foto bringen verschiedene Gräser etwas frischen Wind in das abgeblühte Heidebeet in Weihenstephan.

Vom reinen Gräsergarten zum Mixed Border

Gräser können immer attraktiv aussehen; in Town Place, Südengland, wurde ihnen ein eigener Garten zugewiesen. Ich finde das jetzt schon sehr interessant, aber wie spektakulär mag das wirken, wenn die Gräser sich im Sommer mit Blüten-Ähren krönen und im Herbst mit ihren unterschiedlichen Färbungen zu Höchstform auflaufen?  

In Wakehurst, Südengland wird gerne experimentiert, gerade Gräser mit ihrem unterschiedlichen Habitus laden dazu ein. So fand ich ein Beet, in dem nur ein blaues Gras und ein grüner Buxus verwendet wurden. Der Buchs wurde in der gleichen Halbkugelform geschnitten, die das Gras natürlicherweise hat. Dieses Experiment, in Wakehurst spielen die Gärtner gerne, wiederholte sich in unterschiedlichen Variationen, was teilweise eine schachbrettartige Wirkung hervorrief.

Trotzdem gefällt mir persönlich die Verwendung, die ich (nicht nur) in Weihenstephan gesehen habe, nämlich verschiedene Gräser passend in Mixed Border oder Staudenbeete zu integrieren, am besten. In keiner Form der Gräser-Verwendung kann man so kreativ sein.

Schatten und Licht

Egal in welchem Staudenbeet wir zugange sind, meist stehen runde, herzförmige, ovale, gefiederte oder auch sternförmige, große und kleine Blattformen dem Habitus der Gräser gegenüber. Gerade im Schatten befinden sich großblättrige Stauden wie Hosta oder Maiapfel. Da drängen sich die schmalblättrigen Grashorste ja direkt zur Kontrastgestaltung auf. Die Wuchshöhe und elegant gebogene Form des japanischen Waldgrases, Hakonechloa macra, bietet sich sowohl im Schatten, als auch mit den gelb panaschierten Sorten im Halbschatten als Partner gerade für Funkien, an. Dabei gefällt mir die Kombination des gelben Hakonechloa macra ‘Aureola’ mit der ebenfalls gelblich panaschierten Hosta ‘Striptease’ aus dem Fehngarten von Ulrike Koska besonders gut.

In der Sonne gibt es etwas mehr Staudenkonkurrenz mit ähnlichen schmalen langen Blättern. Ich denke zum Beispiel an die Gattungen der Iris, oder der Taglilien. Aber wie schön sind Gräser, wie auf dem Foto das Pennisetum marcourum ‘White Lancer’, wenn sie aus einer Gruppe Korbblütler, wie hier dem gelben Klassiker Rudbeckia fulgida var. sullivantii ‘Goldsturm’, aus dem Sonnen-Beet des Hermannshofs Weinheim, herausragen?!  Ist die kraftvolle Euphorbie im Garten von Aleida Zuch vor dem Brunnen verblüht, kann Calamagrostis brachytricha mit seinen filigranen Blütenähren nachfolgend der Ziegel-Umrundung spielerisch die Härte nehmen. Susanne Kneidl, Steinhöring, schwört auf ihre Gräser. Auch sie liebt die Kombination mit dem Sonnenhut, allerdings ist es hier Calamagrostis x acutiflora ‘Karl Foerster’, der mit seiner interessanten Farbe Miscanthus zebrinus, ein panaschiertes Chinaschilf, noch besser in Szene setzt.

Aufhellen und Farbe betonen

So manche Situation entsteht nur auf engstem Raum, es muss nicht “das Schatten- oder das Sonnen-Beet” sein. Wem etwa die Kombination von ausschließlich panaschierten Hostas zu unruhig ist, der kann zu schlichten grünen Sorten, wie Aleksandra Pristin es gemacht hat, eine Schneeweiße Hainsimse, Luzula nivea, dazu pflanzen. Im Rosen-Hang von Josefine Heinze führen Graswege serpentinenartig nach oben. Normalerweise würde man zu Beginn des Weges in ein dunkles Nichts der abschließenden Hecke schauen, nicht so hier! Frisch und hell winkt einem schon von weitem, wie ein kleiner Bug aus der Hecke herausragend, Miscanthus ‘Cabaret’ vor der weißblühenden Staudenclematis recta, entgegen. Im Garten von Aleida Zuch übernimmt die Funktion der Laterne, Miscanthus ‘Ferner Osten’ gleich unmittelbar daneben.

Was meine ich mit “Farbe betonen”? Klar, man sieht die changierenden Rottöne von Zinnia angustifolia Profusion F 1 ‘Apricot’ und ‘Double Deep Salmon’. Der typische steif aufrechte Habitus der Zinnien kommt auch nicht ganz so arg zur Geltung bei diesen etwas niedrigeren kleinblumigen Sorten. Ich finde aber, Pfiff bringt doch erst das lockere Einstreuen einiger Nassella tenuissima ‘Pony Tails’ (Syn. Stipa) in diese Monopflanzung.

Gerd Oellermann hat für den Botanischen Garten Ulm, einen Taglilien-Schaugarten angelegt. Die fröhlichen Farben der Hemerocallis-Sorten hat er nicht nur mit weiteren Blühstauden unterstützt, sondern mit Miscanthus sinensis ‘Variegatus’ auch ein Chinaschilf eingestreut, das mit seiner weißen Panaschierung die Staudenblüten noch mehr zum Leuchten bringt.

Genau umgekehrt verhält es sich mit Miscanthus sinensis ‘Gold Bär’, ebenfalls einem panaschierten Chinaschilf, das mit seiner herbstlich passenden Farbgebung dem Weiß der Herbstanemone schmeichelnd entgegenkommt und es in Weihenstephan noch schöner in Szene setzt.

Einen Kontrapunkt setzen

Besondere Dekorationen im Garten sind rahmenmäßig eine Herausforderung. Es macht schlicht keinen Sinn, sie mit einem bunten Blütenreigen zu umgeben. Hier ist keine Konkurrenz gefragt, sondern schlichte Untermalung, Hintergrundbildung, oder ein unterstützender Rahmen, der das Objekt hervorhebt. Auch hier können Gräser absolut hilfreich sein.

Es gibt allerdings Situationen, da stehen Gräser plötzlich gleichberechtigt neben dem eigentlichen Objekt. Die kleine rostfarbene Vogeltränke auf der verhältnismäßig großen Stein-Stele im Garten Feckl würde an dieser Stelle überhaupt nicht auffallen, wenn die Gärtnerin nicht diese entzückende Szenerie geschaffen hätte. Ja, das Imperata cylindrica var. koenigii ‘Red Baron’ ist sehr auffällig, aber in diesem Fall ist das ein Glück, denn es hat die Mächtigkeit der Stele in auffälliger Farbgebung und spielt aber trotzdem mit dem Rot die Farbe der Tränke wider. Wie eine kleine, teichlinsengrüne Wasseroberfläche schmiegt sich das Sternmoos, Sagina subulata, zwischen das Gras und die Kieselsteine, die die Stele umrunden. Ein wunderschönes Gesamtbild ist so entstanden, in welchem alle Zutaten ebenbürtig miteinander korrespondieren.

Ich bin erneut im Taka-Tuka Land von Aleida Zuch gelandet. Hier gibt es mit Miscanthus gracillimus und Miscanthus sinensis ‘Zebrinus’  zwei Gräser im Hintergrund, davor wächst das pflegeleichte Carex testacea ‘Prairie Fire’, das nicht geschnitten werden muss. Dazu ist es auch noch sehr attraktiv, denn nach dem grünen Austrieb errötet es kontinuierlich im Laufe des Gartenjahres. Und in diesem Gräser-Dreiklang hat die Rost-Silhouette eines Zebras ihre natürlich anmutende Prärie-Heimat gefunden.

Im Schaugarten Picker fand ich die wohl größte Herausforderung zur Präsentation. Die bronzefarbene Maske steht gut vor dem ruhigen Gehölzgrün. Aber was macht man davor? Hohe Stauden verdecken alles, Bodendecker sind langweilig und verdecken nichts – die ideale Lösung ist mit dem relativ zierlich bleibenden Miscanthus ‘Kleine Siberspinne’ gefunden, der jedoch seitlich versetzt gepflanzt ist und die meditative Plastik in keinster Weise beeinträchtigt. Rudbeckia triloba ‘Prärieglow’ darf dann, ganz rechts im Bild, etwas  “Nachmittagssonne” beitragen.

Für die in kleine Rundkiesel verlegten Trittplatten des Weges im Garten von Aleida Zuch bieten sich nicht nur Wildstauden als Wegbegleiter, es ist vor allem Gras, das mit seiner filigranen Präsenz das Mäandern des Weges nicht erstarren lässt, sondern in Leichtigkeit mitspielt. Hier hat Aleida Sporobolus heterolepis, das Tautropfengras, Schizachyrium scoparium ‘Blue Heaven’, ein Präriegras und Calamagrostis brachytricha, das attraktive Diamantgras, verwendet.

Im Garten Ulbrich, in Solingen, spielt sich das Mexikanische Federgras, Nassella tenuissima, hinter einer Bergenie und zwischen Euphorbien am Rande einer Steintreppe, die zu einem Gartentor führt, nach oben.

Im Garten Kneidl, Steinhöring,  bilden Horste von Festuca mairei, dem Atlas-Schwingel, eine harmonische Abgrenzung zwischen Sitzplatz und Rasen.

Für jeden Stil und jede Jahreszeit gerüstet

Da wir inzwischen in unseren Gärten auf eine weltweite Auswahl an attraktiven  Gräsern zugreifen können, sind wir für jede denkbare Situation gewappnet. Genau das sollten wir bei Neuplanungen, oder Änderungen im Garten stets im Blick haben. In Wakehurst, Südengland, ist das gepflanzte Gras eine logische Folge der Pflanzpartner aus der südlichen Hemisphäre, es stammt aus dem gleichen Umfeld. Auf einer naturnahen Wildblumenwiese in Oberbayern würde das gleiche Gras völlig deplaziert wirken.

Weiter oben zeigte ich schon ein kleines Heidegarten-Beet, das mit kleinen Graspolstern durchsetzt, noch einmal nach der Blüte, eine schöne Atmosphäre bildet. Der hier zu sehende Heidegarten von Nymans, Südengland  ist um ein vielfaches größer und auch die Gehölze und Ericaceen sind um einiges mächtiger. Für das riesige Stipa gigantea ist das kein Problem und damit ist es die richtige Wahl.

Im Sheffield Park, Südengland, steht eine exquisite Auswahl an besonderen Gehölzen. Vor allem rund um den See ist es herrlich anzusehen, wenn sich im Herbst die Laubbäume bunt färben und im Wasser spiegeln. Wie störend wäre hier die logische normale Uferbepflanzung mit Schilf?! Es wurde vorausschauend darauf verzichtet, trotzdem gibt es auch hier Gras! Zwischen einer Zeder und einem Rotahorn wurde das exotische Pampasgras gepflanzt, dessen Blütenfahnen sich nun gleichberechtigt mit den Gehölzen im Wasser spiegeln und helle Lichtpunkte setzen.

Der Jahreszyklus eines Grases verhält sich völlig anders, als der eines Gehölzes. Ein Strauch oder Baum ist ganzjährig präsent, legt lediglich an Höhe und Breite zu, im Winter sind die Nadelbäume unsere wichtigsten Strukturpflanzen, die Laubbäume zeigen ihre interessante Wuchsform und die unterschiedlichen Rinden. Im Frühling oder Frühsommer blühen Gehölze und erfreuen uns im Herbst nicht selten mit einer schönen Verfärbung der Blätter.

Die meisten Gräser dagegen ziehen sich im Winter zurück, oder sind wintergrün und brauchen im Frühling erst einmal eine neue “Frisur”. Das bedeutet, ab dem Frühjahr beginnt bei vielen Gräsern ein neuer Vegetationsverlauf und es ist erst einmal nicht viel von ihnen zu sehen. Genau das muss bei der Planung in unseren Beeten berücksichtigt werden. Wenn ich z.B. in einem Beet einen Tuff mit Tulpen habe, so pflanze ich das Gras davor. Solange die Tulpen blühen, ist es noch nicht wirklich vorhanden, aber sobald die Blätter unschön zu welken beginnen, ist das Gras gefragt und wächst dann davor in die Höhe. Umgekehrt sollten vor den Grasinseln interessante Frühblüher stehen, damit man mit dem Blick gar nicht erst nach hinten zur noch unattraktive Graspflanzung gleitet. Diese vielen Planungen und Überlegungen sind jedoch vergessen, sobald der Hochsommer die Gräser erblühen lässt und wenn sie sich dann im Herbst mit den Gehölzen zu einem spektakulären farbigen Schlussakkord vereinen, dann hat man doch alles, wie auf den Fotos vom Staudensichtungsgarten Weihenstephan zu sehen, richtig gemacht.

Malen mit Gräsern

Ja, Ihr habt richtig gehört, ein guter Gartenkünstler, deren es gar nicht so wenige gibt, malt seine Beete. Der Pinsel wird ersetzt durch die Pflanzschaufel und los geht es. Ich glaube, es verhält sich ähnlich unterschiedlich, wie an einer Staffelei. Während ein Künstler spontan anfängt, die Leinwand mit Farbe und Linien zu füllen, wird sich ein anderer ein Konzept überlegen, welche Wirkung das fertige Bild haben sollte.

Im Garten ist es auch so, schwupps, ist mit etwas Glück ein schönes “Beet-Bild” entstanden. Ein anderer Gärtner zeichnet erst einen Plan und fängt behutsam an und ändert auch später das Bild, wenn nötig. Egal, es zählt am Ende nur die Wirkung.

Es kann mit verschiedenen Gräsern perfekt gemalt werden, sie bringen die Leichtigkeit eines Aquarells in ein opulentes Ölbild, oder zeichnen perfekt Linien nach. In Hester Castle scheint das Gras einfach nur den wunderbar gezeichneten Baumstamm zu hofieren und seine schlichte Schönheit zu betonen.

Sesleria autumnalis, Calamagrostis brachytricha, Miscanthus sinensis ‘Kaskade’ und Sporobolus heterolepis sind die Zutaten des Gräserweges im bäuerlichen Garten Pecoraro-Schneider. Die Gräser umschmeicheln dabei charmant die Skulpturen von Reinhard Schneider.

Verschieden hohe Miscanthus-Horste, leicht versetzt gepflanzt, versetzen uns dagegen gedanklich an ein Meeresufer. Die weiße Gischt der Blüten-Wellen scheint auf uns zuzurollen. Wellenreiter finden dieses Bild übrigens auch in Weihenstephan.

Wer ein besonders ausgeprägtes Gespür für Farben und Formen hat, wie Gertrud Lothwesen, der kann den ganzen Garten mit Pflanzen “bemalen”. Hier ist es der große Vorgarten von Gertrud, der einem nicht zuletzt mit der Verwendung des Grases Imperata cylindrica var. koenigii ‘Red Baron’ sofort ins Auge sticht.

Pennisetum aolpecuroides var. viridescens ist tatsächlich ein so ausgefallenes Gras, dass es seine eigenen Pinsel gleich mitbringt. Die späte Nachmittagssonne streichelt die braunrosa schimmernden Blütenähren, um sich dann wie ein Weichzeichner dahinter im Rotahorn aufzubäumen.

Meinen persönlichen Künstlerpreis bekommt in diesem heutigen Gräserbeitrag jedoch Karina Waltzer, die Head Gardenerin des Berglegartens in Freiburg. In diesem Bildausschnitt sieht man zwischen den spätsommerlichen Stauden, aufrecht wachsende Miscanthus ‘Adagio’ und die ‘Kleine Silberspinne’. Mit dem im Beet verteilten Nassella tenuissima entsteht nicht nur ein wolkiger Effekt, es unterstützt auch die mäandernde Wirkung des schlichten Kiesweges. Der Garten von Karina ist einer der poetischsten und malerischsten, die ich kenne und ich wünsche mir sehr, sie bald besuchen zu können, um mehr vom Berglegarten in Wurzerlsgarten zeigen zu können.

Euch hat ein Gartenbild besonders gefallen und Ihr wollt einen oder mehrere der Gärten besser kennenlernen? Das könnt Ihr natürlich bei Wurzerl auf Reisen!

Unter deutsche Gärten und Gärtnereien findet Ihr:

Erlebnis-Schaugarten und -Gärtnerei Picker

Himmel und Erde – im Garten Pristin

Aleida Zuch im Taka-Tuka-Land

Dem Rosenhimmel so nah – Garten Heinze

Kunst im Garten Pecoraro-Schneider

Fehngarten Koska & Ko(i)

Künstlergarten Lothwesen

Weihenstephan Teil 1 September 2020

Weihenstephan Teil 2 Oktober 2020

In der Sparte “Britische Gärten” sind folgende hier erwähnte Gärten zu finden:

Wakehurst/Kew

Sheffield Park und Garden

Nymans Garden

Weitere britische und deutsche Gärten sind in Planung.

Ich wünsche Euch Ruhe und Beschaulichkeit und immer eine Tasse feinen Kaffee oder Tee egal, ob Ihr real durch einen Garten streift, oder einen virtuellen Besuch auf Wurzerlsgarten (auf Reisen) macht.

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11 Kommentare

  • Angelika Griesser-Seemann sagt:

    Ein wunderbarer Bericht über Gräser und deren Wirkung in der Bepflanzung! Auch ich habe einige davon in meinem Garten… Leider knickt mir Försters Rutenhirse sehr oft ab. Was mach ich falsch?
    Lieben Dank für die ausführliche Beschreibung. Immer wieder schön…

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Angelika, das ist schade, denn das Foerster-Gras lebt eigentlich von seiner aufrecht straffen “Gliederungs”-Wirkung. Ich selbst habe das in meinem Garten nie erlebt. Aaaaaber, Rutenhirse in dieser straffen Halmform ist natürlich nicht sooo geschmeidig, wie z.B. ein japanisches Waldgras, das ja fast wie ein windschlüpfriger Porsche dagegen wirkt. Also ich habe bei so schmalen Halmen schon immer niedrige Stauden rundum, oder zumindest einen hohen Windbrecher seitlich und dahinter. Wenn es bei Dir in einer windexponierten Lage ist, dann überlege mal einfach, wie Du das etwas abmildern kannst. LG Wurzerl

  • Ulrike Koska sagt:

    Wunderschöner Bericht liebe Renate 😍

  • Susanna sagt:

    Ja, liebe Renate, Gräser sind so unglaublich vielseitig! Leider habe ich nicht für so viele Platz, wie ich gern hätte und mit denen, die sich versamen, muss man schon vorsichtig sein und gut überlegen, ob und wo man sie einsetzt. Spannend finde ich auch die reinen Gräserpflanzungen – aber nur zum Ansehen, auf Stauden könnte ich nie und nimmer verzichten!
    Liebe Grüße
    Susanna

    • Das Wurzerl sagt:

      Liebe Susanna, mir geht es genauso, auf meinen 180 qm kann ich schlicht keine Monokultur betreiben. Das Stauden-Reich ist soooo riesengroß und bunt, da möchte ich mich nicht auf die Staudengruppe der Gräser beschränken. Aber für die verschiedensten Situationen sind sie immer eine zusätzliche Option. LG Wurzerl

  • Stengel Renate sagt:

    Hallo liebe Renate,
    Wieder ein ganz toller, interessanter Beitrag über Gräser.
    Es erstaunt immer wieder, wie genau du hinschaust und die Situation beschreibst. Ich habe wieder viel dazugelernt. Auch mal einen Topf mit einem Waldgras zu den Hostas zu stellen, werd ich gleich umsetzen.
    Was kennst Du bloß für schöne Gärten und beschreibst sie in Wort und Bild. Du kannst dich hineinversetzen und uns mitnehmen und hinterfragst die Situation, warum die Besitzer das so oder so gemacht haben.
    Vielen Dank dafür, mach weiter so.
    LG Renate

    • Das Wurzerl sagt:

      Lieben Dank Renate, die Gärten kommen immer wieder auf mich zu, manchmal ist es auch umgekehrt. Aber jeder einzelne neue Garten ist ein Gewinn, den ich gerne mit den Freunden von Wurzerlsgarten teile. Schönen Abend für Dich. LG Renate

  • Das ist wirklich sehr anregend …ich mag ja auch Gräser zum Malen von Beeten …wunderschöne Beispiele von der Wirkung in Pflanzungen…Danke Renate für die wunderschönen Bilder und Erläuterungen dazu …Liebe Grüße Karin

    • Das Wurzerl sagt:

      Nun, bei Deinen Natur- und Gartenbildern tauchen ja auch immer wieder Gräser auf liebe Karin. Ich glaube, Du schätzt sie auch sehr. Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende. LG Wurzerl

  • Ich habe nur wenige Gräser im Garten, weil sie bei mir Schatten vertragen müssen. Ein Neuzugang ist das Japan-Waldgras, da bin ich gespannt, wie es sich entwickeln wird.
    VG
    Elke